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Tagebuch 2000.

Before I sink into the big sleep
I want to hear
I want to hear
The scream of the butterfly
- by Jim Morrison / DOORS

oder

Lost in a Roman
wilderness of pain
and all the children are insane

- by Jim Morrison / DOORS

April 2000

19.04.2000

Heute will ich beginnen so 'ne Art Tage-, Wochen- oder Monatsbericht zu schreiben. Auch werde ich in Worte eingerahmte Ejakulationen aus vergangen Zeiten und 2000 Lichtjahre zurück hier niederschreiben. Ob es dann eine Sau interessiert oder ob es etwas wird, will ich an dieser Stelle 'mal offen lassen. Es wird aber bestimmt nicht so werden, dass ich nun in der altbekannten Tagebuchform schreibe (d.h. um 03.00 Uhr aufgestanden, um 03.15 Uhr geduscht, von 03.15 bis 03.30 Uhr gefrühstückt und... und... und...), sondern es wird mehr oder weniger ein Spiegel meiner Gedanken, Empfindungen, Gefühle, meiner Angst werden.

Das Tagebuch ist auch dazu gedacht, mit meiner gesundheitlichen Situation fertig zu werden. Vielleicht kann ich aber auch dadurch anderen Menschen - die auch Bekanntschaft mit Krebs gehabt haben - zeigen, wie ich damit umgehe. Es wird Sie/Dich bestimmt manches unverständlich erscheinen oder ein Kopfschütteln hervorrufen, aber damit kann und will ich leben. Jeder einzelne soll seine individuellen Schlüsse daraus ziehen.

Angst? Na klar! Angst vor was? Zum Beispiel davor, dass dieser Scheiß Krebs wiederkommt.

26.04.2000

Okay; es sollen nun wieder 'mal ein paar Zeilen folgen.

Am Ostersonntag rief mich unerwartet Mischa Meyer an. Einen Tag zuvor hatte ich noch mit meinem Bruder G. in SB gesprochen, ob er mir die Adresse von ihm besorgen könnte. Er konnte nicht.
Es klingelte also am Ostersonntag das Telefon und wer rief an? Genau, Micha. Das war schon ein Ding! Zumal ich seit Jahren nichts mehr von ihm gehört habe. Micha war und ist ein guter Freund aus der alten Zeit in SB. Er war inzwischen umgezogen, aber das soll hier keine Rolle spielen. Von ihm erhielt ich dann auch die Adresse und Tel.-Nr. von meinem alten Kumpel Gerd S., dem ehemaligen Bassisten der Gruppe RS RINDFLEISCH. Das war so absolut tierisch, denn - wie schon erwähnt - hatte ich seit Jahren nichts mehr von ihnen gehört. Mit Gerd telefonierte ich dann nach Jahren am Ostermontag. Er spielt inzwischen wieder fest in einer Band als Gitarrist. (Wenn jemand mehr über die Gruppe SORPRESA und Gerd wissen will, dann sei hier die Webseite der Band erwähnt:

http://www.sorpresa2000.de

Na ja, demnächst gibt die Band ein paar Konzerte; will da mal unbedingt hin, denn Gerd gehört zu der Art von Gitarristen, die das "Brett" noch mit Feeling spielen und sich nicht damit brüsten, wie viele Akkorde sie in zehn Sekunden herunter schruppen. Kann nur jedem, der noch die musikalische Art von Hendrix, Cream etc. liebt, empfehlen, sich die Band 'mal live anzusehen.

27.04.2000

Gestern habe ich ein paar alte Hefte gefunden mit Geschriebenem aus den Jahren 1980 bis irgendwann.
Ich habe alles so gelassen wie es da in den Heften stand. Grammatischer Seiltanz ist so gewollt.

Geschrieben am 09.09.1987, 03.15 Uhr

Leben? Was ist Leben?
Bin ich verrückt?
Werde ich verrückt?

Hingerissen zwischen Realität und Traum stelle ich mir die Frage: was soll ich tun?

Warum? Weil ich so bin?


Gib mir Antwort! Wer?... soll mir Antwort geben? Du? Ich? Sie?...

Schreiben? Was soll ich schreiben? Worte sind tote Zeilen auf Papier. Ja? Ich glaube... ?
Aber wenn ich nur tote Dinge schreibe, wie soll ich dann Leben formulieren?

"TRUE AS STEEL" steht in meinem Tattoo. Treue wie Stahl; was ist Treue und was ist Stahl?
Gib mir Antwort du Schattengestalt auf der dunklen Seite des Mondes, die nur bei parapsychologischen Störungen hell erleuchtet ist.
Gib mir Antwort du Gnom mit den silberfarben glänzenden Schuppen auf deiner Haut aus ägyptisch-metaphysischem Papyrus.


GIB MIR ANTWORT!!!

DU...!!!
ANTWORTE!

Verdammt, lass mich nicht leiden.......................... Hahaha.........

Oder...
...leide ich selbst unter der Realität meiner Träume?, ... obwohl sie mir real erscheinen.
Ich träume weil ich lebe... und ich lebe, weil ich es liebe zu träumen.

Wenn eine Pussy ein Traum ist, was ist dann erst ein Phallus, der zum Traum wird?
Ist Musik Sex? ... oder ist Sex Musik?

Oh, du verdammtes Gebilde aus Fleisch, Schwellkörpern und Adern; du bist eine Gitarre mit 23 000 Saiten, du bist ein Schlagzeug mit 10 000 Trommeln, du bist ein Drummer mit 30 000 Sticks.
Du bist... ein Stück Leben in Trance.
Gib mir Liebe! Gib mir METAL! Gib mir Realität
Erlöse mich von den Träumen der Träume...

Zitat von Jim Morrison ( THE DOORS ):

"I hear a little gentle sound..."

Oh, du perverser Realist, ich glaube, dass ich dich verstanden habe.

"With my ear down to the ground..."

Welcher Boden? Welchen Grund meinst du Hund damit?
Ich weiß

"When the music's over!"

Aber, verdammt noch mal, die Musik wird noch lange nicht vorbei sein.

NOCH LANGE NICHT !

Irgendwann in den '80ern..

Langsam träumend von Realität und erwachend vom verschwindenden Vollmond,
verlassen von Fleisch, Pelz und Andacht, werden die Farben der Palette zu grauem Brei, der nur noch dazu reicht, ein Bild der Dämmerung zu malen.

Oh ihr Glücklichen, denen es gegeben ist ewig zu träumen, gebt mir doch die Farben des realistischen Bildes vom Leben zurück...

Nach einem Concert der ROLLING STONES:

Liegend, kniend, sitzend,
von unzähligen Lichtern, aus unzähligen feurigen Herzen umgeben, auf der Bühne des Lebens stehend, den Mond - diesen vollen runden Körper im Universum unserer Welt - anheulend und dann noch zu wissen, das man NICHT träumt, muss eine Geilheit erzeugen, die eine Gänsehaut wachsen lässt, dass dagegen die wildesten Gebirge dieser Erde wie Tautropfen auf einem morgendlichen Rosenblatt wirken.

Was ist dieses Mikrofon in der Hand des Stars?
Eine Verstärkungstechnik oder nur die Angst davor, die Hose zu öffnen und diesen unzähligen Girls seinen Schwanz zu zeigen, den doch sowieso alle in ihrer Phantasie sehen.

Oh, du verdammte Gitarre; du hölzerner Phallus der Akkorde ejakuliert.
Oh, du animalische Schlagzeug; du bringst durch deine metallenen Becken andere Becken zum Zucken.
Oh, du röhrender Bass, der du Unterleiber zu orgastischen Maschinen deklarierst.

He, ihr da auf der Bühne des Lebens, reißt mich nie aus der Welt voll mit Musik.

Irgendwo in einem fernen Land

Irgendwann später im Leben der Eidechse... wenn sie das Licht gelöscht haben, aber die Musik noch nicht zu Ende ist.

Irgendwann zwischen Ende und Ende.
Irgendwann zwischen Vollmond und Realität.
Irgendwann zwischen Geburt und Tod entstehen diese Zeilen im Hause der Nacht, wo ich viele Freunde habe, die nur Schattenbilder sind.
Hör' doch auf zu schreien, wenn Schreie nur leise Klagen sind.
Hör' auf zu klagen, wenn du schreien willst.
Hör' auf zu schreien, wenn du klagen willst.
Zerstöre keine Mauern, wenn du Stacheldraht spannst.
Spanne keinen Stacheldraht, wenn du lieben willst.

Hört auf zu lachen, wenn du oder ich die Welt wollen; wenn das Fleisch ruft.

Zündet Kerzen an wenn ich lebe und träumt mit mir, wenn ich real bin.
Aber bitte, löscht niemals das Licht wenn irgendjemand noch Musik macht, denn Musik IST und Stille ist Tod.

Frage nicht warum ich trinke!
Frage nicht warum ich lebe!
Frage nicht warum ich sterbe wenn der Vollmond über meinem PURPLE HAZE wacht, denn ich bin derjenige, der von hinten her naht, wenn du weißt was ich meine.
Du bist geil, Baby!
Du bist geil im Sinne von geil...
Komm' her du Fleisch!
Komm' her du Pelz!
Komm' her du Nässe eines süßen Dimmers,
denn ich bin der, der von hinten her naht.
Ich bin der Traum.
Ich bin der Alp.
Ich bin der Schwanz des Fleisches
Hör' doch zu wenn ich mit dir rede!
Wenn ich tief schlafend zum Vollmond im Ozean des Lebens taumle.

Ich möchte nicht erwachen wenn ich träumend schreibe, denn dieses träumende Schreiben ist das malen eines Bildes, dessen Farben in der Irrealität der Realität entstehen.
Ich bin die Palette voller Farben, aus der der Pinsel des Künstlers meines Geistes seine Kraft schöpft.
Ich bin Arm, Hand, Finger und Sein dessen, der malt
Ich bin die Vollendung des Bildes meines Lebens.

Schlag' zu Schicksal!
Jeder Hieb ist ein Klecks im Bild. He, du spanisches Auge, wer soll dieses Bild töten, das Leben ausdrückt?

WACHT AUF!

Wacht auf, wenn die Spiegel in euren Badezimmern die Fratzen zeigen, die eure Gesichter voller Angst und Lügen reflektieren.

Wacht auf, wenn das Fleisch das grelle Licht anknipst.
Wacht auf, wenn euch die Scherben des platzenden Spiegels dröhnend und klirrend um die tauben Ohren fliegen.

WACHT AUF!

Warte bis der Traum vorbei ist.
Warte bis der Vollmond von einer strahlenden, aber weinenden Sonne abgelöst wird.
Warte bis sie die Gewehre anlegen und dich mit Liebe erschießen.
Du stirbst und wenn du gleichzeitig erwachst, wirst du erkennen, dass sich nichts verändert hat zwischen Realität und Traum.
Du bist die Kugel des Gewehrs, die nicht töten wollte.

Du bist nicht der Lichtmechaniker, der die Dunkelheit des Träumers zerstört. Du bist der Sensenmann des Anfangs, der seine Freunde erweckt, wenn fremde Hände nach Sternen greifen, die im Verborgenen liegen.

Du bist der Zahn der Schlange, der giftlos im offenen Maul zu sehen ist, wenn sich alle nackt bei Sonnenaufgang fürchten.

Du bist der Killer, der mit dem Gummimesser kleine Grillen im feuchten Gras vor ihren Müttern rettet, wenn flügellose Heuschrecken die Violinen des Todes stimmen.

Du bist der Musiker, der auf einem künstlichen Menschenknochen bläst und meint, auf einer safrangelben Panflöte zu spielen.

Du
bist einer von vielen Träumen des Jenseits.

Mai 2000

01. Mai 2000

der Tag der Arbeiterklasse

Gute Gespräche sind wie gute Musik. Nur der, der nicht schweigend durch die Welt rennt, hat das Leben ein wenig erkannt. Es ist schade, dass für manche Leute das Bierglas wichtiger ist als ein gesprochenes Wort. Das ist mir besonders am Wochenende wieder bewusst geworden; auch wenn der Grund und der Anlass dazu hier nichts zu suchen hat. Jeder schleppt seine Last mit sich herum. Der eine mehr, der andere weniger. Doch Alkohol hat noch nie dazu beigetragen, dass man Probleme oder persönliche Schwierigkeiten durch den Genuss dieses "Giftes" lösen kann. Da ich eine geraume Zeit selbst eine Antwort auf manche meiner Probleme in der Flasche suchte, weiß ich auch wovon ich spreche. Bei mir war es dann der Leberkrebs - aber nicht durch Alkohol ausgelöst -, der mir sagte: STOP IT.

Aber erst wenn der Mond auf die Erde gefallen ist, werden manche herausfinden, dass der Tod schon knöchern angeklopft hat...

Montag, 08. Mai 2000

Zurzeit fühle ich mich ziemlich down. Zum einen liegt das daran, dass ich mental sehr kaputt bin und zum anderen daran, dass ich mich sehr nach einem Ortswechsel sehne. Wenn ich es ganz allein entscheiden könnte, würde ich auf der Stelle meine Reisetasche packen und irgendwo an die See fahren. Irgendwohin ans Wasser, oder noch direkter formuliert: an das Meer.

Momentan geht mir alles tierisch auf den Sack. Die Firma, die Arbeit, die Probleme von anderen Menschen... einfach alles! Irgendwie spüre ich, dass mein Akku leer und verbraucht ist.

Außerdem freue ich mich schon tierisch auf das Concert von meinem alten Kumpel Gerd Schneider (ex RS RINDFLEISCH) am 31.05.2000 in Köllerbach (das ist im Saarland zwischen Völklingen und Püttlingen). Gerd spielt da mit seiner Band SORPRESA.

Von Gerd habe ich auch eine Live-CD bekommen, die die Band vor ein paar Jahren aufgenommen hat. Diese CD habe ich die letzten Tage ziemlich oft angehört, denn das ist augenblicklich immer wie ein Schuss Adrenalin, der mich wieder etwas aufrichtet. Manchmal hat man halt solche Down-Sein-Phasen, da muss man durch. Doch es gibt ja auch noch ein anderes Hilfsmittel...

und das soll ja auch für eine gewisse Stimulans sorgen. Habe ich recht???

Aber das mit dem Meer werde ich wahrscheinlich nächste Woche realisieren, denn ich habe ab dem 15. Mai eine Woche Urlaub und ich denke schon, dass ich mich da in mein Auto oder in ein Flugzeug setze und ein paar Tage ausspanne.

13. Mai 2000
02.00 Uhr

Well, gestern Abend - und bis jetzt - habe ich an meinen Webseiten rumgebastelt. Habe endlich auch die Freischaltung meiner Domain www.darklion.de erhalten (Inzwischen gelöscht!). Auf dieser Website habe ich nun meine Zeit als ehemaliger Mitarbeiter der FRANKFURT LIONS gelegt und diese Page auf den schon immer dafür vorgesehenen URL www.happymountain.de (HAPPYMOUNTAIN soll eine engl. Abwandlung meines Namens <glücklicher, erfreuter Berg> bedeuten. Anm. von mir).

Natürlich ist mir mein "Computerlehrer" -^RedEvil^- wieder bei manchen kniffligen Sachen zur Seite gestanden.

THANK YOU, RED!

An dieser Stelle soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass auch er seine neue, überarbeitete und verbesserte Page ins WWW gestellt hat. Aber werft bei Gelegenheit selbst mal 'nen Blick drauf: www.redevil.de

Okay, nun will ich aber noch ein paar Stunden "Matratzenhorchen" gehen, denn bald ist the Night over.

CU @ll soon ?!?

23. Mai 2000

Hello@all

Zurück aus Berlin wird es endlich mal wieder Zeit, hier wieder ein paar Zeilen auf die Page zubringen. Am Sonntagabend, 14. Mai 2000 sind Helga und ich mit dem ICE in die Bundeshauptstadt gefahren. Und ich kann an dieser Stelle nur sagen: Berlin war ein Traum...

Vor allem haben wir viel auf Kultur gemacht. Ägyptisches- und Pergamon Museum wollten wir ja schon immer mal sehen. Im Ägyptischen Museum war ich erstaunt über die Ähnlichkeit zwischen meiner Helga und der Nofretete. Aber vielleicht hängt das auch mit der Reinkarnation zusammen???

Vor dem Reichstag wurden wir dann auch von einigen "Neu-Berlinern" in Empfang genommen. Die anschließenden Verhandlungen über ein Megakonzert vor dem Brandenburger Tor mit RS RINDFLEISCH, SORPRESA, CREAM, ROLLING STONES und der JEFF BECK Group liefen zu unserer vollsten Zufriedenheit. Das Concert soll aus der Schwarzgeldkasse der CDU finanziert werden und unehelichen Kids von Musikern gespendet werden. Es hat schon einige Mühe gekostet, Helmut Kohl zu einer finanziellen Spende zu bewegen; aber ergab mir dann doch eine Tasche mit "verschwundenem Money", wie man auf Bild 3 erkennen kann.

Hier Bilder während einer Verhandlungsunterbrechung vor dem Reichstag:

25. Mai 2000

Heute geht es mir nicht so besonders. Es fing schon gestern Morgen auf der Arbeit damit an. Mir war schwindelig, übel, Hitzewellen durchfluteten meinen Körper. Gegen 10.00 Uhr habe ich mich dann in meiner Dienststelle abgemeldet und bin zu meiner Hausärztin gefahren, mit der ich dann auch ein längeres Gespräch hatte. Mein Hauptproblem ist einfach, dass ich diese Krebsgeschichte nicht so einfach aus dem Kopf bekomme. Die Ärztin meinte ja auch wieder, dass wir alle nicht ewig auf diesem Planeten bleiben und wir nur dafür sorgen können, dass wir dann hier alles in geordneten Verhältnissen zurücklassen. Ja, verdammt noch mal, sie hat ja recht, aber es geht halt nicht immer so. An manchen Tagen verschwende ich keinen einzigen Gedanken an diese Scheiß-Krankheit. Und an anderen begleitet mich der Gedanke daran Stunde für Stunde.

Wer noch nie mit dieser Situation konfrontiert war, wird sich da auch nie reinversetzen können. Es ist mehr als nur das Wissen, dass diese Krankheit jederzeit wiederkommen kann. Gnadenlos! Ohne Vorwarnung! Und in den meisten Fällen ist es dann immer schlimmer, denn der Tumor kann sich auch an anderen Stellen des Körpers festfressen. Er kann von jedem Organ oder von jeder Zelle aus sein perverses Spiel treiben.
HUHU, HIER BIN ICH! SPÜRST DU MICH?
Okay, lassen wir den Mantel Morpheus über diese Gedanken fallen.
Werde erst mal eine CD auflegen und mich den orgastischen Klängen eines Gitarristen hingeben: Dazed And Confused von LED ZEPPELIN...

*

... Heute Abend hatte noch Gerd angerufen. Wir haben 'ne gute halbe Stunde über alles Mögliche und unmögliche gequatscht.
Und:
ES HAT MIR GUT GETAN.
Danke Bruder!


Tagebuch Juni 2000

02. Juni 2000

Heute soll es nun endlich mal weitergehen, damit niemand auf die glorreiche Idee kommt, dass ich schon nicht mehr auf diesem blauen Planeten verweile.
Die vergangenen Tage waren sehr interessant für mich, zu mindestens die vergangenen drei. Am vergangenen Sonntag wollte ich WINDOWS 2000 auf den Rechner laden, aber irgendwie war der "Kasten" damit nicht einverstanden, denn es ging so weit, dass ich am Schluss formatieren musste. Dabei gingen mir leider auch ein paar Adressen und Emails verloren. Schade.

*

Am Mittwoch hatte ich mich nach 11 Jahren endlich mal wieder mit Gerd Schneider getroffen, dem alten Bassisten von RS RINDFLEISCH. Hatte ihm einen Besuch abgestattet und mich auch sehr darüber gefreut. Er hat sich eigentlich kaum verändert, nur dass er inzwischen auch ein paar Jahre älter geworden ist: und im Gesicht hat er fast die gleichen "Lebenserfahrungsfalten und -furchen" wie Keith Richards von den ROLLING STONES". Well Gerd, das ist das gewisse Etwas, dass Du vielen voraus hast: LEBENSERFAHRUNG. Fuck off mit all den Motherfuckers, die meinen ihnen gehört die Welt, weil sie ein paar "Silbertaler" ihr Eigen nennen. Schaut sie euch doch alle an, viele der sogenannten Promis. Wir haben viel über alte Zeiten gequatscht. Später kam dann noch Michaela seine Frau hinzu, die mir sehr sympathisch ist.
Abends spielte er dann noch eine Session mit Herry, dem Drummer von SORPRESA und verschiedenen Bassisten. Und - ich kann es nur wiederholen; Gerd spielt ein geiles Brett. Nach dem Gig waren wir - Gerd, Michaela und ich - noch bei Bekannten der beiden. Er war früher Gitarrist bei Roy Black seiner Band gewesen. Was mich aber so vom Sofa riss, dass die beiden ein Buch in ihrem Besitz hatten, welches über die alte Rockszene des Saarlandes berichtete; und siehe da, es waren sogar alte Bilder von mir mit in dieser ROCKHISTORY DES SAARLANDES. Geil!!! Nun habe ich alles in Bewegung gesetzt, dieses Buch auch irgendwo zu erwerben. Wird aber nicht so einfach sein, denn es gibt es offiziell nicht mehr...

09. Juni 2000, 04.16 Uhr

I feel good!

17. Juni 2000

Am Dienstag, den 13.06. waren wir (Uwe, Heiner, Stefan und ich <die Personen wissen schon wen ich meine, hahaha. Ging tierisch ab, Jungs!>)) in Aschaffenburg auf DIO-Konzert.
Abgesehen davon, dass die Band für den kleinen Raum zu laut spielte, war der Gig echt geil. Mal wieder so richtig ab gedröhnt und -gerockt. Hat mir auch animalisch gut getan, die Vibrations live zu erleben. Der Bass wummerte auch fucking-stright in den Eiern. YEAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHH!

Ansonsten alles im Lot. Die Sonne scheint, blauer Himmel. Vereinzelt kreisen Vögel am sommerlich-blauen Firmament, in den silbern glänzende Flugmaschinen ihre weißen Kondensstreifen wie Narben hinterlassen haben.

26. Juni 2000, 23.13 Uhr

Nun ist es bald so weit und ich werde in einer dreiviertel Stunde 50 Jahre. Is' schon ein komisches Gefühl, ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel zu haben.
Allein schon wenn ich so darüber nachdenke, was ich in diesen 50 Jahren schon so alles erlebt, erfahren, durchgemacht, gelitten, geliebt, gehasst habe, was ich mich schon gefreut habe, was ich schon traurig war. Wie viele Angehörige, Freunde und Bekannte haben in dieser Zeit schon diesen Planeten verlassen?!

50 JAHRE...

... Lebenserfahrung!

Gerade in diesem Moment entdecke ich mich dabei, dass ich mir wünschte, diese Erfahrung schon vor 30 Jahren gehabt zu haben. Und dann? Wahrscheinlich hätte mein Leben einen ganz anderen Verlauf genommen, aber ob das von mir gewollt war? Ich glaube nicht! Hat schon alles seine Ordnung so...

Okay und danke Erde, dass Du mich bisher so lange auf Deiner geschundenen Haut ertragen hast.

D A N K E !

27. Juni 2000

Happy Birthday zum 50. Lebensjahr!

Motto des Tages:
TOO OLD FOR ROCK'N'ROLL
TOO YOUNG TO DIE !

Jo, das musste auch mal sein, dass ich mir zum ersten Mal in meinem bisherigen Leben selbst zum Geburtstag gratuliert habe.

28. Juni 2000, 01.15 Uhr

Hoffe, dass alle, die mir gestern Abend telefonisch zum Geburtstag gratulieren wollten, mir verzeihen können, dass nur der Anrufbeantworter zu hören war. Aber ich hatte mich mal wieder aufgemacht ein Concert zu besuchen. Ja ja, die liebe Familie Delp aus einer hessischen Metropole hatte mir zum Birthday ein Ticket für Alice Cooper in Offenbach geschenkt. An dieser Stelle nochmals meinen intergalaktischen Dank an EUCH DREI: THANK YOU!

Ich kann euch sage, mir habbe ganz schön die alle Knoche durchgeschittelt. Ei gude, was ging do die Post ab!

War aber wieder mal genial, die alte Rockelite live on Stage zu erleben. Auch wenn mein 17 jähriger Computerlehrer RedEvil gemeint hat: aha, du willst zur Steinzeitmusik. Ja ja, habe ich ihm geantwortet, heute Abend gehe ich auf Concert und höre mir "Steinzeitmusik" an. So geile Musik! Und nix nur Elektroklänge aus dem PC oder eine schwarze Vinyl ( LP ) auf den Plattenteller gelegt und dann ein bissel an der Platte rumgedreht das es jault und wimmert. Nix Krawall im Saal und die gestauten Aggressionen falsch abgelassen, indem man dem Vorder-, Neben- oder Hintermann ein paar aufs Maul haut. No, Red, nur "Steinzeitmusik" mit meisterlichem Können am Instrument, das man weiß, warum man unter den vielen bunten Spots schwitzt...
Und das tierische an dem Gig (Musikersprache und bedeutet Live-Auftritt) war, dass Alice Cooper wieder mal sämtliche Register seiner Klasse gezogen hatte. Leider war die Halle nicht ganz ausverkauft, was aber der guten Stimmung keinen Abbruch tat. Es zählt halt immer noch die Devise wie vor 30 Jahren:

30. Juni 2000, gegen 22.15 Uhr

YEAAAAH;

ich habe eine so animalische Sucht nach Leben, dass es mich fast vor der Flut dieser positiven Gefühlswelt fröstelt. Eine lange nicht mehr so existente Lebenslust hat mein Inneres aufgestoßen, als wäre die Klinge eines spitzen Dolches in meine Emotionsblase eingedrungen. Durch die entstandene Öffnung rinnen meine tiefsten Empfindungen und Sehnsüchte in die Realität hinaus; fließen auf den staubigen Boden und bilden die Buchstaben zu dem Satz:

ICH WILL LEBEN!

Meine Gedanken laufen aus wie Blut.

Tagebuch Juli 2000

01. - 02. Juli 2000


Am Samstag, den 01. Juli 2000 feierten wir unseren 93. Geburtstag: ich 50 und Helga hatte an diesem Tag ihren... sagt man nicht! ( Na ja, den Rest halt! *lol )
Wir hatten nicht damit gerechnet, dass so viele Freunde und Bekannte kommen würden. Einige hatten auch abgesagt, weil sie verhindert waren. Andere, die zugesagt hatten, waren gar nicht erschienen; nicht mal 'ne Absage oder Entschuldigung.
Life is life...!
Und der absolute Hammer: Mein Kumpel Roger, den ich seit ca. 1977 - '78 nicht mehr gesehen hatte, stand plötzlich auch vor mir. Er tauchte aus dem Nichts auf wie eine Fatamorgana. Und der Oberhammer: ich hatte ihn nicht mal erkannt. Ich saß mit ein paar Leuten von IKEA vor der Tür des Saales, wo wir unseren Birthay feierten, als plötzlich ein kräftiger Typ auftauchte, der in den Saal ging und sich umschaute. Nach einiger Zeit kam er wieder heraus und setzte sich mit einem "Guten Abend" neben mich auf die Mauer und lauschte unserer Unterhaltung; rauchte dabei eine Zigarette. Nach einiger Zeit - mindestens 10 bis 15 Minuten - fragte er mich, "ob Helga auch da sei und sie hätte ja heute Geburtstag". Ich sagte "ja" und fragte ihn, "woher er Helga kenne". Woraufhin er erwiderte "aus alten Zeiten". Ich sagte "einen Augenblick, ich hole sie". Helga kam heraus und in diesem Moment erkannten wir beide, dass es Roger war. Zu hart! Ich kam mir richtig bescheuert vor...
Später ging er dann noch mit in unsere Wohnung, wo wir uns noch etwas unterhielten. Ich hoffe, dass ich ihn wiedersehe!

Ansonsten war es ein tierischer Tag. Wir sind beide sehr froh, dass wir so viele Freunde haben.

Euch allen:
DANKE!

20. Juli 2000

Hallo, zusammen! Hier bin ich wieder nach einer längeren Erholungsphase.

Diesen Monat ist eigentlich bisher gar nicht so viel passiert, um es hier niederzuschreiben.
Nein, stimmt nicht ganz! Am Freitag, den 14. Juli hatte ich wieder einmal meine Nachuntersuchung in der Uniklinik. Nun, die habe ich ja alle drei Monate. Aber diesmal war alles etwas anders als bisher gewohnt. Das kam davon, dass ich irgendwann nach der letzten Untersuchung den Bericht darüber gelesen hatte. Und da waren bei mir gleich sämtliche Alarmglocken angegangen. Da stand in folgenden Worten der Satz: HCC rezidiv! Was bedeutet das? HCC ist die medizinische Abkürzung für Hepatocelluläres Karzinom und rezidiv bedeutet schlicht und einfach wiedergekehrt oder zurückgekommen. Und die nächste Vorstellung zur Nachuntersuchung sollte nicht wie gewohnt in drei, sondern diesmal schon in zwei Monaten sein. Nun, da ging mir der Arsch gewaltig auf Grundeis. Auch wenn meine Onkologin sagte, dass der Tumormarker im normalen Bereich sei, war ich doch total von der Rolle. Was ein Tumormarker ist? Nun, das ist eine spezielle Blutuntersuchung woran man Krebszellen im Körper nachweisen kann. Ein Mediziner wird jetzt vielleicht über diese Erklärung schmunzeln, aber ich bin ja auch nur Laie.

Okay, da bin ich dann also am 14. Juli wie schon gesagt in die Uniklinik. Diesmal schon um 07.00 Uhr. Aus den vorgegebenen 2 Monaten waren zwischenzeitlich auch schon drei Monate geworden, weil mein 50 Geburtstag dazwischen lag. Ich also meine Flasche mit 0.5 Liter Kontrastmittel erhalten, die ich dann immer innerhalb einer Stunde trinken muss. Wenn es jemanden interessiert, es gibt Sachen, die schmecken einfach besser. Aber was sein muss, das muss eben sein! Gegen 08.00 Uhr erschien dann der Arzt, der bei dem anschließenden CT (Computertomographie) immer anwesend ist. Ich unterschrieb ihm sofort wie immer die Erklärung, dass ich mit der folgenden Untersuchung einverstanden sei. Was soll ich auch anderes tun? In der Erklärung steht dann unter anderem drin, dass es bei der Untersuchung zu Risiken für den Patienten kommen kann, die bis zum Exitus führen können. Was ein Hohn? Da geht man als Krebspatient dahin, pfeift unterwegs vielleicht noch einen fröhlichen Song und läuft dann bei der anschließenden Untersuchung Gefahr, dass man dabei sterben kann. Echt geil!
Die ganze Untersuchung und das Drumherum erinnern mich immer wieder an den Film THE GREEN MILE. Der handelt von einem Todeskandidaten in irgendeiner Todeszelle in den USA. Wenn dann die Vollstreckung des Todesurteils erfolgen soll, geht angeblich sein letzter Gang von der Todeszelle bis zum Hinrichtungsraum über einen Flur, dessen Boden mit grüner Farbe gestrichen ist; THE GREEN MILE.
Nun gut, vor der eigentlichen Computertomographie erhalte ich dann noch eine intravenöse Spritze, in welcher ein besonderes Kontrastmittel ist. Dieses Kontrastmittel kann bei manchen Menschen Allergie auslösen, Erbrechen oder auch im schlimmsten Fall Schock mit Todesfolge. Das erinnert doch alles an den unbekannten Todeskandidaten von Huntsville in Texas. Diesem ist es auch nicht bekannt, ob er im letzten Moment nicht vom Gouverneur begnadigt wird. Bei mir ist es halt nicht der Gouverneur, sondern der liebe Gott oder Allah oder Buddha. Namen hat er viele!

Die ganze Chemie, die man zu der Untersuchung immer verabreicht bekommt, macht einen jedes Mal fertig. Der Körper, der Organismus sind wie zerschlagen, und es dauert dann immer zwei bis drei Tage, bis der ganze Mist wieder ausgeschwemmt wurde. An diesem Wochenende war es besonders schlimm und dauerte diesmal bis zum folgenden Montagvormittag, bis es mir wieder körperlich etwas besser ging. Aber dafür schlug die Psyche zu. Voll in die Fresse!

Man zermartert sich das Hirn. Gedanken wirbeln durch den Kopf. Kein Entrinnen, kein Platz um sich zu verkriechen. Und über allem schwebt die einzige Frage: ist auch diesmal wieder alles gut gegangen?

Am Montagnachmittag gegen 15.00 Uhr dann der erlösende Anruf von meinem Schatz:
es ist alles okay.

Wir - meine Frau Helga, meine Onkologin Frau. Dr. med. Staib-Sebler und ich als Betroffener - hatten damals ausgemacht, dass die Klinik immer zuerst bei meiner Frau anrufen sollte, um ihr das Ergebnis der Nachuntersuchung mitzuteilen. Ich weis einfach nicht wie ich reagiere, wenn mal wieder ein negatives Ergebnis erfolgt. Aus diesem Grund ist immer Helga der erste Ansprechpartner für das Ergebnis der Nachsorgeuntersuchung.

Okay, für heute erst mal genug.
CU later!

Tagebuch August 2000

09. August 2000

So, nun sind wieder ein paar Tage in das Land gezogen und ich habe festgestellt, dass ich schon lange nichts mehr geschrieben habe.
Seit dem 08. August bin ich in Urlaub. Habe mir vorgenommen, noch ein paar Tage irgendwohin zu fahren, um mal so richtig zu entspannen. Einfach mit nichts beschäftigt sein, außer mit meiner Seele, die dringend einer Erholungsphase bedarf. Helga fährt nun am Dienstag, den 15. August vier Wochen in Kur. Werde dann in dieser Zeit auch ein paar Tage verschwinden und mir einen Platz an einem Strand suchen.
Sonne. Meer. Sand. Das sind die drei Dinge, die mir im Augenblick am meisten fehlen.

Psychisch geht es mir im Augenblick auch nicht so gut. Das war mit der letzten Untersuchung aber auch nicht so einfach. Erstens habe ich tagelang benötigt, bis diesmal die ganze Scheiße der gespritzten Mittel wieder ausgeschwemmt war, und zweitens ist es mir seit einiger Zeit wieder vermehrt übel. Und das gefällt mir gar nicht. Das Blöde daran ist aber, dass das keinen Arzt zu interessieren scheint, denn es geht einfach niemand darauf ein. Es heißt dann immer nur: es ist alles in Ordnung.
Kann ja sein, aber MIR geht es nicht gut und das sollte doch einige interessieren. Es muss doch einen Grund dafür geben, denn ich habe kein Interesse daran, das ich mir das einrede.

21. August 2000

Nach langer Zeit wieder etwas von mir.

Seit zwei Wochen habe ich auch Urlaub. War auch nach den vergangen Wochen dringend notwendig.
Zurzeit ist mein Schatz vier Wochen in Kur wegen ihrem Tinnitus (Hörsturz). Meine Hoffnung besteht darin, dass man ihr ein wenig helfen kann. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ihr der ewige Pfeifton auf die Nerven geht, der Tag und Nacht ihr ständiger Begleiter ist.
...Baby, meine Gedanken sind bei Dir...
... und aus diesem Grund werde ich Dich auch mit einem Besuch am Samstag überraschen.

Vom 11. bis 13. August hatten wir auch in unserem Ort das traditionelle Fischerfest. Da dies die einzige Großveranstaltung in unserer Ortschaft ist, ging da natürlich wie jedes Jahr die Post ab.

Morgen will ich nun noch ein paar wichtige Dinge erledigen und dann noch ein paar Tage zu Freunden fahren.
Freunde... ja, das ist auch so ein wichtiger Begriff in meinem "neuen Leben" nach der Operation 1998 geworden. Früher hatte ich viele Freunde und Bekannte...(dachte ich wenigstens!) Doch erst durch meine Erkrankung lernte ich meine wirklichen Freunde und Bekannte wirklich kennen. Auch in meiner Firma gab es viele Leute, die mich maßlos enttäuscht haben; vor allem meine direkten Vorgesetzten, mit Ausnahme von fünf Personen. Das waren der Substitut Artur und die Erstkraft Michael, sowie die damalige Besetzung des Personalbüros Ruth, Monika und Sabine. Kein anderer hat mal bei mir im Krankenhaus oder daheim bei Helga angerufen und sich nach meinem Befinden erkundigt. Das hatte ich lange nicht weggesteckt, aber ich habe meine Lehren daraus gezogen. Aus diesem Grund nehme ich auch einige nicht mehr für voll; sie haben mich aber auch bis zum heutigen Zeitpunkt nicht vom Gegenteil überzeugt. Bei meiner Stellung als Schwerbehindertenvertreter kann ich es oft beobachten und feststellen, dass einige mit dem Begriff Leid, Kummer, Schmerzen und so weiter absolut nichts anfangen können. Hauptsache der Umsatz stimmt! Aber ich schätze, dass sind dann auch die ersten denen dann irgendwann einmal der Arsch gewaltig auf Grundeis geht, wenn es sie selbst mal mit einem dieser vorhin genannten Begriffe getroffen hat. Doch das wünsche ich niemanden, dass er Bekanntschaft mit Leid, Kummer und Schmerz hat. Egal in welcher Form auch immer...

Am Freitag habe ich uns einen 95er Mitsubishi Galant zugelegt. War eigentlich noch gar nicht geplant, aber der Wagen war ein derartiges Schnäppchen, dass ich einfach zugreifen musste. Und habe es auch nicht bereut.
Da bin ich also am Samstag zu Helga in die Kur gefahren. Es war ein wunderschöner Tag, und er bestätigte einmal mehr meine große Liebe zu ihr. I LOVE YOU...

Zurzeit ist es Montagmorgen der 22. August geworden. Genauer gesagt: 00.55 Uhr. Hinter mir aus dem TV erklingt eine Übertragung von Rockpalast: 14. Bizarr Festival. Und ich kann es nur immer wieder wiederholen:

MUSIC IS YOUR SPECIAL FRIEND...

27. August 2000

Hi again.
Gestern hatten wir von IKEA unseren Katalogstart (bei uns Kick off genannt). Wie ich erwartet hatte, wird die Teilnahme von Jahr zu Jahr auch immer weniger. Woran es bloß liegen mag??? Aber trotzdem hatte es mir gefallen. Das lag aber weniger am Fest selbst, sondern an den paar Leuten in der Firma, die mir persönlich sehr wichtig sind. Unter anderem Daniel, Artur, Heiner, Olaf, Elke, Yvonne und Yvonne, die Ladys von PA und PE.

Tierisch hat mich der Abend mit meiner platonischen Liebe angeturnt, mit der ich fast den ganzen Abend verbracht habe. Ich wusste gar nicht, dass wir uns so viel zu erzählen hatten. Und ich freue mich ganz besonders darüber, dass DU mir so einen tiefen Einblick in DEIN Gefühlsleben gegeben hast. Irgendwie habe ich es schon immer gespürt, dass DU mir in vielen Dingen ähnlich bist und mich hat manches nicht erstaunt. Bleib so wie DU bist und danke an dieser Stelle nochmals.

Tagebuch September 2000

17. September 2000

Heute will ich nun mal wieder ein paar Zeilen hinzufügen.

Am Samstag, den 09. September war ich einen Tag bei Helga. Bin extra zeitig losgefahren, um ein paar Stunden mehr bei ihr in der Kurklinik zu verbringen. Es war wunderschön.

Am späten Nachmittag bin ich dann noch nach Losheim an den Stausee gefahren, wo abends Gerd Schneider mit SORPRESA auftrat. Losheim liegt auch im Saarland; genauer formuliert: etwas hinter Merzig. SORPRESA spielten da beim Little Woodstock-Festival, das jedes Jahr vom Sorpresa-Drummer Herry mit organisiert wird. Der Auftritt von der eben schon genannten Band war echt geil, zumal sie viele alte Stücke aus den 70ern spielten. Hendrix, Rolling Stones, Cream und so weiter. Die Band spielte tierisch einen ab und Gerd war wieder mal in seinem Element, was auch vom "fachkundigen" Publikum honoriert wurde.

Am 12. September ist dann Helga nach vier Wochen Kur wieder zu Hause eingetroffen. Ich hatte mir extra am nächsten Tag, den Mittwoch frei genommen. Aber Helga verbrachte den größten Teil des Tages nur mit Waschen und Bügeln. da kam ich mir teilweise schon ziemlich überflüssig vor und es wäre vielleicht besser gewesen, ich wäre arbeiten gegangen. Aber so ist sie halt; Waschen und Bügeln scheint einer ihrer großen Leidenschaften zu sein.

Gestern war nun eine Fahrt an den Rhein geplant, um einmal life RHEIN IN FLAMMEN zu bewundern. Aber wir hatten am Vorabend einen Disput; deswegen hatte ich keinen Bock auf die Fahrt. Helga fuhr dann am Samstag allein mit unseren Bekannten und unserer Vermieterin. Ich fuhr mit dem FC Eddersheim (unser Ortsverein im Fußball) zum Spiel der ersten und zweiten Mannschaft nach Mainz. Die 2. gewann 5:0 und die 1. gewann bei den Mainzern 4:0. Da der Betreuer der 2. in Urlaub war, übernahm ich die Betreuung der 2.
Hinterher war ich noch auf der Geburtstagsparty von unserem Vereinswirt, wo ganz schön die "Lucy" abging. Morgens gegen 02.00 Uhr war ich dann im Nest. Helga traf ca. eine Stunde später ein.

Der heutige Sonntag war dann eine einzige Scheiße.
Wir hatten uns einfach nichts zu sagen; und was wir zu sagen hatten, wurde vom anderen verkehrt verstanden. Der Tag endete dann im Streit.
Wie das alles weitergehen soll, vermag ich an dieser Stelle auch noch nicht zu sagen. So auf jeden Fall nicht!

Seit einigen Monaten sind die Wochenenden nur noch Chaos. Abgesehen von ein paar wenigen harmonischen Weekends verbringen wir diese Tage nur noch in Streitereien. Ich weiß, dass ich da auch meinen Teil von Schuld mit trage, aber so ist es nun halt mal.
SCHEISSE!!!

Tagebuch Oktober 2000

22. Oktober 2000

Right on!
Und schon wieder sind ein paar Wochen seit dem letzten Eintrag vergangen...

Hier in Kurzfassung die letzen Wochen:
Vom 02. - 04.10.2000 war ich in Münster auf Seminar. Etwas über das neue Schwerbehindertengesetz erfahren, dass seit dem 01.10.2000 in Kraft getreten ist. Ein paar Dinge sind da ja ganz positiv zu bewerten, aber es hätte doch etwas mehr für die Betroffenen herausspringen können.

Meine Nachuntersuchung habe ich auch wieder über mich ergehen lassen. Das Ergebnis: alles im grünen Bereich. Hoffe nur, dass es so bleibt.

Aber das geilste Erlebnis war ein Konzert, dass ich am 18.10.2000 mit Gerd Schneidereit, einem Mannschaftskollegen aus dem Fußballklub, im Colos-Saal in Aschaffenburg besucht hatte: RANDY HANSEN.
Das der Typ Songs von Jimi Hendrix zum Besten gibt, war mir ja schon bekannt, seit ich ihn das erste Mal im TV bei seinem überwältigenden Debüt in Deutschland gesehen hatte; beim "Tribute to Jimi Hendrix", das im Kölner E-Werk aufgezeichnet wurde. Von Musikmagazinen und -kritikern weltweit wird Randy Hansen gerne als Reinkarnation von Jimi Hendrix gefeiert. Das war auch dann der Hauptgrund, warum ich mit Gerd S. zu diesem Gig gefahren bin.

Aber was uns dann bei seinem Auftritt erwartete, wiederspricht meinen kühnsten Erwartungen. Randy Hansen spielte keine Songs von Hendrix..., nein, er WAR Hendrix. Verblüffend echt empfindet er Jimis außergewöhnlichen Feedback-Sound nach und wenn er singt, meint man Hendrix Stimme zu hören. Er spielte ein derartig geiles "Brett", das ich an diesem Abend nicht der Einzigste war dem eiskalte Schauer über den Rücken jagten und der Tränen in den Augen hatte.

Happy Birthday again, Gernot

Tagebuch N ovember 2000

26. November 2000

Okay, hier bin ich wieder.

Es blieb leider nur bei dem Versuch wieder etwas regelmäßiger zu schreiben, doch nicht immer habe ich dazu Lust oder Zeit oder was auch immer. Doch werde ich in Zukunft versuchen mindestens einmal pro Woche ein paar Zeilen hinzuzufügen.

Gestern Abend hatten wir mit guten Freunden und Bekannten eine Travestie Show in Frankfurt besucht, wo Helga und ich schon öfters dem Publikum angehörten. Ein Tanzlehrer führt in seiner Tanzschule jeden Samstag diese Show auf und es ist immer schwer an Tickets zu kommen, da immer ausverkauft ist. so war es auch wieder am gestrigen Tag. Uns hat es allen sehr gut gefallen und wir hatten sehr viel Spaß.

***

Am Freitag, 24.11.2000 hatte ich meinen Termin in der Uniklinik Frankfurt. Dieses Mal nicht in der Onkologie, sondern in der Lebersprechstunde.
Wir (Helga und ich) sollten unseren Termin um 10.15 Uhr haben, doch weil bei der Anmeldung etwas schief gelaufen war, kamen wir erst um kurz nach 13.00 Uhr zum richtigen Arzt.
Ich hatte einen ganz schön dicken Hals!

Nun sieht es so aus, dass sie erst mal neun Röhrchen Blut für die verschiedenen Tests abgezapft hatten.
Da wollen sie nun auch erst mal feststellen, wie weit meine noch vorhandene Leber noch von der Entzündung befallen ist und ob eine Schädigung der Leber durch Zirrhose vorliegt.

Das klingt jetzt hier alles so unheimlich nüchtern, aber wenn man selbst als Betroffener vor dem Arzt sitzt und dann auch noch weiß, dass er über einen selbst spricht, ist das schon ein ganz schön beschissenes Gefühl. Man ist hin- und hergerissen zwischen Hoffnung und tiefster Traurigkeit. Ich möchte manchmal einfach aufspringen und davonlaufen. Das tun, was auch die "drei Affen tun": nichts sehen, nichts hören, nichts sagen!
Doch nein, ich bin ja brav; höre mir alles an; nicke ab und zu verständnisvoll und bin doch ausgefüllt von einer himmelschreienden Angst vor der Zukunft. Aber da gibt es nichts zu sehen, nichts zu spüren; ich bin ja kein Prophet, dass ich eine Diagnose der Zukunft wagen könnte. Keiner beantwortet meine Fragen wie es weitergeht, was noch geschieht oder wie meine Chancen überhaupt stehen. Immer nur die bescheuerte Antwort - die ich mir auch selbst stellen kann -, das zeigt die Zukunft.

Schöne Aussichten!

***

Aber abgesehen von meinen "Leiden" die schon so langsam keine mehr sind, weil sie zu einem Bestandteil meines Lebens geworden sind, geht es mir recht okay.
Auf der Arbeit macht mir die Schwerbehindertenarbeit auch immer mehr Freude aus den unterschiedlichsten Gründen. Wir haben eine Klage eines entlassenen Schwerbehinderten vor zwei unabhängigen Instanzen gewonnen, was die Firma immer mehr Geld kostet [es geht so ganz langsam auf eine sechsstellige Summe zu!!!] - was mir persönlich aber gewaltig am Arsch vorbeigeht, haben den Prozess gewonnen wegen ungenehmigten Überstunden der 200 000 .- DM in einen noch zu schaffenden Sozialfond bringt und jetzt stehen erst mal die Verhandlungen zur - von Seiten der Firmenleitung - gekündigten Betriebsverfassung an.

Zu allem nur dies:
Belegschaft, der Kampf geht weiter!

Tagebuch Dezember 2000

Montag, 11. Dezember 2000

Heute bin ich nach der Arbeit zu meiner Hausärztin, weil es mir schon seit ein paar Tagen nicht so gut geht: Übelkeit, Gliederschmerzen, konstante Müdigkeit.

Sie hat mich nun erst mal bis zum 17.12.2000 krank geschrieben.

Am Donnerstag, 14.12.2000 soll nun wieder mein Kaliumwert kontrolliert werden, der schon seit ein paar Monaten zu niedrig ist.

Freitag, 08. Dezember 2000

Heute hatte ich meinen zweiten Termin bei Dr. von Wagner in der Lebersprechstunde der Uniklinik Frankfurt am Main. Nachdem wir diesmal nicht so lange warten mussten als beim vergangenen Mal, kamen wir auch gleich als zweiter an die Reihe. Helga hatte mich wieder begleitet.

Dr. von Wagner teilte uns das Ergebnis der ganzen Blutuntersuchungen der Leber mit.
Eigentlich alles im grünen Bereich...

Freitag, 29.12.2000
22.59 Uhr

Meine Gedanken
befinden sich in einem Strudel
der Gefühle
die ihren Ausweg durch den Dschungel meines Herzens suchen...

Verloren in einer Wildnis
aus pulsierenden Schmerzen,
die mich zerreißen,
die mich gefangen halten
in zermarternden Gedanken...

Was ist nur geschehen?
Was ist nur durch die Unendlichkeit
zu uns vorgedrungen?

www.gerrys-photos.de