Lost in a Roman
wilderness of pain
and all the children are insane - by Jim Morrison / DOORS
oder
„Auf dem Küchenfußboden sterben um sieben Uhr früh, wenn andre Menschen Spiegeleier braten, ist nicht so schlimm, außer es passiert dir selbst.“ - by Charles Bukowski
Tagebuch Januar 2009
Sonntag, 04.01.2009
WISH YOU
A HAPPY NEW YEAR
AND PEACE AND LOVE
AND FREEDOM AND LOVE
AND MUSIC AND LOVE
AND FRIENDS AND LOVE
AND KISSES AND LOVE
I am the Lizard King
I can do anything.
We came down
The rivers & highways
We came down from
Forests & falls
We came down from
Carson & Springfield
We came down from
Phoenix enthralled
& I can tell you
The names of the Kingdom
I can tell you
The things that you know
Listening for a fistful of silence
Climbing valleys into the shade.
For seven years I dwelt
In the loose palace of exile,
Playing strange games
With the girls of the island
Now I have come again
To the land of the fair, & the strong, & the wise.
Brothers & sisters of the pale forest
O children of Night
Who among you will run with the hunt ?
Now Night arrives with her purple legion.
Retire now to your tents & to your dreams.
Tomorrow we enter the town of my birth.
I want to be ready.
- bay. Jim Morrison / DOORS
Nun sind wir also schon drin.
Sind wir wirklich schon drin? Oder gaukelt es uns die selbst geschaffene
Zeit nur vor?
Im Jahr 2009?!
Nun, Sylvester habe ich mir dieses Mal auch ganz anders vorgestellt.
In Aschaffenburg. Im Colos-Saal. Mit Helga, Freunden, HOT STUFF
und ABBA EXPLOSION.
Aber nein, es kam ganz anders.
Am 26.12.2008, am zweiten Weihnachtsfeiertag, beim Gig von AB CD
in der Schanz in Mühlheim bei Offenbach, konnte ich es mal
wieder nicht lassen. Ich spreche von meiner Hilfsbereitschaft.
Ich hatte dem Drummer beim Ausladen seines Wagens geholfen. Schlagzeug
teile auf die Bühne zu schleppen. So ist es halt passiert.
Irgendwie muss ich mich wohl verhoben oder mir zu viel zugemutet
haben. Auf jeden Fall hat sich die frische Operation wieder bei
mir zu erkennen gegeben. Wie? Ganz einfach durch Blut im Urin.
Am Anfang hatte ich dem ganzen gar nicht so große Bedeutung
zugemessen. Denn die Ärzte hatten mir gesagt, dass sich immer
mal wieder etwas Blut zeigen kann.
Auch mein Prof, den ich am Montag, 29.12. noch aufgesucht hatte,
gab mir ebenfalls die Bestätigung. Aber es wurde nicht besser.
Am 31.12. war es dann schon schlimmer geworden. Es blutete sehr
stark und es kamen geronnene Blut fetzen. Ab Mittag war es dann
unerträglich.
Zu diesem Zeitpunkt erwog ich dann auch, nicht mit Helga nach Aschaffenburg
zu fahren. Irgendwie war es mir nicht ganz geheuer.
Von Minute zu Minute wurde es schlimmer, bis irgendwann gar nichts
mehr ging. Die Blase war dicht. Es kam nichts mehr. Und der Druck
wurde stärker und stärker. Die Schmerzen immer unerträglicher.
Irgendwas musste den Blasen Ausgang verstopft haben. Die schmerzlichen
Wellen kamen im Minuten Takt. Und ich konnte kein Wasser lassen.
Krämpfe. . .
Es blieb uns nichts mehr anderes übrig, und Helga orderte
über die 112 einen Krankenwagen. Blasen Verschluss!
Mit Blaulicht und Martinshorn ging es Richtung Frankfurt in die
Uni Klinik. Ich im Bademantel, ohne Slip und Hose. Nur einen Eimer
zwischen den Beinen, um die vereinzelten Blutstropfen aufzufangen.
Es war eine Fahrt ohne Ende, obwohl der Fahrer ein Höllentempo
fuhr. Zu erkennen an den am Fenster vorbei fliegenden Silhouetten
der Baumkronen und etwas höheren Gebäude.
In der Notaufnahme der Uni Klinik wurde ich von zwei Pflegern in
Empfang genommen und in einen Raum mit zwei Betten gebracht.
Nach einer Ewigkeit, wie es mir schien, kam endlich der diensthabende
Arzt. Zu fällig war es einer von der Station, wo ich nach meiner
OP lag, und den ich auch kannte.
Helga war die ganze Zeit anwesend und mir eine riesige seelische
Hilfe.
Ich übergab mich mehrfach in eine Nierenschale, die mir Helga
unter den Mund hielt. Danach ging es mir etwas besser. Aber ich
schwitzte vor Schmerzen. Kalter Schweiß überzog meinen
Körper.
Dr. V. stellte die Diagnose durch ein Ultraschall Gerät. Das
Blut hatte sich verklumpt und einen Tennisball großen Kloß
gebildet, der den Blasenausgang versperrte.
Er legte einen Katheder und spritzte unter Druck mit einer großen
Spritze Wasser in die Blase, bis sich der Klumpen in seine Einzelteile
zerlegte und abgesaugt werden konnte. Mit dem eingespritzten Wasser
war es dann um oder über zwei Liter, die aus der Base kamen.
So kam ich dann wieder auf Station, nachdem die Blase mit Antibiotika
ausgespült wurde.
Es war aber nicht mehr die A6 wie vor Weihnachten, sondern die A8.
Wegen Total Renovierung des Gebäudes, musste deinige der unteren
Etagen geräumt werden.
Man legte mich in ein Vier bett Zimmer, das mit zwei älteren
Herren belegt war. Der eine von beiden hatte einen Nachnamen, der
mir aus meinem Wohnort bekannt war. Als ich ihn deswegen ansprach,
sagte er mir, dass er den Bekannten von mir kennen würde. Er
gehörte zu seiner Verwandtschaft.
Herr K. war schon alt und hatte einige schwere Krankheiten hinter
sich. Unter anderem am Herzen. Auch der Menschheitsfeind Krebs war
ihm persönlich bekannt.
Das Sylvester Feuerwerk in Frankfurt am Main schaute ich mir vom
Fenster aus der 8. Etage der Uni Klinik an. Mit einer Tasse Kaffee.
Wie immer hatte ich Schwierigkeiten zu schlafen. Zum Einen lag
es daran, das ich in Krankenhäusern allgemein noch nie gut
schlafen konnte, zum Anderen daran, dass mein Bettnachbar, der Herr
K. sehr unruhig war. Er stöhnte und sprach mit sich selbst.
Knipste das Licht über seinem Bett an und aus. Irgendwann war
ich dann doch eingeschlafen.
Am nächsten Morgen, den 01. Januar 2009 gab es im Zimmer das
sich täglich wiederholende Ritual des Blutdruck-, des Fiebermessens
und so weiter.
Ich nickte noch mal kurz ein, weil der Doc sich zur Visite angekündigt
hatte.
Ich unterhielt mich noch etwas mit Herrn K. neben mir, der ziemlich
ruhig war. Keine Ahnung, ob er in der Nacht noch ein Medikament
erhalten hatte. Der Nachtdienst war ja mehrfach bei ihm gewesen,
weil er sie des Öfteren angeklingelt hatte.
Ich drehte mich kurz auf die andere Bettseite, um mir einen Bonbon
aus dem Nachtschränkchen zu nehmen.
Von meinem Nachbarn hörte ich ein "Scheiße, wenn
man sich nicht bewegen kann".
Ich drehte mich wieder zu ihm um und Herr K. schien eingeschlafen
zu sein. Aber ein komisches und undefinierbares Gefühl brachte
mich da zu, mich aufzurichten und ihn mir intensiver anzusehen.
Was mir auffiel war seine Nasenspitze. Sie war unheimlich spitz
und farblos. Sein Mund stand leicht offen, die Augen waren geschlossen.
Irgendwas stimmt da nicht, dachte ich noch so bei mir, als auch
schon der Arzt das Zimmer betrat. Er schaute kurz auf den Nachbarn,
trat raschen Schrittes an sein Bett und fühlte den Puls am
Hals von Herrn K.
Blitzschnell drehte sich der Arzt um, rannte aus dem Zimmer, um
innerhalb von Sekunden mit einem ganzen Pulk von Ärzten und
Pflegepersonal zurückzukehren.
Herr K. war gestorben. Einfach so. War gegangen; wohin auch immer.
The gate is straight
Deep and wide
Break on through to the other side
Break on through to the other side
Das Tor ist nah
- tief und weit
Brich durch zur anderen Seite
Brich durch zur anderen Seite
- by Jim Morrison / DOORS
Ich hatte immer eine tierische Angst vor dem Sterben. Vor dem Endgültigen.
Dem ewigen Ab marsch...
Aber in diesem Moment hatte etwas anderes von mir Besitz ergriffen.
EHRFURCHT. Ehrfurcht vor dem Tod, der eigentlich gar nicht so erschreckend
ist. Mir fiel ein Satz von Jim Morrison ein, den er in einem Song
beim berühmten Gig im Hollywood Bowl von Los Angeles im Sommer
1968 gesagt hatte "Hey, Mr. Lightman, turn out the lights!"
Auch wenn er damals bestimmt nicht den Tod von Herrn K. gemeint
hatte, so hatte er doch präzise den Kern des Geschehens getroffen,
der mir die Angst nahm. "Hey, Mr. Lichttechniker, knips die
Lampen aus!"
Meine Onkologin Frau Dr. G. hatte mir mal gesagt, dass die meisten
Menschen beim Sterben einfach nicht loslassen wollen / können.
Und Herr K. hatte genau an diesem Morgen des 01. Januar 2009 gegen
07:30 Uhr das Gegenteil getan. Er hat losgelassen, er WAR gegangen.
Wie ein Indianer, der die ewigen Jagt gründe vor seinem inneren
Auge kommen sieht. Der auf einen Hügel steigt oder an einen
Platz, wo er mit sich allein ist. Er verabschiedet sich vom Leben,
von der Natur, vom Mond, von der Sonne. Und geht.
Und wenn es sein muss wie Herr K. mit den Worten "Scheiße,
wenn man sich nicht bewegen kann".
Ich glaube, dass ich irgendwann auch loslassen kann und werde.
An dieser Stelle ist es angebracht, auch ein Wort des Dankes an
meine Frau zu richten. D A N K E ! ! !
Dienstag, 06.01.2009
Gedanken zu JLK, meinem angeblichen Freund aus Hamburg.
Ich glaube nicht dass er wirklich weiß, was Freundschaft eigentlich
ist. Da für ist er zu sehr auf seine "Krankheit"
fixiert und schiebt diese dann immer bei jeder Gelegenheit als Schutz
Schild vor sich her. Zumindest ist das nicht nur MEINE Meinung.
Freundschaft ist ein heiliger und wertvoller Besitz, den man hüten
und pflegen muss und auch sollte. Aber J. B. geht da den einfachen
und für ihn Beschwerde freien Weg.
Ich habe sehr viel in diese Freundschaft investiert. Habe mir mehrfach
seine plötzlichen Gemüts Schwankungen gefallen lassen,
die meistens für mich nicht nachzuvollziehen waren und sind.
Z.B. das unüberlegte Löschen aller seiner Internet Seiten.
Das er sich bei den Menschen nicht mehr meldet, die ein wirkliches
Interesse an seiner Person haben und auch hatten. Er zieht einfach
seinen "egoistischen Weg" durch. Kümmert sich nicht
darum, ob es andere schmerzt, die zu ihm stehen und seine Freunde
sind.
Er sollte endlich einmal lernen, dass er nicht der Einzige auf diesem
Planeten Erde ist, der mit unangenehmen Dingen behaftet ist. Er
sollte vielleicht auch mal an andere denken, deren Freundschaft
er ebenfalls mit Füßen tritt. Anna, Sabine, Iris etc.
Auch war es unerklärlich für Helga und mich, wie sich
seine Lebensgefährtin N. auf der Frankfurter Buchmesse verhalten
hat, als sie uns am Stand von Annas Buchverlag begegnete. Helga
beschrieb es so: sie stand plötzlich vor mir, als wäre
sie gegen eine Wand gelaufen, als hätte sie eine Begegnung
mit der dritten Art gehabt.
Liebe N.: wir sind NICHT schuld am Leiden von J.
Aber auch sie wird ihre Gründe gehabt haben; auch wenn sie
für uns nicht nachvollziehbar sind...
Da diese Angelegenheit schon länger auf meiner Seele gebrannt
hat, habe ich sie heute raus gelassen. Aber eins noch zu diesem
Thema am Schluss:
meine Tür zu seiner Freundschaft ist NICHT geschlossen, aber
es liegt ab heute an ihm allein, wie er da mit umgeht. Ich bin nicht
auf diese Welt gekommen, um anderen immer und immer wieder hinterherzurennen
und ihnen die Hand zu reichen. Andere haben da auch ihre Rolle auf
der Bühne des Lebens.
Ach ja, Küsschen an Martina nach SB, an Isa nach Nordhessen
und an Gisi aus Nordrhein-Westfalen. Danke das ihr da seit...
Warm von der Sonne geründet ist dein Leib, und vom Sommer
gewährt wie die Ähre.
Wohl habe ich ein Bett geziert für deinen Leib, aber wo finde
ich ein Bett reich genug für dein Herz?
Die Blumen bestaunen dich und sterben für dich und machen anderen
Platz, die dich sehen wollen.
Meine Zunge wird heiß und beredt für dich wie der eiserne
Hammer der Glocke.
Zungenkuss!
(Quelle: Nicht von mir, sondern heute erhalten)
Donnerstag, 08.01.2009
Ich freue mich immer wieder, wenn ich Leute kennenlerne, die etwas
Besonderes sind. Vor allem Leute, die mit Worten spielen können,
gut und schön schreiben können. Leute, die fotografieren
können, die musizieren können oder eine sonstige künstlerische
Ader haben. Es gibt einfach zu viele Menschen, die ihr Leben vergeuden,
an sich vorüber ziehen lassen. Nichts tun, um wenigstens für
sich selbst ein positives Zeichen zu setzen. Und dann gibt es da
noch die große Schar der "wir sind die Größten".
Was mich aber immer wieder sehr berührt sind die Menschen,
die ein wirkliches Interesse daran haben, mich einfach kennenzulernen.
Herauszufinden wer und was ich wirklich bin.
Ich hasse die Oberflächlichkeit von Menschen, die sich das
Recht herausnehmen, die Besten zu sein. Menschen die es abstreiten,
dass auch ihnen Fehler unterlaufen können.
Ich bin wahrlich nicht der Messias, aber ich nehme mir die Freiheit
zu sagen, dass ich mir die Mühe mache, aus und an meinen Fehlern
zu arbeiten.
Danke den Menschen, die die letzte Zeit in mein Leben getreten
sind und mir eine wahre Bereicherung sind. Danke Doreen. Ein ganz
besonderer Dank Gisi. Danke an einige aus der Uni Klinik Frankfurt
a. M.
Und Dank auch im Besonderen an Biggi.
Tagebuch Februar 2009
Montag, 23.02.2009
Aus dem ägyptisches Totenbuch
...Nicht hab ich bewirkt das Leiden der Menschen,
Noch meinen Verwandten Zwang und Gewalt angetan.
Nicht habe ich das Unrecht an die Stelle des Rechtes gesetzt,
Noch Verkehrs gepflegt mit dem Bösen. ...
Aus dem ägyptisches Totenbuch . Negatives Sündenbekenntnis
I, aus: Kapitel 124.
Wenn der Verstorbene dieses Kapitel kennt, wird er in der Unterwelt
zu einem geheiligten Geiste werden; er wird dort nicht zum zweiten
Male sterben; zu Osiris Füßen sitzend wird er dort
seine Nahrung empfangen...
aus: Kapitel 135
"O Amon, Amon! Vom Himmelsgewölbe
Schaust du zur Erde herab.
Wende dein strahlendes Antlitz zur starren, leblosen Hülle
Deines Sohnes, des vielgeliebten!
Mache ihn kräftig und siegesbewusst
In den Unteren Welten!"
Rubrik, Kapitel 162
(Quelle: www.wikipedia.org)
Und wieder ging einer, auf den das ebenfalls zutreffen könnte.
Er wurde nicht gefragt, ob er mit 56 Jahren schon gehen wollte,
denn seine Krankheit lies keine Fragen zu. Die Krankheit mit dem
Namen Krebs.
Dieter war Musiker. Ihn lernte ich als Bassisten der Gruppe LIGHT
MY FIRE aus Schweinfurt / Würzburg kennen. Dieter starb am
Donnerstag, 19.02.2009 um ca. 20:00 Uhr.
Er starb an der Krankheit, die seit Ende 1997 mein ständiger
Begleiter ist. Er starb an der Krankheit, die seit jenen Tagen
wie ein dunkler Schatten über mir daher schwebt. Mich daran
erinnert, wie schnell das hier alles vorbei sein kann. Die Krankheit,
die einem den Tod vorstellt mit den Worten "er wird immer
bei dir sein. Fühlbar und unsichtbar. Aber du wirst ihn immer
bemerken".
Auch in meinem Kopf hat er sich in den letzten zwei Wochen wieder
in Erinnerung gebracht. Was war geschehen?
Vor ca. zwei Wochen stand wieder eine Nachsorge an. In der Universitätsklinik
Frankfurt a.M. wurde ein CT meiner Leber angefertigt. Von meiner
Onkologin wurde mir dann mitgeteilt, dass der Prof. ein MRT haben
möchte, da ein paar kleine Punkte zu erkennen waren, die
aber eine genauere Analyse der CT Bilder nicht zuließen.
Das MRT wurde dann am Donnerstag, 19.02.2009 angefertigt. Meine
Onkologin, die ich danach im selben Gebäude aufsuchte, drückte
mir dann zwei beschriebene Bogen Papier in die Hände und
meinte dabei "es ist alles in Ordnung".
Mir fiel eine Last von den Schultern, denn diese Ungewissheit,
dieses Warten kriecht in meinen Körper und setzt sich darin
fest. Es sind die Tage, die einem die Angst sehr nah bringen.
Die Angst vor einem erneuten Ausbruch der Krankheit. Die Angst
vor neuem Krebs.
Ich war so erleichtert, dass ich ihr ganz spontan einen Kuss
gab. Mir war es in diesem Moment gleichgültig, was die beiden
anwesenden Personen dachten. Eine Praktikantin und eine der Helferinnen
meiner Onkologin. Das ist jedesmal wie in Glücksstrom, der
mir in diesem Augenblick durch das Gehirn schießt. Mir die
Angst von den Schultern nimmt.
Mit diesem Gefühl fuhr ich nach Hause, begleitet von geiler
Musik, die der Sender Radio Pop aus dem Autoradio fließen
ließ.
Am Freitagmorgen dann ein erneuter Anruf von Frau Dr. G. bei mir
zu Hause. Da die "Punkte" oder kleinen Schatten noch
immer keine genaue Diagnose zuließen, sollte eine erneute
Untersuchung endlich Klarheit bringen. Die Worte flogen mir in
Form eines Basballschlägers direkt vor die Stirn. Wumm!
Nun soll ein kleiner Schnitt in meiner Leistengegend den Zugang
für eine Kanüle bilden, die auf diesem Weg direkt in
meine Leber geführt werden soll. Einfließendes Kontrastmittel
soll dann bei farblicher Abbildung der "Punkte" Krebszellen
bestätigen oder nicht, wenn die Verfärbung ausbleibt.
So habe ich es zumindest als medizinischer Laie verstanden.
Summa summarum:
wieder Gedanken, wieder Ängste, wieder Unruhe. Hört
das denn nie auf?
Tagebuch März 2009
Mittwoch, 04.03.2009
Heute hatte ich meinen kleinen operativen Eingriff.
Leider ist noch immer nichts bei dieser Untersuchung heraus gekommen.
Nach einer Lokalanästhesie in der linken Leiste, wurde ein
ca. 10 cm langer Katheder direkt in eine größere Vene
eingeführt. In diesen Katheter schob man dann einen kleineren,
der bis in die Leber ging. Es wurde ein spezielles Kontrastmittel
direkt in das Organ gespritzt.
Wenn sich morgen bei der Computertomographie Kontrastmittel in
den eventuellen befallenen Zellen nachweisen lässt, kann
man davon ausgehen, dass der Krebs wieder zurückgekehrt ist.
Dieses CT soll nun morgen früh um 08:00 Uhr eingeleitet werden,
und dann endgültigen Aufschluss geben.
Mir geht der Hintern auf Grundeis und eine brutale Angst kriecht
durch mein Gehirn und erinnert mich in jeder Zelle meines Körpers
an diese Krankheit, die so unbeschreiblich zerstörerisch
von mir Besitz ergreifen kann.
Zweimal habe ich dieser Menschheitsgeisel getrotzt, mich ihr entgegen
gestemmt. Meine Kraft damit verbraucht, nicht an das Endgültige
zu denken. Mich damit zu beschäftigen.
Und es hat fast auf den Tag genau 11 Jahre lang gehalten. Bis
dato war ich von einer Glücksfee umgeben, die nur einmal
meinen Umkreis verlassen hatte, als ich 2002 meinen Darmkrebs
bekam. Doch die Fee kehrte wieder zurück und begleitete mich
bis zum heutigen Tag. Ob sie wohl morgen auch noch bei mir ist?
Momentan habe ich einfach nur Angst, dass die morgige Diagnose
nicht gut sein könnte.
Ich habe Angst davor, dass das Ergebnis Krebs lautet.
Das sind die Momente wo man seine Grenzen als Mensch erkennen
muss. Wo man als Individuum so klein wird, das man in einer Erbse
Platz findet.
Nicht umsonst hatte Fassbinder einen seiner Filme „Angst
essen Seele auf“ genannt. Wie wahr, wie wahr.
Zweimal habe ich dieser Menschheitsgeisel getrotzt, mich ihr entgegen
gestemmt. Meine Kraft damit verbraucht, nicht an das Endgültige
zu denken oder auch nur damit zu beschäftigen.
Nicht umsonst hatte Fassbinder einen seiner Filme „Angst
essen Seele auf“ genannt. Wie wahr, wie wahr.
Donnerstag, 05.03.2009
Die Zeichen stehen auf Sturm, denn wie die heutige Auswertung
der Bilder von der gestrigen Untersuchung ergab, hat ich wieder
ein kleiner (?) Tumor in der Leber gebildet.
Eine winzige Chance, das es kein Krebs ist, liegt darin, was die
Gewebe probe ergibt, die am kommenden Freitag, 13.03.2009 durch
eine Punktion der betroffenen Stelle ergibt. Sie wird während
einem erneuten CT durchgeführt.
Als mir der Prof. heute Morgen die Mitteilung gab, dass es sich
um ein erneutes Rezidiv eines Karzinoms handel könnte, brach
für eine halb Stunde mein Glauben an das Positive in sich
zusammen wie ein Papier haus, das der Sturm mit sich davonträgt.
Doch als ich dann mit meiner Onkologin sprach, kehrte eigentlich
sehr schnell der Wille zurück, diesen Kampf gegen die Krankheit
erneut aufzunehmen. Und ich bin es eigentlich gewohnt, meine Stärke
zu mobilisieren.
Es handelt sich wahrscheinlich um den weissen
Fleck, den ich grün umrandet habe.
Ja, es ist der helle Fleck im grünen "Kreisgebilde".
Donnerstag, 12.03.2009
Warum lass ich nix von mir hören?
Muss morgen am Freitag den 13. in die Uniklinik.
Sie haben wieder einen Tumor in meiner Leber gefunden. Habe morgen
CT mit Punktion der betroffenen Stelle und Gewebeprobe.
Aber ich bin eine "Kampfsau" und bin erst tot, wenn
ich nicht mehr schnaufe.
Doch auch dann bin ich nicht tot, schlafe auch nicht, sondern
bin nur vom Traum des Lebens erwacht.
Kiss you all,
Gerry
Freitag, 20.03.2009, 01:15 Uhr
Am Mittwochmorgen kam der Anruf meiner Onkologin aus der Uniklinik,
den ich schon mit Angst, einer gewissen Sehnsucht und Angespanntheit
erwartet hatte. Das Ergebnis meiner Gewebeprobe.
Der Anruf ungefähr in diesem Wortlaut; ich war zu aufgeregt.
Denn immerhin ging es mal wieder um die Frage, ob sich die tödliche
Krankheit wieder n meinem Körper, präziser formuliert,
in meiner Restleber eingenistet hatte.
Doc: "Hallo Gernot, hier ist C."
Ich: "Ich weiß."
Doc: "Wir haben das Ergebnis deiner Untersuchung."
Ich: "Ja ich weiß, es sieht nicht so gut aus."
Doc: "Es ist alles in Ordnung."
Es ist alles in Ordnung. So schlicht und einfach. Fünf Worte,
eigentlich ohne große Bedeutung. Ohne Bedeutung?
ES IST ALLES IN ORDNUNG... Aber das bedeutete ja...
Doc: "Ich war immer der Meinung, dass es kein Rezidiv ist..."
Aber der Professor hatte angedeutet, dass es zu 99% ein Rezidiv
meines HCC sei. Auch der Arzt, der die Punktion durchgeführt
und die Gewebeprobe entnommen hatte, war so zu verstehen, obwohl
er eigentlich gar nichts gesagt hatte.
Erst langsam dämmerte es mir, was meine Onkologin gesagt
hatte. ES IST ALLES IN ORDNUNG.
Das bedeutete ja, dass ich keinen erneuten Krebs hatte. Das bedeutete
auch, dass ich keine erneute Chemotherapie über mich ergehen
lassen musste und auch sollte. Das bedeutete… ich konnte
es gar nicht richtig begreifen.
Dass mir die Tränen kamen, müsste ich an dieser Stelle
nicht erwähnen, aber ich schäme mich ihrer nicht. Warum
sollte ich sie dann unerwähnt unter den Teppich schieben?
Dass dieser Tag ein ganz besonderer war, ist auch nicht erwähnenswert.
Helgas Reaktion am Telefon, als ich später mit ihr sprach
war, dass sie mich fragte was heute für ein Tag sei.
„Mittwoch“, antwortete ich beiläufig.
„Ja, aber heute ist auch dein Geburtstag.“
Ich stand auf dem Schlauch.
"Heute vor elf Jahren, am 18. März 1998, wurdest du
von Professor Dr. Lorenz von deinem ersten Leberkrebstumor befreit.“
V o r e l f J a h r e n ?“
„Ja, heute ist dein Geburtstag.“
Oh Baby, wie ich dich liebe…
05:48 Uhr
Habe gerade in der Foto Community ein paar Photos vom Kelsterbacher
Wald gefunden, wo sie jetzt die neue Startbahn für den Airport
Frankfurt bauen.
Gegen die Startbahn West war ich selbst aktiv in der Protestbewegung
und lebte auch eine längere Zeit im damaligen Hüttendorf.
A ber was hat's gebracht?
So lange die Deutschen nicht wie z.Z.. in Frankreich mit weit
über drei Millionen Menschen auf die Strasse gehen und sich
für ihre Rechte, Wünsche, Vorstellungen einsetzen und
bemerkbar machen, wird es hier in unserem Land keine Veränderungen
geben.
Daran hat die RAF nichts geändert, die DKP nicht und die
jetzigen Linken und Grünen gleich gar nicht.
Gerade die Grünen. die haben inzwischen auch die Kohle entdeckt,
wie angenehm ein Kaschmir Pulli oder Armani Anzug zu tragen ist
und wie bequem es sich in einem E-Klasse Mercedes chauffieren
lässt. Dreckspack. Sorry, wenn jemand von euch mit ihnen
sympatisierst, aber die Zeiten sind bei mir schon lange Vergangenheit.
Doch zurück zu dem was ich eigentlich sagen wollte.
Die Macht geht NUR und EINSCHLIESSLICH vom Volk aus. Als kleines
Beispil sei hier die ehemalig DDR genannt.
Nur mit einer geballten Power an Individuen hat man die Kraft
sich bemerkbar zu machen. Nicht mit 10, 50, 100, 1000. Nein, mit
Millionen!
Dann und erst wirklich VIELLEICHT dann, fangen die Ärsche
der Regierenden und der Oberschicht zu vibrieren an.
Jedoch nichts für ungut.
Tagebuch April 2009
Samstag, 04.04.2009
THE PUSHER
- by Steppenwolf
- Words and music by Hoyt Axton
You know I've smoked a lot of grass
O' Lord, I've popped a lot of pills
But I never touched nothin'
That my spirit could kill
You know, I've seen a lot of people walkin' 'round
With tombstones in their eyes
But the pusher don't care
Ah, if you live or if you die
God damn, The Pusher
God damn, I say The Pusher
I said God damn, God damn The Pusher man
You know the dealer, the dealer is a man
With the love grass in his hand
Oh but the pusher is a monster
Good God, he's not a natural man
The dealer for a nickel
Lord, will sell you lots of sweet dreams
Ah, but the pusher ruin your body
Lord, he'll leave your, he'll leave your mind to scream
God damn, The Pusher
God damn, God damn the Pusher
I said God damn, God, God damn The Pusher man
Well, now if I were the president of this land
You know, I'd declare total war on The Pusher man
I'd cut him if he stands, and I'd shoot him if he'd run
Yes I'd kill him with my Bible and my razor and my gun
God damn The Pusher
Gad damn The Pusher
I said God damn, God damn The Pusher man
God damn, I say The Pusher
I said God damn, God damn The Pusher man
EASY RIDER
mit Peter Fonda, Dennis Hooper, Jack Nicholson
Easy Rider ist ein US-amerikanischer Film aus dem Jahr 1969,
der als Kultfilm und Road Movie das Lebensgefühl der 1960er Jahre beschreibt.
Im Frühjahr 1969 war Easy Rider der offizielle Beitrag
der Vereinigten Staaten zum Filmfestival von Cannes.
Erstaufführung in Deutschland war im Dezember 1969.
***** *** *****
Wenn ich so auf meine ganze Krankheitsgeschichte zurückblicke,
dann spiegelt dieser Kultfilm aus dem Jahr 1969 am Besten wieder,
was ich im Laufe der 70' meinem Körper angetan und zugemutet
habe. Aber es bringt mir heute nach 40 Jahren auch nichts, wenn
ich darüber nachdenke und mir ein schlechtes Gefühl
einrede. Es ist passiert und es ist geschehen. Abhaken!!!
Heute werde ich die Musikmesse in Frankfurt a. M. besuchen und
versuchen, ein paar Schnappschüsse zu schießen.
Leider hatte ich keine Karte zu den Händlertagen erwischen
können, obwohl sie mir von einigen Leuten versprochen wurde.
Aber egal und man muß dann auch nicht DANKE sagen.
An den Händlertagen sind halt nur immer die meisten Stars
auf der Messe.
Aber auch heute zum offiziellen Publikumstag gibt es noch einige
Highlights: Steve Lukather + Band (Gitarrist von TOTO), Simon
Phillips (engl. Drummer, der nach dem Tod von Jeff Porcaro bei
TOTO einstieg) und einige mehr. Ich lasse mich überraschen.
Heute Abend fotografiere ich dann noch AB CD, die für mich
beste AC DC Cover- und Tribute band in Deutschland, bei ihrem
Gig im Musiktheater Rex in Lorsch.
Tagebuch Mai 2009
Dienstag, 05.05.2009
Wieder sind seit dem letzten Eintrag einige Wochen ins Land gezogen.
Die Musikmesse 2009 in Frankfurt a.M. war richtig geil. Es kommt
halt auch immer darauf an, mit welchen Erwartungen man selbige
besucht.
Mir ist war und ist es wichtig, einige Musiker vor die Kameralinse
zu bekommen, die man nicht so oft vor die Kamera bekommt.
Diesmal waren es die Gitarristen Joe Satriani, Steve Lukather
und die Drummer Aaaron Thier, Simon Phillips, Vinnie Paul und
Carmine Appice. Dazu hatte ich dann noch Gelegenheit, ein paar
Fotos vom umlagerten Jim Marshall (dem Begründer der legendären
Marshall Amps) zu schießen. Bilder davon unter www.myspace.com/buehnenbilder.
Danach war ich dann ein paar Tage und einige Gigs mit der Randy
Hansen Band auf Tour.
Randy Hansen! Was soll ich noch über diesen Gitarristen sagen
oder schreiben, der für mich - WIE KEIN ANDERER! - die Musik
von Jimi Hendrix am Leben erhält. Er sit nicht nur ein begnadeter
Gitarrist, er ist auch ein bemerkenswert liebenswerter Mensch.
Es hat mir tierisch viel Spaß bereitet, die Jungs zu begleiten
und die Gigs mit meiner Kamera dokumentarisch festzuhalten.
Ich freue mich schon sehr, wenn die Band ab Oktober wieder die
Republik bereist.
Ansonsten ist zur Zeit gesundheitlich fast alles im grünen
Bereich. Wurde aber auch Zeit, denn die Wochen um und nach Jahresanfang
möchte ich nicht unbedingt nochmals erleben. Zumindest reise
ich mich nicht darum.
Tagebuch Juni 2009
Mittwoch, 24.06.2009
Kurz vor meinem 59. Geburtstag. 59 Jahre.
Welch eine Wegstrecke. Und doch so kurz.
59 Jahre, davon fast die Hälfte im Chaos.
Und nächstes Jahr 60. Bullshit!
Es ist nicht das Alter welches mir Nervosität durch's Gehirn
jagt, sondern die immer kürzer werdende Zeitspanne.
Welche? Forget it!
Die Fotografie ist immer noch meine größte Leidenschaft
hinter Helga und meiner Liebe zur Musik.
Nur ist es schwer Leute zu finden, die sich vor die Kamera stellen
wollen. Ich würde gern Leute fotografieren wollen. Menschen
aller Rassen, aller Hautfarben. Egal ob alt oder jung. Mann oder
Frau.
Ein Bild ist der Abdruck der Seele für einen Moment. Einen
Hauch, einen Wimpernschlag, einem Atemzug.
Tagebuch August 2009
Sonntag, 30.08.2009
ich liebe die fotografie, aber ich weiß, dass ich noch weit davon entfernt bin, ein guter zu sein. gut ist man dann, wenn man das bild auszieht, "kleidungsstück für kleidungsstück" und die nacktheit des photos - ohne kulisse - ist immer noch WOW.
ich möchte so fotografieren, dass es LIVE ist. und da bin ich noch weit entfernt.
ich habe so viel ideen und notizen in meinem kopf, aber es gibt zu wenig leute, die sich
fotografieren lassen wollen.
+++++ +++ +++++
der hass,
der aus meinen augen sprang,
erschlug ihn mit einem hieb.
die liebe,
die sich in meinem herzen befand,
erdrückte sie mit ihrer last.
Tagebuch November 2009
Sonntag, 08.11.2009
Gestern war ich im Musikkeller Frankfurt-Unterliederbach zum Event Rockspektakel 2009 von Steffi.
Drei Bands, voller Saal, ausgelassene Stimmung. Geiles Event.
Da ich an diesem Tag schon am Nachmittag in die Halle gefahren war, um etwas mit anzupacken, verging die Zeit wie im Flug.
Steffi vom Keller war nervös wie immer an solchen Tagen. Es stand ja auch finanziell einiges auf dem Spiel. Aber das Rockspektakel wurde ein voller Erfolg.
Helga war mit Darius, unserem Nachbarn gekommen, der auch eine Camera sein liebstes Spielzeug nennt.
Sie, Helga, hatte ein paar Tage danach nur ein großes Problem mit ihren - durch vier Hörstürze geschädigten - Ohren.
Mittwoch, 11.11.2009
Gestern am Dienstag, 10.11. spielte Randy Hansen im Sinkkasten.
Einige Bekannte waren auch anwesend. Aber der Club war nicht voll, denn es war Wochentag.
Randy bot trotzdem dem Publikum eine geile Show.
Montag, 23.11.2009
Werde mich mal wieder etwas vermehrt hier in meine Aufzeichnungen einbringen.
Aber wie das eben so ist im Leben, mal hat man Bock, mal läßt man ihn im Stall. Heute will ich mal wieder die Stalltür öffnen und den Mief der Vergangenheit an die frische Natur befördern.
Gesundheitlich: auf und ab, mal gut mal schlechter.
Meine Devise nach wie vor: was mich heute nicht umbringt, läßt mich morgen nicht tot sein.
Gute Einstellung? Keine Ahnung, geht mir aber auch am Arsch vorbei.
Mit der Camera bin ich auch noch sehr viel unterwegs. Meistens bei irgendwelchen Konzerten.
Habe meinen fotografischen Stil inzwischen auch so verändert, dass die Kritiken darüber eine sehr ansprechende Form angenommen haben. Nun ja, die Jahre der "Demoralisierung" meiner Bildber taten manchmal schon ganz schön weh. Doch es hat sich auch bestätigt, man soll sich nie auf seinen "Lorbeeren" ausruhen. Denn nichts ist schlimmer, als sich selbst auf die Schulter zu klopfen und sich zu sagen: Alter, jetzt hastes geschafft.
Nee, nee! Ausruhen und im Saft der Eitelkeit oder im Sud des Größenwahns baden, ist das Ende vom realisieren des eigenen Könnens.
Ich muß mich immer, und gerade auch im Hinblick auf mein fotografisches Hobby, hinterfragen, ob man es nicht noch besser hinbekommen kann. Nach Lösungen, neuen Techniken suchen, auch in der Bearbeitung, das ist die Devise und mein Handeln.
Mir ist es inzwischen auch egal geworden, mich über jede Kritik auf den Schlips getreten zu fühlen. Aber man lernt ja eigentlich sein ganzes Leben lang. Manche haben das aufgegeben. Warum und aus welchen Gründen auch immer. Das ist jedoch nicht mein Streben nach Verbesserung.
Ich will Wissen. Ich will Erfahrungen. Ich will Perspektiven. Auch wenn selbige nur auf meine Individualität ausgerichtet sind.
Inzwischen habe ich es sogar schon auf die Seiten einiger namhafter Künstler geschafft mit meiner Event- / Konzertfotografie. Jon Lord (Ex Deep Purple), Joe Bonamassa, Randy Hansen und einige mehr.
Randy Hansen hat sogar für seine letzte Live CD nur Bilder von mir genommen.
Klar werden jetzt einige sagen " na und? Back dir einen drauf." Doch mir persönlich sagt es, dass ich auf dem richtigen Weg angekommen bin. Und stolz auf diese kleinen Bonbons, die das Leben ja so liebenswert gestalten, bin ich schon.
Auch erhalte ich inzwischen immer mehr Aufträge für die Fotografie bei Events oder auch Bandshootings, was mich schon sehr erfreut.
Nur DIE Band, die ich schon seit einigen Jahren fotografisch und als "mothers little helper" begleite, geht lieber ins Studio, zahlt eine Heidengeld für Fotos, die noch nicht einmal als schön anzusehen sind. Aber der oder jener hat das ja auch gelernt oder sogar studiert, was aber nicht augenblicklich auch bedeuten muß, das er oder sie auch gleichzeitig damit das Privileg erworben hat, besser zu sein als der Rest der Leute, die eine Camera mit sich herumschleppen.
Wie viele Musiker gibt es, die nie eine Musikschule oder ein Konservatorium von innen gesehen haben, spielen aber die geilste Mucke die man sich vorstellen kann.
Auch Privatpersonen, die eigentlich mit der ganzen Musikszene nichts am Hut haben, fragen inzwischen nach Shootings.
Angefreundet habe ich mich in der Zwischen zeit auch mit Steffi, der Geschäftsführerin des Musikkellers in Frankfurt- Unterliederbach. Eine bezaubernde Person, die das Herz auf dem rechten Fleck hat.
Leider ist der Live Club meistens nur mäßig besucht, obwohl dort immer sehr gut Bands spielen, die Eintritt- und auch Verzehrpreise nicht hoch sind.
Richtig voll war es nur am 07.11. bei ihrer Großveranstaltung in der angrenzenden Turnhalle. Knapp 1000 Leute tummelten sich zu den Klängen dreier Bands.
Mit Randy Hansen, der im Oktober und November einige Gigs in Deutschland spielte, war ich auch als Photo Man mit von der Partie. Es ist immer nett, diesen kleinen schmächtigen Gitarristen zu begleiten und sich in seiner Nähe aufzuhalten. Auch wenn meine Englischkenntnisse eine längere Konservation schier unmöglich machen, verstehen wir uns sehr gut.
Tagebuch Dezember 2009
Freitag, 11.12.2009
Endlich ist auch meine Fotografiererei an einem Punkt angelangt, wo es sich auch etwas finanziell lohnt.
Es ergeben sich immer öfters Aufträge, bei denen auch der ein oder andere Euro hängenbleibt.
Auch in der Konzertfotografie habe ich mir zwischenzeitlich einen Namen geschaffen und erhalte immer öfters Anerkennungen über meine Arbeiten.
So hat es mich unter anderem sehr gefreut, dass ich mit einigen Bildern auf der offiziellen Homepage von Jon Lord (Keyboarder der legendären Deep Purple) zu sehen bin un d auch ein Link auf meine eigene Internetpräsenz geschaltet wurde.
Das ehrt mich zwar ungemein, sagt mir aber andererseits auch, dass ich jetzt noch mehr auf meine Arbeiten und meine Entwicklung achten muß. Ausruhen kann und darf ich mich da jetzt keinesfalls, denn das bedeutet Stillstand. Und Stillstand ist "tödlich" im der Fotografie, denn man ruht sich auf seinen vermeintlichen Lorbeeren zu sehr aus.
Ansonsten geht es so und so.
Meine Probleme habe ich im gesundheitlichen Sektor.
Dienstag, 22.12.2009
Es ist Poesie - by HappyMountain
Eine Kugel verlässt den Lauf;
trifft im Sudfass der Gefühle
auf sein Herz.
Zerschlissene Stiefel
schlurfen über den Gang
mit der Galerie der Ahnen
Die Bühne ist bereit
für den König der Echsen.
Gaucho Belt mit Silber geschmückt.
Tosende Menge in der Finsternis
Stampfend
Johlend
Vibrierend
Leerer Blick
unter schwarzem Hut mit Totenkopf.
Das weiße Lamm zittert
Akkorde jagen in die brodelnde Nacht
Er steht da
Er schaut mit leerem Blick in die Menge
Seine Hand umklammert den Ständer
des Mikrofons
Augenlider die sich schließen
Akkorde der Orgel zersplittern an der Decke
meiner Angst
Teufel?
Satan?
Jesus, bist du’s?
Die Gitarre tötet mich
Häute der Erinnerung treiben im blutigen Strom
Ich hänge meine Melancholie
an den Ast,
der in der eisigen Kälte zerbricht.
Eiszapfen tätowieren meine gebräunte Haut.
Die Musik tötet mich
Die Musik lässt mich rennen
Die Musik peitscht mich aus dem Saal
Die Musik jagt mich von der Erde
Die Musik fickt mich aus unserer Welt
Die Musik wirft mich aus meinem Leben
Spermatozele durchstößt das Ei
Der Embryo singt vom Backdoor Man,
der in einem spanischen Wohnmobil das Weite sucht.
Eh, Jim …
Eh, James Douglas Morrison …
Eh, Lizard King …
Wo bist du?
Wo ist das weiße Lamm,
welches im Schatten deines Hutes
mit dem Totenkopf
nach den Wahrheiten sucht.
Wolf in grauem Pelz
Kristall explodiert im Sonnenlicht
Walpurgisnacht
ist nah
Alkohol
Drogen
Alkohol
Warten
auf die Hand
eines Fremden
Die Schlange ist länger
als sieben Meilen
Lichtschatten fliegen über die Hauswand
Motorengeräusch verschwindet in der Vergangenheit
Das trojanische Pferd ist bereit
Die Orgel bohrt sich in den Huf
des Rosses
und trifft im Bauch
auf die Akkorde der Gitarre
Bunte Lichteskapaden
zelebrieren auf der Leinwand
des verwitterten Bildes
ihre Extrashow
Gogo girls reiten auf den Tönen
durch den verräucherten Saal
Ich erwache in meinem Zimmer
Fühle mich geborgen
Fühle mich gut
Ich sitze an meinem Schreibtisch
Starre auf das flimmernde Bild
Leise klappert die Tastatur
Und die Seite füllt sich mit Leben
Ich sitze an meinem Schreibtisch
Lausche den Klängen aus den Boxen
Leise tickt die schwarze Uhr
Und meine Gedanken beginnen zu beben
Es ist Poesie,
ein Mensch zu sein.
Mittwoch, 23.12.2009
Möchte heute einmal etwas zu der Gruppe DEMONS Eye sagen oder treffender schreiben.
Deep Purple Cover? Nein! Deep Purple Tribute? Schon eher! Deep Purples Auferstehung? Am wahrscheinlichsten!
Ich lernte die Band am Samstag, 16. Mai 2009 im Musikkeller im Frankfurter Stadtteil Unterliederbach kennen.
Aufmerksam auf die Band wurde ich durch den "Soundboardakkrobaten" Thorsten, der auch sehr oft bei DEMONS EYE für den klassischen Sound zeichnet.
Nun ist es so, dass der Musikkeller - meiner lieben Freundin Steffi - schon sehr oft für erstklassige Cover- oder Tributebands sorgt und diese dem Publikum anbietet. Um so unverständlicher ist es für mich, dass an manchen Tagen die Bands vor einer handvoll Leuten ihre eigenen oder die Songs anderer zum Besten geben.
Ich und einige andere sind echt der Meinung, dass der Musikkeller etwas mehr Beachtung finden sollte.
Schaut einfach ma vorbei.
Zurück zu DEMONS EYE.
Sie hatten mich an diesem Samstagabend sehr beeindruckt. So sehr, dass ich gleich den nächsten Gig am 31. Mai in der Dreisbachhalle in Dreifbach-Tiefenbach besorgt habe. Diesmal hatte ich auch Helga mitgenommen.
Für diesen Gig war eigentlich Glenn Hughes (von 1973 bis 1976 war er Bassist bei Deep Purple.). als Gastmusiker geplant, doch er hatte kurz vor dem Gig wegen Krankheit abgesagt. Als Ersatz (nein, dass ist das absolut falsche Wort! Aber dazu später mehr.) wurde kurzfristig der ehemalige Sänger von Ritchie Blackmores Rainbow, Doogie White, verpflichtet.
Es war ein geniales Konzert, das weit über vier Stunden dauerte.
Doogie White, den ich an diesem Abend das erste Mal live on stage erlebte, war ein ausgezeichneter Frontman, der zusammen mit Demons Eye einen wirklich ausgezeichneten Gig spielte.
Nach dieser Show wurde ich ein Fan dieser Band und habe in der Zwischenzeit schon einige großartige Shows der Gruppe mit meiner Camera dokumentiert.
Was mir bei ihnen so unheimlich imponiert, ist ihre stets freundliche und offene Art mit ihren Mitmenschen umzugehen. Da können sich einige andere eine große Scheibe der Menschlichkeit abschneiden.
Auch der Fantross der Band ist ein ganz lieber Haufen unterschiedlichster Menschen, mit denen es immer wieder Spaß bereitet, sie bei einem Gig zu treffen.
Mittwoch, 30.12.2009
GEBOREN IM ZEICHEN DER VENUS IM STIER - by Happy Mountain
Gezeugt
Geboren
Verlassen
Gezeugt in einer Nacht ohne Liebe.
Geboren in eine Welt voller Hass.
Verlassen von allen Heiligen
und den Eltern.
Suizid Gedanken schon im ersten Moment
Nie ausgeführt
Nicht damals
und nicht heute
Die ersten Jahre verblasst;
ausgewischt mit schieferfarbenem Klopapier.
Danach war Zorn und Missgunst dein ständiger Gast.
Als Menschen in Gestalt
sonst liebender Eltern.
Brutalität war dein erster Feind.
Symbolisiert in den Händen
und Fäusten derer,
die sich schmückten
mit dem Namen Eltern.
Geprügelt
Gehasst
Demoliert
Hingeworfen in den stinkenden Unrat,
der aus einer eiternden Familienwelt tropfte.
Verwesung und Verderben in den Herzen
von Mutter und Vater.
Die Liebe verweilte an anderem Ort.
Du kanntest nicht das schöne Wort.
Man nahm dir auch die Kindheit fort.
Verlassen in den Säulen der Antike.
Zurückgelassen im der Wildnis der Einsamkeit.
Missbraucht von den Gnomen der Finsternis,
die mit verpesteter Gier im Blick,
deinen jungfräulichen Leib
mit ihren Händen beschmutzten.
Die Zeremonie der entarteten Triebe
mit deinem Körper
und deiner Seele
nahm ihren Lauf.
Keiner da,
der deine Ängste sah.
Keiner da,
der deine Tränen sah.
Keiner da,
der deine Augen sah.
Keiner da,
der deine Seele sah.
Abgeschoben in eine bizarre Welt,
in der die Pinguine die Herrscher waren.
Auf den Knien zu Gott sie beten,
aber mit Hass dann zu dir reden.
Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut:
Eli, Eli, lama asabtani?
Mein Gott, mein Gott,
warum hast du mich verlassen?
Und in diesem Moment
schrie er es auch für dich.
Verloren in einem dornenbesetzten Irrgarten,
gefüllt mit den Kindern des Hasses und der Gewalt.
In einer Nacht beim Pokerspiel,
verbracht mit den Gesellen des Alptraumes,
dein erster Gewinn.
Eine seltene Medizin
von den Geistern der Schamanen,
die abgeschlachtet, verstümmelt und als Skelette
in den Weizenfeldern der neuen Welt
ihre letzten Jagdgründe gefunden.
Das Mittel,
namens Gegenangriff´,
verborgen in einem Beutel
aus der Lunge des frischen Windes.
Aufatmen.
Einatmen.
Einsaugen.
Kraft tanken.
Muskeln spannen.
Faust ballen.
Die Explosion traf
die Fresse des Schmerzes
im Niemandsland
der Unachtsamkeit.
Italienische Nächte,
als die Gondeln Trauerflor trugen
und die Tränen des Himmels
deinen geschändeten Leib
nicht reinwaschen konnten.
Ejakulationen erzwungen
mit der Macht der Stärke.
Gefangen in den Spuren der Christen
auf den Stufen Petris.
Jahre vergingen.
Jahreszeiten verblassten
in den gebrochenen Augen
einer jungen Frau.
Winter
Herbst
Sommer
Frühling
Jahre vergingen
in den Kloaken
der Unmenschlichkeit.
Schläge. Tritte. Brüche.
Blutverschmierte Haut
beweisen die brutale Aggression derer,
denen man die Liebe geschenkt.
Bis der Tod die Scheidung bringt.
Tod?
Der Tod?
Verlorene Suche
nach der knöchernen Hand.
Anfreundung in der Umarmung
mit dem Wesen der Finsternis.
Die Sense geschärft
mit den Diamanten der Elfen.
Aber noch nicht bereit
zum endgültigen Schnitt.
„Deine Zeit ist noch nicht gekommen,“
steht auf dem phosphorisierenden Werbschild
deines bisherigen Lebens.
Die Sterne sprechen
von einer Begegnung,
die noch im Nebel der Zukunft liegt.
Warten ist angesagt
in der Paarungszeit
der Hoffnung.
Wieder hat der Herbst
eine Gardine über das Land gelegt.
Zwischen den Häuserschluchten
schleicht der Nebel
durch die Gassen der Stadt.
Ein leises Summen
unterbricht MEIN Warten
auf das bevorstehende Konzert.
Eine Stimme.
Eine Welle.
Ein Déjà-vu im Funkverkehr.
Der alte Landwirt
mit den langen Haaren
pflanzte den Samen
in den Schoß der Venus.
Die Akkorde der Musikanten
verbanden unsere Herzen
mit dem Seil der Freundschaft,
des Respekts
und auch der Liebe.