Tagebuch
Januar 2002
Mittwoch, 09.01.2002
Hallo zusammen, Ihr Besucher meines Lebens, Ihr
Besucher meiner Lyrik, meiner Collagen und meines Tagebuches,
das ich in unregelmäßigen Zeitabständen mit Worten
fülle.
Euch allen ein schönes neues Jahr 2002.
Frieden und Liebe in der Welt, statt Krieg und Bomben.
Lieber eine Runde mit Eurem/Eurer Liebsten ficken,
als unbeteiligte und unschuldige Menschen töten.
Egal, ob gläubig oder Atheist, umsonst wurden die Worte nicht
geschrieben:
DU SOLLST NICHT TÖTEN.
Aber es gibt seit der Bevölkerung unseres wunderschönen
Planeten immer und immer wieder ein paar Arschlöcher, die
der Meinung sind, dass ihnen allein die Welt und die Macht und
das Leben gehört.
Piss off, Motherfuckers...!
Steckt euch eure Waffen und eure Kriegsmaschinerie in die fetten
Ärsche, drückt einmal ganz bewusst DEN Knopf und sprengt
eurer stinkenden, syphilisverseuchten Schwänze in alle vier
Himmelsrichtungen. Verstreut sie in einer intergalaktischen Welt...
...denn WIR wollen Frieden!
Hallo, Ihr lieben Besucher meiner Homepage,
die mit Bewusstsein, Verstand und Weisheit durch das Leben gehen;
hallo, ihr kranken Beutelratten und Kinderficker.
Heute ist ein Tag, an dem ich die ganze Welt in den Arsch ficken
könnte...
Warum?
Das neue Jahr hatte so geil begonnen. Wir feierten mit Freunden
und Bekannten hier in unserer außerirdischen Ortschaft und
es war echt tierisch.
Der Bescheid in der Uniklinik war okay. Kein Krebsgeschwür
entdeckt, keine Metastasen. Die Onkologen waren zufrieden, weil
ich ihnen keine Arbeit bereitete und die Beschäftigten im
Jenseits mussten sich auch noch nicht um meine Seele kümmern.
Alles im Lot eben.
Auch in der Firma lief es für mich die letzte Zeit immer
besser, und ich war eigentlich rundum zufrieden.
Auch in meiner Abteilung war ich wieder gern gesehen und hatte
viele Einzelgespräche mit meinen Vorgesetzten geführt
über alles was mir im Laufe der Zeit so auf der Seele gebrannt
hatte.
Was war, was ist dann nun das Übel?
Okay, am Dienstag hatte ich einen Termin bei Dr. von Wagner,
meinem Leberspezialisten in der Uniklinik (nicht die Onkologie
wie im Dezember). Er teilte mir mit, dass meine Interferonbehandlung
NICHT den erwarteten Erfolg gehabt hatte, sondern meine Leberentzündung
wieder aktiv sei, nachdem sie seit ein paar Monaten verschwunden
war. "Scheiße" und "Happy New Year"
war mein erster Gedanke. Wie ich ihn verstanden habe, gibt es
bei meinem Genotyp 3 eine Rückfallquote von ungefähr
20% nach einer Interferonbehandlung. Aber durch die Leberzirrhose,
die seinerseits schon aktiv gewesen ist, war meine Leber doch
angegriffener als erwartet. So auch der Rückfall. "Wie
so oft mal wieder die Arschkarte gezogen!" stellte ich trocken
fest. Der Doc schmunzelte leicht, was sollte er auch tun. An den
Ärzten der Uniklinik Frankfurt am Main lag es bestimmt nicht,
dass wieder eine Aktivität festgestellt wurde. Sie haben
ihr menschenmöglichstes für mich getan. Doch ist es
schon langsam zum Lachen. Drei von 100 000 Menschen in der westlichen
Welt erhalten meine Art des Leberkrebses, 20% meines Genotyps
3 erhalten nach Interferon einen Rückfall... und? ICH bin
immer dabei...
Ich küsse den Samen, der mich entstehen ließ.
Ihn auf die erhitzte Herdplatte ejakuliert wäre vielleicht
vernünftiger gewesen...
Tagebuch Februar 2002
21. Februar 2002
Okay, da bin ich wieder 'mal.
Am Montag, 18. Februar 2002 ist unser Betriebsratsvorsitzender
unseres schwedischen Einrichtungshauses von allen Ämtern
und seinem Arbeitsplatz im Unternehmen zurückgetreten. Über
die Gründe will ich hier und an dieser Stelle nichts verlauten
lassen, denn sie haben in diesem - meinem! - "Tagebuch"
nichts verloren.
Doch kann mich keiner daran hintern, dass ich nicht ein paar
Sätze in eigener Sache loswerde.
Hier eine Kopie meines Vortrages an unserer Betriebsratsversammlung
am heutigen Tag, nachdem ein
BR-Mitglied ziemlich wegen seiner Meinungsfreiheit in die "Mangel"
genommen wurde. Namen werden hier aus persönlichen Gründen
verfremdet.
Einen gewaltigen Teil seines Lebens verbringt der Mensch auf
seiner Arbeitsstelle. Im Betrieb. Im Unternehmen.
Darüber schließen beide Parteien einen Vertrag ab,
der auch von beiden Parteien unterzeichnet wird. Der so genannte
Arbeitsvertrag. In diesem Vertrag wird unter anderem die auszuführende
Tätigkeit geregelt, die Arbeitszeit, manchmal stehen Passagen
der Betriebs- oder Arbeitszeitvereinbarung darin und verschiedene
Aspekte mehr. In manchen dieser Arbeitsverträge steht auch
etwas von Pünktlichkeit und Ehrlichkeit drin, von Schweigepflicht
über Betriebsgeheimnisse und so weiter. Doch mir persönlich
ist in meinem 52 jährigem Leben noch niemals ein Arbeitsvertrag
untergekommen, in welchem das freie Meinungsrecht geregelt war.
Auch nicht in diesem, unserem Unternehmen.
Was hat unser BR-Mitglied XY nun eigentlich verbrochen, dass
ihm von einigen Stellen derartig auf die Fresse gehauen wird,
als hätte er die Unternehmensstruktur unseres Unternehmens
für einen Beutel Silberlinge an einen Konkurrenten verscherbelt?
Er hat sich als Betriebsratsmitglied einfach erdreistet Stellung
zu beziehen auf Dinge, die ihn beschäftigt haben. Hat er
als Mitarbeiter und Betriebsratsmitglied nicht das Recht und die
verdammte Pflicht auch Kritisches zu hinterfragen und Ungereimtheiten
oder unter dem Teppich liegendes an die Öffentlichkeit zu
bringen? Ist er nicht auch von Kolleginnen und Kollegen gerade
deswegen in den Betriebsrat gewählt worden und wurde er nicht
auch deswegen 2. Schwerbehindertenvertreter, weil er als eine
Person bekannt ist, die sich immer sozialkritisch geäußert
hat und seinen Standpunkt auch nach außen hin offen und
ehrlich vertritt? Ist euch allen eigentlich bewusst, wie viele
Menschen auf diesem wunderbaren Planeten leiden und sterben mussten,
bis sie diesen Wert ihr eigen nennen konnten?
In der letzten oder vorletzten Ausgabe der Hauszeitung war so
viel aus dem Testament eines Kaufmanns zu lesen. Ein ganzes Kapitel
über Geist wurde sogar kopiert. Dazu kann ich nur sagen,
dieses Gremium besteht nicht aus Ghostbusters, sondern aus Menschen
die keine Angst vor Wahrheiten haben und diesen Geist gerne mit
leben wollen, wenn er denn auch so praktiziert wird.
Auch ich habe in Testament eines Kaufmanns gelesen und ein paar
sehr interessante Zeilen gefunden, die ich an dieser Stelle nicht
zitiert lassen möchte.
Unter Ehrlichkeit schreibt unser oberster Chef unter anderem:
"Wir müssen für eine direkte und offene Kommunikation
mit unseren Mitarbeitern sorgen. Wir müssen unsere Meinung
sagen können, ohne dabei an die Konsequenzen denken zu müssen."
Weiter heißt es dann in selbiger These: "Wir müssen
ständig lernen, auf positive Weise zu kritisieren. Keine
Durchführung ist so schlecht, dass sie nicht auch positive
Züge hätte."
Für mich persönlich ist Kritik ein Aspekt, der immer
jemanden trifft, der diesbezüglich eine andere Meinung zu
gerade dieser Kritik hat. Aber das ist auch Sinn der Sache. Ohne
Kritik gibt es keine Änderungen, keine Verbesserungen, sondern
puren Stillstand. Und das ist nicht gerade das, was eine gute
Unternehmensstruktur ausmacht.
Wenn nun alles so positiv wäre, wie es in der Hauszeitung
zu lesen war, aus welchem Grund soll XY einen derartigen Artikel
schreiben? Kann es nicht vielleicht auch daran gelegen haben,
dass durch unzählige Gespräche mit Mitarbeitern dieses
Hauses - die ja angeblich alle so zufrieden und glücklich
in ihren Abteilungen sind - eine Situation geschaffen wurde, einen
Denkanstoß zu geben, dass es auch andere Meinung von Leuten
gibt, die sich vielleicht aus Angst vor Repressalien und eventuellem
Arbeitsplatzverlust nicht trauen, ihre Meinungen öffentlich
zu sagen. Aber dazu ist dieses Gremium auch zur Wahrnehmung ihrer
Interessen gewählt worden. Und es wäre absolut fehl
am Platz, wenn es nicht auch so handeln würde.
Ich persönlich möchte zum Abschluss meiner individuellen
Meinung nur noch sagen, dass ich sehr glücklich darüber
bin zu wissen, dass sich Leute wie XY auch in der heutigen Zeit
noch bei über 4 Millionen Arbeitslosen trauen, Kritik zu
üben und in einem dunklen Raum das Licht einzuschalten. Ändern
und verbessern können wir es gemeinsam, so es denn gewollt
ist.
Für mich selbst ist es ein überwältigendes Gefühl
- auch mit Glatze - morgens und abends in den Spiegel schauen
zu können und zu sagen: schön das es dich gibt. Denn
ich lasse mir meine Meinung von keinem Menschen dieses Planeten
beschneiden oder verbiegen. Für mich bedeutet Ehrlichkeit
und Meinungsfreiheit eben mehr, als um jeden Preis einer Person
oder einer Sache zu gefallen. Ich gehöre nicht zu dem Kreis
von Personen, die irgendwann in der Vergangenheit dieses Gremium
verlassen haben und Unwahrheiten über vereinzelte Mitglieder
verbreitet haben, um sich dadurch irgendwelche Vorteile bei bestimmten
Personen zu erhoffen. Hätten sie ihre Energie so für
die Belange der Mitarbeiter eingesetzt, hätten sie dieses
Gremium wahrscheinlich nie verlassen. Ich möchte an dieser
Stelle ganz bewusst
Frau X von diesem Vorwurf ausklammern. Und trotzdem kann und will
ich meinen Beitrag in diesem Unternehmen leisten, wenn er denn
gewollt ist.
Eine Bemerkung noch zu unserem BR:
Es freut mich als Schwerbehindertenvertreter einem Gremium anzugehören,
dass sich nicht dadurch auszeichnet Stunden im BR-Büro zu
verbringen und sich "Nettigkeiten" gegen dieses Unternehmen
auszudenken wie vereinzelte Zungen behaupten, sondern das sich
auch dadurch einen Namen in anderen firmeneigenen Häusern
geschaffen hat, das deren örtliche Betriebsräte und
Schwerbehindertenvertretungen um Rat nachfragen. Also kann dieses
Gremium ja gar nicht so schlecht sein. Das solltet ihr bei der
nächsten Wahl nicht vergessen, so es denn von euch gewollt
ist.
Noch ein Wort zu unserem ausgeschiedenen BR-Vorsitzenden:
Ich bin stolz darauf einen Menschen kennen gelernt zu haben, der
sich derartig für die Interessen der Mitarbeiter dieses Hauses
eingesetzt hat wie er es getan hat. Zu seinem Weggang und warum,
will ich an dieser Stelle nur sagen, ich bewundere seinen Mut
für diesen Schritt, auch wenn es mir sehr schwer fällt,
mich damit abzufinden. Aber lest auch zwischen den Zeilen seiner
Info an euch.
Seinem Nachfolger wünsche ich schon von ganzem Herzen seinen
Kampfeswillen sich für die Belange der Mitarbeiter dieses
Hauses einzusetzen.
Euch allen einen schönen Tag und bleibt gesund.
Tagebuch März 2002
Freitag, 22.03.2002
Und wieder sind seit dem letzten Eintrag vier Wochen ins Land
gegangen.
Am 18. März hatte ich nun schon meinen "4jährigen
Geburtstag".
4jährigen?? Ja, denn vor genau vier Jahren, am 18. März
1998 wurde ich in der Uniklinik operiert.
Vier Jahre ist das nun schon wieder her. Vier verdammt lange
Jahre mit seelischen Höhen und Tiefen. Mit Angst, Glück,
Depressionen, Hoffnungen... Aber IMMER mit dem Willen nicht aufzugeben.
Das und meine tiefe Liebe zu Helga haben mich immer wieder aus
dem Sumpf der Angst und Depressionen gezogen.
***
Helga war zwischenzeitlich auch in Urlaub. Sie war mit ihrer
Freundin B. eine Woche in Südspanien, die dort ein kleines
Häuschen ihr Eigen nennt. Es hat mich sehr gefreut, dass
sich Helga so gut erholt hatte, denn sie hatte ja auch den ganzen
Scheiß' mit meiner Krankheit und der Zeit danach miterlebt.
Auch ihre Seele und Psyche waren gewaltig angekratzt.
***
Während Helgas Urlaub hatte ich auch Besuch von einer wahnsinnig
lieben Person aus unserer Firma. Wir tranken eine Flasche australischen
Rotwein zusammen und hatten nur gequatscht. Es war eines der schönsten
Gespräche, die ich die letzte Zeit geführt hatte. Zumal
ich ihr gegenüber meinen ersten Eindruck bis heute NICHT
geändert habe. Schade, dass nicht andere auch ihre Liebenswürdigkeit
und Lebensoffenheit erkennen. Deswegen ein spezieller Dank an
Dich, wenn Du diese Zeilen lesen solltest. Für alle anderen:
Helga weiß Bescheid! Keine Spekulationen! Keine Vermutungen!

Tagebuch April 2002
Sonntag, 14. April 2002
Heute den neuen Rechner installiert und ins Internet gesurft.
Ein Powergerät, auch wenn er nach manchen Kritiken hier und
da ein paar Macken haben soll. Aber ich finde ihn toll!!!

Mittwoch, 17. April 2002
Unsere sogenannte "Liebe" entpuppt sich auch langsam
immer mehr zu einer Fatamorgana. Es ist schon teilweise vergleichbar
mit unserer Firma: nach außen die heile Welt und im inneren
ein Trümmerfeld.
Vielleicht liegt es aber auch wirklich nur an mir. Zu mindestens
der erste Teil von dem, was ich oben geschrieben habe. Irgendwie
leben wir - Helga und ich - uns immer mehr auseinander. Sie lebt
nach meinem Anschein in ihrer heilen Welt weiter wie schon seit
mindestens 20 Jahren. Ich dagegen habe mich im Laufe der Jahre
total verändert. Zu mindestens ganz gravierend nach meinem
Leberkrebs und der Operation. Durch diesen Schicksalsschlag hat
sich automatisch meine Welt verändert, die ich inzwischen
auch mit ganz anderen Augen betrachte. Da ist nichts mehr von
Peace and Love und Freiheit und Fun, sondern es ist eine Welt,
in der man Menschen systematisch in den Arsch tritt. Tagaus, tagein!
Ohne Erbarmen!
Auch durch meine Tätigkeit als Schwerbehindertenvertreter
und dadurch, dass ich in unserer Firma sehr viel Internes mitbekomme,
kann ich es laut hinausschreien: he, Mensch, Du bist nur noch
zur Belustigung da. Wenn Du früher noch ein Mitarbeiter warst,
den man geschätzt hat, dann bist Du heute zu jeder Tages-
und Nachtzeit austauschbar und ersetzbar. Punkt!
Das sind Dinge die ich fast täglich in unserer Heilen-Welt-Firma
sehe und miterlebe
Tagebuch Mai 2002
Dienstag, 14.05.2002
An alle die es trotzdem interessiert: ich habe Helga wahnsinnig
lieb!
Okay, zur Erklärung für den Eintrag im April:
es sind halt alles nur Gefühle, augenblickliche Momente.
Stimmungen. Ängste. Freuden etc.
So ist das halt auch in unserer Beziehung. Auf eine undefinierbare
Art und Weise habe ich mich schon gewaltig seit meiner bösen
Geschichte Anfang des Jahres 1998 geändert.

Donnerstag, 30.05.2002
Jaja, lange nichts geschrieben...
***
Ende Mai musste Helga dann kurzfristig ins Krankenhaus, wo sie
einen operativen Eingriff über sich ergehen lassen musste.
Ich werde am 11. Juli 2002 an meinem Leistenbruch operiert den
ich mir auf der Arbeit zugezogen hatte. So geht das Leben halt
seinen Gang.
Demnächst wird es wieder einen ausführlicheren Bericht
geben, aber ich habe z. Zt. nicht die richtige Stimmung.
Nein, es ist momentan alles okay, aber zum Schreiben brauche
ich immer eine bestimmte Stimmung, da ich mich ansonsten nur quäle.
Schreiben muss flüssig sein und man darf nicht krampfhaft
nach Worten suchen.
Außerdem habe ich morgen meine Hauptnachuntersuchung in
der Uniklinik Frankfurt a.M. Mit Kontrastmittel trinken, Spritzen
über mich ergehen lassen, Computertomographie und dann noch
das Gespräch mit meiner Onkologin.
Ab 10. Juni 2002 habe ich dann endlich Urlaub und am 13. Juni
geht es dann am Abend mit dem FCE nach Mallorca zum ab hotten.
Diesmal sind wir um die 45 Männer, die die kleine Insel unsicher
machen werden.
Tagebuch Juni 2002
Mittwoch, 12.06.2002 11:39 Uhr
Heute Morgen fand ich frisches und geronnenes Blut in meinem
Stuhl vor. Hatte mich ganz schön erschrocken und auch sofort
meine Hausärztin aufgesucht. Sie riet mir dringend einen
Termin für eine Darmspieglung geben zu lassen. Diesen hat
sich Helga nun auch gleich für mich geben lassen, wenn ich
wieder aus Mallorca zurück bin. Hoffentlich nichts Ernstes!!!
Heute Abend feiert auch Herte - unser Torwart - seinen Polterabend
und morgen Abend um 18.20 Uhr geht es dann endlich mit Condor
4642 nach Mallorca in Urlaub. Darauf freue ich mich schon sehr,
denn er bringt auch Erholung und Abwechslung.
In letzter Zeit bin ich auch wieder von einigen Leuten gefragt
worden, warum ich das alles so der Öffentlichkeit preisgebe.
Nun, ich kann es an dieser Stelle nur nochmals wiederholen was
ich an früherer Stelle auf dieser Homepage schon einmal auf
diese Frage geantwortet habe: es geht mir mit dieser Homepage
NICHT darum irgend jemanden zu imponieren oder zu zeigen was ich
für ein Kerl bin, sondern rein darum, mir ein Ventil zu schaffen,
um mit meinem Gesundheitszustand und meiner Situation fertig zu
werden. Außerdem habe ich schon in vielen Emails und Gästebucheinträgen
das Feedback erhalten, dass diese Page auch anderen eine Plattform
für gewisse Situationen gibt.
Auch weise ich an dieser Stelle nochmals mit aller Wichtigkeit
darauf hin, dass es in keiner Weise beabsichtigt ist, irgendwelche
auf dieser Page genannten Personen zu beleidigen, verunglimpfen
oder in irgendeine bestimmte Richtung zu stellen. Alles ist einfach
eine Form der individuellen Darstellung und Ausdrucksweise meinerseits.
Euch allen bis demnächst eine schöne Zeit, seit lieb
zueinander und achtet auch DIE Menschen,
die eine andere Rasse und Hautfarbe haben als IHR.

Donnerstag, 27.06.2002 8:14
Letzten Freitag (21. Juni 2002) bin ich aus Mallorca zurückgekehrt,
wo ich eine Woche mit 45 Mann des FC Eddersheim verbracht habe.
Saisonabschluss!
Mir hat es ganz gut gefallen, obwohl es mich immer wieder in Erstaunen
versetzt, welchen Raubbau manche mit ihrem Körper veranstalten:
Vollsuff bis zum Extrem oder bis zum Abschalten gewisser Körperfunktionen.
Aber darauf will ich nicht näher eingehen. Aber scheinbar
ist der Mensch so gestrickt, dass er immer eine individuelle Selbsterfahrung
erleben muss bis er erkennt, dass sich der Körper irgendwann
einmal meldet und zurückschlägt. Sei es in Form von
Krebs, Leberzirrhose oder sonstigen "angenehmen" Nettigkeiten.
Wenn es nicht so den Anschein hätte, dass ich mal wieder
mit dem kleinen Finger winken wollte, könnte ich mich ja
mal wieder selbst als bestes Beispiel präsentieren.
Zu meiner momentanen Gesundheit:
Am Dienstag, 25.06.2002 war ich zu einer Magenspieglung im Flörsheimer
Krankenhaus, wo ich auch morgen (28.06.2002) zur Darmspieglung
hinmuss. Diese Untersuchungen hängen alle mit meinen Blutnachweisen
im Stuhl zusammen. Es soll auf diesem Weg die Ursache gefunden
werden. Mit meinem Magen soll alles in Ordnung sein, habe ich
den untersuchenden Arzt verstanden. Mal sehen was der Darm hergibt???

Samstag, 29.06.2002 0:35
Vorgestern hatte ich nun meinen 52. Geburtstag und ich hatte
mich sehr über die zahlreichen Glückwünsche gefreut,
die ich an diesem Tag erhalten habe. Auch von Leuten, von denen
ich es gar nicht erwartet habe. Abends haben mir dann noch ein
paar Freunde vom FCE ein Ständchen vor dem Haus dargeboten.
Den Tag hatte ich dann damit genossen, dass ich ab 15.00 Uhr
3 Liter Abführmittel zu mir genommen habe, da ich ja am Freitag,
28.06.2002 um 08.30 Uhr meinen Termin zur Darmspieglung im Flörsheimer
Krankenhaus wahrnehmen musste. Aber dazu später mehr.
Am Freitag war ich mit Helga ins Main-Taunus-Zentrum (ein riesiges
Einkaufszentrum in unserer Nähe) gefahren, und wir hatten
im Kinopolis den Film SPIDER MAN angeschaut. Was Helga und mir
an diesem Film gefallen hatten waren die genialen Filmtricks.
Bevor wir ins Kino gingen, hatte mich noch Andre E. auf dem Handy
erreicht und uns gefragt, ob wir mit zu der Premiere von VIRUS
des FLIC FLAC-Theaters gehen wollten, welches in Frankfurt auf
dem Festplatz vor der Eissporthalle gastierte. Wir sagten zu und
so trafen wir uns dann vor dem großen Zelt des Varieté
Theaters. Es war eine wunderschöne Veranstaltung und die
Zeit verflog in Null-Komma-Nix.
Doch nun zu meinem Besuch im Flörsheimer Krankenhaus heute
morgen.
Mein Schwiegervater hatte mich hingefahren, denn man sollte nach
dem Beruhigungsmittel nicht mehr selbst ein Auto steuern. Ich
hatte etwas Bammel, denn mir hatten zwischenzeitlich einige Leute
ihre persönlichen Erfahrungen mit einer Darmspieglung geschildert.
Diese gingen in der Beurteilung dann auch weit auseinander.
Ich bekam dann auch wie erwartet eine Beruhigungsspritze und
der Internist begann dann auch gleich darauf mit seiner Untersuchung.
Dazu kurz: weh getan hat es eigentlich nur einmal ganz kurz. Ansonsten
war es nur unangenehm. Wer hat aber auch schon etwas im Hintern
stecken??? Ich konnte die ganze Prozedur auf dem Farbmonitor verfolgen.
War schon interessant.
Nach der Beendigung der Spieglung teilte mir dann Dr. Torres
mit, dass sich ein Tumor in meinem Darm befindet. Meine Frage,
ob es sich dabei auch um ein Karzinom (Krebsgeschwür) handeln
könnte, beantwortete er wörtlich: "Es kann möglich
sein, aber wir wollen erst den genauen Befund der Auswertung der
entnommenen Probe abwarten."
Hm...
Hallo Gernot, Happy Birthday!
Hallo Gernot, kennen wir das nicht alles irgendwo her?
Hier der Bericht an meine Ärzte:
Koloskopie
Vorbereitende Abführmaßnahmen mit Endo-Falk. Unmittelbar
vor der Untersuchung werden 5mg Dormicum iv. verabreicht. Im Verlauf
der Untersuchung keine weitere Gabe von Medikamenten.
Analinspektion und digital-rektale Untersuchung ohne pathologischen
Befund..
Das Gerät kann ohne Schwierigkeiten bis zum Zoekum eingeführt
werden. Eine Intubation des terminalen Ileums gelingt problemlos.
Der Darm ist sauber.
Bei rückführender, zirkulärer Betrachtung werden
erneut alle Abschnitte sorgfältig inspiziert. Die Schleimhaut
ist in allen Abschnitten unauffällig.
Keine Divertikel..
Keine Polypen.
Exulzerierter, Ringförmig wachsender Tumor im Sigma. Der
Tumor beginnt in einer Tiefe von ca. 25cm ab Ano und dehnt sich
bis ca. 35 cm aus.
Beurteilung:
Exulzerierter, Ringförmig wachsender Tumor in einer Tiefe
von ca. 25cm und 35cm ab Ano. PE wurde entnommen.
Okay, da sitze ich nun morgens um 01.34 Uhr vor meinem PC und
haue diese Zeilen in die Tastatur.
Wenn man mich jetzt fragen würde wie es mir geht, so könnte
ich keine direkte Beantwortung dieser Frage geben, denn ich kann
meine Empfindung zurzeit selbst nicht so richtig deuten. Teils
bin ich unsagbar traurig, teils unbeschreiblich hilflos. Es ist
eine Mischung aus Angst, Hoffnungslosigkeit und Nichtverstehen.
Mein Kopf ist ein herbstlicher Wald. Jedes Blatt ist ein Gedanke.
Und es sind momentan sehr... sehr... sehr viele bunte Blätter,
die auf den Waldboden fallen.
Ich hoffe nur, mein Kampf ist nicht umsonst.
Zum Abschluss für heute ein Gedicht von Jim Morrison,
welches meine augenblickliche Stimmung am Besten widergibt:
They are waiting to take us into
The severed garden
do you know how pale & wanton thrillful
comes death on strange hour
unannounced, unplanned for
like a scaring over-friendly guest your've
brougth to bed
sie warten darauf, uns in den abgetrennten
garten zu bringen
weißt du wie bleich & geil schaurig
der tod kommt in einer seltsamen stunde
unangemeldet, uneingeplant
wie ein schreckender überfreundlicher gast,
den du hast zu bett gebracht.
Tagebuch Juli 2002
Montag, 01.07.2002 10:11
Heute ist der 1. Juli 2002... Helgas Geburtstag. Hey Baby, alles
Liebe und etwas mehr Glück mit Deiner Gesundheit. Wenn es
jemals ein Licht auf dieser Welt gegeben hat, dann bist Du es,
der die Helligkeit der Sonne in mein Leben gebracht hat. Ich liebe
Dich! Und ich werde das auch noch tun, wenn irgendwann einmal
meine Seele nicht mehr in dieser irdischen Existenz verweilen
wird. Außerdem habe ich mit mir heute ein Machtwort gesprochen:
der Fight geht weiter!!!
Ansonsten muss ich halt abwarten wie das Ergebnis der Probe aussieht,
die sie meinem Darm entnommen haben. Erst dann habe ich die Gewissheit,
ob es sich um einen gut- oder bösartigen Tumor handelt. Meine
Hausärztin meinte heute Morgen, dass die Chancen ganz gut
sind, da man ihn eigentlich noch früh entdeckt habe. Auch
ist die Tiefe von 25 - 35 cm hinter dem Anus noch relativ gut
für eine OP. Nun ja, warten wir es ab.

Dienstag, 02.07.2002
Kopie eines Emails über welches ich mich sehr gefreut habe.
(Absender ist Helga und mir bekannt. Anmerk. von G.W.F.)
Hallo my Dear.
Deine Nachricht heute Morgen hat mir einen richtigen Schock
versetzt. Ich kann es immer noch nicht fassen.
Hoffentlich bewahrheitet es sich, dass Du ein Glückskind
bist. Ich
wünsche es Dir so sehr.
Gib mir bitte gleich Bescheid, wenn Du das Ergebnis bekommst.
Auch
wenn es negativ ist.
Ich möchte Dir so viele Sachen sagen und Dir helfen, aber
ich weiß
nicht wie. Welche Worte kann ich Dir sagen um Dir über die
Zeit
der Ungewissheit hinwegzuhelfen? Du kennst bestimmt dieses Gefühl
der Hilflosigkeit.
Lass Dir einfach gesagt sein, das ich Dich in meinem Herzen trage,
das ich an Dich denke und das Du mir sehr wichtig bist.
Sag bitte Helga ganz, ganz liebe Grüße von mir. Sie
soll nicht
verzweifeln. Deine Traumfrau hat schon einmal bewiesen, das sie
stark ist, sie wird es auch diesmal schaffen.....
Viele liebe Grüße an Euch beide,
P.

Donnerstag, 04.07.2002 12:17
Heute war ich in der Uniklinik Frankfurt bei meiner Onkologin
Frau. Dr. med. Staib-Sebler, um mit ihr über meinen festgestellten
Darmtumor zu sprechen. Sie geht davon aus, dass es sich zu 95%iger
Wahrscheinlichkeit um ein Stigma-Karzinom handelt. Das betroffene
Stück Darm soll nun operativ entfernt werden. Bei dieser
Gelegenheit teilte mir Frau Dr. Staib-Sebler auch mit, dass meine
damalige Leberkrebsoperation bei weitem viel komplizierter gewesen
sei. Wörtlich sagte sie: Wissen Sie, Herr Freudenberger,
dass Sie heute hier sitzen grenzt schon an ein Wunder." WUMM...!!!
Ist ja auch ein ganz schön packender Satz, der einem so richtig
darlegt, wie nah man eigentlich schon ein Bein in der anderen
unbekannten Welt hatte. Aus diesem Grund kann ich auch ganz bewusst
sagen: ICH LIEBE MEIN LEBEN. Was mir aber nicht so gut gefiel
war ihre Antwort auf meine Frage, ob mein damaliger Prof. Dr.
med. Lorenz wieder mit an der OP beteiligt sein wird, worauf sie
sagte, dass er sehr krank sei. Egal, Dr. Lorenz, auch wenn Sie
diese Zeilen nie lesen werden: alles Liebe und bitte, bitte GUTE
BESSERUNG.
Nächste Woche werde ich nun operiert. Am Dienstag, 09.07.2002
muss ich zu einer CT-Kontrolle in die Uniklinik, am Mittwoch,
10.07.2002 ist meine Aufnahme und am Donnerstag, 11.07.2002 wird
dann die Operation durchgeführt, wenn nicht wieder eine Notoperation
eingeschoben wird. So war es zu mindestens bei der Leberkrebsgeschichte
1998.
Psychisch ist bei mir so weit alles okay. Klar ist man aufgeregt,
aber direkte Angst habe ich nicht. Zum ersten ist mir das alles
noch bekannt, zum zweiten werde ich auch wie damals kämpfen.
Auch wenn ich für einige Menschen ein Buch mit sieben Siegeln
bin, aber eines kann ich mit Sicherheit behaupten: tot ist man
erst wenn man gestorben ist.
Außerdem kann ich mit meinen Gefühlen und Ängsten
heute viel besser umgehen, da ich mich noch von damals auf die
Augenblicke und Situationen einstellen kann. Damals war alles
so brutal neu. So schonungslose Verzweiflung und Angst.
Heute sage ich mir:
GERNOT, DER KAMPF GEHT WEITER...!!!

Samstag, 06.07.2002 11:27
Gestern Abend waren wir mit Freunden auf dem Hochheimer Weinmarkt.
Es war absolut geil. Unsere Bautzner Freunde Frohwald und Ramona,
die uns zurzeit besuchen waren ebenfalls mit von der Partie.
Heute wollen wir nun im Fereins heim mit einigen Freunden und
Bekannten unseren Geburtstag nachfeiern. Helga hatte mich zuvor
Mehrfalls gefragt, ob ich die geplante Party absagen wollte. Ich
wollte nicht!!! Alles, was mich zurzeit auf andere Gedanken bringt
und etwas von meiner bevorstehenden Operation abbringt ist gut,
denn der Weg wird bestimmt noch hart genug werden.
Für Interessierte hier ein Kurzbericht über das Leiden:
Darmkrebs
In Deutschland erkranken pro Jahr rund 28.000 Frauen und 24.000
Männer an Krebs von Dickdarm oder Mastdarm. Das Erkrankungsrisiko
steigt mit dem Lebensalter allmählich an. Die Ursachen für
die Entstehung von Darmkrebs sind noch nicht vollständig
geklärt. Darmkrebs entsteht in Zellen der Darmschleimhaut.
Eine Anhäufung von erworbenen genetischen Veränderungen
führt zur Erkrankung. Rund zehn Prozent aller Darmkrebserkrankungen
sind Folge erblicher Vorbelastung. Auch die Ernährungsweise
scheint einen Einfluss zu haben. Vor allem fett- und fleischreiche
Kost und wenig Ballaststoffe erhöhen das Risiko, ebenso bestimmte
chronische entzündliche Erkrankungen der Darmschleimhaut
und Polypen.
Im Rahmen des gesetzlichen Früherkennungsprogramms ist ab
dem 45. Lebensjahr eine jährliche Untersuchung vorgesehen.
Dabei wird der Mastdarm (Rektum) mit dem Finger ausgetastet und
ein Test auf unsichtbares Blut im Stuhl (Hämoccult-Test)
durchgeführt. Familien mit erblicher Vorbelastung müssen
speziell betreut werden.
Wie kann man Darmkrebs feststellen?
Mögliche Anzeichen für Darmkrebs, die auf jeden Fall
abgeklärt werden müssen, sind Blutbeimengungen zum Stuhl,
aber auch auffällige, anhaltende Veränderungen der Stuhlgewohnheiten.
Wichtigste Untersuchungsmethode bei Verdacht auf Darmkrebs ist
die Darmspiegelung (Koloskopie). Dabei kann der Arzt die Darmschleimhaut
genau betrachten und aus verdächtigen Bezirken Gewebeproben
entnehmen, deren feingewebliche Untersuchung Aufschluss darüber
gibt, ob es sich um Krebs handelt. Bestätigt sich der Verdacht,
sind weitere Untersuchungen notwendig, um die Ausbreitung des
Tumors zu bestimmen. Dazu gehören vor allem Ultraschalluntersuchung
und Computertomographie des Bauchraums, Röntgenuntersuchung
des Dickdarms mit Kontrastmittel und Röntgenaufnahmen der
Lunge. Auch wird ein Tumormarker bestimmt, das karzinoembryonale
Antigen (CEA), das bei Darmkrebs häufig vermehrt im Blut
auftritt.
Wie sieht die Behandlung aus?
Die größte Bedeutung in der Behandlung von Darmkrebs
hat die Operation. Der gesamte vom Tumor betroffene Darmabschnitt
und die nächstgelegenen Lymphknoten werden entfernt. Saß
der Tumor in einem höheren Darmabschnitt (Dickdarmkrebs),
werden die Enden dann einfach wieder zusammengenäht. Bei
Sitz im Mastdarm (Rektum) sehr nahe am Darmausgang versucht man,
den Schließmuskel zu erhalten. Am ehesten ist dies möglich,
wenn der Tumor klein und noch nicht tief in die Darmwand eingedrungen
ist. Aber auch große Tumoren lassen sich durch eine Behandlung
mit krebswachstumshemmenden Medikamenten (Zytostatika, Chemotherapie)
und örtliche Strahlenbehandlung meist so verkleinern, dass
der Schließmuskel erhalten werden kann. Gelingt dies nicht,
erhält der Darm auf Dauer einen künstlichen Ausgang
durch die Bauchdecke (Stoma, Anus praeter). Bei kleinen, nicht
in die Tiefe vorgedrungenen und örtlich begrenzten Tumoren
ist keine weitere Behandlung nötig. Wurden in den bei der
Operation mit entfernten Lymphknoten Tumorzellen gefunden, erfolgt
eine Chemotherapie, die in regelmäßigen Abständen
über mehrere Monate verabreicht wird. Beim Mastdarmkrebs
hat sich nach der Operation die Kombination der Chemotherapie
mit einer Strahlentherapie der ehemaligen Tumorregion bewährt,
die das Risiko eines örtlichen Wiederauftretens der Erkrankung
vermindern kann. Auch wenn bei Diagnose bereits Metastasen vorhanden
sind, ist die operative Entfernung des Tumors in der Regel die
Methode der Wahl. Einzelne Fernmetastasen in Leber oder Lunge
werden nach Möglichkeit ebenfalls operiert. Bei zahlreichen
Metastasen wird eine Chemotherapie durchgeführt. Auch wenn
die Erkrankung weit fortgeschritten ist, gibt es zur Linderung
der Beschwerden vielfältige Möglichkeiten, einschließlich
einer wirksamen Schmerztherapie.
Welche Folgen hat die Behandlung?
Wurde ein künstlicher Ausgang (Stoma) angelegt, entleert
sich der Darminhalt entweder kontinuierlich in einen Plastikbeutel
oder nach einer täglich vom Patienten durchzuführenden
Darmspülung (Irrigation). Der Umgang damit erfordert eine
gewisse Eingewöhnung. Meist wird der Patient damit schon
im Krankenhaus von Fachpersonal (Stomatherapeuten) vertraut gemacht.
Die Strahlenbehandlung im Mastdarmbereich kann zu einer vorübergehenden
Schleimhautentzündung führen. Während einer Chemotherapie
kann es vor allem zu Schwäche, Übelkeit und erhöhter
Infektanfälligkeit kommen. Eine spezielle Diät ist meist
nicht nötig. Es hat sich aber gezeigt, dass eine vollwertige
und bedarfsgerechte Ernährung erheblich zur Verbesserung
der allgemeinen gesundheitlichen Situation beitragen kann. Wichtig
ist aber immer, nur das zu essen, was man auch gut verträgt.
Wie geht es nach der Behandlung weiter?
Ziel der Nachsorge ist die Früherkennung von behandelbaren
Rückfällen und von Behandlungsfolgen. In den ersten
beiden Jahren erfolgen Nachsorgeuntersuchungen alle drei bis sechs
Monate, danach in längeren Abständen. Im Mittelpunkt
stehen die Besprechung mit dem Arzt (Anamnese) und die körperliche
Untersuchung. Die Bestimmung spezieller Blutwerte, Ultraschalluntersuchungen,
Röntgenaufnahmen der Lunge oder eine Darmspiegelung können
die Nachsorge im Einzelfall sinnvoll ergänzen.
Was kann man bei einem Krankheitsrückfall tun?
Gerade bei spät entdeckten Tumoren kommt es nach einer Erstbehandlung
im Laufe der nächsten Jahre häufig zu einem Rückfall
(Rezidiv). Im Vordergrund steht auch hier – falls möglich
– die Operation. Manchmal kann eine Teilentfernung des Tumors
sinnvoll sein, um einen drohenden Darmverschluss abzuwenden. Einzelne
Metastasen in der Leber können operiert, mit einer durch
die Haut eingeführten Sonde vereist oder mit Laser licht
zerstört werden. Eine Bestrahlung kommt bei Mastdarmtumoren
in Betracht, deren Rezidiv nicht operierbar ist. Ansonsten wird
bei Metastasierung eine Chemotherapie durchgeführt, die das
Fortschreiten der Erkrankung verzögern und Beschwerden lindern
kann.
Wie sind die Heilungsaussichten?
Wird Darmkrebs in einem frühen Stadium entdeckt, in dem der
Tumor auf den Darm begrenzt ist, kann die Mehrzahl der Patienten
durch die Operation geheilt werden. Sind lediglich die nächstgelegenen
Lymphknoten befallen, bestehen immer noch gute Heilungsaussichten.
In weiter fortgeschrittenen Stadien und bei Metastasierung zielt
die Behandlung darauf, das Fortschreiten der Erkrankung zu verzögern
und die Beschwerden zu lindern. Eine Heilung ist hier allerdings
nicht möglich.
Tagebuch August 2002
Dienstag, 20.08.2002
Okay, gestern war meine 2. Chemotherapie.
Das 2. Mal, das ich diesen gefürchteten und auch gefährlichen
Stoff in meine Adern lassen musste, damit er sich in meinem Körper
ausbreitet und sein heil voll-makaberes Spiel in meinem Innern
treiben konnte. CHEMOTHERAPIE! Dieses Wort allein jagt einem schon
eiskalte Schauer nicht nur den Rücken herunter, sondern treibt
einen frostogen Keil in deine Eingeweiden, schlingt sich um dein
Herz und quetscht dir die Luft aus den Lungen. CHEMOTHERAPIE!
Das klingt nach Moder, nach Bayer Leverkusen, nach künstlich
erschaffenen Drogen aus dem Schlunde Luzifers.
Seit dem Tag, an dem man mir sagte, dass ich mich einer Chemotherapie
zur Vorbeugung unterziehen müsse, hat sich etwas in mir verändert,
ohne das ich es heute schon mit Worten auseinandernehmen könnte.
Irgendetwas war anders geworden. Irgendetwas hatte mir unwiderruflich
den Ernst der Lage in mein Hirn verbannt. Chemotherapie war und
ist so ein gewisser Abschnitt, den man nicht so einfach von der
Bühne des Lebens fegen konnte. Eine Spur, ein Gedanke, ein
höllisches Kichern setzte sich im purpurnenn Stoff des Bühnenvorhanges
fest. Die Saite einer Harfe, von der Decke bis auf den Boden reichend,
wurde von einem knöchrigen Finger gezupft und der Akkord
schwirrte gaukelnd umher. Er fand mein Ohr und drang ein. Er bahnte
sich seinen Weg durch meine Hirnwindungen und schallte von meinem
inneren Schädel zurück. Wie eine Sirene heulte er auf
und ab. Und ich wusste: DER KRIEG HAT BEGONNEN...!

Sonntag, 25.08.2002, 0:22
DANKE JULIA!!!
Aus den Lautsprechern meines Computers ertönt die Stimme
Jim Morrisons, der den Song WHO DO YOU LOVE anstimmt; begleitet
von den restlichen Mitgliedern der DOORS. Oh damn, wie ich diese
Band liebe, weil sie es immer wieder schafft, mich in ihre mystische
Musik einzuweben. Und je öfters ich die DOORS höre,
um so mehr wird mir auch bewusst wie weit sie der damaligen Zeit
der anfänglichen 70er voraus waren. Nicht nur in der genialen
Lyrik von Jim Morrisons Texten, sondern auch in der Genialität
der restlichen Mitglieder an ihren Instrumenten. Ray Manzarek
an seiner Orgel, die ich unter vielen heraushören würde.
Robby Krieger, dieser wunderbare Gitarrist, dessen musikalische
Vielfalt man erst mit der Zeit heraushört. Und dann noch
John Densmore am Schlagzeug. WOW!
Die Akkorde schrauben sich in meinen Kopf und expodierte in einem
kaleidoskopischen Feuerwerk, während der Rauch des verbrannten
Steppengrases kleine plasmische Ringe zaubert. Elfen, von einem
Wizzard bewacht sitzen am nächtlichen Fluss und zelebrieren
die Hochzeit der Nacht und des Morgengrauens... Hi Carsten "Captain"
W. ich grüße Deinen Sohn und wünsche ihm ein langes
Leben und sehr viel Glück mit seiner Gesundheit!
Wenn ich mir momentan eine Welt so ganz ohne Musik vorstelle,
dann wäre es... ...oh, nicht daran denken, denn Musik ist
ein Bestandteil der Religion, des Glaubens, der Existenz. Ohne
Akkorde kein Leben! Ohne Klänge keine Freude!
Brüder und Schwestern, Freunde der Nacht, Morpheus zieht
seinen Mantel zurück und der Tag erscheint in Grau.
Heute ist der Tag der Punkte, der Tag des Spiels. Lasst uns Schweigen
ausbreiten über die letzten Stunden und bereiten wir uns
vor... ...auf den Sieg. SCHEISS KREBS...!!!...
Tagebuch September 2002
Sonntag, 01.09.2002
Well, I've been down so goddamn long
That it looks like up to me
W ell, I've been down so very damn long
T hat it looks like up to me
Y eah, why don't one you people
C 'mon and set me free...
Mit dieser Textzeile aus dem DOORS Song .......... möchte
ich mich hier mal wieder melden.
Es ist schon interessant, amüsant und auch tierisch cool
wie manche von euch reagieren, wenn ich eine Zeitlang nichts auf
dieser Internetpräsenz verewige. Doch, liebe Besucher, wenn
ich einmal die Seite zum Jenseits wechseln sollte, werdet ihr
es rechtzeitig in Erfahrung bringen. Zurzeit gelten aber noch
meine Vorsätze: Long live Rock'n'Roll + Was mich nicht umbringt
stärkt mich nur noch + Sex and Drugs and Rock'nRoll...
Nach der vierten Chemo kann ich sagen, dass es mir den Umständen
entsprechend einigermaßen geht. Am schlimmsten sind immer
die ersten zweieinhalb Tage. Leichte Übelkeit, lustlos, melancholisch
und teils niedergeschlagen. Ab Mittwochabend geht es dann wieder
einigermaßen. Aber wenn es helfen soll, dann nehme ich die
Begleiterscheinungen gerne in Kauf, obwohl es KEINE 100%ige Garantie
auf ewigen Erfolg gibt. Aber ich lasse mich gerne überraschen.
Die letzen Monate waren ein ständiges Kommen und Gehen von
gefühlsmäßigen Turbulenzen, die mein Leben mit
allen möglichen Erkenntnissen bereichert haben. In negativer
und auch in positiver Hinsicht.
Da war zu einem das Thema mit der Führungsspitze in meiner
Firma, die sich zum großen Teil - abgesehen von ein paar
wenigen "hochgestellten Leuten" - einen Scheiß
um meine Erkrankung interessierten. Der oberste Chef unseres Hauses
schaut mich immer an, als hätte ich ihm seine Lebensqualität
geraubt; was mir aber ziemlich am Arsch vorbeigeht, denn er soll
sich mal langsam die Frage stellen, ob er sich nicht vielleicht
geändert hat. "Ihr sucht euch besser einen anderen Clown
und ich mir einen anderen Zirkus!", steht bei uns ein Zitat
von ihm über der Tür des Betriebsratsbüros. Nun
ja, wenn man die Werte der Menschlichkeit mit Füßen
tritt, wird man auch im neuen Zirkus als Clown keinen Spaß
haben. Bye bye, Clown...!
Auch von dieser Stelle aus ein paar Zeilen an Sabrina (ich denke
schon dass Du hier auf dieser Page wieder vorbei kommst):
Ich bin verdammt enttäuscht darüber, dass Du viele Leute
nur als Marionetten benutz hast, um Dein Ziel zu erreichen. Aber
ich bin der Meinung, dass Du Dir da mit selbst am allermeisten
da mit geschadet hast, denn Menschen soll man nicht wie einen
Tampon benutzen. Du weißt was ich meine...
Danke sagen möchte ich heute von dieser Stelle aus ein paar
Personen, weil es mir ein inneres Bedürfnis ist dies zu tun:
An erster Stelle steht da meine Frau Helga, die immer an mich
geglaubt hat und ein wichtiges Lebenselixier für mich und
meine Existenz darstellt. Und: Baby, since I've been loving you...
Danke sagen möchte ich auch meinen Eltern und meinem Bruder
Gisi, meinen Schwiegereltern, meinen Freunden Holger "Batz"
+ Jürgen Delp. Frohwald, Ramona und Sebastian aus Bautzen.
Meinem alten Eintracht Frankfurt-Kumpel Gerd Röder aus Weimar.
Meinem Ossifreund Riccardo aus Flöha. Ganz besonders und
mit KEINEM Judaskuss umarme ich Dich, Julia.
Danke sagen möchte ich auch den Ärzten, und allen die
mit mir in der Uniklinik Frankfurt am Main zu tun hatten und haben.
Ganz, ganz besonders Herrn Prof. Dr. med. M. Lorenz, der mir 1998
das Leben gerettet hat und jetzt selbst sehr, sehr krank ist.
Ihnen, Prof. Lorenz, alles erdenklich Liebe und Gute und vor allem
den Segen und die Kraft von dem, der unsere Welt und eigenes Schicksal
in seinen Händen hält.

Montag, 09.09.2002
Als ich heute meine Chemotherapie hatte, wurde ich von einem blöden
Gedanken heimgesucht. Und zwar in dem Moment, als der Arzt mir
meine Spritze mit der chemischen Substanz in die Vene jagte. Ich
kam mir vor wie ein Todeskandidat in einem amerikanischen Todestrakt,
der die Todesspritze injiziert bekommt. Nicht so, dass ich am
Inhalt der "Fixe" krepieren könnte, aber so, dass
ich mir vorstellen konnte wie sich ein Todeskandidat in dem Moment
der Injektion fühlen muss. Erstens spürt man sehr stark
wie die Substanz durch die Vene schießt. Kurz darauf hat
man einen eklig-metallischen Geschmack im Mund. Gerade so, als
würde man mit der Zunge an einer Gabel lecken, an deren Zinken
schon die Legierung abgeplatzt ist. Allein der Gedanke daran lässt
mich auch noch in diesem Moment erschauern. Nach ein paar Minuten
ist dann jedoch alles wieder ziemlich normal.
Erst Stunden später spürt man die chemische Substanz
fast in jeder Zelle seines Körpers. Wie eine giftige Natter
windet sie sich durch meine Adern und kriecht in jedes Gen meines
Körpers. Die Beine und Arme werden schwer. Sie beginnen zu
schmerzen. Leichte Übelkeit gaukelt durch meine Innereien.
Irgendetwas Unsichtbares und Bedrohliches hebt mich leicht an
und im selben Moment drückt mich eine gigantische, mit einer
Tarnkappe versehene Faust wieder auf den Boden der Realität
zurück. SCHEISSE! SCHEISSE! SCHEISSE!
Aber ich werde mein Bündel tragen, denn meine Liebe ist stärker
als die Angst vor dem Ende.
Before I sink
into the big sleep
I want to hear
I want to hear
the scream of the butterfly
come back, baby
back into my arm
we're gettin' tired of hangin' around
waitin' around with our heads to the ground
I hear a very gentle sound
very near yet very far
very soft, yeah, very clear
come today, come today...
- Lyric by Jim Morrison
- Music by the DOORS

Donnerstag, 19.09.2002 2:44
"Jedem Schöpfungsakt gehen Qualen und ein Geheimnis
voran. Du bist heute dabei, dich selbst zu erschaffen. Versuch
mal, zu genießen. Finde dich mit dem Unabdingbaren ab. Was
immer geschieht, nimm es an. Je mehr du dich widersetzt, desto
länger hält es an. Du musst lernen, all dein Gefühl,
all dein Leid bis zur Neige auszukosten - du musst das durchstehen.
Wenn dir das gelingt, kommst du als freier Mensch auf der anderen
Seite an.
Das ist die wahre Befreiung. Freiheit - das einzige, wofür
es sich zu sterben lohnt. Ich meine nicht die Art von Befreiung,
bei der es in Kriegen geht. Für eine Sache zu sterben - das
ist ein Begriff ohne Realität. Darum ging es der amerikanischen
Verfassung ursprünglich nicht. Persönliche Freiheit,
Leben, Grundrechte... Es ist ein viel persönlicherer Krieg,
und in mancher Hinsicht ist er schwieriger, aber nicht weniger
real. Der Tod, ob nun real oder imaginär, ist immer präsent.
Und was ist unannehmbarer als der Tod? Nenn mir nur eine Sache.
Du kannst es nicht. Wenn du den Tod annimmst, Mann, dann bist
du am Ziel, dann bist du frei. Nichts kommt mehr an dich ran.
Völlige Annahme, das ist der Schlüssel. Um das Gute
oder Böse zu überwinden, musst du sämtliche früher
erworbenen Werte zerstören. Die zehn Gebote kannst du vergessen.
Erfind deine eigenen Gebote. Werde dein eigener Gott, erschaffe
dich selbst, entwickle ein eigenes Wertsystem.
Nietzsche sagt: um einen neuen Tempel zu bauen, muss der alte
Tempel erst zerstört werden. Mit anderen Worten, Zerstörung
ist nicht unbedingt etwas Schlechtes. Wir sind darauf programmiert,
das zu glauben, man hat uns das eingeredet, und das ist auch nicht
weiter verwunderlich, vor allem nicht in einer Gesellschaft, die
dem Materialismus so großen Wert beimisst wie die unsere.
Aber diesen Quatsch musst du durchschauen, du solltest erkennen,
dass es ohne Zerstörung nicht geht. Alles Leben befindet
sich im Zustand ständigen Sterbens. Während wir altern,
sterben wir auch. Wenn wir den Todesvorgang jedoch künstlich
stimulieren, indem wir ein zerstörerisches Element einführen,
können wir da durch auch das Tempo unserer Entwicklung beschleunigen.
Da mit will ich sagen, dass es tatsächlich möglich ist,
mit selbstzerstörerischem Verhalten die Lebenskraft zu erhöhen.
Ohne Tod kann es kein neues Leben geben. Das steht sogar im Neuen
Testament: >Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren;
wer aber sein Leben verliert, der wird's finden.> Aber es gibt
keine Garantie, dass man es finden wird, wenn man es verloren
hat. Das ist das Risiko. Da haben wir’s. Es ist wirklich
paradox - um wirklich zu leben, muss man den Tod in Kauf nehmen.
Der Einsatz ist dein Leben. Du musst bereit sein, da für
zu sterben. Wenn du verlierst, ist alles aus. Aber wenn du gewinnst
- wenn du gewinnst, Mann, wirst du es merken. Dann eröffnet
sich dir das Unbeschreibliche. Das ist die andere Seite. Das sind
die gereinigten Pforten der Wahrnehmung. Dahin möchte ich
kommen..."
(Zitat aus dem Buch WONDERLAND AVENUE von Danny Sugerman, als
Jim Morrison versuchte Danny während eines "bad Trips"
die Angst vor der Ungewissheit zu nehmen.)
Ja, irgendwie kann ich mich da richtig einfühlen; denn es
ist nur diese verdammte Angst vor dem Tod, vor dem Ende, vor dem
Sterben, das mich so durcheinander wühlt und teilweise auch
zermürbt. Aber ist der Tod andererseits wirklich nicht nur
eine Veränderung? Was ist der Verlust? Eigentlich nur die
Existenz in einer bestimmten Form des Seins. Kann es nicht auf
der anderen Seite der Tür viel schöner und friedlicher
sein? Das Ungewisse schafft die Angst. Niemand kam bisher wirklich
aus dieser "Welt" zurück und sagte einem etwas
über das WIE und WO. Diese verdammte Angst darf und sollte
es nicht geben. Sie hindert mich daran mein Leben positiv zu gestalten.
Sie bringt mich da zu unfreundlich, launisch und inhuman zu werden.
Ich kenne doch inzwischen den Gesellen an meiner Seite, der weder
ein Gerippe, noch eine mit dunklem Umhang gekleidete Gestalt mit
einer Sense ist. Ich kenne ihn seit 1998 als man mir eröffnete
dass ich Krebs habe. Diese Krankheit oder nennen wir es bösartige
Zellveränderung ist einfach so gestrickt, dass das eventuelle
plötzliche Ende in dieser Existenz verdammt greifbar ist
und wird. Es ist mit einem Mal ein Teil des Lebens geworden, das
sich auch nicht abschütteln lässt.
Einige werden sich jetzt vielleicht fragen >was iss'n mit
dem plötzlich los? Will oder muss er sterben? Ist die Krankheit
wieder ausgebrochen und existent?>
Nee, das ist nicht der Fall; ich versuche momentan nur, meinem
Leben eine andere Richtung zu geben. Weg von Ängsten und
zermürbenden Gedanken die mich ab und zu - zwar selten, aber
doch immer wieder mal kommend - terrorisieren.
Was mich zurzeit am meisten beschäftigt ist die Frage, ob
ich nicht die Chemo einfach abbrechen soll. Ich stelle mir des
Öfteren die Frage, warum soll ich meinem gemartertem Körper
noch mehr antun und zumuten, als er schon die ganze Zeit verkraften
muss. Da sind zum einen die vielen Computertomographien mit ihren
Kontrastmitteln, die Röntgenaufnahmen der Lunge, die Interferonbehandlung,
die Operationen, die täglichen Medikamente. Und alles immer
wieder mit der nicht zu beantwortenden Frage: HILFT DAS AUCH ALLES?
Wenn es vorgesehen ist, das ich nur XY Jahre alt werde, dann ist
es doch irgendwie egal, ob ich meinen Körper noch mehr mit
Dolchen und Kugeln vergewaltige. Was ich meine ist, dass man mit
diesen ganzem Scheiß-Drum-Herum einfach nicht mehr zum Leben
kommt. D.h. ich bin nur noch damit beschäftigt, auf einen
Termin beim Arzt zu warten, auf die nächste Chemo etc. Warum
genieße ich nicht einfach die mir noch zur Verfügung
stehende Zeit - wie lang sie auch immer sein mag! - und fülle
sie mit Leben, mit Liebe, mit Schönheit, mit Wahrnehmung.
EINE EINFACHE FRAGE MIT EINER SCHWERWIEGENDEN ENTSCHEIDUNG.
Zu etwas anderem...
Habe von Julia einen wunderschönen Brief bekommen, der mich
sehr bewegt hat. Ich finde, Julia, Du gehörst zu den wenigen
Menschen die etwas vom Erzählen des Meeres verstanden haben.
Du weißt was ich meine. Viele verstehen nicht was das Meer
zu sagen hat, weil sie einfach keinen Bezug zu Schönheit
der Existenz haben. Ich habe es während der Zeit meiner Seefahrt
in einsamen Nächten und schlaflosen Stunden gehört.
Ich habe angespannt und interessiert den Worten gelauscht, die
mir von Millionen von Jahren erzählt haben. Von glühenden
Lavaströmen. Von gewaltigen Seebeben und Metoriten einschlägen.
Von Kriegen, von Katastrophen und vom Tod. Von Freiheit, von Liebe
und vom Leben. Du hast diese Gabe auch, Julia. Und ich habe sie
in Deinen Zeilen gelesen. Du musst Dich auch für nichts entschuldigen,
denn Du bist ein Gefühlsmensch wie ich. Viele sagen mir oft,
Gefühl ist nicht gefragt. Es passt nicht in unsere heutige
Welt. Alles Scheiße!!! Lieber bin ich ein Arschloch als
eine angepasste Kreatur...
horse latitudes
when the still sea conspires an armor
and her sullen and aborted
currents breed tiny monsters
true sailing is dead
awkward instant
and the first animal is jettisoned
legs furiously pumping
their stiff green gallop
and heads bob up
poise
delicate
pause
consent
in mute nostril agony
carefully refined
and sealed over
Lyric by Jim Morrison
Noch etwas zu Dir, Julia:
Für alles was momentan so weit in der Ferne ist wird sich
ein Weg finden lassen. Auch für das Verzeihen. Du musst nur
innerlich mit Deinem Herzen dazu bereit sein. Verzeihen ist eine
göttliche Gabe die wir erhalten haben, um Barmherzigkeit
zu üben. Manche können damit umgehen, manche nicht.
Aber um diese Einsicht zu besitzen muss unser Herz leben, muss
es schlagen und nicht als Stein in der Brust ruhen. Höre
auf die Stimme des Meeres und Du wirst die Antwort finden.
... "ich bin der Eidechsenkönig
ich kann alles
ich kann die Erde in ihrer bahn anhalten
ich ließ’ die blauen Autos verschwinden
sieben Jahre lang wohnte ich
in dem liederlichen Palast der Verbannung,
seltsame spiele vollführend
mit den Mädchen der Insel
jetzt bin ich wieder gekommen
in das Land der aufrechten & der starken & der weisen.
Brüder & Schwestern des bleichen Waldes
o Kinder der Nacht
wer von euch macht mit bei der Jagd?
nun erscheint die Nacht mit ihrer purpurnen Legion.
zieht euch zurück in euer zelte & in eure träume.
morgen betreten wir die Stadt meiner Geburt.
ich möchte bereit sein."
Lyric by Jim Morrison
(the celebration of the lizard - ein amerikanisches gebet)

Dienstag, 24.09.2002 1:14 Uhr
Ein Blick auf die Uhr zeigt mir die fortgeschritten Nacht. Doch
was bedeutet dieses Ritual schon in der Weite des Universums?
Es ist genial, die Stunden der Nacht mit leiser Musik und den
Träumen der Stille zu genießen. Abzuschalten. Zu relaxen.
Einzutauchen in den Raum des Wohlbefindens.
Diese Stunden einer nichtexistierenden und längst zerflossenen
Uhr ist für mich schon seit je her eine Quelle der Empfindung.
Des Eintauchens in die Bibliothek meines Geistes. Bücher
aufzuschlagen, gefüllt mit meinen Gedanken. Dies ist auch
die Wirklichkeit meines tiefsten Seins, dass es mir erlaubt Fetzen
meiner Gedanken zu Worten zu formen, damit am Ende eine Lyrik
entsteht, die ich heute und in diesem Augenblick einem ganz besonderem
Menschen widmen will, der sich erkennen wird, wenn er das folgende
in seinen Geist einsaugt.
Doch im Voraus noch zwei Sätze, die an dieser Stelle nicht
deinem Geist verborgen bleiben sollen.
In einem Email an mich wolltest Du darauf eine Antwort: Eine Frage:
Wieso gestern? Wieso hast Du gestern den Eintrag geschrieben und
nicht Mo oder Di oder Mi oder heute...? Das würde mich wirklich
interessieren.
Die Antwort ist ganz einfach:
weil es Menschen gibt, die ein Deja Vu-Erlebnis deuten können,
die in ihrem tiefsten Sein mit Welten verwurzelt sind, die es
nach den Gesetzen der heutigen Weltherrschaft einfach nicht mehr
geben darf. Die den Tanz eines Schamanen lesen können, weil
sie selbst als Schüler an vergangenen Riten teilgenommen
haben. Eine Pyramide ist nicht unbedingt eine Pyramide, weil ein
leerer Sarkophag in einer Kammer steht. Ein versunkener Kontinent
ist nicht unbedingt eine Sage, weil die Wahrheit Weltanschauungen
zerschlägt. Der Tod ist nicht das Ende, nur weil du durch
eine andere Tür gehst. Der Schmerz ist nicht unbedingt etwas
schreckliches, nur weil man ihn nicht begreifen will. Eine Liebe
ist nicht einfach zu Ende, nur weil man wo anders geatmet hat.
Ein Vater bleibt immer ein Vater, auch wenn er das Herz zerbombt.
Lebe!
Sehe!
Begreife, wo andere nichts erkennen!
Und hier extra für Dich:
Kind des Lebens
© 24.09.2002,
Lyric by Gernot W. Freudenberger,
geschrieben für eine Schwester
Wenn der Partner die Liebe verlässt,
der Vater zum Verräter wird;
wenn sich Freunde in Marionetten verwandeln
und der Kopf
durch berstende Glassplittergedanken
in Wahnsinn zerfällt,
dann ist die Zeit gekommen,
um den kalten Stahl des Dolches
aus dem Herzen zu ziehen.
Wenn ein Freak Zeilen schreibt,
der Stift zur Verbindung wird;
wenn sich Buchstaben mit einem Datum kreuzen
und der Schmerz
durch erschreckende Wellenlängen
zu Toden vordringt,
dann ist die Zeit gekommen,
um den irren Schmerz der Vergangenheit
im Sein zu erleben.
Wenn ein Tag zum 19. September wird,
der Zeiger auf 18 Uhr 27 springt;
wenn sich Menschen für immer von uns wenden
und die Nostalgie
durch zermarternde Sehnsuchtspein
zu Explosionen führt,
dann ist die Zeit gekommen;
um der zerstörerischen Macht der Pein
Einhalt zu gebieten.
DU?!
WACH AUF!
DU?!
STEH AUF UND LEBE!
Tauche ein in den Strudel
des Lebens.
Lass den Inhalt der zerbrochenen Sanduhr
durch deine Finger rinnen,
und begebe dich nicht
in die Hölle
eines parapsychischen Dschungels.
Erinnere dich an das Meer,
an die Wellen, das Rauschen.
Lausche den Erzählungen
der schillernden Muschel,
die du an dein Ohr hältst.
Lass deine Augen marschieren
auf den Farben des Regenbogens
und trage wieder deine Zöpfe.
Streife diesen Mantel von deinen Schultern,
der dich zu ersticken droht
und kleide dich mit Nacktheit.
Du bist
ein Stein der Mauer
die unser Sein
von der Finsternis trennt.
Nur weil wir durch Abgründe gehen,
werden wir
ein Kind des Lebens...

Freitag, 27.09.2002 2:33
Erwachen
© 27.09.2002,
Lyric by Gernot W. Freudenberger
Wenn Tränen
als Regentropfen auf deine Seele trommeln,
wenn Krebszellen
als Monster nach deinem Leben greifen,
wenn Angst
als Clown dich zum Wahnsinn treibt,
wenn Hände
als Scheren deinen Lebensfaden trennen,
wenn DU
als Mensch erwachst,
hast DU den Schmerz verstanden.
Amen
Jim Morrison von den DOORS
Wieder Nacht. Wieder Frieden. Wieder Stille. Wieder einkehren
in die Gedankenwelt. Hingabe an mein Innerstes. Irgendwoher dringt
Musik an mein Ohr. Der Sänger erzählt von Geburt, vom
Leben, vom Tod. Vom Alkoholismus, vom Ficken, vom Krieg. Von Liebe,
von Wahnsinn, von Gott. Ich fühle mich wohl, geborgen und
sehr okay.
In der letzten Zeit befinde ich mich sehr oft in einer komischen
Phase.
Einesteils fühle ich mich beschissen, verfalle ständig
in Hektik und habe Angst irgendetwas sehr Wichtiges zu verpassen.
Das passiert mir fast hauptsächlich tagsüber.
Nachts in der Dunkelheit der Stille öffnet sich dann meine
Seele. Ich zwinge mich zu Ruhe und Frieden. Lege den Schalter
um, der meinen Körper in ein symbolisches, nur in meiner
Phantasie existierendes Bad legt. Gebe mich der Stille hin, tauche
ein in das warme Wasser, das meinen Körper umspült und
lausche auf meinen Herzschlag, meinen Atem. Eine wohltuende Wärme
durchströmt mich immer intensiver. Und ich ertappe mich im
Augenblick dabei, dass ich mir die unsinnige Frage stelle, warum
dieser Zustand nicht immer existent mein Leben begleiten kann.
Doch andererseits ist es auch sehr dumm und töricht von mir,
mich eine solche Frage zu stellen, denn die Frage allein hindert
mich an der Ausführung es zu tun. Es bleibt mir also nur
eine Alternative: ich werde mich darauf trainieren, dass diese
Ruhe und Zufriedenheit zu einem immer existenten Bestandteil meines
weiteren Lebens wird. So steht es geschrieben, so soll es geschehen!

Freitag, 27.09.2002
7:24 Uhr
Heute Morgen will ich nun mal endlich meine Hemden mit Stolz
präsentieren, die ich mir vor einiger Zeit in den USA bestellt
habe. Bin darauf über das amerikanische EBAY (ein weltweiter
Online-Marktplatz) gestoßen. Als ich sie nach einer langen
Wartezeit endlich in Frankfurt beim Zoll abholen konnte, traf
mich fast der Schlag, denn mit 16% MwSt. und 12% Einfuhrsteuer
erreichten die Kleidungsstücke einen ganz schönen Preis.
Über die Gesamtsumme will ich aber an dieser Stelle Stillschweigen
bewahren, sonst bekomme ich wieder Gewissensbisse. Aber sie sind
einfach wunderschön! Das meinte auch Helga.
Wer Interesse an diesen und anderen geilen Hemden der Marke DRAGONFLY
haben möchte, hier die Internetadresse:
Bitte hier klicken
***
Vielleicht gibt es jetzt einige die sich die Frage stellen, was
ich mit inzwischen über 52 Jahren solche Sachen tragen muss
und ob ich dazu nicht etwas zu alt bin. Denen kann ich an dieser
Stelle nur sagen, dass ich mich lieber mit solchen Sachen "schmücke",
als wie ein angepasstes Arschloch in grauen Flanellhosen, braunen
Socken, beigefarbenen Sandalen und in der Farbe undefinierbarem
Windbreaker herum zu laufen. Kurz gesagt: ich werde mich NIE anpassen,
denn meine individuelle Freiheit ist mir - neben meiner Liebe
zu Helga -mein höchstes Gut.
See you later ... !!!

Samstag, 28.09.2002
Heute Morgen habe ich eine interessante Nachricht im Internet
gefunden, die ich niemanden vorenthalten möchte:
Hello everybody!
Bekanntmachung :
Im Oktober 2002 wird in Paris die bisher größte und
umfassendste Ausstellung außerhalb der USA, die JIMI HENDRIX
gewidmet ist, stattfinden. Diese Ausstellung wird organisiert
von DE LA MUSIQUE in Zusammenarbeit mit dem Seattle Rock Museum
(EMP) und Experience Hendrix.
Wie allseits bekannt, hatte die Jimi Hendrix Experience ihren
ersten Live-Auftritt in Frankreich als Vorgruppe des französischen
Rockstars Johnny Hallyday im Oktober 1966. Die Aufnahmen von der
historischen Show im Pariser Olympia wurden Janie Hendrix übergeben,
und zwei Stücke vom Gig am 18. Oktober befinden sich auf
der großen 4 CD-Box, die im September 2000 von Universal
Music veröffentlicht wurde.
Die große Jimi Hendrix Ausstellung findet im CITE DE LA
MUSIQUE in Paris statt, wo man die Möglichkeit hat, zum ersten
mal in Europa überhaupt eine Auswahl von Hendrix- Memorabilia
(Gitarren, Pedale, Fotos, Kleidung, Skizzen, Geschriebenes usw.)
zu sehen. Diese Ausstellung wird die jemals größte
dieser Art sein!
Die Ausstellungsfläche im CITE DE LA MUSIQUE in Paris beträgt
gegenüber dem EMP in Seattle fast 500m2 zu 70 m2 - also über
7 mal so viel!!!
Die Ausstellung ist geöffnet vom 19. Oktober 2002 bis 12
.Januar 2003
Cite de la musique
Avenue Jean Jaurès 221
75019 Paris
Tel: 33 (1) 01 44 84 44 84
U-Bahn-Station: Porte de Pantin
Am 27.Nov. 2002 wäre Jimi Hendrix 60 Jahre alt geworden!
Danke, dass Ihr diese Nachricht den Fans in der ganzen Welt sendet!!
Stay experienced und lasst uns Gedenken an Al Hendrix ...
Schöne Grüße
Yazid "Jimi´s Back" Manou (Publizist).m@s
Tagebuch Oktober 2002
Donnerstag, 03.10.2002
Hey, Ihr alle !
Ihr Blutsauger, Beutelratten und korrupten Politiker,
ihr Kinderschläger, -schänder und -mörder,
ihr Frauenschänder, Frauenhasser und Vergewaltiger,
ihr Arschlöcher, Idioten und Kriegstreiber;
ihr Lieben, Sanften und Humanisten,
ihr Verständnisvollen, Kranken und Pflegebedürftigen,
ihr Schriftsteller, Pfarrer und Justizbeamten:
Willkommen am Tag der Deutschen Einheit!
Es ist an der Zeit wieder mal die Finger über die Tastatur
gleiten zu lassen und auf der weißen Fläche des Monitors
Buchstaben entstehen zu lassen, da raus Wörter und ganze
Sätze. Mein Tagebuch mit Leben zu füllen.
Gestern nach dem Kreispokalspiel gegen RW Sindlingen, dass unsere
Mannschaft souverän mit 15:0 nach Hause schaukelte, waren
wir noch für ca. 2 Stunden bei Ernst und Elke W. Elke ist
durch ihre offene, herzliche und verständnisvolle Art zu
einem wertvollen Menschen geworden, den ich einfach nicht mehr
missen möchte. An dieser Stelle jedenfalls einen herzlichen
Dank an Dich, Elke und auch an Deine Familie.
Heute Mittag waren wir dann zum Essen bei Klaus und Sandra P.
eingeladen. Diese Einladung hatten uns die beiden zu unserem Geburtstag
als Geschenk überreicht und heute kam es dann endlich zur
Einlösung der Einladung zum Essen. Klaus und Sandra sind
auch ganz gute Freunde von uns geworden, obwohl sie fast unsere
Kinder sein könnten. Aber was soll's?
Die beiden hatten sehr viel Mühe in die Zubereitung eines
köstlichen Menüs eingebracht und unseren Gaumen mit
allerlei Köstlichkeiten verwöhnt. Auch von dieser Seite
nochmals unseren herzlichsten Dank.
Was mir persönlich so an Klaus gefällt ist diese friedliche
Ruhe, die er im Beisein seiner erst vor kurzem geehelichten Sandra
an den Tag legt. Man kann diese Liebe zu ihr fast schmecken, riechen,
fühlen. Es ist eine Harmonie im Raum wie Kerzenschein, Räucherstäbchen
und zärtliche Melodien. Eine spürbare Achtung, die er
vor dieser Frau hat. Eine tiefe Zuneigung, die er wie musikalische
Akkorde explodieren lässt. Ja, Klaus, ich bewundere Dich,
weil ich durch Dich einiges lernen kann.
Auch Sandra, die so viel Leid hat erfahren müssen, um zu
dieser ihrer eigenen Reife zu finden, gilt meine ganze Hochachtung.
Man spürt in ihrem Beisein, das sie viele Täler des
menschlichen Leids durchschritten hat, um dahin zu gelangen wo
sie heute steht. Auch diese Liebe zu IHREM Klaus ist so greifbar
nah, dass es eigentlich vielen Menschen schaudern müsste,
die da alle so meinen, das große Glück gefunden zu
haben. Bei den beiden kann man es behaupten, dass sie das ihre
gefunden haben.
Nochmals Danke, ihr zwei Süßen.

Samstag, 05.10.2002
Heute ist - abgesehen von Klaus P. 30. Tag der Geburt -ein sehr
wichtiger Tag in MEINEM Leben: mein (unser!) 23. Hochzeitstag.
WOW!!! Welch ein Datum, welch ein Tag. Welch ein Gefühlsstrom,
welch eine Erinnerung. Erschreckend und liebevoll. Ängstlich
und voller Glück. Monate in der Hölle, Monate im Himmel.
Mein Liebling,
diese Zeilen schreibe ich Dir, weil ich mit dem geschriebenen
Wort mehr sagen kann und will als mit dem gesprochenen Wort, denn
Du weißt, dass ich noch nie der Redner vor dem Herrn war.
Aber was soll's? Da für redet manch anderer zu viel und meistens
zu voreilig.
"Am Anfang stand das Wort", steht in der Bibel. Und
so will ich mit diesem Buch der Bücher wenigstens eins gemeinsam
haben. Mein geschriebenes Wort heißt schlicht und einfach
DANKE!
Es ist vielleicht für manch anderen einfach, danke zu sagen.
Aber für mich hat dieses Wort im Zusammenhang mit Dir eine
ganz einfache schlichte Bedeutung. Nämlich der Dank an einen
Menschen, der mir in diesen 23 Jahren immer und immer wieder gezeigt
hat, dass er immer und in jeglicher Situation 1000%ig hinter mir
Gestaden hat. Obwohl ich es bis heute noch nicht so richtig verstehen
kann, dass Du in manchen Augenblicken nicht einfach Deine Koffer
gepackt hast und aus meinem Leben gegangen bist. Und das ist genau
- verdammt! - der Punkt, der Dich als DEN wertvollsten Menschen
in meinem beschissenen, geilen, abenteuerlichen, verfluchten Leben
so auszeichnet. Du hast in diesen 23 Jahren teilweise animalisches
geleistet, um mich an den Punkt zu bringen, an dem ich mich heute
befinde. Nämlich in der Ruhe und Achtung meiner selbst.
Du hast mir alles verziehen. Egal wie hart und schmerzlich es
auch für Dich war. Egal, ob ich meinen Schwanz in eine fremde
Pussy gesteckt habe, oder ob ich im Vollsuff Dein Zimmer demoliert
habe und auch Dich einmal dabei nicht verschont habe. Mir war
es manchmal scheißegal, ob ich das Versprechen Dir gegenüber
gebrochen habe, niemals besoffen mit dem Auto zu fahren. Oh Bullshit,
was war ich doch für ein Held. Was war ich doch für
ein Kerl, der immer und überall seine Grenzen zum Tod kennenlernen
wollte. Den es nicht interessierte, ob seine Gesundheit einmal
kollabieren könnte. ICH war in diese Welt geboren worden,
um die natürlichen oder unnatürlichen Grenzen der Existenz
kennenzulernen und sie auch auszukosten. Oh, welch ein geiles
Leben! Was sollte mir schon passieren, wenn ICH mein Auto mit
drei Promille selbst steuerte. Was gebe ich auf das dumme Geschwätz
der anderen, die doch nur Scheiße in der Hose hatten und
lieber graue Flanellhosen und abgewetzte Strickjacken trugen.
Aber Du, mein Liebling, hast es nie aufgegeben, an mich zu glauben.
Und dann kam das Jahr 1998. Einlieferung mit Lungenentzündung
ins Krankenhaus im Februar. Entlassen 14 Tage später mit
Leberkrebs. Wumm!!! Geil!!! Kopfejakulationen!!! Explodierende
Pussys in mystischen Welten 2000 lightyears frome home!!! The
end was near!!! Before I sink into the big sleep, I want to hear,
I want to hear the scream of the butterfly!!!
Das war der Tag als ich da mit begann, mein Leben total zu ändern.
Ich lernte plötzlich einen Zustand kennen, der mir bis dato
immer fremd gewesen war oder den ich auch nur immer in mein tiefstes
Innerstes verdrängt hatte. Und dieser fuckin' Begriff hatte
den schönen Namen ANGST.
Plötzlich gab es etwas, das mir Furcht einflößte.
Und Du warst der Mensch, der da mit begann, mir diese Angst zu
nehmen. Nicht durch viele Worte. Nicht durch stunden-, nächte-
oder tagelanges Gerede, sondern einfach durch Gesten. Durch Bewegungen.
Durch Blicke. Ich begriff mit einem Mal die unendliche Liebe,
die Du für mich empfindest. Und dann kam noch ein ganz neuer
Aspekt hinzu, der mir bis dahin auch meistens unbekannt oder aus
einer anderen Galaxie zu stammen schien: Scham. Ja, ich schämte
mich zum ersten Mal richtig bewusst in meinem bisherigen Leben.
Ich schämte mich vor Dir. Ich schämte mich vor der Missachtung
meines Lebens, meines Körpers, meiner Gesundheit. Und ich
begriff so unheimlich brutal, dass alles, aber auch wirklich alles
durch mich heraufbeschworen war. ICH hatte meinen Körper
da zu gebracht, dass er es zuließ, dass Krebszellen in ihm
zu wuchern begannen. Scheiße!
Helga, egal was die Zukunft bringen wird, egal wie lange mein
Leben auf diesem Planeten existiert. Egal wann der Tag gekommen
ist, an welchem ich nicht schlafe und auch nicht tot bin, sondern
einfach aus dem Traum des Lebens erwachen werde: ich liebe Dich.
Du bist der Atem, der meine Lungen mit Leben füllt.
Du bist das Glück, das meinem Körper die Krebszellen
demoliert.
Du bist das Wasser, das als Tränen meine Augen verlässt.
Du bist MEINE LIEBE!
Ich glaube es ist die Zeit gekommen, ein Fest der Liebe aus zurichten.
Ich glaube es ist die Zeit gekommen, dankbar zu sein.
Ich glaube es ist die Zeit gekommen, Liebe zu verstehen.
Ich werde es tun,
aber nur mit Dir... ... ...
Have a nice life
and be happy... ;-)
Dein Gernot

Mittwoch, 16.10.2002
Heute mal wieder ein paar Zeilen ins Tagebuch.
Die Chemo bereitet mir noch immer große Probleme, denn
dieses Gift zeug bringt meinen Körper und Geist ganz schön
außer Kontrolle. D.h. ich kann nie im Voraus sagen, wie
die Behandlung auf mich wirkt. Manchmal ist der Scheiß-Zustand
schon nach zwei Tagen vorbei, manchmal aber erst nach Tagen.
Vor der letzten Behandlung habe ich mit meinem Onkologen darüber
gesprochen, was passieren würde, wenn ich die Chemo abbrechen
würde. Seine Meinung ist die von Helga: es besteht einfach
ein größeres Risikoauf ein Rezidiv des Krebses. Ich
würde zwar die Entscheidung individuell treffen, aber von
ärztlicher Seite aus ist davon abzuraten. BULLSHIT! Da bin
ich nun keinen Schritt weiter. Aber für Helga will ich es
durchhalten, vielleicht auch etwas für mich. Außerdem
kommt es so wie so wie es kommen soll oder muss. Was soll man
da noch an seinem Schicksal rumbasteln. Wenn es irgendetwas gibt,
das alle die Geschicke unserer Erde, unseres Lebens lenkt, dann
wird er oder sie oder es auch wissen, was mein Karma oder meine
Bestimmung ist. Stellen wir uns einfach dem Sog der Zukunft. Nicht
wissend, wo er mich hinbringt. Ist doch irgendwie geil, diese
Ungewissheit. Und: we are in it for the fun!
Heute war ich auch mal wieder in der Firma. Hatte ein kurzes,
aber gutes Gespräch mit G. Jaja, G. ist schon eine Person
für sich. Und ich denke, dass sie von sehr vielen verkannt
wird. Was ich an G. so unwahrscheinlich schätze ist, dass
G. mich noch nie verarscht hat und das ich mit G. immer ein verdammt
offenes Gespräch suchen und auch führen kann. Irgendwo
erinnert mich G. immer an einen Suchenden, der seine Bestimmung
auch noch nicht so ganz erkannt hat. G. ist ein Mensch, der seine
innerste Seele auch nicht jedem und vor allen zur Schau stellt.
Irgendwie kommt mir das verdammt bekannt vor! Ich finde die Art
so unwahrscheinlich schön, wenn G. sich öffnet, wie
ihre Augen leuchten. Die Augen von G. sind sowieso eine Faszination
für sich. Ich habe selten bei einem Menschen so intensive,
tiefe und dunkle Augen gesehen. Ich liebe und genieße es,
in die Augen von G. zu blicken und zu versuchen darin zu lesen.
Es ist zwar nicht alles zu erkennen, aber diese Augen saugen einen
förmlich auf. Ich fühle selbst ein unbeschreibliches
Vertrauen zu G. und denke, dass ich G. sehr viel über mich
erzählen könnte, ohne dass es gegen mich verwendet wird.
Heute bin ich auch mit meiner DOORS-Page fertig geworden, die
man unter www.the-doors-world.com.de anschauen kann. Aber ein
Eintrag ins Gästebuch wird dann erwartet. Die Page ist sehr
schön geworden und ich habe auch versucht, meine Liebe zu
dieser einmaligen Band mit ins Design zu werfen. Ich habe auch
versucht, eine Internetpräsenz zu schaffen, die nicht immer
das gleiche über die Band erzählt, sondern Informationen
zu präsentieren, die man sonst nicht so oft im Web sieht.
Ansonsten gibt es noch folgendes zu berichten:
Ich habe festgestellt, dass ich auf eine Art immer mehr meine
innere Ruhe finde. Es ist ein nicht näher zu definierendes
Gefühl das sich in mir ausbreitet und mir eine selten gekannte
Ruhe vermittelt. Es ist schön, abends bei Kerzenschein seine
Seele baumeln zu lassen, Musik zu hören und Gedanken zu Papier
zu bringen. BREAK ON TROUGH TO THE OTHER SIDE ...
break on through (to the other side)
lyrics and music : jim morrison / The DOORS
you know the day destroys the night
night divides the day
tried to run
tried to hide
break on through to the other side
break on through to the other side
break on through to the other side, yeah
we chased our pleasures here
dug our treasures there
but can you still recall
the time we cried
break on through to the other side
break on through to the other side
yeah!
c'mon, yeah
everybody loves my baby
everybody loves my baby
she get
she get
she get
she get high
i found an island in your arms
country in your eyes
arms that chain us
eyes that lie
break on through to the other side
break on through to the other side
break on through, oww!
oh, yeah!
made the scene
week to week
day to day
hour to hour
the gate is straight
deep and wide
break on through to the other side
break on through to the other side
break on through
break on through
break on through
break on through
yeah, yeah, yeah, yeah
yeah, yeah, yeah, yeah, yeah
brich durch (zur anderen Seite)
lyrik und musik: jim morrison / The DOORS
du weißt, der tag zerstört die nacht
die nacht teilt den tag
v ersuch zu fliehen,
versuch, dich zu verstecken
brich durch zur anderen seite
brich durch zur anderen seite
brich durch zur anderen seite, ja
suchen unser vergnügen hier,
vergraben unsere schätze dort
erinnerst du dich noch der zeit,
da wir weinten
brich durch zur anderen seite
rich durch zur anderen seite
ja!
k omm her, ja
jeder liebt mein baby
jeder liebt mein baby
sie geht...,
sie geht...,
sie geht...,
sie geht hoch, das weib geht los
finde eine insel in deinen armen,
land in deinen Augen
arme, die trennen,
augen, die lügen
brich durch zur anderen seite
brich durch zur anderen seite
brich durch, wow
oh, ja!
tauchten dort auf,
woche für woche,
tag für tag,
stunde für stunde
das tor ist nah -
tief und weit
brich durch zur anderen seite
brich durch zur anderen seite
brich durch
brich durch
brich durch
brich durch
Ja, ja, ja, ja
ja, ja, ja, ja, ja
Macht mich der Tod an?
Liebe ich den Tod?
Das Leben tut viel mehr weh, wenn man stirbt ist der Schmerz zu
Ende...
Ist es so? Ich denke schon.
Was soll einem noch passieren? Was soll einem noch wiederfahren?
Welches Leid sollte mich woher auch immer belästigen? Welcher
Tumor sollte sich in mir festfressen?
Andererseits ist aber auch diese unendliche Neugier auf das,
was mir verborgen bleiben könnte. Es ist ein ständiger
Zwiespalt in mir.
Auf der einen Seite habe ich die Schnauze voll von all dem medizinischen
Scheiß. Von Ärzten, Krankenhäusern, Pillen, Spritzen,
Operationen, Ängsten. Andererseits sehne ich mich nach dem
Gefühl, welches ich als Kind hatte. Als mein Körper
noch intakt war, gelenkig und ohne Schmerzen. Ich sehne mich nach
der Naivität meiner Kindheit und Jugend zurück, ohne
alles nochmals durchleben zu müssen. Ich sehne mich nach
der Geborgenheit und Stille der 50er Jahre, nach dem Verständnis
untereinander, nach Nachbarschaft, Familiensinn und Freundschaft.
Mich kotzt diese Welt von heute zum großen Teil an. Dieser
ständige Trieb nach Geld, Macht und Inhumanität. Ja,
ich weiß, dass es das auch schon immer gab, aber es viel
einem nicht so direkt auf, weil man in einer Welt lebte, die von
Natur umgeben war. Schwer zu erklären, da es mir momentan
schwerfällt, mich zu konzentrieren.
Okay, machen wir Schluss für heute. Blase die wirbelnden
Gedanken aus meinem Geist und versuche im Kerzenschein den Weltfrieden
zu finden. Übelkeit kriecht durch meinen Magen nach oben.
Nervosität funkt in mir auf. Angst schleicht in meine Seele.
Aber:
was mich nicht umbringt,
macht mich nur noch stärker!
Gute Nacht, ihr alle da draußen.
Bettet eure Häupter in die Kissen.
Öffnet eure Herzen.
Blasses Mondlicht
in euren Augen,
die sich sanft schließen,
während der Schlaf euch davon trägt. ... ...
Psssst!
Psssst!
Schlaft süß;
ihr geliebten Gestalten.
Gute Nacht!

Mittwoch, 23.10.2002
Well, da bin ich wieder.
Am Montag, 21.10.2002 hat es mich mal wieder nach Offenbach in
die Stadthalle gezogen, um mir die Ohren "durchblasen"
zu lassen. Auf dem Programm waren MOTÖRHEAD und als Guest
ANTRHAX angekündigt.
Als ich gegen 19.15 Uhr die Halle betreten hatte, spielte eine
deutsche Punk-Band, deren Namen ich mir aber nicht gemerkt hatte,
da sie nicht auf dem Programm namentlich erwähnt waren. Aber
bei deren Lautstärke konnte ich mir schon ungefähr vorstellen,
mit welcher Phonzahl MOTÖRHEAD über die Stage (= Bühne)
fegen würde. In der Halle waren vielleicht 100 bis 150 Leute
versammelt. Oh, Scheiße, dachte ich noch, MOTÖRHEAD
vor leerem Saal.
ANTHRAX hatten dann bei ihrem Gig (= Auftritt) die Lautstärke
noch gut rauf geschraubt und boten eine gute Show. Da aber ANTHRAX
nicht unbedingt meine Musik war, ging ich erst mal etwas Essen
und Trinken. Die Preise gingen eigentlich, was man ja sonst auch
anders kennt. Nur bei den Fan-Sachen (T-Shirts, Sweat-Shirts etc.)
hob es mich fast aus den Stiefeln. 30 EUR für ein T-Shirt,
55 EUR für ein Sweat-Shirt mit Kapuze, 10 EUR für einen
kleinen Auf näher, 15 EUR für ein Paar Drumsticks (=
Trommelstöcke) des Drummers von MOTÖRHEAD. Der absolute
Nepp!!! Die Halle war inzwischen zur Hälfte gefüllt.
Naja, dachte ich, wenigstens einigermaßen Publikum.
Nach ANTHRAX gab es eine längere Umbaupause. Die Halle füllte
sich und füllte sich.
Um punkt 21.40 Uhr ging das Licht aus, die Scheinwerfer gingen
an und mit einer Urgewalt begannen die drei Musiker von MOTÖRHEAD
ihre Show. Ich stand auf der rechten Seite der Bühne ca.
2 m von der rechten PA (= der Lautsprecherturm für die Zuschauer)
weg und mir explodierte der Schädel. Nach 20 Sekunden waren
meine Ohren zu wie im Flugzeug, wenn der Sinkflug eingesetzt hat.
Ich wackelte mit meinen Zeigefingern im rechten und linken Ohr,
um sie wieder frei zu bekommen. Rums! Nach 20 Sekunden waren sie
wieder zu.
MOTÖRHEAD bliesen eine der artig brutale Phonzahl in die
Menge, dass man den Bassisten und Sänger Lemmy nicht verstehen
konnte, was er eigentlich sang. Ein einziger gigantischer Soundteppich
hämmerte, wummerte und wogte über die Köpfe der
Zuschauer hinweg.
Nach ca. einer halben Stunde verließ ich meinen Platz,
telefonierte zweimal mit Helga, die wegen ihrem damaligen Tinnitus
und Hörsturz zu Hause geblieben war und setzte mich dann
auf einen noch freien Platz auf der Tribüne der Halle. Hier
war es einigermaßen erträglich. Am besten kam das tierische
Schlagzeug solo rüber, das verdammt laut, aber trotzdem akustisch
gut verständlich war. Beim anschließenden Gitarrensoli
zerriss es mir fast da Gehirn, so brutal schrill, grell und laut
bohrten sich die Töne durch meine Ohren ins Hirn. Nach der
ersten Zugabe verließ ich dann die Offenbacher Stadthalle
und trat den Heimweg an.
Was mich an diesem Abend am meisten gewandert hatte war die Tatsache,
dass ich das Konzert, trotz meiner erhaltenen Chemo am selben
Tag, so gut verdaut habe. Aber vielleicht war gerade das das richtige
Mittel dafür.
Gestern hatte dann der FC 1931 Eddersheim sein Pokalspiel gegen
die eine Klasse höher spielenden Jungs vom FC Eschborn, die
in der Oberliga Hesssen noch kein Spiel verloren hatten, gewonnen.
Jeder sprach nur von der Hoffnung, dass dieses Spiel für
uns in den Gegentoren erträglich blieb. Aber die Boys unseres
FCEs wollten es an diesem Abend wissen und brachten dem Favoriten
die ERSTE Niederlage dieser Saison bei. In einer Kampf betonten
Partie schickten sie die Oberligaspieler mit 2:1 nach Hause. GEIL!!!

Sonntag, 27.10.2002
Treibsand
Lyric Oktober 2002 by Gernot W. Freudenberger
Aufsteigen ...
Emporfliegen ...
Explodieren in der Sonne ...
Auf der Schneide des Wahnsinns reiten,
nicht nach den Zügeln des Lebens suchen.
Versinken ...
Hinab tauchen...
Implodieren in der Welle ...
Nach der Flosse des Delphins suchen,
nicht in Agonie der Angst verfallen.
Gespenstige Schatten
fragen mich nach dem Weg,
der auf einer Wendeltreppe hinauf zu den Sternen führt.
Blasses Mondlicht
streichelt die Haut der Schlange,
die in der Vergangenheit ihre Erinnerung abstreift.
Atmen ...
Stöhnen ...
Ejakulieren im Fleisch ...
Auf der Woge des Orgasmus schaukeln,
nicht die Kraft der Lust verlieren.
Aufgerissene Münder ...
Keuchender Atem ...
What are you doing, motherfucker?
Eh, Plastikmensch,
ausgekotzter Fernsehmüll.
Stahlfedern,
aus dem alten Sofa katapultiert,
werden gegrüßt und umarmt
von der herausgequollenen Holzwolle des Teddys.
Und ich?
Ich bin ein Atom in einem Rauchkringel.
Blaue Wolken
vor weißer Wand
zeigen mir den Weg zur Kammer des Verstehens.
Willkommen, Fremder,
willkommen in der Stube des Lebens.
54 321 Lichtjahre an Regalwänden vorbeigeschlendert,
gefüllt
mit den Büchern der Seele.
Flackernder Kerzenschein
tanzt an der Decke seinen Bolero.
Gigantischer Orgelklang
schreit in der Stille seine Freude.
Seinen Körper betrachten
im Spiegelbild von glücklichen Augen.
Oh, ihr Lianen des Schmerzes,
löst eure Umschlingung.
Freiheit,
rezediert der Chor im Gleichklang.
Ich bin erwacht
aus dem Traum des Seins
und durch meine Adern fließt das Blut des Lebens.
Der Priester des Pharao
wischt das Öl von meiner bronzefarbenen Haut.
Schweißperlen der Zeugung
nimmt der Treibsand mit auf seine Reise.
Tagebuch November 2002
Sonntag, 03.11.2002
Randy Hansen (USA)
Samstag, 2. November, Beginn 21 Uhr, Einlass 20 Uhr
Spielt die Musik von Jimi Hendrix? virtuos und authentisch
Weltweit wird Randy Hansen als Reinkarnation von Jimi Hendrix
gefeiert. Verblüffend echt empfindet er Jimis außergewöhnlichen
Feedback-Sound nach und wenn er singt, meint man Hendrix' Stimme
zu hören. Randy Hansen, wie Jimi Hendrix in Seattle geboren,
hat sein Vorbild bis ins Detail studiert. Nachdem er als Zwölfjähriger
Hendrix' "Are You Experienced" gehört hatte, sollte
der Ehrgeiz, sich Jimis Sound anzueignen, sein weiteres Leben
bestimmen. Mittlerweile präsentiert er sowohl die musikalischen,
als auch die showmäßigen Aspekte in authentischer Weise.
In den USA genießt Randy Hansen Kultstatus. Francis Ford
Copolla bediente sich Randys staccato artigem Sound und seiner
bombastischen Klangexplosionen in seinem Antikriegsfilm 'Apocalypse
Now'. Die Liste der Musiker und Bands, mit denen Randy Hansen
die Bühne teilte ist schier endlos, darunter John Melencamp,
Stevie Ray Vaughn, Buddy Miles, Robert Cray, Herbie Hancock, Guns
'n' Roses, Simon Phillips, Eddie Van Halen ... Sein überwältigendes
Debüt in Deutschland feierte Randy beim 'Tribute to Jimi
Hendrix', das im Kölner E-Werk aufgezeichnet wurde. Mit seiner
deutschen Begleitband hat Hansen hierzulande drei CDs, sowie ein
Video-Livemitschnitt veröffentlicht, die neben Hendrix-Songs
auch eigene Kompositionen vorstellen.
Die Besetzung von Hansens "European Band": Randy Hansen
- Gitarre, Gesang, 'Ufo' Walter - Bass, Gesang, Manni von Bohr
- Drums.
Beschreibung:
Randy Hansen
(USA , Seattle)
Jimi Hendrix, sein Gitarrenspiel, sein Gesang, seine Komposition,
all das zog nicht nur eine ganze Generation, in der er lebte,
in seinen Bann. Bis heute ist sein genialer musikalischer Einfluss
allgegenwärtig. Seit seinem Tod 1970 gab es immer wieder
Musiker, die versuchten, seine Musik so identisch wie möglich
zu interpretieren. Doch so richtig gelang es wohl keinem –
aus welchen Gründen auch immer, sowohl die musikalischen
als auch die showmäßigen erfolgreich darzubieten. Obwohl
die echten Fans – und davon gibt es immer noch unzählige
– sicherlich großen Spaß an einem authentisch
live präsentierten Hendrix- Repertoire mit all den dazugehörigen
Facetten und Nuancen hätten, blieb es ihnen bislang nur übrig,
auf Platten zurückzugreifen, wenn sie Hendrix-Musik wirklich
gut gespielt hören wollten.
Doch nun sind diese Zeiten vorbei! Denn es gibt jemanden, der
überraschenderweise tatsächlich in der Lage ist, Jimis
Original Gitarrensounds verblüffend exakt nachzuempfinden:
Randy Hansen. Aber damit nicht genug: wenn Randy singt, meint
man, Jimis Stimme zu hören. Randy hat Jimi Hendrix sozusagen
bis ins Detail „studiert“. Es ist wirklich verblüffend.
Nicht umsonst wird er von Musikmagazinen und Musikkritikern in
der ganzen Welt als Reinkarnation von Jimi betitelt. Sogar die
Kleidung ist stilecht. Randy Hansen stammt übrigens wie Jimi
Hendrix ebenso aus Seattle/ Washington / USA.
Randy Hansen ist ein wahres Energiebündel. Wie ein Derwisch
fegt er über die Bühne und zieht das Publikum in seinen
Bann. Bereits als Zwölfjähriger hörte er das erste
Hendrix Album „Are You Experienced“. Sein Ehrgeiz
sich Jimis außergewöhnliche Feedback-Sounds draufzuschaffen,
sollte sein weiteres Leben bestimmen. Mittlerweile in den USA
hinreichend bekannt, tourte er mit vielen bekannten Musikern und
Bands. Francis Ford Copolla war so von ihm begeistert, dass er
Randys staccato artige Gitarrensounds und bombastische Klangexplosionen
als Effektsounds in dem Antikriegsfilm „Apocalypse Now“
einbaute.
Sein überwältigendes Debut in Deutschland feierte Randy,
als auch Uli John Roth von den Scorpions von Randy so begeistert
war, dass er ihn für sein Konzert zu Ehren Jimi Hendrix engagierte,
das in Köln im E-Werk stattfand und von WDR-TV aufgezeichnet
wurde. („Tribute to Jimi Hendrix“). Es läuft
immer wieder auf regionalen TV-Sendern in Deutschland.
Inzwischen hat Randy in Europa -Schottland, England, Finnland,
Italien und insbesondere in „Good Old Germany“- diverse
Fernsehshows sowie unzählige Live-Gigs mit seinen versierten
Mitmusikern Manni von Bohr/drums und Horst Stachelhaus/bass mehr
als erfolgreich absolviert, und sich so eine feste Fangemeinde
aufgebaut. Sowohl in den USA als auch in Europa ist er zu einer
Kultfigur geworden. Seine Konzerte werden nicht nur von Hendrix
Fans sehnsüchtig erwartet und frenetisch gefeiert.
Seit Beginn ´99 ist der Bassist „UFO“ Walter
neues Mitglied der Gruppe, der durch sein musikalisch hochkarätiges
wie virtuoses Spiel der Randy Hansen Band eine neue Dimension
verleiht. Zusammen mit dem bekannten Drum-Virtuosen Manni von
Bohr am Schlagzeug bildet dieses Rhythmusgespann das Fundament,
auf dem sich Randy Hansen solistisch wie musikalisch austoben
kann.
In Deutschland sind bis heute drei CDs sowie ein Video-Livemitschnitt
veröffentlicht. Zwei CDs beinhalten original Hendrix Songs
(„Classic Live“ und „Hendrix by Hansen“),
die letzte und neueste bringt eigene Kompositionen („Old
Dogs New Tricks“) zu Gehör, bei denen Randy und seine
deutschen Mitmusiker ihre Originalität und Professionalität
auch bei eigenen Stücken unter Beweis stellen. Letztere Platte
animierte sogar amerikanische Promotor dazu, Randy mit der „European
Band“ Manni von Bohr/drums und Ufo Walter/bass für
ein paar große Festivals in die USA einzuladen, um die eigenen
Songs dem amerikanischen Publikum vorzustellen. Auch eine amerikanische
Plattenfirma hat starkes Interesse an diesem Material bekundet.
Discografie/ Alben:
Randy Hansen- Capitol Records 1980
Monster- Herbie Hancock 1980
Astral Projektion- Shrapnel Records 1983
Classics Live- „A tribute to Jimi Hendrix“- Ananaz
Records 1992 (in Deutschland veröffentlicht)
Hendrix by Hansen- Affengeil Records 1993 (in Deutschland veröffentlicht)
Old Dogs New Tricks- Green Tree Records 1997 (in Deutschland veröffentlicht)
Video Konzertmitschnitt- Randy Hansen Band Live
Film Soundtracks:
Francis Ford Copolla´s „ Apocalypse Now “
Sondtrack & Rolle in Nicolas ´Cage neuem Regiedebut.
Tourte bereits mit:
Ritchie Blackmore, Sam Kinison, John Mellencamp, Beach Boys,
Bob Seger, Sammy Hagar, Blue Oyster Cult, Triumph, Ronnie Montrose,
Pat Travers, Mitch Mitchell, Jack Bruce, Manni von Bohr, UFO Walter,
Paul Rogers
TV-Shows in Deutschland:
WDR Rocknacht „Tribute to Jimi Hendrix“, ARD Schmidteinander,
SWF Live aus dem Roxy Ulm „Extra-Spät in Concert“
(auch als Video-Mitschnitt)
Booking :
Reinhard Buchmann
Tournado Kulturmanagement
Fon: 0049 – (0)761- 7919 78- 18, fax : 0049 –(0)761-729
35; e-mail : buchmann@tournado
***
So lautete die Beschreibung des Ausnahmegitarristen Randy Hansen,
dessen Concert wir gestern Abend im Colos-Saal in AB besuchten.
Wir, das waren Gerd S. mit seiner Freundin Sandra S., Heiko K.
mit seiner Frau, Carsten W. (in Liebe schwelgend!) mit seiner
Freundin und meine Person by myself.
Da wir von einem Auswärtsspiel mit dem FCE kommend, dass
wir mit viel Pech und Dummheit 3 : 1 verloren hatten, bin ich
mit Gerd S., diesem "alten" Libero unseres Vereins und
absolutem Hendrix-Fan etwas später nach AB gefahren. Die
anderen waren schon da.
Punkt 21.30 Uhr betrat die Band die Stage und begann furios mit
Star Spangled Banner, der einpeitschenden und nervenzerfetzenden
Version der amerikanischen Nationalhymne. Und so folgte ein Hendrix
Klassiker nach dem anderen, nur unterbrochen von Eigenkompositionen
des virtuosen Fingerakrobaten aus Seattle, der Heimatstadt des
verstorbenen Meisters Jimi Hendrix.
Carsten W. und Heiko K., die Hansen zum ersten Mal sahen, waren
total aus dem Häuschen angesichts der geilen Spieltechnik
des Mannes an der Klampfe. Heiko konnte ich öfters mit offenstehendem
Mund beobachten, der manchmal die Welt nicht mehr verstand. Für
Gerd und mich war das nichts neues, denn wir sahen Randy Hansen
an diesem Abend schon zum vierten Mal.
Noch ein paar Worte ganz speziell an Carsten W.:
ich finde es toll, dass wir uns seinerzeit auf einer Geburtstagsparty
von Heiko K. kennengelernt haben. Mit der Zeit habe ich immer
mehr Deine nette und tiefsinnige und liebevolle Art kennengelernt.
Viele wird es nicht geben, die es herausgefunden haben, aber Du
bist ein tierisch cooler Freak der alten Schule. Scheiß
auf alle und alles, die Dich in ein Schema pressen wollen, denn
Du bist nicht in diese Welt geworfen worden, um anderer Leute
Scheiße auf zu wischen. Goin' to have a lot of fun, fuck
everybodys ass and piss of all this motherfuckers inside our plundered
earth!
Und das nur für Dich, Carsten W.:
Das Leben liebend
November 2002 by Gernot W. Freudenberger
für einen Freund
Schwarzer Stahl,
verchromter Stahl.
Glühender Auspuff;
vom Fahrtwind gekühlt.
Braunes Leder,
abgewetztes Leder.
Flatterndes Kopftuch,
einer Standarte gleich.
Sattes Röhren,
gefährliches Röhren.
Tierischer Sound,
vom Ohr wahrgenommen.
Lebensfreude zwischen den Schenkeln,
vibrierende Eier auf den Sitz gepresst.
Freiheit tief im pochenden Herzen,
wallendes Blut durch die Venen gepresst.
Das Leben liebend,
die Individualität dazu.
Dahin brausend unter azurblauem Himmel,
den Tod im zitternden Genick.
Freiheit...
Freiheit!
Freiheit?
Für den,
der sie zu deuten weiß
schon...

Montag, 04.11.2002 01:37 Uhr
Scheiße! Scheiße! Scheiße!
Heute früh muss ich wieder zu dieser Scheiß-Chemo.
Und ich sitze hier - nachts um halb 2 - und spüre schon dieses
Scheiß-Gift psychisch durch meinen Körper wandern.
Ich hasse dieses verdammte Mittel, dass mich langsam zermürbt
und von innen her aushöhlt. Vor allem bleibt immer die große
Frage, ob dieses "Scheißzeug" überhaupt das
erreicht was es erreichen soll: da für zu sorgen, dass dieser
verfluchte, abgefuckte, beschissene und in die Hölle verdammte
Krebs nicht doch irgendwann wieder zurück kommt. Aber mit
dieser Gewissheit werde ich wohl mein ganzes restliches Leben
verbringen müssen.
Und dann sieht man fast täglich Menschen, die ihren Körper
sinnlos mit Alkohol voll pumpen. Die einfach nicht mehr anders
zu sehen sind, als mit einer Bierflasche in der Hand. So nach
dem Motto: hopp, hopp, hopp, Schoppe in de' Kopp! Die alles um
sich herum vergessen und liegen lassen, die sich herablassen auf
eine niveaulose Plattform, abgetrennt jeglicher Scham und Anständigkeit.
Die ihre Erziehung in einen Haufen Scheiße einwickeln und
sich für die größten Kerle dieses Planeten halten.
Unzuverlässig, nicht verschwiegen, Blender und Angeber vor
dem Herrn. Eventuell noch Familienvater, Ehemann oder Partner.
Denen ihre Gesundheit scheiß egal ist und nach der Devise
leben: nach mir die Sintflut! Ihr habt es scheinbar noch nicht
miterlebt wie kläglich, schmerzhaft und jämmerlich man
an Leberzirrose elendig krepiert. Ja ja, schon richtig gelesen!
Nicht daran stirbt, sondern VERRECKT. Ihr kennt es scheinbar nicht
wie es ist, wenn sich die Leber in ihre Bestandteile auflöst,
wenn der Körper nach Scheiße riecht und sich die Haut
in ockerfarbenen Gelb ton pergamentiert. Ist echt geil, in solche
weit aufgerissenen Augen voller Schmerz und Angst vor der Agonie
zu blicken und doch zu wissen: THIS IS THE END MY FRIEND! Ihr
habt noch nicht das Stöhnen und Keuchen vernommen, wenn die
letzten Atemzüge aus der Lunge ausbrechen. Aber auch wenn
es manche von euch schon erlebt haben sollten, wäre es ihnen
doch egal, denn in allen von euch schlummern ja Helden und mit
Alkohol habt ihr gleich gar kein Problem. Ihr steigt auch nicht
in Autos und setzt da mit anderes oder eigenes Leben aufs Spiel.
Ihr seid ja so stark und der Teufel ist auf eurer Seite. Aber
wehe, wenn er euch zu sich in die "Hölle" nimmt...
Eh, Bullshit, was schaffe ich mir Gedanken um Unverbesserliche?
Es ist besser, sich auf die Chemo vor zu bereiten. Die Infusion
ist gerichtet, die Nadel bereit und mein Körper freut sich
auf die "Empfängnis". In ein paar Stunden ist der
Spuk vorbei. Der Tag schiebt die Nacht zur Seite. Und ich werde
bereit sein, denn ich liebe...

Mittwoch, 13.11.2002
Nach einem "brutalen" Darm-Grippe-Virus mit erbarmungsloser
"Kotzerei" und unbarmherzigen Durchfällen am Wochenende,
geht es mir seit heute wieder einigermaßen okay. Aber nun
hat es seit heute Helga mit demselben Virus erwischt. Wie es ihr
geht, kann ich diesmal genauestens nach vollziehen. Aber was soll
das Jammern und Lamentieren: da muss man durch. Wird schon alles
seinen Grund haben, dass uns laufend etwas Neues heimsucht.
Zurzeit habe ich auch meine 14tägige Pause mit meiner Chemotherapie.
Muss erst am Montag, 18.11.20002 wieder zur letzten Runde in der
Uniklinik Frankfurt am Main antanzen. D.h. noch sechs Montage
hintereinander und das Kapitel ist beendet. Ich kann nur beten,
dass es nicht wiederholt werden muss und dass ich in Zukunft vom
Krebs verschont bleibe. Aber das wird an einer anderen Stelle
entschieden, und mir bleibt nichts anderes übrig, als mich
mein Schicksal zu fügen. Ich kann nur versuchen mein Leben
in Zukunft so zu gestalten, dass ich alles in meiner Macht stehende
da für tun will und werde, dass ich meinen Körper als
etwas Heiliges und Ehrfurchtsvolles betrachte und ihn dem entsprechend
auch behandle.
In der letzten Zeit, besser gesagt in den letzten Tagen ging
es mir mental etwas auf und nieder, was sich auch sehr stark auf
meinen seelischen Zustand niederlegte. Die Frage nach dem Ausgang
meiner Krankheit tauchte in den letzten Tagen verstärkt auf,
und es kostete mich sehr viel meiner Substanz, nicht in negative
Gedanken zu verfallen oder mich in den Strudel der Angst ziehen
zu lassen. Aber ich weiß auch nicht woher ich immer wieder
die Kraft nehme, mich immer und immer wieder aus dem Sumpf der
Angst heraus zu ziehen und positiv zu denken. Vielleicht ist es
auch nur der unbarmherzige Über Lebenswille, der mich da
zu antreibt, weil ich die Zeit noch nicht für gekommen halte,
dass ich mich von dieser wunderschönen Erde verabschiede.
Auch wenn diese Erde täglich auf das Neue vergewaltigt, gedemütigt
und zerstört wird. Auch wenn die Menschheit immer mehr in
einen Strudel des gigantischen Suizid schlingert.
Irgendwo und irgendwie muss doch dieses ganze Leben auf diesem
Planeten einen Sinn ergeben, der uns zu einer Prüfung nach
der anderen treibt. Ich war und bin bestimmt kein religiöser
Mensch im Sinne der Bibel, des Korans oder der Lehre Buddhas.
Ich habe mein Leben immer als ein einsamer Wolf gelebt. Mal hier,
mal da. Nie gebunden an Strukturen, Zwänge und Richtlinien.
Nicht immer den legalen Weg gegangen oder Rücksicht auf andere
genommen. Aber immer mit der Gewissheit gelebt, das ich all mein
Tun und Handeln vor meinem Gewissen und mir verantworten konnte.
Es gab - rückblickend - keine Situation, dass ich zu meinem
Spiegelbild sagen musste: du bist ein Tier. Eine Bestie. Ein Unmensch.
Aber meine Bestimmung habe ich bis heute auch noch nicht entdeckt.
Und das ist der kleine Punkt, der mich kämpfen lässt.
Der mich da zu bringt, nicht zu resignieren und den Kopf in den
Sand zu stecken.

Montag, 18.11.2002
Dieser Tag ist der letzte Tag vom Rest meines Lebens. Genieße
ihn. Geben mich ihm hin. Offen und zu allen Schandtaten bereit.
In Erwartung dessen, was die Zukunft mir noch bescheren wird.
Okay. Mir geht es beschissen. Nicht wegen und-vorher erschienen
Tatsachen heraus, sondern alleinig wegen meiner eigenen Dummheit.
Am Samstagabend gegen 23.00 Uhr wollte ich unbedingt bei Theo
(eine griechische Kneipe in Eddersheim) noch ein Glas Rotwein
trinken. Warum ich so spät nochmals los getigert bin lag
allein daran, dass ich in meinem angestauten Kessel ein Ventil
öffnen musste. Zu viel Müll und Mist hatte sich angesammelt,
gepaart mit stillen Ängsten vor einem erneuten Ausbruch dieser
verfluchten Krankheit.
Okay, wie das beim launischen Theo so ist, gab es um 24.00 Uhr
nichts mehr zu trinken. Er wollte ins Nest. Mit einem Bekannten
ging ich dann noch mit ins Fischerstübchen (auch eine Kneipe
in Eddschem, direkt am Main gelegen). Der türkische Wirt
wollte auch gerade schließen, als plötzlich ca. 20
Männlein und Weiblein die Kneipe betraten. Da wollte der
Wirt nichts mehr vom vorzeitigen Schließen der Lokalität
wissen und ich ging dann gegen 03.45 Uhr nach Hause, nachdem ich
an diesem Abend insgesamt 5 bis 6 Gässchen (wirklich kleine!!!)
Rotwein getrunken hatte. Mir ging es relativ gut bis ich zu Hause
war. Ich ging nochmals ins Bad und mit einem Schlag war ich besoffen
wie ein Schwein. Mir ging es so dreckig, dass ich mich zweimal
übergab und ca. eine geschlagene Stunde im Bad, auf dem Wannenrand
sitzend, verbrachte. Ich hatte einfach Angst, wenn ich mich hinlegen
würde, müsste ich laufend kotzen.
In Burgsolms konnte ich dann J. wieder mal in die Arme schließen,
die zum Spiel gekommen war. Auch wenn es nur immer Sekunden sind,
wo wir uns im Arm halten, so ist doch ein wahnsinnig geiles (nicht
sexuelles!!!) Gefühl zwischen uns. Und ich kann sagen: ich
liebe diese Frau. Und eh sich jetzt jemand aufregt: Helga weiß
Bescheid!!!
Eine Harninfektion habe ich mir auch noch eingefangen. Gestern
pisste ich mehrfach Blut, was mich ziemlich konfus machte. Aber
man sagte mir, dass das zu den Begleiterscheinungen einer derartigen
Infektion gehören kann.
Heute Morgen habe ich es meiner Onkologin in der Uniklinik Frankfurt
am Main mitgeteilt. Sie sagte auch, dass das Blut durchaus von
der Infektion stammen kann. Sie stellte mir dann ein Rezept mit
einem Antibiotikum aus, das ich später in der Apotheke holte.
Wegen der Infektion gab es heute wenigstens keine Chemo. Gott
sei Dank!!!
***
23.49 Uhr
Ich sitze wieder hier vor meinem Monitor, nachdem ich die letzten
Stunden Musik gehört habe. Nun hat es mich aber wieder an
die Tastatur getrieben, denn es gibt einiges nieder zu schreiben,
was nicht ganz so positiv erscheinen wird.
Und zwar hat es mit meiner Müdigkeit zu tun.
Ich bin nicht wirklich körperlich müde, sondern ich
bin müde vom Kämpfen. Und die ganze Situation meinen
Gesundheitszustand betreffend geht mir tierisch auf den Sack.
Ich entdecke mich immer öfters damit, den ganzen Krempel
einfach hin zu schmeißen. Nichts mehr mit Chemotherapie
zu tun haben. Keine Angst vor einem Rezidiv zu haben. Keine Uniklinik
mehr, keine Onkologen, kein Krankenhauspersonal. Nicht mehr diesen
eigenartigen Geruch des Todes, der Hoffnung, der Sterilisation,
der Medikamente zu riechen, der jedem Krankenhaus wie ein böser
Fluch anhaftet.
Ich bin müde, niedergeschlagen und traurig zu gleich. Bin
müder vom Herumwandern auf des Messers Schneide, nach dem
Strohhalm der Hoffnung suchend, der mich vor dem Ertrinken im
Strudel der Angst retten soll. So viele Menschen sind diesen letzten
Weg schon gegangen, und sie haben ihn alle überwunden. Versammelt
im weißen Licht nach Durchwandern des finsteren Tunnels.
Sich befinden in einer Welt des Friedens, der Liebe und des Verstandes.
Oder alles auch nur ein böser Alp der einen empfängt
und an den Wahnsinn weiter reicht?
Seid mir nicht böse, ihr alle, die ihr diese Zeilen lest,
aber ich habe keinen Suizid vor. Ich bin nur müde, ausgelaugt
und von innen verbrannt. Ich sehne mich einfach nach Ruhe, Geborgenheit
und einer zarten Umarmung. Ich sehne mich nach Streicheleinheiten,
die meinen Körper wieder zum Leben erwachen lassen. Ich sehne
mich nach einer riesigen Vulva, die mich während des Cunnilingus
auffrisst. Ich sehne mich nach einer riesengroßen Klitoris,
die mich mit ihrer Liebe erschlägt.
Okay, vielleicht bin ich ein Arschloch. Vielleicht bin ich eine
Sau, ein menschliches Schwein. Fuck off!!! Mir ist einfach das
Leben zu wertvoll, um mich mit Depressionen zu beschäftigen.
Ich besitze keine sexuellen Tabus und habe keine Angst vor dem
sexuellen Unbekannten. Fuck off; auf angepasste Bauernstellungsficker
und Menschen, die sich eine Erektion nur durch das Betrachten
einer Kleinmädchenpussy heranzüchten können. Ich
hasse und verachte die beschissene und menschenverachtende Sexualität,
die der Vatikan seinen Mitgliedern auferlegt. Ich ficke auf die
Meinung verklemmter Politiker, die sich ihre perverse Befriedigung
in den unterschiedlichsten Freudenhäusern dieser Erde holen.
Mit oder ohne Kinder, mit oder ohne Freude an der Liebe. Nur Schwein
sein in einer verlogenen abgefuckten Welt, in der der Jude den
Mohammedaner erschlägt, der Mohammedaner den Juden. Wo sich
Religionen zum letzten Gefecht sammeln und ihre bluttriefenden
Schwerter in die Herzen der Liebe und des Glaubens stoßen...
Bye bye, ihr alle da draußen, die ihr den Glauben noch
nicht verloren habt. Schlaft wohl und seit gerüstet, den
Weg der Liebe zu beschreiten...

Mittwoch, 20.11.2002
01:29 Uhr
Heute gehe ich wieder auf Arbeit. Drei Tage (Mittwoch, Donnerstag
+ Freitag) in der Woche. Täglich vier Stunden. Und: ich freue
mich darauf!

Mittwoch, 27.11.2002
Heute war die Wahl der Schwerbehindertenvertretung in unserer
Firma.
Ich habe eigentlich nicht damit gerechnet, dass ich mit so deutlicher
Mehrheit und - abgesehen von meiner Stimmenthaltung - einheitlich
das Vertrauen für weitere vier Jahre bekomme. Nicht, weil
ich mich für schlecht halte, sondern aus der Tatsache heraus,
dass ich in den letzten Monaten wegen meiner Krankheit nur selten
meinem Klientel mit Rat und Tat zur Seite stehen konnte.
Außerdem hat es mich sehr gefreut, dass auch mein Wunschkanditat
Alex zum Stellvertreter gewählt wurde.
Packen wir es an,
denn es gibt viel zu tun...
Tagebuch Dezember 2002
Dienstag, 03.12.2002
Das ist der Ort wo ich momentan sein möchte. Weit weg von
dem beschissenen Wetter in Deutschland. Weit weg von der Trübseligkeit
des Novembers und Dezembers. Weit weg von der Verlogenheit des
Weihnachtsfestes, dass zu einem stinkenden Haufen Kommerz verkommen
ist. Wo sich Leute freundlich lachend, und mit dem Dolche im Gewand,
dumme Geschenke übergeben. Wo sich Kinder nicht mehr über
ein Schaukelpferd freuen können. Wo gefressen, geschlemmt
und gesoffen wird, aber ein Stück weiter Kinder an Hunger
krepieren.
Ja ja, I know, ich werde die Welt nicht verbessern oder ändern
können, aber ich kann da zu beitragen, dass es auch nicht
vergessen wird.
Gestern hatte ich meine 14 Chemo. Hatte wieder mal ganz schön
zu geschlagen, dieses verfluchte Teufelselexier. Oh, wie ich es
hasse!!! ...und DEN Tag herbei sehne, wenn ich da mit fertig bin.
Hi Julia, hat mich am Sonntag tierisch gefreut, Dich mal wieder
in den Armen halten zu können. Hoffe nur, dass wir auch endlich
mal die Zeit zu einem längeren Gespräch haben werden.
Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Kiss you!!
Gestern Abend war ich mit einem großen Teil der Mannschaft
in den Rhein-Main-Thermen. War echt gut, auch wenn es mir durch
die Chemo nicht ganz so gut ging. Aber da muss ich durch.
Am vergangenen Samstag war ich in Mörfelden bei einem Unplugged-Concert
von der CHICKENHEAD Rock & BluesBand. Dahinter verbergen sich
keine Geringeren als meine alten Kumpels von FOREST. War echt
geil der Abend und es hat mir tierischen Spaß bereitet.
Am Samstag, 14.12.2002 spielen FOREST in der besten Original Besetzung
wieder mal live. Und zwar in der RUMPELKAMMER in Rüsselsheim.
Da will ich mit Helga unbedingt hin. Hoffe nur, dass wir rechtzeitig
mit dem FC Eddersheim von unserem letzten Auswärts spiel
aus Aßlar zurück kommen. Aber es wird schon klappen.
Am Samstag, 07.12.2002 haben wir nun wieder unseren traditionellen
Winterball vom FCE. Da freue ich mich schon riesig drauf. Davor
geht es noch zum Auswärts spiel nach Stadtallendorf.
Okay, für heute.

Montag, 09.12.2002
Jeder Tag, der eine Chemo beinhaltet ist Scheiße.
Ja, ich weiß, schon tausendmal auf dieser Seite erwähnt,
aber so langsam kann ich nicht mehr.
Heute bin ich wahnsinnig aggressiv und kaputt. Die Beine schmerzen
mir wie verrückt und mein Kopf ist eine einzige Müllhalte.
Meine Zunge liegt wie eine geschwollene Schamlippe in meinem Mund
und mein Magen jagt seinen Inhalt hoch und runter. Aber ich kann
nicht kotzen.
Ich glaube die Einzige, die meinen Zustand in etwa versteht ist
Dr. C. Gog, eine meiner Onkologen. Das habe ich heute wieder feststellen
können, als ich mir meine 15. Chemospritze in den Arm jagen
ließ. Aber was soll's? Diese drei Spritzen werde ich auch
noch über mich ergehen lassen. Nur bin ich mir so ziemlich
sicher, dass ich mir keine erneute Chemotherapie unterziehen werde.
Ich habe keinen Bock mehr, meinen gepeinigten Körper noch
mehr zu quälen. Ich habe keinen Bock mehr, um etwas zu kämpfen,
was so wie so keine Garantie beinhaltet. Feierabend! Schluss!
Vor einigen Monaten war der Gedanke an den Tod noch etwas Unvorstellbares.
Aber mit der Zeit verliert man immer mehr die Angst davor. Nicht
das ich sterben will; nein, weit gefehlt, aber z. Zt. habe ich
die Schnauze gestrichen voll. Vor allem fängt das ja schon
am Sonntagabend an. Da bekomme ich schon den Geschmack von der
Chemo-Substanz im Mund zu spüren. Es ekelt und schüttelt
mich. Wundere mich aber auch darüber, dass ich noch nicht
kotzen musste...
Okay, die Chemo zeigt noch ihre Nachwirkungen. Ich lege mich
jetzt wieder ab.

Sonntag, 15.12.2002
Heute zum dritten Advent ein weiterer Eintrag.
Die Woche war so lala... Am Mittwoch war ich bei unserer Hausärztin
und habe die Wiedereingliederung abgebrochen, da mir die Chemo
in den letzten "Sitzungen" immer mehr zu setzt. Jetzt
habe ich auch noch ein gravierendes Problem mit beiden Beinen
bekommen. Sie schmerzen sehr und das rechte Bein ist ab und zu
taub (?). Ab Wade bis in den kleinen Zeh fast durchgehend. Es
ist meistens ein Gefühl als sei der Fuß eingeschlafen.
Werde mal morgen bei meiner Chemo mit dem Onkologen darüber
sprechen.
Abends waren wir (Helga, Carsten W., seine Freundin Manuela und
ich) in der Opelstadt Rüsselsheim bei einem Auftritt meiner
alten Kumpels von der Band FOREST, wo ich ja lange Zeit als Roadie
gedient hatte. Die Kneipe wo sie spielten erinnerte mich sehr
stark an die Zeit der 70er Jahre. Zum Ambiente fehlten nur noch
die herumgereichten Joints. Aber eines muss hier auch erwähnt
werden: es war eine der schmutzigsten Kneipen die ich gesehen
habe, obwohl die Gläser sehr sauber waren.
FOREST spielte mit Pausen von 21.30 Uhr bis 01.00 Uhr. Es war
sehr nett und wir haben viel über vergangene Zeiten gelacht.
Da an selbigem Abend in der Rüsselsheimer Walter-Körbel-Halle
ein Benefizkonzert mit mehreren Bands stattfand, bestand da Publikum
gerade mal aus ca. 15 Leuten. Schade eigentlich, denn ich finde
FOREST gar nicht schlecht.
An dieser Stelle auch einen ganz lieben Gruß an meine Emailfreundin
Annett, die ebenfalls ein bekennender Jimi Hendrix-Fan ist. Für
sie auch der folgende Text:
Angel
angel came down from heaven, yesterday
she stayed with me just long enough to rescue me
and she told me a story yesterday
about the sweet love between the moon and the deep blue sea
and then she spread her wings high over me
she said she's going to come back tomorrow
and i said fly on my sweet angel
fly on through the sky
fly on my sweet angel
tomorrow i'm gonna be by your side
sure enough this mornin' came unto me
silver wings silhouetted against a child's sunrise
and my angel she said unto me
"today is the day for you to rise
take my hand your goin' be my man, your goin' rise"
and then she take me high over yonder
and i said fly on my sweet angel
fly on through the sky
fly on my sweet angel
forever i'm gonna be by your side
Lyric by Jimi Hendrix

Mittwoch, 18.12.2002
Am Montag hatte ich meine vor-vorletzte Chemo. War an diesem
Tag über 7 Std in der Uniklinik unterwegs, denn man wollte
mein Taubheitsgefühl im rechten Bein analysieren. Nach Röntgenaufnahme
der unteren Wirbelsäule wurde ich erst mal ins Zentrum für
Neurologie und Neurochirurgie der Uniklinik Frankfurt überwiesen.
Dort wurde dann ein Bandscheibenvorfall an einem der unteren Wirbel
diagnostiziert.
Positiv war die Auskunft der dortigen und mich untersuchenden
Ärztin, dass erst mal von einer Operation abgesehen werden
soll, sondern man will das Leiden durch Kranken Gymnastik und
Sportphysiotherapie in den Griff bekommen.
Danach ging es wieder zurück in die Onkologie und ich bekam
als Nachtisch noch meine heiß geliebte Chemotherapie. Welch
ein wunderbarer Tag!
Zu Hause angekommen, hatte ich ganz schön den Frust. So
langsam komme ich mir wie ein vergessenes Arschloch auf der letzten
Wolke vor: wenn es irgendetwas zu verteilen gibt, schreie ich
scheinbar immer als erster und am lautesten HIER.
Manchmal versuche ich in meine Kind- und Jugend zeit zurück
zu gehen und mir vor zu stellen, wie das war, als ich ohne Leiden,
Schmerzen und Wehwehchen mein Leben genoss. Und ich muss mit Schrecken
feststellen, dass ich mich daran nicht mehr erinnern kann. Ich
kann mir einfach keinen mehr Tag vorstellen, an dem es mir körperlich
so ging, dass ich ABSOLUT NICHTS hatte. Ist schon 'ne schöne
Scheiße.
Ähnlich verhält es sich mit einem anderen Teil meines
Lebens, der so langsam im Universum versiegt.
Noch einmal diese wilde und grenzenlose Zeit von damals. Ohne
Hemmungen und Nachdenken. Ausschweifend und frei. Losgelöst
von allen Tabus, Schranken und Vorgaben. Eintauchen in Galaxien,
explodieren in Kaleidoskopen. Und nicht dies fuckin' Hausmannskost
katholischer Klosterschüler. Ich möchte einfach wieder
meinem animalischem Trieb nach gehen und ... Aber lassen wir das,
denn ich habe darüber schon zu viele leere Worte gesprochen,
die in der Unendlichkeit ungehört verflogen sind.
Am Montagnacht habe ich mir dann das Concert von Jimi Hendrix
vom Montery Pop Festival auf DVD reingezogen. Mit Kopfhörer
und einer tierischen Lautstärke, dass es mir fast den Schädel
weg gehauen hat. Und - ich habe fast auf den Mond ejakuliert!
- welch ein geiles Concert von Jimi. Er zieht bei dieser Show
ALLE Register seines Könnens und bewies da mit auch demonstrativ,
wer der Meister an der Klampfe war. (Hallo Annett, Du hast es
erkannt: er war und ist der Größte, der Meister, der
Derwisch, der Perfektionist, der Künstler. Behalte ihn in
Deinem Herzen, denn er ist zu genial, um nicht geliebt zu werden.
Danke für das nette Gespräch am Telefon!!!).
Am Montag, als mir meine Onkologin die Chemosubstanz in die Vene
jagte fragte ich sie wie das Sterben sei. Im ersten Moment schaute
sie mich sehr erstaunt an, gab mir dann aber bereitwillig Auskunft.
Sie sagte, dass das sehr unterschiedlich sei. Manche schlafen
einfach sehr friedlich ein und wiederum andere seien sehr nervös
und unruhig. Das käme zum Teil davon, dass sie nicht loslassen
wollten oder konnten. Außerdem sei es sehr wichtig, wie
die nächsten Angehörigen den Sterbenden sterben ließen.
Wen sie nicht zum Loslassen bereit seien, sei es für den
Sterbenden auch sehr schwer. Was mich dann noch interessierte
war, ob man mich zwingen könnte im Krankenhaus zu sterben
oder ob ich das auch zu Hause dürfte. Die Ärztin sagte,
es kann niemand gezwungen werden, seine letzten Stunden im Krankenhaus
zu verbringen. Da war ich dann schon etwas beruhigter.
Manche von euch wird es vielleicht erschrecken oder mysteriös
vorkommen, wenn sich jemand wie jetzt ich mit so einem Thema beschäftigt.
Aber für mich gehört das zur Normalität, denn der
Tod ist Bestandteil des Lebens wie Essen, Trinken oder Ficken.
Warum davor weglaufen. Warum sich nicht mit Tatsachen beschäftigen,
die zu den Grund Elementen des weltlichen Daseins gehören.
Bei der Geburt eines Menschen wird doch auch ein großes
Tamtam veranstaltet. Alles rennt aufgeregt herum, als wäre
jeder selbst ein Elternteil oder hätte mit seinem Samen das
Ei befruchtet. Warum wird aus dem Tod so ein erschreckendes und
beängstigendes Etwas kreiert, das ganz fern jeglicher Realität
ist. Im Buddhismus zum Beispiel wird der Tod gefeiert. Die "Trauergäste"
versammeln sich um den Leichnam, essen, trinken, tanzen, musizieren
selbst oder hören Musik. Vor allem gibt es nicht diese beschissene
schwarze Trauerkleidung wie bei uns. Man kleidet sich in helle
und farbenfrohe Gewänder und achtet somit dem irdischen Daseins
des Verstorbenen. Man nimmt Abschied in Freude und Ehrfurcht.
Und bei uns? Alles wird düster und unheilvoll zelebriert.
Man schafft eine Umgebung und Stimmung, die der Gestorbene bestimmt
nicht selbst so gewollt hat. Nicht ganz unschuldig an dieser Misere
ist unsere Kirche. An erster Stelle und mit wehenden Fahnen vorneweg
die katholische. Mit ihrer Scheiß Theorie von Fegefeuer,
Verdammnis und Angst schafft sie eine Welt, die mit der Wirklichkeit
absolut keine Gemeinsamkeiten mehr vorweist.
Heute Nacht geht es weiter, denn ich werde mal wieder eine Nachtschicht
einlegen, um meine momentanen Gedanken ins Tagebuch zu bekommen.
Momentan steht mir der Kopf quer und ein Tornado oder ein Blizzard
fegt durch meine Gedankenwelt. Ich muss erst mal wieder etwas
Ruhe finden...
00.17 Uhr. Here I'm again...
Verdrehte Welt
Donnerstag, 19.12.2002, 00:36 Uhr
by Gernot W. Freudenberger;
geschrieben für Gott
Weinend kauern kleine Kinder
hinter heraus geschossenen Fenster höhlen - frieren
in der Sternen losen Nacht.
Schmatzend fressen alte Generäle
an Damast behängten Fest tafeln - furzen
in den beheizten Saal.
Verdrehtes Schicksal,
verdrehte Welt.
Blutend liegen erschossene Soldaten
mit aufgerissenen starren Augen - tot
in der eiskalten Gruft.
Schreiend winden sich Kranke
in weiß bezogenen Krankenhaus betten - Angst
vor der morgigen Operation.
Verdrehtes Schicksal,
verdrehte Welt.
Was ist das
was mich von vorne anstarrt?
Was ist das
was mich in die Agonie treibt?
Sind es nicht die Welten des Irrsinns?
Sind es nicht die Kreaturen der Finsternis?
Oh, mein Gott,
welch eine verrottete Welt,
welch ein Wahn.
Verdrehtes Schicksal,
verdrehte Welt
Und du bist geboren
die Menschen zu erlösen?
Du wurdest auserkoren
unsere Sünden
auf Deinen Schultern zu tragen?
Du?
Der Du uns in Krankheit führst,
der Du uns bestrafst mit Krieg und Groll?
Oder sollte es so sein,
dass man das Obere zum Unteren umkehre;
das Untere zum Oberen,
um die Wahrheit zu finden?
Dann bin ich bereit,
das verdrehte Schicksal
in eine geordnete Welt
zu führen.
Lass uns beginnen,
dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten,
den Kranken die Schmerzen zu nehmen,
die Toten in Dein Reich zu führen.
Lass uns beginnen;
der Liebe den Einzug zu gestatten,
der Freude den Flügel schlag,
dem Orgasmus die Explosion.
Lass uns beginnen...
JETZT !!! ...
Guten Morgen, ihr da draußen an den Monitoren. Ihr Liebenden
der Ekstase. Ihr vom Orgasmus keuchenden und erhitzten Leiber,
es ist so genial geil euch in meiner Nähe zu spüren.
Ich finde es so wunderbar und schön, dass ihr euch für
mich interessiert. Das ein kleiner Wicht irgendwo auf diesem wunderbaren
und geilen und lebenden und nie zu bezahlenden und ausgeraubten
und niedergemetzelten und blutbesudelten Planeten Erde zur Kenntnis
genommen wird. Ich umarme euch alle, denn ihr seit der Sender
meiner Gedanken, meiner Ängste, meiner Sehn Süchte.
Ihr seid neugierig auf meine Person. Auf meine Worte. Auf meine
Zeilen. Und ich bin der derjenige, der da zu beiträgt, dass
euer Voyeurismus befriedigt wird. Ich bin der, der euren Schwanz
streichelt und der eure Muschi leckt. Ich bin der, dem es hilft,
hier und für alle nach lesbar seine Welt zu offenbaren. Ich
bin der, der euch da für herzlichst umarmt und Danke sagt.
Danke für euer Interesse und Danke für eure Anteilnahme
an meinem Dasein. Danke und nochmals Danke.
Es ist nicht wieder zu geben, was ich empfinde, wenn ich wieder
einen neuen Eintrag in meinem Gästebuch entdecke der mir
sagt "He, hier ist jemand, der sich deine Worte einverleibt
hat". Es ist auch der Moment meiner kleinen nichts bedeutenden
Erkenntnis, dass es irgendjemand gibt, der bei mir ist und vieles
sogar nachvollziehen kann. Ich kann hier und an dieser Stelle
nur nochmals darum bitten, dass sich möglichst viele von
euch in meinem Gästebuch verewigen oder immer und immer wieder
eintragen. Auch wenn ihr denkt, ich stehe doch schon drin, egal,
haut rein in die Tasten und gebt mir eure Meinung, eure Worte,
eure Gedanken, Sehn Süchte und Liebe.

Montag, 23.12.2002
Mir ist elend und schlecht. Nicht gerade kotzelend, aber voll
gepumpt mit Medikamenten, Chemo und Kontrastmittel.
Heute hatte ich einen Termin in der Uniklinik, um eine Kernspintomographie
(Magnetresonanztomographie (MRT) durchführen zu lassen. Meine
Onkologin hatte das veranlasst, um meine Sache mit der Bandscheibe,
dem eingeklemmten Nerv und meinem tauben rechten Bein zu klären.
Zuerst musste ich aber zur Blutuntersuchung, um mir meine Werte
testen zu lassen. Dort wurde mir das Blut von Dr. med. Brinkmann
abgezapft, mein damaliger Arzt von der Station A11, als ich dort
in der Uniklinik wegen meinem Darmcarzinom zur Operation und anschließenden
Nachbehandlung lag. Er ist ebenfalls ein Arzt, zu dem ich von
Anfang an Vertrauen hatte wegen seiner ruhigen und sympathischen
Art mit Patienten um zu gehen.
Danach ging es dann zur oben genannten MRT. Zu meiner Verwunderung
bekam ich dort doch eine Kanüle in die Vene gelegt, um mir
Kontrastmittel zu verabreichen. Meine Onkologin hatte mir jedoch
gesagt, dass das nicht zwingend sein müsste. Aber in der
Abteilung für Kernspintomographie war man da anderer Meinung.
Ich musste mich dann bis auf Slip und Socken ausziehen und mir
das sogenannte "OP- oder Totenhemd" überstreifen.
Wo her der Begriff "Totenhemd" kommt, vermag ich nicht
zu erklären, es wird unter den Patienten allgemein so bezeichnet.
Nachdem ich dann fast 30 bis 40 Minuten in der Röhre gelegen
hatte ohne dass etwas passiert war, wurde ich wieder herausgefahren.
Man teilte mir mit, dass der Rechner nicht hochfahren würde.
Also anziehen. Mit Stiefeln, Jeans und "Totenhemd" bekleidet,
ging es dann in das Untergeschoß wo sich ein weiteres Gerät
für die vorgesehene Untersuchung befand. Unser Weg führte
an grinsenden Patienten vorbei, denn mein Anblick muss schon tierisch
geil gewesen sein. Ich kam mir vor wie der Engel Alosius, der
einen göttlichen Auftrag ins Hofbräuhaus zu überbringen
hatte. Eingeweide werden wissen wovon ich spreche. In der neuen
Röhre lag ich dann wieder fast 40 Minuten bis die Untersuchung
abgeschlossen war. Ich wurde mit der Zeit immer nervöser,
denn das Kernspintomo macht einen tierischen Radau, obwohl ich
einen Kopfhörer zum Lärmschutz trug. Irgendwann wurde
mir dann mitgeteilt, dass man jetzt das Kontrastmittel einlaufen
lassen würde. Es dauerte auch nicht lange und ich spürte
die kalte Substanz in meine Vene fließen und sich in mir
ausbreiten. Dann dauerte es noch mal fast 15 Minuten, bis man
mich endlich wieder aus dieser wahnsinnig engen Röhre herausfuhr
und ich mich wieder anziehen durfte. Die Techn. Assistentin meinte,
ich sei sehr nervös gewesen und hätte mich mehrmals
unruhig bewegt, was der Untersuchung nicht gerade hilfreich gewesen
sei. Aber es ist auch Scheiße, sich kaum bewegen zu können.
Konnte mich nicht kratzen, als mir die Nase und Kopfhaut juckte
und laufend schliefen mir die Arme und Beine ein.
Als ich mich dann wieder angekleidet hatte, fiel mir noch eine
wichtige Frage ein, die ich unbedingt an den Arzt stellen wollte.
Ich fragte ihn, ob man an der Untersuchung auch feststellen konnte,
ob sich Metastasen in den Knochen gebildet hätten. Er schaute
mich irgendwie belustigt (zu mindestens kam es mir so vor!) an
und meinte: "Lieber Herr Freudenberger, was meinen Sie, warum
wir diese Untersuchung so schnell bei ihnen ausgeführt haben.
In erster Linie nur aus diesem Grund und erst im zweiten wegen
ihrer Bandscheibensache". AHA, dachte ich bei mir und laut
"aber die Ärztin hat mir das aber so nicht gesagt".
Daraufhin der Arzt: "Man wollte sie auch nicht schon im Vorfeld
verunsichern. Aber ich kann ihnen sagen, dass KEINE Metastasen
fest zu stellen sind. Aber ihre Bandscheibe hat was weg. Und nun,
ab nach Hause und frohe Weihnachten". Nun, ich brauche euch
allen ja nicht erzählen, das ich vom "Acker galoppiert"
bin wie noch nie.
Hatte dann auch gleich Helga angerufen, die sich sehr über
meine Mitteilung gefreut hat. Ist ja auch verständlich. Danke,
mein Liebling!
Das war das positive des Tages.
Das negative Ereignis erhielt ich am Abend telefonisch von meiner
Cousine M. aus Flöha/Sachsen.
Ich hatte ja geplant, meinen Lieblingsonkel H. in meinem Geburtsort
zu seinem 90. Geburtstag am 27. Dezember zu überraschen.
Nun teilte mir meine Cousine mit, dass der Onkel nicht so 100%ig
fit sei. Das hatte sie von ihrer Mutter, des Onkels Schwester
erfahren. Aber da nun niemand etwas Genaues wusste, rief die Cousine
bei einer Tochter meines Onkels an, die mit ihm im selben Haus
wohnte, um sich ein genaues Bild der Sachlage schildern zu lassen.
In diesem Gespräch erfuhr sie dann, das es dem Onkel nicht
gut ginge, es aber nichts Bedrohliches sei. Mehr eine alters bedingte
Schwäche. Meine Cousine daraufhin: wir wollten Onkel H. überraschen.
Die Tochter (eigentlich auch meine Cousine, aber seit gestern
absolute Luft für mich!) darauf hin: wenn ihr kommen wollt,
so könnt ihr das ruhig tun. Meine Cousine: nein, es geht
nicht um uns, sondern Gernot wollte den Onkel überraschen.
Die Tochter darauf: eigentlich ist das ganze als Familienfeier
gedacht. PUNKT!!!
Dazu muss ich kurz folgendes erklären: als die Grenzen noch
dicht waren zwischen der DDR und der BRD, waren meine Eltern und
auch später Helga und ich immer gut da für, mit vollem
Kofferraum zu Besuch in den Osten zu fahren, Weihnachts-, Geburtstags-
oder sonstige-Pakete zu schicken. Zu jeder Gelegenheit wurde alles
unternommen, um bei einer genehmigungswürdigen Feier eine
Einladung für die Verwanden im Osten zu senden, was auch
immer und oft angenommen wurde.
Als dann aber die Grenzen fielen und die lieben Verwanden hinreisen
durften wo sie wollten, taten sie das auch reichlich. Nur einige
nicht zu meinen Eltern, die Unmengen an Kohle investiert hatten,
um den Verwanden "DRÜBEN" das Leben etwas angenehmer
zu gestalten. Vom goldenen Ehering bis zu den Zündkerzen
für Auto und Moped, vom Kleid, über den Pelzmantel bis
hin zu Geldspenden in der geliebten Westwährung. Zu denen,
die nicht kamen nach Grenzöffnung gehörte auch die oben
genannte Tochter meines Onkels, der auch ein Bruder meiner Mutter
ist. Als sie dann auch fadenscheinig mit Absage auf die Einladung
meiner Mutter zu ihrem 70 Geburtstag und der gemeinsamen Goldenen
Hochzeit meiner Eltern reagierten, platzte mir der Kragen und
ich schickte einen zynischen Brief an die Tochter und erklärte
ihr darin meine Meinung zu der ganzen Angelegenheit. Seit diesem
Tage an hatte ich verschissen. Ich war der Buhmann der Nation,
das Arschloch eben. War mir auch irgendwie egal.
Aber jetzt den 90. meines Onkels zur reinen Familienfeier um
zu funktionieren, schlägt dem Fass den Boden aus. Doch so
ist scheinbar das Leben. Obwohl sie wissen was ich zweimal hatte,
obwohl ich eigentlich auch nur eine Versöhnung mit einfädeln
wollte, obwohl ich ihr dabei auch nur die Hand reichen wollte
zählt alles nichts. Doch es ist schon angekommen. Es ist
eingetroffen in meinem Herzen, meinem Verstand, meinem Geist.
Ich habe es begriffen, dass einige ihren Charakter und ihre Ehre
und ihren verdammten Stolz gegen dieses verfluchte und beschissene
Begrüßungsgeld von 100 DM eingetauscht haben. Ihre
Seele verkauft haben, um einmal in ihrem Leben bei Aldi aus dem
Vollen zu schöpfen. Einmal bei EDEKA im Regal wühlen.
Nach Höschen mit offenem Schritt zu greifen, um auch im stehen
und ohne sich das neu erworbene Teil mit Spitzeneinsatz zu bemäßen
auf die Werte des Zusammenhaltes zu pissen. GEIL! Wenn es nicht
so schmerzen würde, könnte man sich darauf den Penis
massieren, um in einer gigantischen Welle der Befriedigung in
die Sonne zu fliegen. Im Sternenregen der Kometen ejakulierend
zu explodieren. Aufschreien mit den Akkorden einer außerirdischen
Gitarre der Begierde. Perversionen in zersplitternden Augenhöhlen
der Gier. Ein gleiten in den Tunnel der Lust. Wow...............
Ah.........ja, komm' her und nehme mich mit fort. Lass mich auf
deinen Flügeln sitzen und trage mich davon zu dem Land, welches
ein Safran gelber Himmel bedeckt, In welchem in einem dunkelrot
leuchtendem Mohnfeld stehend, Jimi Hendrix seine Gitarre zum Weinen
bringt. Oh, ja."Eli, Eli, lama asabtani." Mein Gott,
mein Gott, warum hast du mich verlassen? Vater vergib ihnen, denn
sie wissen nicht was sie tun...
Aber, es ist okay! Okay. Okay. Okay...
Werde nun eben nicht zum 90. fahren, denn ich will meinem Onkel
keinen Stress zuführen, den es bestimmt geben würde,
wenn ich mit seiner Tochter aufeinander treffen würde. Also
lassen wir das. Ich will nicht die Schuld daran tragen, dass er
vielleicht einem Herzschlag zum Opfer fällt. Lebewohl Heimat
der Geburt. Lebewohl Geburtshaus. Lebewohl Du Erinnerung meiner
Kindheit.

Dienstag, 24.12.2002, 04:22 Uhr
Frohe Weihnachten euch allen! Ihr Kinderlein kommet. Es ist ein
Ros' entsprungen aus einer Wurzel zart. Denen dieses Fest noch
etwas bedeutet, denen, die sich nicht im Strom des Kommerz rausch
mitreißen lassen: von Herzen ein frohes und besinnliches
Weihnachtsfest 2002.

Montag, 30.12.2002
Erwachen
Montag, 30.12.2002, 13.20 Uhr
by Gernot W. Freudenberger;
geschrieben für eine Vision
Wenn ein Blitz
die Dunkelheit durchbricht,
schemenhafte Dinge in blau-weißem Licht erscheinen,
Gedanken im Kopf explodieren,
ein tiefer See sich öffnet,
Schleusen brechen,
Magma als Lava an die Oberfläche ejakuliert,
dann
ist die Erkenntnis geboren.
Wenn ein Mensch
seine Ebene betritt,
verwandtes Wesen in Lichtgestalt wartet,
warme Hände sich berühren,
Lippen sich treffen,
Wellen als Akkorde sich in Einheit wiegen,
dann
ist die Wahrheit entstanden.
Wenn ein Mann
seine Liebste erkennt,
in Krankheit an einander geschweißt,
vergessene Zeiten sich öffnen,
Worte unbenutzte Formen annehmen,
Fehler der Vergangenheit in neuem Licht erscheinen,
dann
ist die Basis geschaffen.
Zerschmettert,
zermürbt,
nieder gestreckt.
Geheilt,
gesund,
auferstehen.
Fliegen,
auf den Flügeln der Fehler.
Landen,
auf den Feldern der Erkenntnis.
Ernte vernichten,
wenn der Same wertlos war.
Erwachen im Neubeginn.
Erwachen in Liebe.
Erwachen in Verständnis.
Erwachen im Trost.
Erwachen..
..im Leben.
Danke sagen können,
Danke sagen müssen...
DANKE.

Dienstag, 31.12.2002
Gitarrenklänge...
Dienstag, 31.12.2002, 1:32 Uhr,
by Gernot W. Freudenberger, Foxy Lady
and Jimi Hendrix ( © by Machine Gun)
for all girls into this world.
Kreischend schraubt sich der Akkord
aus der weißen Fender Stratocaster.
Lang gewachsene Finger,
beringt,
fliegen über die Saiten.
Entlocken Lust
und Verderben.
Freude und Hoffnung.
Schreiend windet sich der heulende Ton,
waaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhyyyyyyy...
in das safrangelbe Weltall.
Beflügelte Wesen,
in durchsichtige Gewänder gehüllt -
Elfen gleich -
halten bunt bemalte Krüge,
aus vergangenen Zeiten,
mit geheimnisvollen Zeichen
eingeritzt;
in das Blitzgewitter
der vorbei jagenden Klänge.
Heulend wimmern die Akkorde,
drehen sich,
winden sich.
Zersplittern im Glas
der brechenden Spiegel,
wo Verfluchte
und Gebrechliche
die letzte Segnung erhalten.
Schneeweiße Zähne
bohren sich
in die stählernen Saiten,
qualvollen Toden entlockt.
Auf der Spitze
einer goldenen,
gläsernen Pyramide
steht Georg Bush,
den vorbeiziehenden Kriegern
die Nationalhymne zu rezitieren.
MACHINE GUN
TEARING MY BODY ALL APART
MACHINE GUN
TEARING MY BODY ALL APART
EVIL MAN MAKE ME KILL YA
EVIL MAN MAKE YOU KILL ME
EVIL MAN MAKE ME KILL YOU
EVEN THOUGH WE'RE ONLY FAMILIES APART
WELL I PICK UP MY AXE AND FIGHT LIK A BOMBER
(YOU KNOW WHAT I MEAN)
HEY AND YOUR BULLETS KEEP KNOCKING ME DOWN
HEY I PICK UP MY AXE AND FIGHT LIKE A BOMBER NOW
YEAH BUT YOU STILL BLAST ME DOWN TO THE GROUND
THE SAME WAY YOU SHOOT ME DOWN BABY
YOU'LL BE GOING JUST THE SAME
THREE TIMES THE PAIN
AND YOUR OWN SELF TO BLAME
HEY MACHINE GUN
OOOOOOOOOO
I AIN'T AFRAID OF YOUR MESS NO MORE, BABE
I AIN'T AFRAID NO MORE
AFTER A WHILE YOUR YOUR CHEAP TALK DON'T EVERN CAUSE ME PAIN
SO LET YOUR BULLETS FLY LIKE RAIN
'CAUSE I KNOW ALL THE TIME YOU'RE WRONG BABY
AND YOU'LL BE GOIN' JUST THE SAME
YEAH MACHINE GUN
TEARING MY FAMILY APART
YEAH YEAH ALRIGHT
TEARING MY FAMILY APART
DON'T YOU SHOOT HIM DOWN
HE'S ABOUT TO LEAVE HERE
DON'T YOU SHOOT HIM DOWN
HE'S GOT TO STAY HERE
HE AIN'T GOING NOWHERE
HE'S BEEN SHOT DOWN TO THE GROUND
OH WHERE HE CAN'T SURVIVE NO NO
VOODOO CHILD
MACHINE GUN
FOXY LADY
"Der Himmel hat geweint."
- Gestern ist nicht heute und heute ist nicht morgen. -
- Deine Gedichte sind ein Hammer.
Ganz Wunderbar beinhalten sie uns.
DICH und MICH
DICH & MICH
DICH -
- Dein Weg hat dich wieder nach Hause geführt.
Wie es weitergehen wird ist noch ungewiss.
Ungewiss für dich,
Ungewiss für Helga,
Ungewiss für Mich.
Lass alles bei Dir ankommen.
Die Wärme in Bauch
Die Liebe im Herzen
Das Blau des Ozeans.
Größe und Weite in dir zu spüren.
Fühl' dich als Teil dieser Welt.
Ein Sandkorn in der Sanduhr.
Geh den Weg auf der Spirale des Lebens.
Folge deiner Stimme, sie weißt dir den Weg,
den Weg zu dir selbst.
Mut und Vertrauen,
sind die besten Freunde des Wandels, auf deinem Weg.
Heute ist ein guter Tag zum sterben.
Wir sterben jeden Tag
und
wir werden geboren jeden Tag.
Ob in dieser Welt oder in einer anderen, das ist ohne Belangen.
Mitnehmen können wir nichts,
all die liebgewordenen Dinge müssen wir zurücklassen.
Loslassen.
Einzig und allein hilft uns unsere Lebenserfahrung weiter.
All die Großen und Kleinen Hindernisse aus unserem Leben,
die wir gut oder schlecht überwunden haben.
Prüfungen des Lebens bringen uns an einen Ort in uns,
den Ort der Weisheit und Erkenntnis.
ER KENNT Nys
KENNEN
ER KENNE DICH und du WEIST. -
YEAH THAT'S WHAT WE DON'T WANNA HEAR ANY MORE, ALRIGHT
NO BULLETS
AT LEAST HERE, HUH HUH
NO GUNS, NO BOMBS
HUH HUH
NO NOTHIN', JUST LET'S ALL LIVE AND LIVE
YOU KNOW INSTEAD OF KILLIN'
Weinen tropft aus
deinem Haar,
zerplatzt auf den Mosaikfußböden
antiker Römersiedlungen,
wo nackte Füße
den Shamanentanz zelebrieren
Klänge entfliegen
den Boxen
und streicheln den sanften Atem
der Agonie.
Der regenbogenfarben glänzende Leib
einer amerikanischen Klapperschlange erstarrt,
die gelblichen Giftzähne
pressen das Gift
in die pulsierende Vene.
So bereit,
so darauf gefasst,
den Todesstoß zu empfangen.
Haltet die Fresse!
Keine Kritik!
Mein Dasein ist mein Eigentum.
Ich bin verantwortlich,
nicht nur für mein Leben!
Wilde Mähne
umrahmt das Gesicht,
von Kerzen erhellt.
Offener Mund
ringt nach eiskaltem Atem,
hechelnd nach Luft.
Fieberstürme
leuchten bläulich-weiß
flackernd in der Pupille.
Zitternde Körper
vibrieren im auslaufendem Blut,
benetzt im Trunk.
Klänge...
und
Akkorde...
Töne durchstechen
den Tag.
Der Mantel wird gelüftet,
in der Tasche
steckt ein getrockneter Penis
aus duftender Marzipan.
Ich sterbe
in Ekstase.
Fliegend, die Sonne küssend,
lande ich sanft
auf der weißen Fender Stratocaster.
Jimi schaut mir in die Augen;
sie zeigen mir
Unendlichkeit,
den Frieden
und die Liebe.
Weinend lösen sich
glitzernde Tränen,
zerstäuben im Nichts.
NO DISC
in leuchtender Schrift.
ORANGENFARBENE WELLEN
hinter den geschlossenen Lidern.
HEY!
-ich bin zurück.
-wieder da.
Brüder und Schwestern,
Leute der Nacht,
gestern wurde ich geboren
und heute kehre ich zurück
in die Heimat meiner Väter
und Urahnen.
Lasst euch davontragen
in Würde und Anstand vereint,
ein Lächeln um den Mund.
WILLKOMMEN DAHEIM... ... ...