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Tagebuch 2007.

Before I sink into the big sleep
I want to hear
I want to hear
The scream of the butterfly
- by Jim Morrison / The DOORS

oder

Lost in a Roman
wilderness of pain
and all the children are insane

- by Jim Morrison / DOORS

Tagebuch Januar 2007

Montag, 01.01.2007

So, nun hat ein weiteres Jahr seinen Abschied genommen.
Manchmal kann ich es kaum fassen, wie schnell so eine Woche vergeht, ein Monat oder wie jezt ein Jahr. Ich habe langsam das Gefühl, das, je älter man wird, die Jahre immer schneller dahinziehen.

Euch allen ein gesundes NEUS JAHR 2007.

Freitag, 05.01.2007

Am Mittwoch sind wir - Jerry der Sänger, Tuncay der Drummer und Georg der Bassist von LIGHT MY FIRE, ... und ich - nach Amsterdam gefahren, um gestern das Konzert der RIDERS ON THE STORM in der Heineken Music Hall zu besuchen.

Wir wollten gegen 10:00 Uhr bei mir aufgebrechena aber es kam mal wieder anders als geplant. Georg hatte verpennt und kam überhaupt nicht. Tuncay und Jerry waren allein in Schweinfurt losgefahren nachdem sie eine dreiviertel Stunde gewartet hatten. Die Fahrt nach Amsterdam war okay und wir hatten eine Menge Spaß unterwegs.

Amsterdam. Diese geile niederländische Metropole mit seinem unverwechselbarem Flair einer modernen europäischen Großstadt. Seit den 70er Jahren war ich nicht mehr in dieser Stadt gewesen, und ich muß sagen, dass sich eigentlich gar nicht sooo viel verändert hat. Die Krachten waren noch vorhanden. Die Sprache noch mmer so unverständlich wie eh und je.

Das Hotel City Garden ist ein Gebäude mit 71 Zimmern direkt neben dem großen Vondel Park, einem Paradies für Jogger, aber auch in der Nähe der drei größten Museen Amsterdams, dem Nationalmuseum (Rembrand), dem Van Gogh Museum und dem Municipal Museum (moderne Kunst) und der berühmten Konzerthalle, die das weltberühmte Orchester Concertgebouworkest beherbergt. Das Hotel ist zwar nur mit drei Sternen ausgezeichnet, aber es war echt okay.

Nachdem wir mehr oder weniger nach einem ausgiebigen Abendbummel mit Besuch des Hard Rock Cafes, einiger Kneipen und Restaurants aufgestanden waren, begaben wir uns in den Frühstücksraum unseres gebuchten Hotels City Garden, das relativ zentral in der Gegend des Hard Rock Cafes lag.

Ich als eingefleischter Frühaufsteher selbstverständlich schon gestriegelt und gebügelt wie immer. GRINS***!!!

Nach einem Besuch des bekannten Flohmarktes auf dem Waterloo Plain besuchte ich gestern Abend mit Jerry, dem Sänger und Tuncay, dem Schlagzeuger von LIGHT MY FIRE aus Schweinfurt den Gig der RIDERS ON THE STORM in Amsterdam. Es war mein dritter Konzertbesuch der Band in Folge. Für Jerry und Tuncay war es die Premiere.

Nach dem Flohmarkt, auf dem ich mich fast zu Tode gefroren hatte, verließen wir Amsterdam und fuhren zur Music Hall, die in der Mitte zwischen Amsterdam und Utrecht in eine riesige Einkaufsmall, direkt neben dem Fußballstadion von Ajax Amsterdam integriert war.

Nach einem Imbiß in einem Restaurant ließen wir uns in einem Pup nieder, welches genau gegenüber dem rückwärtigen Personal- und Künstlereingang der Halle befand. Vielleicht können wir sehen wenn die Band ankommt, denn ein Foto zusammen mit den RAIDERS wäre ein Traum gewesen. Aber Ray, Robby, Ian, Ty und der Bassist ... kamen nicht.

Um 18:20 Uhr verließen wir dann das Pub und gingen wieder zum Eingang der Halle. Es waren nur ca. 150 Leute vor den Türen, und ich dachte noch, dass Jerry mit seiner Meinung vielleicht Recht behalten wird, dass nicht sehr viele Leute zur Show kommen würden. Es sah auch nicht viel besser aus, nachdem die Halle geöffnet wurde und wir noch ca. 30 Minuten( !) im Foyer warten mußten. Um 19:00 Uhr wurden dann endlich die letzten Türen zur Innenhalle selbst geöffnet. Wir setzten unser Vorhaben in die Tat um, einen Platz ganz vorne an der Bühne zu ergattern. Und wir bekamen einen. Genau an der Absperrung und ca. 150 cm vor Ian Astbury. Ray und Robby zum Greifen nah. Nur - wie ja bei Konzerten inzwischen üblich - konnte ich nur Bilder mit Helgas Digicam schiessen. Mit meiner Canon EOS 20D hätte ich keine Chance gehabt.

Nachdem wir zwei ein viertel Stunden auf unserem Platz ausgeharrt hatten (JA, so verrückt ist man auch noch in unserem Alter!) und die Halle sich zwischenzeitlich auch recht gut gefüllt hatte, erklang um 21:15 Uhr das inzwischen zur Hymne der Band gewordene Intro von Carl Orffs 1937 geschriebenem Carmina Burana. Und dann standen sie vor uns. Zwei Legenden. Ray Manzarek und Robby Krieger. Zwei Kultfiguren der Rockgeschichte und der ehemalige englische Frontman Ian Astbury der Band the CULT. Und wie auch schon 2004 in Bonn und im April 2006 in Frankfurt, legte die Band mit Roadhouse Blues los.

Nicht nur die Zuschauer in der Heineken Music Hall, auch wir, sahen an diesem Abend einen überragenden Ian Astbury, der eine überzeugende Leistung bot.

Auch auf die Gefahr hin, dass mich jetzt wieder fast die gesamte deutsche DOORS Scenen steinigt, Ian Astbury ist nicht nur für mich ein überzeugender Interpret des Testamentes eines Jim Morrison und der DOORS.

Wie es Tuncay nach dem Konzert bei einer Cola als "nicht-so-eingefleischter-Doors-Fan" richtig feststellte, Ray und Robby haben Kultstatus. Das wissen sie. Und nachdem sie mehr oder weniger jahrelang im Schatten ihres - fast übermenschlich zu nennenden - Leadsingers Jim Morrison gestanden haben, geniessen sie heute ihren Stellenwert als Giganten einer gigantischen Band. Robby nudelt auf seinem Griffbrett und Ray macht den musikalischen Clown mit Sprüchen und dem Spielen der Orgel mit seinem Fuß. Das soll jetzt in keiner Weise die Band "zerschmettern". Weit gefehlt. Ich bin DOORS Fan seit nunmehr fast 40 Jahren. Und den Status, den die Band in meinem Herzen besitzt, lass ich mir auch nicht nehmen. Das Konzerrt war super. Ohne Frage. Aber super war an diesem Abend auch ein Sänger, den gerade die deutschen Fans in ihrer Mehrheit gnadenlos niederprügeln. Und meistens bekommt man noch nicht mal eine Antwort auf das warum.

Überragend war Ian Astbury, der, gerade wegen seiner Art die DOORS Songs zu singen, an diesem Abend mehrmals die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich zog, ohne sich dabei in den Vordergrund zu schieben und in der Sonne zu baden.

Ich habe es nach Bonn gesagt und ich werde es immer wieder sagen: für mich haben Ray und Robby den passensten Interpreten am Mikrofon verpflichtet.

Jim würde sich NICHT in seinem Pariser Grab umdrehen, wenn er Ian sehen und hören könnte, wie es der Sänger von Changeling nach dem Frankfurt Gig letztes Jahr formulierte.

Ich bin der felsenfesten Überzeugung, das Ray und Robby die richtige Entscheidung getroffen haben, als sie Ian die Mitteilung überbrachten: "You are the singer!"
Und - Gott sei Dank! - stehe ich mit meiner Überzeugung nicht allein.
Gernot W. Freudenberger / Webmaster

Anmerkung:
Bilder vom Konzert HIER

Tagebuch Februar 2007

MY EYES HAVE SEEN YOU
(c) by Jim Morrison / The DOORS

Ich habe dich mit eigenen Augen gesehen
Standest da in deiner Tür und ich habe so bei mir gedacht, könntest ruhig etwas mehr von dir zeigen
Ich habe dich mit eigenen Augen gesehen
Drehtest dich auf der Treppe um, schütteltest dein Haar, gingst die Treppe runter
Ich habe dich mit eigenen Augen gesehen
Von allen Hüllen befreit, kamst du über die Stadt am Fernsehhimmel
Ich habe dich mit eigenen Augen gesehen
Denk immer daran: du fährst eine endlose Straße entlang

Tagebuch März 2007

Freitag, 16.03.2007

Am Montag, 12.03.2007 konnte ich endlich mal den bayrischen Liedermacher HANS SÖLLNER live auf einer Bühne erleben. Eigentlich wollte ich das Konzert im Colossaal in Aschaffenburg besuchen, aber es war seit Wochen restlos ausverkauft. Und auch mit gutem Zureden, man kennt halt die Leute dieses geilen Clubs in der Aschaffenburger Innenstadt, war absolut nichts zu machen, doch noch eine der begehrten Ticket's zu bekommen. So mußte ich dann letztendlich nicht so weit fahren, denn zu seinem Gig im Mousonturm in Frankfurt am Main gab es noch Karten zur Veranstaltung.

Hans Söllner, ein Name, der sich bei mir eingeprägt hat, seit ich das erste Mal ein paar Sachen von ihm gehört habe. Ich kann mich noch genau an diesen Tag erinnern, als ich 1993 bei dem Eishockey club des ESC Frankfurt DIE LÖWEN als Betreuer arbeitete, und zu einem Auswärtsspiel in Bad Tölz oder Kaufbeuren das Auto eines Spielers fuhr, der nach dem Match ein paar Tage in der Heimat bleiben wollte. Die Mannschaft fuhr geschlossen wie immer mit dem Team bus.

Im Fahrzeug des ehemaligen Spielers Anton "Tony" Rauball aus Gronau fand ich einige Musik kassetten eines mir damals unbekannten Hans Söllners. "Na ja", dachte ich so bei mir, "da hören wir halt mal rein". Und wie ich rein hörte! Nicht nur das es schon schwierig für einen "Preußen" war / ist, diesen Dialekt so richtig auf die Reihe zu bekommen. Nein, mich faszinierte mehr die Art und Weise wie dieser Typ aus Bad Reichenhall seinen Protest in die Welt schmetterte.

Den ersten Song den ich von ihm jemals hörte war Hey Staat.

he he...i hob allerdings die erfahrung im laufe meines lebens g`mocht, daß i bloß alle paar jahr amal gebraucht wer, wenn wieda amol a so a wahl oblaff`t. dann liagn`s ma des blaue vom himm`l oba, auf denan plakate, und wann de wahl vorbei is, dann sagn`s ....pffl...ätsch pätsch draus-gschmiert, ge..host'uns ois g`labt, oda wos.....jetz hab ma vier joahr zeit, daß ma unsare kohle ins trockane hol`n ... und des moch ma. zum teil, man i, hätt i im staat, so ganz ehrbare familien, bei uns im deuschen staat wia zum beispiel: die fam. windbichler, aus reith im winkel, .. san bergbauern, hob i amol kurzzeitig kennanglern`t, wie i mit da monika z`omm woar, mit der monika windbichler, und wiea`s mi s`erstemol mithambrocht hot, hat muata gleich händ übern kopf z`ommgschlog`n und g`sogt um goods wülln, dirndl, was bringst`n uns do für an mit...der schaut jo aus, wia a kasperl. der is jo mit 16 jahr stehnblieb`n, der is jo noch nit amol `kampl`t. i hob ihr dann erklärt, da i mi nie kampln konn,wei mia tuat des weh,..meine haar san so verfuizt. da vadder hat glei oba gschrian: he.. der hur`nbock, der kimmt ma nit ins haus. da hob i a schon a biß`l loch`n miaß`n, weil der a guate meinung von der tochter hat. zum einem, is ma so leid um mein vadder, weil an mein vadder denk'i immer gonz b`sonders, an mein vadder denk i immer ganz besonders, bei dem liad mei vadder hat achtundvierzig johr g`oarbeit, achtundvierzig joahr hot der g`oarbeit. ja achtundvierzig joahr, das kann ma sich gornit vorstell`n. das is der hammer, achtavierzig johr, hat er für den staat de scheißoarbeit gmocht, beim bau. und jetzt krieagt er sechzehnhundert mark, weil irgend so ein versi cherungstrott`l - .....mei herr söllner, wenns bloß sechzehnhundert mark rent`n krieag`n, dann kennans ehnan holt ihna auto nimmer leist`n, - ....für des, hat er achtundvierzig jahr g`oarbeit. da homma .. oder? ochtevierzig joah,...do va`rreckt`s jo.


hey staat, hey staat, hey staat, hey staat, hey staat, hey staat,
heit sog da i amoi, wos i ois moch für di, hey staat, hey staat hey staat
und dann sag du mir moi, wos du ois mochst für mi
hey staat, hey staat, hey staat, hey staat, hey staat, hey staat,
heit sog da i amoi, wos i ois moch für di, hey staat, hey staat hey staat
und dann sag du mir moi, wos du ois mochst für mi

i geh in`d schui' und lern bloss des, wos du glabs`t dass i wiss`n muass
ob mi des int`ressiert, des int`ressiert di net, mann
des is dir total wurscht, von anfang an probierst nix and`res,
als dass mi hinbieag`s, wia`s mi brauchst, i lass ma`s g`foi`n,
weil i ma denk, du wirst schon wiss`n was da machst
dann geh i in`d arbeit und i bugg`l acht stund`n lang,
bugg`l jed`n tag mein scheiss job, und von dem geld,
das i verdien, ziag`st ma sofort, zwoa drittl, ziag`st ma ob
von de paar mark, de ma noch bleib`n,
gehn drauf für wohnung, gas, und liacht
und i mach schuld'n auf da bank, dass i im winta nit dafrie`r

hey staat, hey staat, hey staat, hey staat, hey staat, hey staat,
heit sog da i amoi, wos i, ois moch für di, hey staat, hey staat hey staat
und dann sag du mir moi, wos du ois mochst für mi

schreibst mir mei kleidung vor, mein haarschnitt
schreibst mir mei bildung vor, mein job,
sogoar mein glaub`n schribst ma vor
und i depp zoh`l , und ernähr no'eich`an good,
der bloss mit`n finga auf mi zoag`t,
i soll`t ihn respektiern, i sollt ihn ehr`n
a grad den, der ganze völker ausgrott'hot,
oder mit drohungen bekehrt, ka`f deine drog`n, bier und schnaps,
aber du beschimpf`st mi, wenn i`s nimm,
diskriminierst me, weil i rauch, du muasst `gstaat sein, he ,
du verdienst durch leit wia mi, geht`s dir doch guat
du miass'ast eigentlich doch dankbar sei'dafür
dass ma die `zohln, für dei geschwafel, für dei beleidigen und liag`n

hey staat, hey staat, hey staat, hey staat, hey staat, hey staat,
heit sog da i amoi, wos i, ois moch für di, hey staat, hey staat hey staat
und dann sag du mir moi, wos du ois mochst für mi

i bin da d`schlecht für deine töchta, he staat, geh..
du schamm`st di, vor andere leit für mi
du nenn`st mi asozial und dumm, sei froh, dass noch so blede gibt,
nur durch de bled`n, konnst di endlich schleim`a
de sich nit beschwerd`n, de holt so san, wia`s san
und oi`wal d`händ vorm mund halt`n, wenn`s red`n
dreiss`g joah lang, hob i mi an oi`s g`holt`n
und dreiss`g joahr, hob i g`mocht was du mir sog`st
dreiss`g joah long, hoss`t sauguat von mir g`lebt
und nit a onazig`s mol, hoss`t danksche'zu mir g`sogt
und jetzt, wo i aufsteh und mi weh`r,
weil i holt find, dass endlich amol longt
nennst mi an grat`ler und verbrecher
am liabst`n, stella`st mi an d`wand, oh mann, hey staat, hey staat

hey staat, hey staat, hey staat, hey staat, hey staat, hey staat,
heit sog da i amoi, wos i, ois moch für di, hey staat, hey staat hey staat
und dann sag du mir moi, wos du ois mochst für mi

und heit, und heit, steh i am amadeusplatz
und da sing i, ganz laut, sing i, blowing in the wind
mit dreitausend and`re steh i ummanand, de a für`n fried`n san
dreitausend, de da zoag`n, dass a noch friedlich geht, mit hirn
aber im fernsehn zoag`st vierz`g skinhead`s
de schrei`n und randalier`n

du zag`st de wackersdorf-chaoten,
du zag`st wia pflasterstoa`na flieag`n
du zag`st net de typ`n,
de zum schutz vor deine polizist`n stehn und rea'rn
und i scham'mi für die leit, die auf der startbahn g`schossn hom
oba du mog`st, dass jeda glab`t, dass ma alle a so san

hey staat, hey staat, hey staat, hey staat, hey staat, hey staat,
heit sog da i amoi, wos i, ois moch für di, hey staat, hey staat hey staat
und dann sag du mir moi, wos du ois mochst für mi

scham du di amol für was, hey staat
vielleicht für die kloa`n kinder, de grad sterb`n an leukemie
und für die eltern, die ehrnan d`händ holt`n und rea`rn
dei zeit is um, und meine a'und für mi, mann
und für mi geht`s sicher nit dann aus, geh..
mei bua, mei bua der hat no sechz`g joah'vor sich
und i tua oi`s, dass er des schafft,
du bist koa vorbild mehr für mi, he staat
du hasst di aussgfress`n vom geld,
dass a anderer schwa'verdient
und sogar am hunger von der wöid,
has`t du dein spass und dein profit
und damit`s dein völkermord betreib`st,
na mann, für des, was du do machs`t
hat di von uns bestimmt, nea'm`t g`wählt

hey staat, hey staat, hey staat, hey staat, hey staat, hey staat,
heit sog da i amoi, wos i, ois moch für di,
und dann, hey staat, hey staat
dann sag i dir mo'Í, wos du oi`s bist für mi
(Quelle: Text und Musik: Hans Söllner)

Mich haute dieser Song regelrecht um. Allein wegen seiner brutal offenen Art wie in Söllner darbot. Ich war echt geplättet.

In der Eishalle, wo ich dann wieder zu der Mannschaft stieß, lachte mich Tony, dessen Fahrzeug ich mitgebracht hatte, mit seinem breiten Grinsen an, als ich noch ein paar Takte des Songs vor mich hin brummte und meinte nur "Ach, hoastn Hansi im Auto gefunna?" (Ich weiß, als "Preiss" ist es schwer, den richtigen Dialekt zu schreiben. Die Bayern mögen mir verzeihen und nicht zu laut lachen!!!) Ich grinste nur zurück und Tony erzählte mir später sehr viel über den Typen. Über seine Verfolgung durch die bayrische Polizei, die Auftrittsverbote, die Haussuchungen.Und ich hatte "Blut geleckt". Ich besorgte mir alles an Material das ich über diesen Typen finden konnte. Jede CD, jede DVD. Viele Berichte im Internet. Verfolgte seinen Werdegang. War neugierig und süchtig auf das, was Hans Söllner zu sagen oder präziser formuliert zu singen hatte.

Aber es ergab sich nie, dass ich ihn mal live sehen konnte. Warum auch immer. Keine Zeit, keine Ticket's bekommen, der Auftrittsort zu weit weg. Was auch immer der Grund war, es sollte einfach nicht sein. Bis zum März des Jahres 2007.

Wie gesagt, hatte ich dann im Frankfurter Mousonturm das Glück, eine der begehrten Eintrittskarten zu bekommen. Und mit klopfendem Herzen (das gibt es auch noch mit knapp 57 Jahren!) fuhr ich zum Ort der Veranstaltung. Selbstverständlich viel zu früh. Aber was soll's. Im Restaurant des Mousonturmes lernte ich noch einen Typen kennen, der ebenfalls zum ersten Mal zu einem Gig von Hans Söllner ging. Seine Arbeitskollegen hatten ihm von diesem "Bayrischen Protestsänger" vor geschwärmt. An einen Tisch neben uns setzte sich dann noch ein junger Typ mit sehr langen Rastalocken, lächelte vor sich hin, während er sich scheinbar über die Unterhaltung amüsierte, die zwei Kerle vor ihm an der Theke führten. Er trank gemütlich seinen Kaffee und ich dachte noch bei mir, ob der auch zur Band gehört. Vielleicht ein Roadie, der Soundman oder Merchandisingverkäufer? Aber weit gefehlt, es war, wie sich beim Konzert selbst herausstellte, Denis Rieger der Bassist.

Endlich war es dann so weit. Der Saal wurde geöffnet und ich ergatterte mir einen Platz direkt vor der rechten Seite der Bühne. Nachmittags hatte ich noch im Mousonturm angerufen und nach einer Fotoerlaubnis gefragt. Man konnte mir aber keine genaue Aussage geben, da die Band noch nicht eingetroffen war. So ließ ich vorsichtshalber meine Kameraausrüstung zu Hause und begnügte mich mit meiner kleinen Digicam. Aber es doch ein gewaltiger Unterschied zu meiner Canon EOS 20D wie sich später herausstellte. Doch das ist inzwischen auch so eine Sache mit der Fotografiererei bei den Gigs von wem auch immer. Meistens heißt es: no pictures. No Photo! Warum eigentlich? In den 70ern war es immer so, dass man eigentlich nie ohne Fotoapparat zu einem Konzert ging. Egal wer da auch auf der Bühne stand. Ob ROLLING STONES, BEATLES, PINK FLOYD, FRANK ZAPPA, LED ZEPPELIN etc, die Kamera war IMMER dabei. Und heute: no chance! Und dann der absolute Witz: so oft liest man dann auf den Webseiten der oder jener Band "wir freuen uns über Zusendung von Fotos, die man während eines Gigs geschossen hat. Ist schon pervers! Fotos verlangen von etwas, das du als einfacher Fan gar nicht darfst: fotografieren.

Endlich war es dann 21:00 Uhr und Hans Söllner betrat mit seiner Band BAYAMAN'SISSDEM die stage, an deren Rückseite die Äthiopische Nationalflagge mit Löwe hing, und begrüßte das Publikum im breitesten Bayrisch "Hoabe die Ehre!" Es war so tierisch geil, was dann folgte. Ich war nicht nur begeistert, ich war total weg und gefangen von seiner Ausstrahlung. Auch ohne Kraut!

Für mich persönlich ist es mehr als Mut was Hans Söllner seinen Zuhörern zu sagen hat. Ich war / bin begeistert davon, was und wie er es sagt. Es ist ein einziger Aufschrei, ein Wachrütteln, ein in den Arsch treten, endlich und wirklich die Augen zu öffnen und sich anzusehen, was unsere und alle anderen Oberen auf dieser Welt eigentlich mit IHREM Volk anstellen. Für mich singt Söllner nicht nur einen Protestsong; nein, er lebt ihn. Man spürt, das er mit Leib und Seele hinter dem steht, das er mit seinen Songs den Zuhörern sagen will. Und ich bewundere seinen Mut, wie ich eben schon erwähnt habe. Ich bewundere seinen Mut auf jegliche Folgen zu scheißen, alle Repressalien zu akzeptieren und das alles mit einer Überzeugung, die teilweise schon erschreckt. Auf die Mißstände unseres Staates, seiner Repräsentanten und teilweise wirklich dümmlichen Gesetze hinzuweisen.
Trotz meines zweimaligem Krebsleidens habe ich diesen Mut noch nicht erreicht. Aber ich arbeite daran!

Leider war es mir nach dem Gig nicht möglich, mit Hans Söllner selbst oder einem Musiker seiner Band ein paar Worte zu wechseln. Aber trotzdem möchte ich DANKE sagen. Danke für einen sehr geilen Abend und insbesondere DANKE für vieles zum Nachdenken. Ich wünsche euch vor allem die Kraft, die innere Ruhe und Gesundheit für viele weitere Gigs in diesem unseren Land. Ich bin der felsenfesten Überzeugung: es ist NICHT umsonst!

In diesem Sinne:
ICH HABE DIE EHRE!

Mittwoch, 21.03.2007

Habe mich gerade noch mal an das Söllner Konzert erinnert; und - welch eine Ehre! - ein Teil meiner Fotos wurden mit dem oben geschriebenen Bericht auf der Homepage von Hans Söllner unter Neuhigkeiten veröffentlicht. Und ein großes Fanpaket soll ich dafür auch noch bekommen. Geil!

Kopie des Emails vom Webmaster der Hans Söllner Internetpräsenz:

Lieber Gerry Freudenberger,
Ich bin der Günter und neben vielem anderen hier bei Trikont für das Pflegen der Webseiten zuständig. Da Hans Söllners derzeitige Deutschland Tour ein voller Erfolg ist, und wir hier alle vom Euphoriefieber gepackt sind, wollte ich das heute auch auf der webseite von Hans und uns in den Nachrichten kund tun - ein Halbzeitbericht zur Tour.

Dabei bin ich über die wunderbaren Bilder gestolpert, die Du ins Gästebuch von Hans Seite gestellt hast. Habe mir nun im Anfall von Begeisterung erlaubt die Bilder für meine Nachricht zu verwenden und sie auf die Seiten zu stellen. Selbstverständlich mit Credit etc. Ich hoffe sehr, dass das für Dich OK ist !!?? Dachte es mir, da du ja auch vom nichtkommerziellen bereitstellen der Bilder geschrieben hast. Falls es nicht OK ist für Dich, bitte schick mir einfach ne kurze mail, dann pack ich die Bilder wieder raus - ich hoffe nicht. Wenn es OK ist für Dich dann mail mir bitte Deine Adresse, damit ich Dir ein Söllner-Fan-Paket mit DVDs etc als kleines Dankeschön schicken kann.

Hoffe von Dir zu hören!
Herzliche Grüsse aus München

Günter Hablik
TRIKONT

Das sind dann immer solch kleine Erlebnisse, die mich immer wieder erfreuen. Vor allem weil man indirekt dadurch gesagt bekommt, dass man fotografisch auf dem richtigen Weg ist.

Am Samstag, 17.03. war ich mit HOT STUFF in Marktheidenfeld. Nicht ganz so voll wie sonst immer, aber das kann an einer Parallelveranstaltung in einem Nachbarort gelegen haben.
Am Sonntag, 19.03. ging es dann schon wieder nach ein paar kurzen Stunden Schlaf auf die CeBIT nach Hannover, wo wir einen Gig für die Firma SONY Ericsson spielten. Das war der Hammer! Muß man sich mal echt reinziehen. Die Firma hatte eine Großdisco direkt neben den Messehallen gemietet, ein Showprogramm zusammen gestellt und ca. 2500 geladene Gäste hatten freien Eintritt, freie Getränke und Leckereien, die Hostessen auf umgehängten Tabletts anboten. Möchte nicht wissen was dieser Event gekostet hat. Aber was zählt schon Geld zur Animation neuer Kunden und noch größerer Märkte. Auf jeden Fall kam ich ab und an an diesem Abend aus dem Staunen nicht heraus.

Tagebuch April 2007

Dienstag, 24.04.2007

Wie ich hörte sollen doch schon einige von euch auf eine Fortsetzung gewartet haben. Da kann ich nur sagen: freut mich.

Grund der langen Funkstille war eigentlich nur: no Bock!

Aber es lag auch daran, dass der sittliche, menschliche und kriminelle Verfall auf dieser Erde immer größere Schritte geht. Korruption, Geldgier, Machtbesessenheit etc. sind nicht nur an der Tagesordnung, sondern schon stündlich festzustellen. Peter Hartz (Veruntreuung von 2,6 Millionen Euro Firmengeldern / VW. Vom Landgericht Braunschweig am 25. Januar 2007 wegen Untreue und Begünstigung des VW-Betriebsratschefs zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Nach diesem Schmierfink wird dann auch noch das Arbeitslosengeld II (ALG II) benannt, das den Betroffenen ein Leben am Existenzminimum erlaubt. Es ist die Grundsicherungsleistung für erwerbsfähige Hilfebedürftige und wurde in Deutschland zum 1. Januar 2005 durch das so genannte „Hartz-IV“-Gesetz eingeführt und wird deshalb umgangssprachlich oft auch als "Hartz IV" bezeichnet. Das ALG II fasst – wie im zugrundeliegenden Hartz-Konzept (2002) vorgesehen – die frühere Arbeitslosenhilfe mit der Sozialhilfe auf Leistungsniveau des soziokulturellen Existenzminimums zusammen.EIN SKANDAL!), Josef Meinrad Ackermann (Ab Januar 2004 musste sich Josef Ackermann vor dem Landgericht in Düsseldorf verantworten. Die Anklage gegen ihn und fünf weitere Beteiligte im so genannten Mannesmann-Prozess – darunter der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Mannesmann AG, Klaus Esser und der frühere IG Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel – lautete auf Untreue. Die Angeklagten standen unter dem Verdacht, den Düsseldorfer Konzern im Rahmen der Übernahme durch Vodafone im Februar 2000 durch überhöhte Prämienzahlungen an Esser und weitere Manager um rund 110 Millionen Mark (ca. 58 Millionen Euro) geschädigt zu haben. Ackermann gab zum Prozessauftakt Ende Oktober bekannt, dass er jährlich 15 bis 20 Millionen Euro brutto verdient. Die Angeklagten sind mit der Einstellung des Verfahrens nicht vorbestraft. EIN SKANDAL!), Heinrich von Pierer, der über die Schmiergeldaffäre stürzte. In den Skandal um schwarze Kassen und mutmaßliche Schmiergeldzahlungen bei der Siemens AG soll auch die Anti-Korruptionsabteilung des Konzerns verwickelt sein. Mit der Übernahme des Aufsichtsratsvorsitzes der Siemens AG verstieß von Pierer gegen den Corporate Governance Kodex, nach welchem der direkte Wechsel eines Vorstandsvorsitzenden in den Aufsichtsratsvorsitz unterbleiben soll. Während dies zunächst nahezu widerspruchslos hingenommen wurde, ist im Zuge der Korruptionsaffäre bei Siemens das Problem offen zutage getreten: von Pierer war Mitglied des Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat, der die Korruptionsvorwürfe untersucht und natürlich auch von Pierers Amtszeit durchleuchtet. Aufgrund des offensichtlichen Interessenkonflikts war von Pierer zahlreichen Vorwürfen ausgesetzt. Auf der Hauptversammlung 2007 der Siemens AG verzichtete von Pierer am 25. Januar 2007 schließlich auf die weitere Teilnahme an Sitzungen, die das Korruptionsthema zum Gegenstand haben; das Amt als Vorsitzender des Aufsichtsrats wollte er aber nicht ablegen. Die Hauptversammlung stimmte mit über 34 Prozent gegen die Entlastung von Pierers und zeigte damit deutlich die Unzufriedenheit mit der Entscheidung von Pierers.

Trotz der Korruptionsaffäre bei Siemens hält die CDU und insbesondere Frau Merkel (zu der komme ich später auch noch gesondert!!!) an von Pierer als Leiter des Rates für Innovation und Wachstum fest. So nach dem Motto: eine Krähe hackt der anderen Krähe kein Auge aus.

Georg W. Bush, Präsident eines der prüdesten Staaten dieses Planeten und einer der größten und verlogensten Waffenlobbisten dieser Erde. Dieser "Mensch" hat die Verfrorenheit, an der Trauerfeier für die über 30 erschossenen Studenten, Mitarbeitern, Lehrern der Virginia Tech University in Blacksburg teilzunehmen, und von Trauer, Schock und tiefstem Empfinden zu heucheln. Hätten alle Trauernden in diesem Saal Bush auf die Fresse gehauen, dann hätten sie sich bestimmt trotz allem Schmerz etwas freiuer gefühlt. Er - Georg W. - ist es doch, der dieses veraltete und schwachsinnige Gesetz immer noch am meisten verteidigt: jedem Amerikaner seine Waffe. Schiebt ihm die 45er Magnum in seinen Arsch und laßt ihn spüren was Angst bedeutet.

Angela Merkel, die antrat, um in jedem Land am Krieg teilzunehmen, den der amerikanische Präsi angezettelt hat. Da kann sie stolz drauf sein, unsere Angie. Wo Vorgänger Gerhard Schröder - man kann auch von ihm halten was man will - noch ein hartes NO gegenüber der Politik von Bush aussprach, kriecht ihm unsere Angie lieber in den Arsch und ist ja so stolz, das sie von George liebevoll "my friend" genannrt wird und seine Umarmungen und schmachtenden Küsschen über sich ergehen läßt. Welch eine Welt...

Aber das mußte halt auch mal raus.

Tagebuch September 2007

Montag, 24.09.2007

Geht es wieder los?
Wieder Krebs?
Wieder Achterbahnfahrt zwischen Hoffen und Bangen?

Nun, irgendwas scheint in meiner Leber eine Revolution zu starten.
Vor einiger Zeit war ich mal wieder in der Leberabteilung der Uniklinik Frankfurt. Reine Routine eigentlich. Eigentlich! Aber was ist das heute noch?
"Hat man eigentlich schon mal einen Ultraschall von ihrer Leber gemacht?", fragte mich der Arzt. Ich verneinte, denn ich war seit Frühjahr 1998 regelmäßig alle drei Monate zur Nachsorgeuntersuchung mit CT.
So wurde eben noch am selben Tag ein Ultraschall gestartet. Erst ohne und dann mit Kontrastmittel. Dabei wurde ein verdächtiger Fleck entdeckt, der da normalerweise nichts zu suchen hat. 11 mm in der Länge und ? mm in der Breite. Ich konnte ihn sogar selbst auf dem Monitor erkennen.

Da man sich dann nicht auf eine Diagnose einigen konnte oder wollte, wurde ich daraufhin für eine Kernspintomographie angemeldet, die am Dienstag, 18.09.2007 durchgeführt wurde. Aber auch hier wart das Ergebnis nicht eindeutig, wie uns meine Onkologin Frau Dr. Gog am nächsten Tag mitteilte. Ich lag gerade entspannt in der Rhein Main Therme auf der Liege, genoß das schöne Wetter, den blauen Himmel und die Sonnenstrahlen, als mich Helga anrief und mir mitteilte, dass Frau Dr. Gog angerufen hat. Die Diagnose sei nicht eindeutig und man wolle eine Gewebeprobe entnehmen. Diese soll nun am Mittwoch, 26.09.2007 in der Uniklinik durchgeführt werden.
Nun gut, ich zitiere da mal den Kommune 1 Revoluzzer Fritz Teufel: "Wenn's der Wahrheitsfindung dient." Am 2. Juni 1967 wurde Fritz Teufel wegen eines angeblichen Steinwurfs während der Demonstration gegen Schah Reza Pahlawi verhaftet und saß bis zum Verhandlungsbeginn im November in Untersuchungshaft. Während der Verhandlungen fiel Fritz Teufel vor allem durch - aus Sicht der Staatsanwaltschaft - respektloses Verhalten auf. Als er eine längere Stellungnahme abgeben wollte, wurde er vom Richter ermahnt, er möge nur Tatsachen vorbringen, die der Wahrheitsfindung dienen. Etwas später kam er dann der Aufforderung des Richters, sich zu erheben, mit der Bemerkung „Wenn's der Wahrheitsfindung dient“ nach. Erst am 11. Dezember 1967 wurde Teufel freigesprochen. Das aber nur am Rande.

Obwohl man eigentlich schon alles kennt, alles schon zweimal durchgelebt hat, es ist immer wieder ein sehr igenartiges und unbeschreibliches Gefühl, das einen in so einer Situation durchschleicht. Angst? Hoffnung? Glauben? Verdrängung? Von jedem etwas.

Habe ich Angst vor dem Tod? Eine Frage die ich mir schon sehr oft gestellt habe. Aber bis dato noch keine eindeutige Antwort gefunden.
In dem Oliver Stone Film "The DOORS" wird Jim Morrison von seiner Freundin Pamela Courson gefragt, ob ihn der Tod anturnt. Ob er Angst vor dem Sterben hat.
Jim antwortet darauf:
" Das Leben tut viel mehr weh.
Wenn du tot bist, ist der Schmerz vorüber."

Ich habe schon oft über diese Antwort nachgedacht. Sie enthält sehr viel wahres. Aber auch viel erschreckendes. Ich weiss es selbst nicht so genau, vor was ich mehr Angst habe. Vor dem Tod, der Endgültigkeit oder auch nur vor der Angst, irgend etwas zu verpassen.
Vielleicht ist es aber auch nur das Unbekannte. Das nicht Wissen was dann kommt. Himmel? Hölle? Reinkarnation? Oder einfach nur NICHTS.

Samstag, 29.09.2007

Seit Mittwoch Mittag um 12:00 Uhr tickt die Uhr. Warten ist angesagt. Ein häßlicher Begriff, der der Zeit zugeordnet wird. Warten.

Am Mittwoch bin ich morgens um 07:30 Uhr mit Helgas Nichte M. in die Uniklinik Frankfurt gefahren. Hier sollte ich die Nacht verbringen. Eine Gewebeprobe der Leber sollte entnommen werden.

Diese Untersuchung wird nur durchgeführt, wenn Verdacht auf einen Befall der Leber besteht, der durch die anderen zur Verfügung stehenden Methoden nicht geklärt werden kann (siehe oben). Der Arzt entnimmt dabei mit einer langen dünnen Nadel durch die Bauchdecke der rechten Bauchseite eine Gewebeprobe aus der Leber. Die Gewebeentnahme erfolgt unter örtlicher Betäubung und Ultraschallkontrolle. Blutungen sind seltene Komplikationen

Risiken:
Entscheident nach der Punktion ist die anschließende Ruhezeit. Desto länger der Patient ruht, desto geringer das Risiko einer seltenen Nachblutung (s. Aufklärung und Einwilligung ). Manchmal tritt nach der Untersuchung ein Schmerz im Bereich der rechten Schulter auf, der , wenn er nur leicht ist, normal sein kann.

Auswertung:
Die feingewebliche Untersuchung dauert 6 Arbeitstage. Das Ergebnis wird unmittelbar Ihrem Arzt oder Ihnen in einem Gespräch mitgeteilt.

Nach Ankunft in der Klinik um 08:00 Uhr, Anmeldung und dann bis ca. 11:30 Uhr warten (wieder dieses nette Wort), bekam ich dann endlich mein Bett in einem Vierbettzimmer zugewiesen. Um 12:00 Uhr wurde ich dann mit dem Bett ein Stockwerk tiefer in den Raum mit dem Sonographiegerät (umgangssprachlich Ultraschall genannt) gefahren, ein Arzt und zwei Ärztinnen waren anwesend; wobei der Arzt die Leberpunktion durchführte. Es wurden drei verschiedene Proben genommen. Die lezte Probe lies ich mir vom Doc zeigen. Drei ca. 4 - 5 mm lange, rosabräunliche Fäden schwammen in einer klaren Flüssigkeit in einem sehr kleinen Fläschen und grinsten mich an. (Nur nicht den Humor verlieren. Das kann sich schnell ändern.)

Dann war der Spuk auch schon vorüber. Und schon sind wir wieder beim Anfangssatz. Warten ist angesagt. Ein häßlicher Begriff, der der Zeit zugeordnet wird. Warten.

Am nächsten Vormittag holte mich eine liebe Bekannte ab und brachte mich wieder nach Hause. (Danke A.)

Nur nicht daran denken. Sich nie fragen, warum die Tarotkarten, die man selbst gezogen hat, gerade dieses Karma beinhalten. Sich nie fragen...

WARTEN
by Gernot W. Freudenberger

Ich bin ein verletzter Vogel
Trage meinen Kopf versteckt
unter meinem Flügel
Nichts sehen
Nichts hören
Nur warten
Warten
Warten

Auf was eigentlich?

+++++ +++ +++++

In dieser Stimmung fällt mir auch noch ein Gedicht von gerade ein Gedicht von François Villon ein, der als bedeutenster Dichter des französischen Spätmittelalters gilt.
François Villon (* 1431 in Paris; † nach 1463; sein eigentlicher Name war vermutlich François de Montcorbier oder François des Loges).

In seinen beiden parodistischen Testamenten und in zahlreichen Balladen verarbeitet er die Erlebnisse seines abenteuerlichen Lebens als Scholar, Vagant und Krimineller. Während für die Zeitgenossen vermutlich vor allem die satirischen Strophen auf zeitgenössische Pariser Honoratioren von Interesse waren, schätzt man ihn seit der Romantik wegen seiner eindringlichen Gestaltung der stets aktuellen Themen Liebe, Hoffnung, Enttäuschung, Hass und Tod, besonders im ersten Teil des Großen Testaments.

Die Ballade von den Galgenbrüdern

Ihr Brüder seht, hier werden wir gehängt,
ist keiner da, der uns sein Mitleid schenkt?
Gott wird es euch vergelten mit dem Gold
der Ewigkeit, wenn ihr uns nicht mehr grollt.
Seht her, gleich baumeln wir, fünf Kameraden,
und wenn wir auch den Leib noch in der Sonne baden,
den fetten Leib, genährt mit Fleisch und Weizenbrot;
bald frißt uns auf mit Haar und Haut der Tod.
Verspottet nicht dies elende Geschick,
Gott wird uns bald in Jesu Namen
erlösen von dem Galgenstrick,
von allem Übel, Amen!

Wir hängen dann für die Gerechtigkeit
und daß ihr unsre Brüder seid, verzeiht!
Nicht jeder auf der Welt hat kaltes Blut,
nicht jedem tut dies faule Leben gut.
Seid nicht erbost auf unsre Sünden
und bittet Gott, daß wir in seinen Schoß einmünden.
Seht, wie der Tod uns an den Kragen fährt,
seht, wie sein Griff uns schon am Halse schwärt.
Verspottet nicht dies elende Geschick,
Gott wird uns bald in Jesu Namen
erlösen von dem Galgenstrick,
von allem Übel, Amen!

Der Regen hat den Kopf uns blank rasiert,
seht wie uns in der Sonne friert,
wie uns die Raben Stück für Stück vom Bauch
mit ihren spitzen Schnäbeln hacken und wie auch
die Elstern nicht mehr faul nach unsren Därmen sind.
Wir schaukeln hin und her im Abendwind,
wie Äste, die voll roter Äpfel hangen,
wir sind im Nebel schon wie blauer Rauch zergangen.
Verspottet nicht dies elende Geschick,
Gott wird uns bald in Jesu Namen
erlösen von dem Galgenstrick,
von allen Übeln, Amen!

Zuletzt möge man diesen Stoßseufzer noch hören:

Herr Jesu, der Du Gnade ausschenkst allen;
errett uns aus des Teufels Höllenkrallen.
Ach, der fährt gut, der früh am Leben hängt
und nicht wie wir vom Strick so eingezwängt.
Wann wird wohl unser Herz erlöset sein?
Ihr Brüder, bittet Gott, er möge uns verzeihn!

Oktober 2007

Dienstag, 02.10.2007

Gestern kam endlich die erlösende Nachricht von meiner Onkologin. Kein Krebs!
Danke Christiane.

Diagnose:
zirrosisches Gewebe und Anzeichen einer beginnenden Fettleber. Hoffe, ich habe es so richtig wiedergegeben...

www.gerrys-photos.de