April 2000
19.04.2000
Heute will ich beginnen so 'ne Art Tage-, Wochen- oder Monatsbericht
zu schreiben. Auch werde ich in Worte eingerahmte Ejakulationen
aus vergangen Zeiten und 2000 Lichtjahre zurück hier niederschreiben.
Ob es dann eine Sau interessiert oder ob es etwas wird, will ich
an dieser Stelle 'mal offen lassen. Es wird aber bestimmt nicht
so werden, dass ich nun in der altbekannten Tagebuchform schreibe
(d.h. um 03.00 Uhr aufgestanden, um 03.15 Uhr geduscht, von 03.15
bis 03.30 Uhr gefrühstückt und... und... und...), sondern
es wird mehr oder weniger ein Spiegel meiner Gedanken, Empfindungen,
Gefühle, meiner Angst werden.
Das Tagebuch ist auch dazu gedacht, mit meiner gesundheitlichen
Situation fertig zu werden. Vielleicht kann ich aber auch dadurch
anderen Menschen - die auch Bekanntschaft mit Krebs gehabt haben
- zeigen, wie ich damit umgehe. Es wird Sie/Dich bestimmt manches
unverständlich erscheinen oder ein Kopfschütteln hervorrufen,
aber damit kann und will ich leben. Jeder einzelne soll seine
individuellen Schlüsse daraus ziehen.
Angst? Na klar! Angst vor was? Zum Beispiel davor, dass dieser
Scheiß Krebs wiederkommt.
26.04.2000
Okay; es sollen nun wieder 'mal ein paar Zeilen folgen.
Am Ostersonntag rief mich unerwartet Mischa Meyer an. Einen Tag
zuvor hatte ich noch mit meinem Bruder G. in SB gesprochen, ob
er mir die Adresse von ihm besorgen könnte. Er konnte nicht.
Es klingelte also am Ostersonntag das Telefon und wer rief an?
Genau, Micha. Das war schon ein Ding! Zumal ich seit Jahren nichts
mehr von ihm gehört habe. Micha war und ist ein guter Freund
aus der alten Zeit in SB. Er war inzwischen umgezogen, aber das
soll hier keine Rolle spielen. Von ihm erhielt ich dann auch die
Adresse und Tel.-Nr. von meinem alten Kumpel Gerd S., dem ehemaligen
Bassisten der Gruppe RS RINDFLEISCH. Das war so absolut tierisch,
denn - wie schon erwähnt - hatte ich seit Jahren nichts mehr
von ihnen gehört. Mit Gerd telefonierte ich dann nach Jahren
am Ostermontag. Er spielt inzwischen wieder fest in einer Band
als Gitarrist. (Wenn jemand mehr über die Gruppe SORPRESA
und Gerd wissen will, dann sei hier die Webseite der Band erwähnt:
http://www.sorpresa2000.de
Na ja, demnächst gibt die Band ein paar Konzerte; will da
mal unbedingt hin, denn Gerd gehört zu der Art von Gitarristen,
die das "Brett" noch mit Feeling spielen und sich nicht
damit brüsten, wie viele Akkorde sie in zehn Sekunden herunter
schruppen. Kann nur jedem, der noch die musikalische Art von Hendrix,
Cream etc. liebt, empfehlen, sich die Band 'mal live anzusehen.
27.04.2000
Gestern habe ich ein paar alte Hefte gefunden mit Geschriebenem
aus den Jahren 1980 bis irgendwann.
Ich habe alles so gelassen wie es da in den Heften stand. Grammatischer
Seiltanz ist so gewollt.
Geschrieben am 09.09.1987, 03.15 Uhr
Leben? Was ist Leben?
Bin ich verrückt?
Werde ich verrückt?
Hingerissen zwischen Realität und Traum stelle ich mir die
Frage: was soll ich tun?
Warum? Weil ich so bin?
Gib mir Antwort! Wer?... soll mir Antwort geben? Du? Ich? Sie?...
Schreiben? Was soll ich schreiben? Worte sind tote Zeilen auf
Papier. Ja? Ich glaube... ?
Aber wenn ich nur tote Dinge schreibe, wie soll ich dann Leben
formulieren?
"TRUE AS STEEL" steht in meinem Tattoo. Treue wie Stahl;
was ist Treue und was ist Stahl?
Gib mir Antwort du Schattengestalt auf der dunklen Seite des Mondes,
die nur bei parapsychologischen Störungen hell erleuchtet
ist.
Gib mir Antwort du Gnom mit den silberfarben glänzenden Schuppen
auf deiner Haut aus ägyptisch-metaphysischem Papyrus.
GIB MIR ANTWORT!!!
DU...!!!
ANTWORTE!
Verdammt, lass mich nicht leiden.......................... Hahaha.........
Oder...
...leide ich selbst unter der Realität meiner Träume?,
... obwohl sie mir real erscheinen.
Ich träume weil ich lebe... und ich lebe, weil ich es liebe
zu träumen.
Wenn eine Pussy ein Traum ist, was ist dann erst ein Phallus,
der zum Traum wird?
Ist Musik Sex? ... oder ist Sex Musik?
Oh, du verdammtes Gebilde aus Fleisch, Schwellkörpern und
Adern; du bist eine Gitarre mit 23 000 Saiten, du bist ein Schlagzeug
mit 10 000 Trommeln, du bist ein Drummer mit 30 000 Sticks.
Du bist... ein Stück Leben in Trance.
Gib mir Liebe! Gib mir METAL! Gib mir Realität
Erlöse mich von den Träumen der Träume...
Zitat von Jim Morrison ( THE DOORS ):
"I hear a little gentle sound..."
Oh, du perverser Realist, ich glaube, dass ich dich verstanden
habe.
"With my ear down to the ground..."
Welcher Boden? Welchen Grund meinst du Hund damit?
Ich weiß
"When the music's over!"
Aber, verdammt noch mal, die Musik wird noch lange nicht vorbei
sein.
NOCH LANGE NICHT !
Irgendwann in den '80ern..
Langsam träumend von Realität und erwachend vom verschwindenden
Vollmond,
verlassen von Fleisch, Pelz und Andacht, werden die Farben der
Palette zu grauem Brei, der nur noch dazu reicht, ein Bild der
Dämmerung zu malen.
Oh ihr Glücklichen, denen es gegeben ist ewig zu träumen,
gebt mir doch die Farben des realistischen Bildes vom Leben zurück...
Nach einem Concert der ROLLING STONES:
Liegend, kniend, sitzend,
von unzähligen Lichtern, aus unzähligen feurigen Herzen
umgeben, auf der Bühne des Lebens stehend, den Mond - diesen
vollen runden Körper im Universum unserer Welt - anheulend
und dann noch zu wissen, das man NICHT träumt, muss eine
Geilheit erzeugen, die eine Gänsehaut wachsen lässt,
dass dagegen die wildesten Gebirge dieser Erde wie Tautropfen
auf einem morgendlichen Rosenblatt wirken.
Was ist dieses Mikrofon in der Hand des Stars?
Eine Verstärkungstechnik oder nur die Angst davor, die Hose
zu öffnen und diesen unzähligen Girls seinen Schwanz
zu zeigen, den doch sowieso alle in ihrer Phantasie sehen.
Oh, du verdammte Gitarre; du hölzerner Phallus der Akkorde
ejakuliert.
Oh, du animalische Schlagzeug; du bringst durch deine metallenen
Becken andere Becken zum Zucken.
Oh, du röhrender Bass, der du Unterleiber zu orgastischen
Maschinen deklarierst.
He, ihr da auf der Bühne des Lebens, reißt mich nie
aus der Welt voll mit Musik.
Irgendwo in einem fernen Land
Irgendwann später im Leben der Eidechse... wenn sie das
Licht gelöscht haben, aber die Musik noch nicht zu Ende ist.
Irgendwann zwischen Ende und Ende.
Irgendwann zwischen Vollmond und Realität.
Irgendwann zwischen Geburt und Tod entstehen diese Zeilen im Hause
der Nacht, wo ich viele Freunde habe, die nur Schattenbilder sind.
Hör' doch auf zu schreien, wenn Schreie nur leise Klagen
sind.
Hör' auf zu klagen, wenn du schreien willst.
Hör' auf zu schreien, wenn du klagen willst.
Zerstöre keine Mauern, wenn du Stacheldraht spannst.
Spanne keinen Stacheldraht, wenn du lieben willst.
Hört auf zu lachen, wenn du oder ich die Welt wollen; wenn
das Fleisch ruft.
Zündet Kerzen an wenn ich lebe und träumt mit mir,
wenn ich real bin.
Aber bitte, löscht niemals das Licht wenn irgendjemand noch
Musik macht, denn Musik IST und Stille ist Tod.
Frage nicht warum ich trinke!
Frage nicht warum ich lebe!
Frage nicht warum ich sterbe wenn der Vollmond über meinem
PURPLE HAZE wacht, denn ich bin derjenige, der von hinten her
naht, wenn du weißt was ich meine.
Du bist geil, Baby!
Du bist geil im Sinne von geil...
Komm' her du Fleisch!
Komm' her du Pelz!
Komm' her du Nässe eines süßen Dimmers,
denn ich bin der, der von hinten her naht.
Ich bin der Traum.
Ich bin der Alp.
Ich bin der Schwanz des Fleisches
Hör' doch zu wenn ich mit dir rede!
Wenn ich tief schlafend zum Vollmond im Ozean des Lebens taumle.
Ich möchte nicht erwachen wenn ich träumend schreibe,
denn dieses träumende Schreiben ist das malen eines Bildes,
dessen Farben in der Irrealität der Realität entstehen.
Ich bin die Palette voller Farben, aus der der Pinsel des Künstlers
meines Geistes seine Kraft schöpft.
Ich bin Arm, Hand, Finger und Sein dessen, der malt
Ich bin die Vollendung des Bildes meines Lebens.
Schlag' zu Schicksal!
Jeder Hieb ist ein Klecks im Bild. He, du spanisches Auge, wer
soll dieses Bild töten, das Leben ausdrückt?
WACHT AUF!
Wacht auf, wenn die Spiegel in euren Badezimmern die Fratzen
zeigen, die eure Gesichter voller Angst und Lügen reflektieren.
Wacht auf, wenn das Fleisch das grelle Licht anknipst.
Wacht auf, wenn euch die Scherben des platzenden Spiegels dröhnend
und klirrend um die tauben Ohren fliegen.
WACHT AUF!
Warte bis der Traum vorbei ist.
Warte bis der Vollmond von einer strahlenden, aber weinenden Sonne
abgelöst wird.
Warte bis sie die Gewehre anlegen und dich mit Liebe erschießen.
Du stirbst und wenn du gleichzeitig erwachst, wirst du erkennen,
dass sich nichts verändert hat zwischen Realität und
Traum.
Du bist die Kugel des Gewehrs, die nicht töten wollte.
Du bist nicht der Lichtmechaniker, der die Dunkelheit des Träumers
zerstört. Du bist der Sensenmann des Anfangs, der seine Freunde
erweckt, wenn fremde Hände nach Sternen greifen, die im Verborgenen
liegen.
Du bist der Zahn der Schlange, der giftlos im offenen Maul zu
sehen ist, wenn sich alle nackt bei Sonnenaufgang fürchten.
Du bist der Killer, der mit dem Gummimesser kleine Grillen im
feuchten Gras vor ihren Müttern rettet, wenn flügellose
Heuschrecken die Violinen des Todes stimmen.
Du bist der Musiker, der auf einem künstlichen Menschenknochen
bläst und meint, auf einer safrangelben Panflöte zu
spielen.
Du
bist einer von vielen Träumen des Jenseits.
Mai 2000
01. Mai 2000
der Tag der Arbeiterklasse
Gute Gespräche sind wie gute Musik. Nur der, der nicht schweigend
durch die Welt rennt, hat das Leben ein wenig erkannt. Es ist
schade, dass für manche Leute das Bierglas wichtiger ist
als ein gesprochenes Wort. Das ist mir besonders am Wochenende
wieder bewusst geworden; auch wenn der Grund und der Anlass dazu
hier nichts zu suchen hat. Jeder schleppt seine Last mit sich
herum. Der eine mehr, der andere weniger. Doch Alkohol hat noch
nie dazu beigetragen, dass man Probleme oder persönliche
Schwierigkeiten durch den Genuss dieses "Giftes" lösen
kann. Da ich eine geraume Zeit selbst eine Antwort auf manche
meiner Probleme in der Flasche suchte, weiß ich auch wovon
ich spreche. Bei mir war es dann der Leberkrebs - aber nicht durch
Alkohol ausgelöst -, der mir sagte: STOP IT.
Aber erst wenn der Mond auf die Erde gefallen ist, werden manche
herausfinden, dass der Tod schon knöchern angeklopft hat...
Montag, 08. Mai 2000
Zurzeit fühle ich mich ziemlich down. Zum einen liegt das
daran, dass ich mental sehr kaputt bin und zum anderen daran,
dass ich mich sehr nach einem Ortswechsel sehne. Wenn ich es ganz
allein entscheiden könnte, würde ich auf der Stelle
meine Reisetasche packen und irgendwo an die See fahren. Irgendwohin
ans Wasser, oder noch direkter formuliert: an das Meer.
Momentan geht mir alles tierisch auf den Sack. Die Firma, die
Arbeit, die Probleme von anderen Menschen... einfach alles! Irgendwie
spüre ich, dass mein Akku leer und verbraucht ist.
Außerdem freue ich mich schon tierisch auf das Concert
von meinem alten Kumpel Gerd Schneider (ex RS RINDFLEISCH) am
31.05.2000 in Köllerbach (das ist im Saarland zwischen Völklingen
und Püttlingen). Gerd spielt da mit seiner Band SORPRESA.
Von Gerd habe ich auch eine Live-CD bekommen, die die Band vor
ein paar Jahren aufgenommen hat. Diese CD habe ich die letzten
Tage ziemlich oft angehört, denn das ist augenblicklich immer
wie ein Schuss Adrenalin, der mich wieder etwas aufrichtet. Manchmal
hat man halt solche Down-Sein-Phasen, da muss man durch. Doch
es gibt ja auch noch ein anderes Hilfsmittel...
und das soll ja auch für eine gewisse Stimulans sorgen.
Habe ich recht???
Aber das mit dem Meer werde ich wahrscheinlich nächste Woche
realisieren, denn ich habe ab dem 15. Mai eine Woche Urlaub und
ich denke schon, dass ich mich da in mein Auto oder in ein Flugzeug
setze und ein paar Tage ausspanne.
13. Mai 2000
02.00 Uhr
Well, gestern Abend - und bis jetzt - habe ich an meinen Webseiten
rumgebastelt. Habe endlich auch die Freischaltung meiner Domain
www.darklion.de erhalten (Inzwischen gelöscht!). Auf dieser
Website habe ich nun meine Zeit als ehemaliger Mitarbeiter der
FRANKFURT LIONS gelegt und diese Page auf den schon immer dafür
vorgesehenen URL www.happymountain.de (HAPPYMOUNTAIN soll eine
engl. Abwandlung meines Namens <glücklicher, erfreuter
Berg> bedeuten. Anm. von mir).
Natürlich ist mir mein "Computerlehrer" -^RedEvil^-
wieder bei manchen kniffligen Sachen zur Seite gestanden.
THANK YOU, RED!
An dieser Stelle soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass
auch er seine neue, überarbeitete und verbesserte Page ins
WWW gestellt hat. Aber werft bei Gelegenheit selbst mal 'nen Blick
drauf: www.redevil.de
Okay, nun will ich aber noch ein paar Stunden "Matratzenhorchen"
gehen, denn bald ist the Night over.
CU @ll soon ?!?
23. Mai 2000
Hello@all
Zurück aus Berlin wird es endlich mal wieder Zeit, hier
wieder ein paar Zeilen auf die Page zubringen. Am Sonntagabend,
14. Mai 2000 sind Helga und ich mit dem ICE in die Bundeshauptstadt
gefahren. Und ich kann an dieser Stelle nur sagen: Berlin war
ein Traum...
Vor allem haben wir viel auf Kultur gemacht. Ägyptisches-
und Pergamon Museum wollten wir ja schon immer mal sehen. Im Ägyptischen
Museum war ich erstaunt über die Ähnlichkeit zwischen
meiner Helga und der Nofretete. Aber vielleicht hängt das
auch mit der Reinkarnation zusammen???
Vor dem Reichstag wurden wir dann auch von einigen "Neu-Berlinern"
in Empfang genommen. Die anschließenden Verhandlungen über
ein Megakonzert vor dem Brandenburger Tor mit RS RINDFLEISCH,
SORPRESA, CREAM, ROLLING STONES und der JEFF BECK Group liefen
zu unserer vollsten Zufriedenheit. Das Concert soll aus der Schwarzgeldkasse
der CDU finanziert werden und unehelichen Kids von Musikern gespendet
werden. Es hat schon einige Mühe gekostet, Helmut Kohl zu
einer finanziellen Spende zu bewegen; aber ergab mir dann doch
eine Tasche mit "verschwundenem Money", wie man auf
Bild 3 erkennen kann.
Hier Bilder während einer Verhandlungsunterbrechung vor
dem Reichstag:
25. Mai 2000
Heute geht es mir nicht so besonders. Es fing schon gestern Morgen
auf der Arbeit damit an. Mir war schwindelig, übel, Hitzewellen
durchfluteten meinen Körper. Gegen 10.00 Uhr habe ich mich
dann in meiner Dienststelle abgemeldet und bin zu meiner Hausärztin
gefahren, mit der ich dann auch ein längeres Gespräch
hatte. Mein Hauptproblem ist einfach, dass ich diese Krebsgeschichte
nicht so einfach aus dem Kopf bekomme. Die Ärztin meinte
ja auch wieder, dass wir alle nicht ewig auf diesem Planeten bleiben
und wir nur dafür sorgen können, dass wir dann hier
alles in geordneten Verhältnissen zurücklassen. Ja,
verdammt noch mal, sie hat ja recht, aber es geht halt nicht immer
so. An manchen Tagen verschwende ich keinen einzigen Gedanken
an diese Scheiß-Krankheit. Und an anderen begleitet mich
der Gedanke daran Stunde für Stunde.
Wer noch nie mit dieser Situation konfrontiert war, wird sich
da auch nie reinversetzen können. Es ist mehr als nur das
Wissen, dass diese Krankheit jederzeit wiederkommen kann. Gnadenlos!
Ohne Vorwarnung! Und in den meisten Fällen ist es dann immer
schlimmer, denn der Tumor kann sich auch an anderen Stellen des
Körpers festfressen. Er kann von jedem Organ oder von jeder
Zelle aus sein perverses Spiel treiben.
HUHU, HIER BIN ICH! SPÜRST DU MICH?
Okay, lassen wir den Mantel Morpheus über diese Gedanken
fallen.
Werde erst mal eine CD auflegen und mich den orgastischen Klängen
eines Gitarristen hingeben: Dazed And Confused von LED ZEPPELIN...
*
... Heute Abend hatte noch Gerd angerufen. Wir haben 'ne gute
halbe Stunde über alles Mögliche und unmögliche
gequatscht.
Und:
ES HAT MIR GUT GETAN.
Danke Bruder!
Tagebuch Juni 2000
02. Juni 2000
Heute soll es nun endlich mal weitergehen, damit niemand auf
die glorreiche Idee kommt, dass ich schon nicht mehr auf diesem
blauen Planeten verweile.
Die vergangenen Tage waren sehr interessant für mich, zu
mindestens die vergangenen drei. Am vergangenen Sonntag wollte
ich WINDOWS 2000 auf den Rechner laden, aber irgendwie war der
"Kasten" damit nicht einverstanden, denn es ging so
weit, dass ich am Schluss formatieren musste. Dabei gingen mir
leider auch ein paar Adressen und Emails verloren. Schade.
*
Am Mittwoch hatte ich mich nach 11 Jahren endlich mal wieder
mit Gerd Schneider getroffen, dem alten Bassisten von RS RINDFLEISCH.
Hatte ihm einen Besuch abgestattet und mich auch sehr darüber
gefreut. Er hat sich eigentlich kaum verändert, nur dass
er inzwischen auch ein paar Jahre älter geworden ist: und
im Gesicht hat er fast die gleichen "Lebenserfahrungsfalten
und -furchen" wie Keith Richards von den ROLLING STONES".
Well Gerd, das ist das gewisse Etwas, dass Du vielen voraus hast:
LEBENSERFAHRUNG. Fuck off mit all den Motherfuckers, die meinen
ihnen gehört die Welt, weil sie ein paar "Silbertaler"
ihr Eigen nennen. Schaut sie euch doch alle an, viele der sogenannten
Promis. Wir haben viel über alte Zeiten gequatscht. Später
kam dann noch Michaela seine Frau hinzu, die mir sehr sympathisch
ist.
Abends spielte er dann noch eine Session mit Herry, dem Drummer
von SORPRESA und verschiedenen Bassisten. Und - ich kann es nur
wiederholen; Gerd spielt ein geiles Brett. Nach dem Gig waren
wir - Gerd, Michaela und ich - noch bei Bekannten der beiden.
Er war früher Gitarrist bei Roy Black seiner Band gewesen.
Was mich aber so vom Sofa riss, dass die beiden ein Buch in ihrem
Besitz hatten, welches über die alte Rockszene des Saarlandes
berichtete; und siehe da, es waren sogar alte Bilder von mir mit
in dieser ROCKHISTORY DES SAARLANDES. Geil!!! Nun habe ich alles
in Bewegung gesetzt, dieses Buch auch irgendwo zu erwerben. Wird
aber nicht so einfach sein, denn es gibt es offiziell nicht mehr...
09. Juni 2000, 04.16 Uhr
I feel good!
17. Juni 2000
Am Dienstag, den 13.06. waren wir (Uwe, Heiner, Stefan und ich
<die Personen wissen schon wen ich meine, hahaha. Ging tierisch
ab, Jungs!>)) in Aschaffenburg auf DIO-Konzert.
Abgesehen davon, dass die Band für den kleinen Raum zu laut
spielte, war der Gig echt geil. Mal wieder so richtig ab gedröhnt
und -gerockt. Hat mir auch animalisch gut getan, die Vibrations
live zu erleben. Der Bass wummerte auch fucking-stright in den
Eiern. YEAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHH!
Ansonsten alles im Lot. Die Sonne scheint, blauer Himmel. Vereinzelt
kreisen Vögel am sommerlich-blauen Firmament, in den silbern
glänzende Flugmaschinen ihre weißen Kondensstreifen
wie Narben hinterlassen haben.
26. Juni 2000, 23.13 Uhr
Nun ist es bald so weit und ich werde in einer dreiviertel Stunde
50 Jahre. Is' schon ein komisches Gefühl, ein halbes Jahrhundert
auf dem Buckel zu haben.
Allein schon wenn ich so darüber nachdenke, was ich in diesen
50 Jahren schon so alles erlebt, erfahren, durchgemacht, gelitten,
geliebt, gehasst habe, was ich mich schon gefreut habe, was ich
schon traurig war. Wie viele Angehörige, Freunde und Bekannte
haben in dieser Zeit schon diesen Planeten verlassen?!
50 JAHRE...
... Lebenserfahrung!
Gerade in diesem Moment entdecke ich mich dabei, dass ich mir
wünschte, diese Erfahrung schon vor 30 Jahren gehabt zu haben.
Und dann? Wahrscheinlich hätte mein Leben einen ganz anderen
Verlauf genommen, aber ob das von mir gewollt war? Ich glaube
nicht! Hat schon alles seine Ordnung so...
Okay und danke Erde, dass Du mich bisher so lange auf Deiner
geschundenen Haut ertragen hast.
D A N K E !
27. Juni 2000
Happy Birthday zum 50. Lebensjahr!
Motto des Tages:
TOO OLD FOR ROCK'N'ROLL
TOO YOUNG TO DIE !
Jo, das musste auch mal sein, dass ich mir zum ersten Mal in
meinem bisherigen Leben selbst zum Geburtstag gratuliert habe.
28. Juni 2000, 01.15 Uhr
Hoffe, dass alle, die mir gestern Abend telefonisch zum Geburtstag
gratulieren wollten, mir verzeihen können, dass nur der Anrufbeantworter
zu hören war. Aber ich hatte mich mal wieder aufgemacht ein
Concert zu besuchen. Ja ja, die liebe Familie Delp aus einer hessischen
Metropole hatte mir zum Birthday ein Ticket für Alice Cooper
in Offenbach geschenkt. An dieser Stelle nochmals meinen intergalaktischen
Dank an EUCH DREI: THANK YOU!
Ich kann euch sage, mir habbe ganz schön die alle Knoche
durchgeschittelt. Ei gude, was ging do die Post ab!
War aber wieder mal genial, die alte Rockelite live on Stage
zu erleben. Auch wenn mein 17 jähriger Computerlehrer RedEvil
gemeint hat: aha, du willst zur Steinzeitmusik. Ja ja, habe ich
ihm geantwortet, heute Abend gehe ich auf Concert und höre
mir "Steinzeitmusik" an. So geile Musik! Und nix nur
Elektroklänge aus dem PC oder eine schwarze Vinyl ( LP )
auf den Plattenteller gelegt und dann ein bissel an der Platte
rumgedreht das es jault und wimmert. Nix Krawall im Saal und die
gestauten Aggressionen falsch abgelassen, indem man dem Vorder-,
Neben- oder Hintermann ein paar aufs Maul haut. No, Red, nur "Steinzeitmusik"
mit meisterlichem Können am Instrument, das man weiß,
warum man unter den vielen bunten Spots schwitzt...
Und das tierische an dem Gig (Musikersprache und bedeutet Live-Auftritt)
war, dass Alice Cooper wieder mal sämtliche Register seiner
Klasse gezogen hatte. Leider war die Halle nicht ganz ausverkauft,
was aber der guten Stimmung keinen Abbruch tat. Es zählt
halt immer noch die Devise wie vor 30 Jahren:
30. Juni 2000, gegen 22.15 Uhr
YEAAAAH;
ich habe eine so animalische Sucht nach Leben, dass es mich fast
vor der Flut dieser positiven Gefühlswelt fröstelt.
Eine lange nicht mehr so existente Lebenslust hat mein Inneres
aufgestoßen, als wäre die Klinge eines spitzen Dolches
in meine Emotionsblase eingedrungen. Durch die entstandene Öffnung
rinnen meine tiefsten Empfindungen und Sehnsüchte in die
Realität hinaus; fließen auf den staubigen Boden und
bilden die Buchstaben zu dem Satz:
ICH WILL LEBEN!
Meine Gedanken laufen aus wie Blut.
Tagebuch Juli 2000
01. - 02. Juli 2000
Am Samstag, den 01. Juli 2000 feierten wir unseren 93. Geburtstag:
ich 50 und Helga hatte an diesem Tag ihren... sagt man nicht!
( Na ja, den Rest halt! *lol )
Wir hatten nicht damit gerechnet, dass so viele Freunde und Bekannte
kommen würden. Einige hatten auch abgesagt, weil sie verhindert
waren. Andere, die zugesagt hatten, waren gar nicht erschienen;
nicht mal 'ne Absage oder Entschuldigung.
Life is life...!
Und der absolute Hammer: Mein Kumpel Roger, den ich seit ca. 1977
- '78 nicht mehr gesehen hatte, stand plötzlich auch vor
mir. Er tauchte aus dem Nichts auf wie eine Fatamorgana. Und der
Oberhammer: ich hatte ihn nicht mal erkannt. Ich saß mit
ein paar Leuten von IKEA vor der Tür des Saales, wo wir unseren
Birthay feierten, als plötzlich ein kräftiger Typ auftauchte,
der in den Saal ging und sich umschaute. Nach einiger Zeit kam
er wieder heraus und setzte sich mit einem "Guten Abend"
neben mich auf die Mauer und lauschte unserer Unterhaltung; rauchte
dabei eine Zigarette. Nach einiger Zeit - mindestens 10 bis 15
Minuten - fragte er mich, "ob Helga auch da sei und sie hätte
ja heute Geburtstag". Ich sagte "ja" und fragte
ihn, "woher er Helga kenne". Woraufhin er erwiderte
"aus alten Zeiten". Ich sagte "einen Augenblick,
ich hole sie". Helga kam heraus und in diesem Moment erkannten
wir beide, dass es Roger war. Zu hart! Ich kam mir richtig bescheuert
vor...
Später ging er dann noch mit in unsere Wohnung, wo wir uns
noch etwas unterhielten. Ich hoffe, dass ich ihn wiedersehe!
Ansonsten war es ein tierischer Tag. Wir sind beide sehr froh,
dass wir so viele Freunde haben.
Euch allen:
DANKE!
20. Juli 2000
Hallo, zusammen! Hier bin ich wieder nach einer längeren
Erholungsphase.
Diesen Monat ist eigentlich bisher gar nicht so viel passiert,
um es hier niederzuschreiben.
Nein, stimmt nicht ganz! Am Freitag, den 14. Juli hatte ich wieder
einmal meine Nachuntersuchung in der Uniklinik. Nun, die habe
ich ja alle drei Monate. Aber diesmal war alles etwas anders als
bisher gewohnt. Das kam davon, dass ich irgendwann nach der letzten
Untersuchung den Bericht darüber gelesen hatte. Und da waren
bei mir gleich sämtliche Alarmglocken angegangen. Da stand
in folgenden Worten der Satz: HCC rezidiv! Was bedeutet das? HCC
ist die medizinische Abkürzung für Hepatocelluläres
Karzinom und rezidiv bedeutet schlicht und einfach wiedergekehrt
oder zurückgekommen. Und die nächste Vorstellung zur
Nachuntersuchung sollte nicht wie gewohnt in drei, sondern diesmal
schon in zwei Monaten sein. Nun, da ging mir der Arsch gewaltig
auf Grundeis. Auch wenn meine Onkologin sagte, dass der Tumormarker
im normalen Bereich sei, war ich doch total von der Rolle. Was
ein Tumormarker ist? Nun, das ist eine spezielle Blutuntersuchung
woran man Krebszellen im Körper nachweisen kann. Ein Mediziner
wird jetzt vielleicht über diese Erklärung schmunzeln,
aber ich bin ja auch nur Laie.
Okay, da bin ich dann also am 14. Juli wie schon gesagt in die
Uniklinik. Diesmal schon um 07.00 Uhr. Aus den vorgegebenen 2
Monaten waren zwischenzeitlich auch schon drei Monate geworden,
weil mein 50 Geburtstag dazwischen lag. Ich also meine Flasche
mit 0.5 Liter Kontrastmittel erhalten, die ich dann immer innerhalb
einer Stunde trinken muss. Wenn es jemanden interessiert, es gibt
Sachen, die schmecken einfach besser. Aber was sein muss, das
muss eben sein! Gegen 08.00 Uhr erschien dann der Arzt, der bei
dem anschließenden CT (Computertomographie) immer anwesend
ist. Ich unterschrieb ihm sofort wie immer die Erklärung,
dass ich mit der folgenden Untersuchung einverstanden sei. Was
soll ich auch anderes tun? In der Erklärung steht dann unter
anderem drin, dass es bei der Untersuchung zu Risiken für
den Patienten kommen kann, die bis zum Exitus führen können.
Was ein Hohn? Da geht man als Krebspatient dahin, pfeift unterwegs
vielleicht noch einen fröhlichen Song und läuft dann
bei der anschließenden Untersuchung Gefahr, dass man dabei
sterben kann. Echt geil!
Die ganze Untersuchung und das Drumherum erinnern mich immer wieder
an den Film THE GREEN MILE. Der handelt von einem Todeskandidaten
in irgendeiner Todeszelle in den USA. Wenn dann die Vollstreckung
des Todesurteils erfolgen soll, geht angeblich sein letzter Gang
von der Todeszelle bis zum Hinrichtungsraum über einen Flur,
dessen Boden mit grüner Farbe gestrichen ist; THE GREEN MILE.
Nun gut, vor der eigentlichen Computertomographie erhalte ich
dann noch eine intravenöse Spritze, in welcher ein besonderes
Kontrastmittel ist. Dieses Kontrastmittel kann bei manchen Menschen
Allergie auslösen, Erbrechen oder auch im schlimmsten Fall
Schock mit Todesfolge. Das erinnert doch alles an den unbekannten
Todeskandidaten von Huntsville in Texas. Diesem ist es auch nicht
bekannt, ob er im letzten Moment nicht vom Gouverneur begnadigt
wird. Bei mir ist es halt nicht der Gouverneur, sondern der liebe
Gott oder Allah oder Buddha. Namen hat er viele!
Die ganze Chemie, die man zu der Untersuchung immer verabreicht
bekommt, macht einen jedes Mal fertig. Der Körper, der Organismus
sind wie zerschlagen, und es dauert dann immer zwei bis drei Tage,
bis der ganze Mist wieder ausgeschwemmt wurde. An diesem Wochenende
war es besonders schlimm und dauerte diesmal bis zum folgenden
Montagvormittag, bis es mir wieder körperlich etwas besser
ging. Aber dafür schlug die Psyche zu. Voll in die Fresse!
Man zermartert sich das Hirn. Gedanken wirbeln durch den Kopf.
Kein Entrinnen, kein Platz um sich zu verkriechen. Und über
allem schwebt die einzige Frage: ist auch diesmal wieder alles
gut gegangen?
Am Montagnachmittag gegen 15.00 Uhr dann der erlösende Anruf
von meinem Schatz:
es ist alles okay.
Wir - meine Frau Helga, meine Onkologin Frau. Dr. med. Staib-Sebler
und ich als Betroffener - hatten damals ausgemacht, dass die Klinik
immer zuerst bei meiner Frau anrufen sollte, um ihr das Ergebnis
der Nachuntersuchung mitzuteilen. Ich weis einfach nicht wie ich
reagiere, wenn mal wieder ein negatives Ergebnis erfolgt. Aus
diesem Grund ist immer Helga der erste Ansprechpartner für
das Ergebnis der Nachsorgeuntersuchung.
Okay, für heute erst mal genug.
CU later!
Tagebuch August 2000
09. August 2000
So, nun sind wieder ein paar Tage in das Land gezogen und ich
habe festgestellt, dass ich schon lange nichts mehr geschrieben
habe.
Seit dem 08. August bin ich in Urlaub. Habe mir vorgenommen, noch
ein paar Tage irgendwohin zu fahren, um mal so richtig zu entspannen.
Einfach mit nichts beschäftigt sein, außer mit meiner
Seele, die dringend einer Erholungsphase bedarf. Helga fährt
nun am Dienstag, den 15. August vier Wochen in Kur. Werde dann
in dieser Zeit auch ein paar Tage verschwinden und mir einen Platz
an einem Strand suchen.
Sonne. Meer. Sand. Das sind die drei Dinge, die mir im Augenblick
am meisten fehlen.
Psychisch geht es mir im Augenblick auch nicht so gut. Das war
mit der letzten Untersuchung aber auch nicht so einfach. Erstens
habe ich tagelang benötigt, bis diesmal die ganze Scheiße
der gespritzten Mittel wieder ausgeschwemmt war, und zweitens
ist es mir seit einiger Zeit wieder vermehrt übel. Und das
gefällt mir gar nicht. Das Blöde daran ist aber, dass
das keinen Arzt zu interessieren scheint, denn es geht einfach
niemand darauf ein. Es heißt dann immer nur: es ist alles
in Ordnung.
Kann ja sein, aber MIR geht es nicht gut und das sollte doch einige
interessieren. Es muss doch einen Grund dafür geben, denn
ich habe kein Interesse daran, das ich mir das einrede.
21. August 2000
Nach langer Zeit wieder etwas von mir.
Seit zwei Wochen habe ich auch Urlaub. War auch nach den vergangen
Wochen dringend notwendig.
Zurzeit ist mein Schatz vier Wochen in Kur wegen ihrem Tinnitus
(Hörsturz). Meine Hoffnung besteht darin, dass man ihr ein
wenig helfen kann. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ihr
der ewige Pfeifton auf die Nerven geht, der Tag und Nacht ihr
ständiger Begleiter ist.
...Baby, meine Gedanken sind bei Dir...
... und aus diesem Grund werde ich Dich auch mit einem Besuch
am Samstag überraschen.
Vom 11. bis 13. August hatten wir auch in unserem Ort das traditionelle
Fischerfest. Da dies die einzige Großveranstaltung in unserer
Ortschaft ist, ging da natürlich wie jedes Jahr die Post
ab.
Morgen will ich nun noch ein paar wichtige Dinge erledigen und
dann noch ein paar Tage zu Freunden fahren.
Freunde... ja, das ist auch so ein wichtiger Begriff in meinem
"neuen Leben" nach der Operation 1998 geworden. Früher
hatte ich viele Freunde und Bekannte...(dachte ich wenigstens!)
Doch erst durch meine Erkrankung lernte ich meine wirklichen Freunde
und Bekannte wirklich kennen. Auch in meiner Firma gab es viele
Leute, die mich maßlos enttäuscht haben; vor allem
meine direkten Vorgesetzten, mit Ausnahme von fünf Personen.
Das waren der Substitut Artur und die Erstkraft Michael, sowie
die damalige Besetzung des Personalbüros Ruth, Monika und
Sabine. Kein anderer hat mal bei mir im Krankenhaus oder daheim
bei Helga angerufen und sich nach meinem Befinden erkundigt. Das
hatte ich lange nicht weggesteckt, aber ich habe meine Lehren
daraus gezogen. Aus diesem Grund nehme ich auch einige nicht mehr
für voll; sie haben mich aber auch bis zum heutigen Zeitpunkt
nicht vom Gegenteil überzeugt. Bei meiner Stellung als Schwerbehindertenvertreter
kann ich es oft beobachten und feststellen, dass einige mit dem
Begriff Leid, Kummer, Schmerzen und so weiter absolut nichts anfangen
können. Hauptsache der Umsatz stimmt! Aber ich schätze,
dass sind dann auch die ersten denen dann irgendwann einmal der
Arsch gewaltig auf Grundeis geht, wenn es sie selbst mal mit einem
dieser vorhin genannten Begriffe getroffen hat. Doch das wünsche
ich niemanden, dass er Bekanntschaft mit Leid, Kummer und Schmerz
hat. Egal in welcher Form auch immer...
Am Freitag habe ich uns einen 95er Mitsubishi Galant zugelegt.
War eigentlich noch gar nicht geplant, aber der Wagen war ein
derartiges Schnäppchen, dass ich einfach zugreifen musste.
Und habe es auch nicht bereut.
Da bin ich also am Samstag zu Helga in die Kur gefahren. Es war
ein wunderschöner Tag, und er bestätigte einmal mehr
meine große Liebe zu ihr. I LOVE YOU...
Zurzeit ist es Montagmorgen der 22. August geworden. Genauer
gesagt: 00.55 Uhr. Hinter mir aus dem TV erklingt eine Übertragung
von Rockpalast: 14. Bizarr Festival. Und ich kann es nur immer
wieder wiederholen:
MUSIC IS YOUR SPECIAL FRIEND...
27. August 2000
Hi again.
Gestern hatten wir von IKEA unseren Katalogstart (bei uns Kick
off genannt). Wie ich erwartet hatte, wird die Teilnahme von Jahr
zu Jahr auch immer weniger. Woran es bloß liegen mag???
Aber trotzdem hatte es mir gefallen. Das lag aber weniger am Fest
selbst, sondern an den paar Leuten in der Firma, die mir persönlich
sehr wichtig sind. Unter anderem Daniel, Artur, Heiner, Olaf,
Elke, Yvonne und Yvonne, die Ladys von PA und PE.
Tierisch hat mich der Abend mit meiner platonischen Liebe angeturnt,
mit der ich fast den ganzen Abend verbracht habe. Ich wusste gar
nicht, dass wir uns so viel zu erzählen hatten. Und ich freue
mich ganz besonders darüber, dass DU mir so einen tiefen
Einblick in DEIN Gefühlsleben gegeben hast. Irgendwie habe
ich es schon immer gespürt, dass DU mir in vielen Dingen
ähnlich bist und mich hat manches nicht erstaunt. Bleib so
wie DU bist und danke an dieser Stelle nochmals.
Tagebuch September 2000
17. September 2000
Heute will ich nun mal wieder ein paar Zeilen hinzufügen.
Am Samstag, den 09. September war ich einen Tag bei Helga. Bin
extra zeitig losgefahren, um ein paar Stunden mehr bei ihr in
der Kurklinik zu verbringen. Es war wunderschön.
Am späten Nachmittag bin ich dann noch nach Losheim an den
Stausee gefahren, wo abends Gerd Schneider mit SORPRESA auftrat.
Losheim liegt auch im Saarland; genauer formuliert: etwas hinter
Merzig. SORPRESA spielten da beim Little Woodstock-Festival, das
jedes Jahr vom Sorpresa-Drummer Herry mit organisiert wird. Der
Auftritt von der eben schon genannten Band war echt geil, zumal
sie viele alte Stücke aus den 70ern spielten. Hendrix, Rolling
Stones, Cream und so weiter. Die Band spielte tierisch einen ab
und Gerd war wieder mal in seinem Element, was auch vom "fachkundigen"
Publikum honoriert wurde.
Am 12. September ist dann Helga nach vier Wochen Kur wieder zu
Hause eingetroffen. Ich hatte mir extra am nächsten Tag,
den Mittwoch frei genommen. Aber Helga verbrachte den größten
Teil des Tages nur mit Waschen und Bügeln. da kam ich mir
teilweise schon ziemlich überflüssig vor und es wäre
vielleicht besser gewesen, ich wäre arbeiten gegangen. Aber
so ist sie halt; Waschen und Bügeln scheint einer ihrer großen
Leidenschaften zu sein.
Gestern war nun eine Fahrt an den Rhein geplant, um einmal life
RHEIN IN FLAMMEN zu bewundern. Aber wir hatten am Vorabend einen
Disput; deswegen hatte ich keinen Bock auf die Fahrt. Helga fuhr
dann am Samstag allein mit unseren Bekannten und unserer Vermieterin.
Ich fuhr mit dem FC Eddersheim (unser Ortsverein im Fußball)
zum Spiel der ersten und zweiten Mannschaft nach Mainz. Die 2.
gewann 5:0 und die 1. gewann bei den Mainzern 4:0. Da der Betreuer
der 2. in Urlaub war, übernahm ich die Betreuung der 2.
Hinterher war ich noch auf der Geburtstagsparty von unserem Vereinswirt,
wo ganz schön die "Lucy" abging. Morgens gegen
02.00 Uhr war ich dann im Nest. Helga traf ca. eine Stunde später
ein.
Der heutige Sonntag war dann eine einzige Scheiße.
Wir hatten uns einfach nichts zu sagen; und was wir zu sagen hatten,
wurde vom anderen verkehrt verstanden. Der Tag endete dann im
Streit.
Wie das alles weitergehen soll, vermag ich an dieser Stelle auch
noch nicht zu sagen. So auf jeden Fall nicht!
Seit einigen Monaten sind die Wochenenden nur noch Chaos. Abgesehen
von ein paar wenigen harmonischen Weekends verbringen wir diese
Tage nur noch in Streitereien. Ich weiß, dass ich da auch
meinen Teil von Schuld mit trage, aber so ist es nun halt mal.
SCHEISSE!!!
Tagebuch Oktober 2000
22. Oktober 2000
Right on!
Und schon wieder sind ein paar Wochen seit dem letzten Eintrag
vergangen...
Hier in Kurzfassung die letzen Wochen:
Vom 02. - 04.10.2000 war ich in Münster auf Seminar. Etwas
über das neue Schwerbehindertengesetz erfahren, dass seit
dem 01.10.2000 in Kraft getreten ist. Ein paar Dinge sind da ja
ganz positiv zu bewerten, aber es hätte doch etwas mehr für
die Betroffenen herausspringen können.
Meine Nachuntersuchung habe ich auch wieder über mich ergehen
lassen. Das Ergebnis: alles im grünen Bereich. Hoffe nur,
dass es so bleibt.
Aber das geilste Erlebnis war ein Konzert, dass ich am 18.10.2000
mit Gerd Schneidereit, einem Mannschaftskollegen aus dem Fußballklub,
im Colos-Saal in Aschaffenburg besucht hatte: RANDY HANSEN.
Das der Typ Songs von Jimi Hendrix zum Besten gibt, war mir ja
schon bekannt, seit ich ihn das erste Mal im TV bei seinem überwältigenden
Debüt in Deutschland gesehen hatte; beim "Tribute to
Jimi Hendrix", das im Kölner E-Werk aufgezeichnet wurde.
Von Musikmagazinen und -kritikern weltweit wird Randy Hansen gerne
als Reinkarnation von Jimi Hendrix gefeiert. Das war auch dann
der Hauptgrund, warum ich mit Gerd S. zu diesem Gig gefahren bin.
Aber was uns dann bei seinem Auftritt erwartete, wiederspricht
meinen kühnsten Erwartungen. Randy Hansen spielte keine Songs
von Hendrix..., nein, er WAR Hendrix. Verblüffend echt empfindet
er Jimis außergewöhnlichen Feedback-Sound nach und
wenn er singt, meint man Hendrix Stimme zu hören. Er spielte
ein derartig geiles "Brett", das ich an diesem Abend
nicht der Einzigste war dem eiskalte Schauer über den Rücken
jagten und der Tränen in den Augen hatte.
Happy Birthday again, Gernot
Tagebuch N ovember 2000
26. November 2000
Okay, hier bin ich wieder.
Es blieb leider nur bei dem Versuch wieder etwas regelmäßiger
zu schreiben, doch nicht immer habe ich dazu Lust oder Zeit oder
was auch immer. Doch werde ich in Zukunft versuchen mindestens
einmal pro Woche ein paar Zeilen hinzuzufügen.
Gestern Abend hatten wir mit guten Freunden und Bekannten eine
Travestie Show in Frankfurt besucht, wo Helga und ich schon öfters
dem Publikum angehörten. Ein Tanzlehrer führt in seiner
Tanzschule jeden Samstag diese Show auf und es ist immer schwer
an Tickets zu kommen, da immer ausverkauft ist. so war es auch
wieder am gestrigen Tag. Uns hat es allen sehr gut gefallen und
wir hatten sehr viel Spaß.
***
Am Freitag, 24.11.2000 hatte ich meinen Termin in der Uniklinik
Frankfurt. Dieses Mal nicht in der Onkologie, sondern in der Lebersprechstunde.
Wir (Helga und ich) sollten unseren Termin um 10.15 Uhr haben,
doch weil bei der Anmeldung etwas schief gelaufen war, kamen wir
erst um kurz nach 13.00 Uhr zum richtigen Arzt.
Ich hatte einen ganz schön dicken Hals!
Nun sieht es so aus, dass sie erst mal neun Röhrchen Blut
für die verschiedenen Tests abgezapft hatten.
Da wollen sie nun auch erst mal feststellen, wie weit meine noch
vorhandene Leber noch von der Entzündung befallen ist und
ob eine Schädigung der Leber durch Zirrhose vorliegt.
Das klingt jetzt hier alles so unheimlich nüchtern, aber
wenn man selbst als Betroffener vor dem Arzt sitzt und dann auch
noch weiß, dass er über einen selbst spricht, ist das
schon ein ganz schön beschissenes Gefühl. Man ist hin-
und hergerissen zwischen Hoffnung und tiefster Traurigkeit. Ich
möchte manchmal einfach aufspringen und davonlaufen. Das
tun, was auch die "drei Affen tun": nichts sehen, nichts
hören, nichts sagen!
Doch nein, ich bin ja brav; höre mir alles an; nicke ab und
zu verständnisvoll und bin doch ausgefüllt von einer
himmelschreienden Angst vor der Zukunft. Aber da gibt es nichts
zu sehen, nichts zu spüren; ich bin ja kein Prophet, dass
ich eine Diagnose der Zukunft wagen könnte. Keiner beantwortet
meine Fragen wie es weitergeht, was noch geschieht oder wie meine
Chancen überhaupt stehen. Immer nur die bescheuerte Antwort
- die ich mir auch selbst stellen kann -, das zeigt die Zukunft.
Schöne Aussichten!
***
Aber abgesehen von meinen "Leiden" die schon so langsam
keine mehr sind, weil sie zu einem Bestandteil meines Lebens geworden
sind, geht es mir recht okay.
Auf der Arbeit macht mir die Schwerbehindertenarbeit auch immer
mehr Freude aus den unterschiedlichsten Gründen. Wir haben
eine Klage eines entlassenen Schwerbehinderten vor zwei unabhängigen
Instanzen gewonnen, was die Firma immer mehr Geld kostet [es geht
so ganz langsam auf eine sechsstellige Summe zu!!!] - was mir
persönlich aber gewaltig am Arsch vorbeigeht, haben den Prozess
gewonnen wegen ungenehmigten Überstunden der 200 000 .- DM
in einen noch zu schaffenden Sozialfond bringt und jetzt stehen
erst mal die Verhandlungen zur - von Seiten der Firmenleitung
- gekündigten Betriebsverfassung an.
Zu allem nur dies:
Belegschaft, der Kampf geht weiter!
Tagebuch Dezember 2000
Montag, 11. Dezember 2000
Heute bin ich nach der Arbeit zu meiner Hausärztin, weil
es mir schon seit ein paar Tagen nicht so gut geht: Übelkeit,
Gliederschmerzen, konstante Müdigkeit.
Sie hat mich nun erst mal bis zum 17.12.2000 krank geschrieben.
Am Donnerstag, 14.12.2000 soll nun wieder mein Kaliumwert kontrolliert
werden, der schon seit ein paar Monaten zu niedrig ist.
Freitag, 08. Dezember 2000
Heute hatte ich meinen zweiten Termin bei Dr. von Wagner in der
Lebersprechstunde der Uniklinik Frankfurt am Main. Nachdem wir
diesmal nicht so lange warten mussten als beim vergangenen Mal,
kamen wir auch gleich als zweiter an die Reihe. Helga hatte mich
wieder begleitet.
Dr. von Wagner teilte uns das Ergebnis der ganzen Blutuntersuchungen
der Leber mit.
Eigentlich alles im grünen Bereich...
Freitag, 29.12.2000
22.59 Uhr
Meine Gedanken
befinden sich in einem Strudel
der Gefühle
die ihren Ausweg durch den Dschungel meines Herzens suchen...
Verloren in einer Wildnis
aus pulsierenden Schmerzen,
die mich zerreißen,
die mich gefangen halten
in zermarternden Gedanken...
Was ist nur geschehen?
Was ist nur durch die Unendlichkeit
zu uns vorgedrungen?