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Mein Leben II.


Before I sink into the big sleep
I want to hear
I want to hear
The scream of the butterfly
- by Jim Morrison / The DOORS

oder

Lost in a Roman
wilderness of pain
and all the children are insane
- by Jim Morrison / DOORS

Groupies, Hippies und Musik...

RS RINDFLEISCH und die Saarbrücker Hippies

Eigentlich war mein Leben immer von Musik begleitet. Durch sie erhielt ich immer den seelischen Ausgleich. Früher war ich eigentlich immer ein Fan der deutschen Hausmannskost; und da war mein geliebter Freddy Quinn der absolute Star. Das dauerte aber nur bis zu meinem ersten Besuch im Hamburger STAR CLUB, wo sich die geilsten Bands um einen Gig in diesem legendären Schuppen rissen. Und mit einem Mal war mir klar, dass Freddy nicht das Ende des musikalischen Horizonts war, sondern dass es da erst richtig tierisch begann. Heute kann ich sagen, dass ich außer den Beatles und Elvis fast alles live erlebt habe, was in den Musikszenen einen Namen hat.

Heute ist mein musikalischer Horizont gewaltig gewachsen, denn ich höre inzwischen auch Klassik( Beethoven, Tschaikowsky ) und liebe noch jemanden über alles: Maria Callas...

Musikalisch inzwischen geimpft von Jimi Hendrix, Doors, Rolling Stones und WHO trieb mich die Liebe zur Musik nach meiner Seemannszeit in die Szene der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken, wo zu der damaligen Zeit - Anfang der 70er - eine Band alles abräumte was es abzuräumen gab. Wenn auch der Name nicht gerade auf musikalische Höchstleistungen schließen ließ, war die Band das Nonplusultra der damaligen Zeit.

RS RINDFLEISCH bestand aus vier langhaarigen und ungepflegt wirkenden jungen Typen. Der Inbegriff des Bösen.
des Revolutionären und Abartigen in das vermiefte Saarland brachten.

Zumal der Bassist, ein spindeldürrer, immer in zu groß wirkenden Stiefeln steckend und ewig mürrisch und finster dreinblickender Kerl namens GERD SCHNEIDER - hatte es mir sofort angetan. Er hatte damals schon einen "tierischen Durchblick" und konnte einem sehr viel über das Leben erzählen...
Er lungerte vor seiner Anlage herum, zupfte gelangweilt seinen Fender Bass, um plötzlich wie ein Derwisch zu explodieren und ein paar derartig animalische Bassläufe aus seinem Instrument in das Lokal zu jagen, als hätte der Leibhaftige in diesem Moment von seiner Seele Besitz ergriffen. Ewig hing ihm eine brennende Kippe zwischen den Lippen oder er hatte sie am Halsende des Basses zwischen die oberste Saite geklemmt. Das hagere und eingefallene Gesicht konnte man selten erkennen, denn die lange Lockenpracht hing ihm an allen Seiten wirr herunter. Nur ab und zu, wenn es hinter dieser Matte rötlich aufleuchtete und danach eine Qualm wölke unter der dichten Lockenpracht hervorquoll, konnte man erkennen, dass da Augen, Nase und Mund sein musste.

Dann gab es noch einen langen, schnauzbärtigen Gitarristen, dem die blonde Mähne weit in den Rücken fiel, und der einen derartig bescheuerten Dialekt sprach, dass ihn kaum eine "Sau" verstehen konnte. Heute ist dieser Dialekt ein Teil meiner dritten Heimatsprache geworden: hessisch. Dieser Virtuose an der schwarzen Gibson Les Paul gehörte schon damals zu der Riege deutscher Gitarristen, die ich schon zahlreich im STARCLUB oder im GRÜNSPAHN auf der Großen Freiheit, einer Nebenstraße der Reeperbahn in Hamburgs Vergnügungsviertel St. Pauli gesehen hatte. Er spielte ein derartig animalisches Brett, dass einem die Akkorde nur so um die Ohren flogen. Neben Jimmy Page von LED ZEPPELIN war Toni einer der wenigen deutschen Gitarristen, der den Einsatz eines Violinenbogens an der Gitarre beherrschte wie kaum ein anderer. Er liebkoste, küsste, fickte, schlug und bis schon zu jener Zeit das Brett mit einer Selbstsicherheit und Schnelligkeit, dass die Akkorde manchmal nicht fassbar waren. Er stammte aus Offenbach/Hessen und hörte auf den Namen ANTON SCHÄFER, kurz TONY genannt.

An den Drums saß ein schwarzhaariges Powerpaket, der seine ganze Aggression in die Felle des Schlagzeuges zu prügeln schien. Mit einer derartigen Kraft, das man jedes Mal meinte, gleich zerspringt die Drum in Millionen von pulverisierten Teilchen. Neben dem ehrgeizigen Bearbeiten der Trommelfelle hatte Hermann noch ein zweites Hobby: ficken zu jeder Tages- und Nachtzeit.
Sein Name war Hermann Erbel. Später bekannt unter seinem Künstlernamen HERMAN RAREBELL, als Drummer der SCORPIONS aus Hannover. Er hatte es als einziger zum Weltstar und Millionär geschafft.

Der Vierte im Bunde war ein dunkelhaariger und kräftiger - aber nicht dicker - Typ, der sich am Mikro mit der Geschmeidigkeit einer Wildkatze bewegte und eine Stimme hatte, dass die vielen Girls im Saal feuchte Höschen bekamen, so sie solche zur damaligen Zeit überhaupt am Leib trugen. Auch spielte er eine animalische Bluesharp (für die Laien: Mundharmonika). Sein Markenzeichen in den ersten Monaten war eine weinrote Fransenjacke wie sie auch artgleich Roger Daltrey von den WHO bei seinen Auftritten trug; nur Roger meistens weiß. Er hörte auf den südländisch klingenden Namen PEDRO SCHEMM. Mit ihm habe ich auch heute noch ein sehr enges und freundschaftliches Verhältnis.

Nun gut, nach einem tierischen Concert in Saarbrückens "Nobeldisco" GASLIGHT und einem guten Joint stieg ich als der erste feste Roadie im damaligen Saarland bei RS RINDFLEISCH ein. Es war eine geile Zeit und wir hatten eine Menge Gigs. Als Vorgruppe von MOODY BLUES, URIAH HEEP, EDGAR BROUGHTEN BAND, Johnny Winter, um nur einige zu nennen. Die meisten Gigs spielten wir aber in Ami-Clubs und es ging da immer tierisch ab. In guter Erinnerung ist mir da noch speziell der Gig in Bad Kreuznach, Ottweiler, Merzig und der Gig in Schweinfurt. RS RINDFLEISCH spielten neben eigenen Songs sehr viele Sachen von LED ZEPPELIN, JIMI HENDRIX, TASTE und... und... und...

Diese einmalige und tierisch geile Kultband aus dem kleinen Saarland - lernte ich wie schon erwähnt Anfang der 70er in Saarbrücken bei einem Konzert in der damaligen Diskothek "GASLIGHT" kennen. Und was die Jungs rüberbrachten ging einfach tierisch ab. Das war auch MEIN Leben!

Nach diesem Konzert in der genannten Disko schleppte ich wie in Trance und selbstverständlich die Verstärker, Boxen, Gitarren, Schlagzeug teile und so weiter mit in den bereitstehenden Bus.
Ab diesem Moment war ich einer der ersten Roadies im damaligen Saarland.

Auch heute noch bin ich nicht der Einzige der behauptet, wäre die Band damals zusammengeblieben und wäre sie konstant den begonnen Weg weitergegangen, dann würde sie heute zu den Topacts in der Welt gehören. Oder anders formuliert, sie wäre mit den SCORPIONS aus Hannover zumindest gleichgezogen. Sie waren einfach BESSER als alles was es so in Deutschland zu der Zeit gegeben hatte. Sie waren nicht nur Virtuosen an ihrem jeweiligen Instrument, sondern sie hatten dazu noch eine gewaltige Power und ein sagenhaftes Feeling.

Das besondere an der Band war ihre absolute Power, die sie bei ihren zahlreichen Gigs an den Tag legten. Etwas Vergleichbares hatte es zuvor in diesem "verschlafenen" Ländchen an der deutsch-französischen Grenze noch nicht gegeben. Und der Powergetriebene und tierische und fette Sound den die Band fabrizierte, hatte nur eine Gemeinsamkeit mit dem damaligen Saarland: den Power den sie in den verdreckten und verräucherten Himmel des Kohlen- und Eisenlandes jagten.

R.S. RINDFLEISCH war anders als all die anderen zahlreichen Bands, die zu jener Zeit wie Unkraut aus dem Boden schossen. Sie waren das, was die ROLLING STONES in England und danach in der ganzen Welt so berühmt gemacht hatte.
Die Band war böse! R.S. RINDFLEISCH waren nach außen das Grauen der zivilisierten Welt! Sie waren Angst und Schrecken der Mütter und Väter, die ab diesem Moment noch ein wachsameres Auge auf ihre Töchter warfen, weil sie erkannten - aber nicht deuten und es sich erklären konnten - welch eine potentielle Gefahr von der Musik dieser "Wilden mit den Zottelmähnen" ausging. Aber sie erkannten tief in ihrem gewohnten Trott zwischen Taubenzucht-Maloche-und-Bierzeltwelt, dass diese jungen revolutionären Elemente etwas mit sich brachten, dass wie eine Urgewalt irgendwo losgelöst wurde und alles heile ihrer aufgebauten kleinbürgerlichen Welt mit sich fortriss in einem Strom, der nicht mehr aufzuhalten war. Sie spielten Lieder von Led Zeppelin, Hendrix, Gallagher und Cream, als hätten sie diese Songs selbst geschrieben.
Das Feeling, das sie ihrer immer größer werdenden Fangemeinde zu Füßen legten, war dem der großen Gruppen gleich. Absolute Hingabe an ihren musikalischen Glauben und an die, die sie anhimmelten wie Stars aus einer fremden Galaxie.
Die Jungs hatten auch nie das Gefühl unter diesen Bands zu stehen. Bei Gigs als Opener für einige Festivals konnte man nicht selten sehr gut beobachten, dass auch Musiker vom damaligen Bekanntheitsgrad eines Mick Box und Ken Hansley von URIAH HEEP oder einem Edgar Broughton von der gleichnamigen EDGAR BROUGHTON BAND Maul und Ohren offen standen, als sie dem Soundgewitter eines unbekannten Gitarristen namens Anton "Tony" Schäfer aus dem hessischen Offenbach, andächtig und voller Achtung beim Spielen zusahen.

Hier hatten sich vier Musiker gefunden, die jeder für sich, ihrer Zeit an Engagement und Musikalität weit voraus waren und einen eigenen Sound geschaffen hatten.

Die Band war eine Sensation für das Saarland. Nur haben keinem Moderator, Manager oder Produzenten vertraut, denn es gab auch Leute, die sich um sie "kümmern" wollten. Zum Beispiel Frank Farian, der damals noch in Spiesen-Elversberg, einem Ort im Saarland, wohnte oder Manfred Sexauer vom Saarl. Rundfunk, der zu jener Zeit auch im TV die Sendung BEAT CLUB mit Uschi Nerke moderierte.

Der Name R.S. RINDFLEISCH kam von ihrem Drummer Hermann Rarebell, der schon immer für außergewöhnliche Sachen zu haben war. Zuerst stand das für “Rauschgiftsüchtiges Rindfleisch”, obwohl die Band "zu dieser Zeit noch gar nicht wussten", was ein Joint war. (???) Unwahrscheinlich!
Das kam erst später mit den Ami-Clubs. Ja, aber im Extrem!
"Smoke on the water" (in diesem Falle die Saar) war halt revolutionär, und das wollten sie damals als Rockmusiker auch sein.
Manchmal sagten sie einfach auch nur, es hieße “Ruhe sanft, Rindfleisch” und hatten ein Rind aus dem Schlachthof auf ihren Plakaten. Was auch immer korrekt war, geraucht haben wir viel, denn Dope gab es zu jener Zeit in jeder Kneipe. Und fast jeder konsumierte es auch.

Mit der Zeit entwickelte sich zu Gerd immer mehr eine Beziehung, die mit einfachen Worten nicht zu beschreiben ist. Denn es war mehr als nur Freundschaft und Aufblicken zu ihm als geilsten Bassisten der damalig saarländischen Musikszene.

Es war auch Hass, Entsetzen und Unverständnis darüber, wie er teilweise - in einer nie wieder so extrem erlebten Art und Weise - auf alles einen dicken Haufen Scheiße setzte, was Bestandteil einer damals heilen und bürgerlichen Welt der Nachkriegsgeneration war.

Aber ich denke, dass gerade dieser Punkt mich so zu ihm hinzog. Ich habe wahnsinnig viel von ihm gelernt! Zumindest hatte ich damals das Gefühl in diese Richtung und war auch felsenfest davon überzeugt.
Nicht nur die "Erweiterung meines Bewusstseins" durch gemeinsame Drogenexzesse, sondern es war mehr die Tatsache, dass er mir eigentlich den Verstand dafür öffnete, was eigentlich Leben in seiner ursprünglichen Materie darstellt: einfach leben! Ohne beschissene und diskriminierende Etiketten und Zwänge.

Ein paar kurze Episoden von unterwegs:

In Saarbrücken-Burbach hatte die Band mal einen Gig, bei welchem auch der damals bekannte BEAT CLUB Moderator Manfred Sexsauer mit von der Partie war. Er stand mit offenem Mund vor der Band und lauschte der tierisch geilen und vor allem dröhnenden Mucke. Der Laden war brechend voll.
In einer Pause stand dann Sexsauer bei Hermann und meinte:
"Aus euch kann mal etwas ganz Großes werden. Ihr habt einfach das Zeug da zu."
Darauf Hermann ganz cool und trocken:
"Ja ja, eines Tages fressen sie mir alle aus der Hand und putzen meine Schuhe."
So Unrecht sollte er nicht ganz haben.

In einer Diskothek in Elversberg trafen wir uns mit Frank Farian. Ihm gehörte der Laden, der im eigenen, seinen Eltern oder Großeltern gehörendem Haus untergebracht war. Mit oder über Farian nahmen RS RINDFLEISCH zwei Platten auf. Eine Single mit zwei eigenen Stücken und nach meiner Erinnerung eine LP mit gemischten Sachen. Eigenen und Coversongs. Frank Farian hatte seinerzeit schon sehr gute Beziehungen in der Unterhaltungsindustrie und war damals so langsam dabei, sein Imperium aufzubauen.
Frank Farian (* 18. Juli 1941 als Franz Reuther in Kirn, Rheinland-Pfalz) ist Musikproduzent, Komponist und Sänger.

Frank Farian ist seit Mitte der 1970er Jahren ein bedeutender und kommerziell sehr erfolgreicher Produzent von Popmusik. Er "erfand" weltweit erfolgreiche Gruppen wie Boney M. und Milli Vanilli, deren erste Platten schon fertig eingespielt waren, bevor die Interpreten zusammengestellt wurden. Als das in den 80ern über Milli Vanilli bekannt wurde, führte dies zu einem Skandal. Dass auch bei Boney M. mit Liz Mitchell und Marcia Barrett nur zwei der vier Gruppenmitglieder an den Aufnahmen beteiligt waren und die männliche Stimme von Farian selbst kam, interessierte dagegen kaum.

Farian, der als Kind durch die Wirrungen des Zweiten Weltkriegs ins saarländische Altenkessel verschlagen wurde, war zunächst Koch und verbrachte seine musikalischen Anfangsjahre in Elversberg, in der Blumenstraße und in der Straße „Am Ring 8“. Dort im Dachgeschoss begann seine produktive Zeit als Komponist und Musikproduzent. Im saarländischen St. Ingbert eröffnete er die Diskothek „Rendezvous“. Hier wurden seine Bands und Titel der Öffentlichkeit präsentiert. Heute hat er ein Studio in Rosbach v.d.H.

Er trat zunächst als Rocksänger „Frankie Farian und die Schatten“ auf. Als Schlagersänger sang er Titel wie „Dana my Love“ (1969) und „Rocky“ (1976), seinen einzigen Nummer-1-Hit als Sänger.

Seine größten Erfolge als Produzent waren die Single „Rivers of Babylon“ (eine Bearbeitung zu einem Kirchenlied über Psalm 19 und 137) und das Album „Nightflight to Venus“ von Boney M. (1978).

Mit dem Projekt Far Corporation, an dem unter anderem Bobby Kimball, David Paich und Steve Lukather von der US-Band Toto sowie der Schlagzeuger Curt Cress beteiligt waren, spielte er überwiegend Rockklassiker wie „Stairway to Heaven“ von Led Zeppelin, „Sebastian“ von Cockney Rebel und „Mother and Child Reunion“ von Paul Simon ein. „Stairway to Heaven“ war dabei mit dem achten Platz in der britischen Hitparade (1985) der größte Erfolg.

1983 wurde Farian mit der Goldenen Stimmgabel, 1997 für sein Lebenswerk mit dem ECHO ausgezeichnet.

In Ottweiler spielten wir in einem Bierzelt.
Meiner Erinnerung nach, war das auf einer Kirmes oder so ein Scheiß. Es gab schon im Vorfeld 'nen Haufen Stress mit Besoffenen, die uns laufend anmachten und 'was von langhaarigen Verbrechern, vergasen, Drittes Reich und so ein Scheiß laberten. Auch kam die Musik nicht so gut an.

Als wir dann den Gig beendet, den Bus beladen und losfahren wollten, tauchte plötzlich ein Typ mit 'nem Schrotgewehr im Scheinwerferlicht des Busses auf. Er richtete die Waffe auf die Windschutzscheibe und schrie 'was von abknallen, wenn wir es wagen sollten, davonzufahren. Hinter ihm hatte sich die Walzercombo postiert: zum sofortigen Sturm auf unser Fahrzeug gerüstet.

Wir stiegen aus und wurden fast lebensbedrohlich eingekreist.
Wie sich herausstellte, hatte die Humba-Combo ihr Mischpult vermisst. Mir ahnte fürchterliches, denn ich hatte mit allem gerechnet, nur nicht damit, dass die Combo das Mischpult so schnell vermissen würde. Bei deren alkoholisiertem Zustand hatte ich so schnell nicht damit gerechnet.
Ich hatte den Boys nämlich 'ne Freude machen wollen und mir das Mischpult der Combo kurzfristig "ausgeliehen". Leider hatte ich vergessen, dass der Walzer-Combo auch mitzuteilen.

Ich erzählte dann etwas von versehen und das ich neu in der Band sei.
Oh, Bullshit, Hermann hatte mich dann ganz schön rund gemacht auf der Heimfahrt, und der Rest der Band grinste mich breit an. Gerd meinte trocken "Na Alter, das Klauen üben wir auch noch mal bei Gelegenheit". Sogar Hermann stimmte in das schallende Gelächter mit ein, als sie mein Gesicht sahen, denn ich begriff erst in diesem Moment, dass auch Hermann eigentlich nur seinen Anschiss gespielt hatte. Saubande!

In Heidelberg hatten wir einen Gig in einem typischen Untergrundlokal der damaligen Zeit.
Der Club war ein langes, nicht all zu breites Kellergewölbe mit runden Wänden und Decken aus Ziegelsteinen gemauert. Psychedelische Scheinwerfer und flimmernde Farbnuancen auf einer Leinwand gaben dem ganzen ein geheimnisvolles Ambiente. Es war die Zeit von Timothy Leary und seiner sagenumwobenen Droge LSD oder unter uns auch Trip und Acid genannt. Leary war zwar nicht der Erfinder dieser Droge, das war ein Schweizer Pharmabetrieb, aber er hatte ein Buch über LSD veröffentlicht, das zur damaligen Zeit die Bibel einer Generation wurde: DIE PFORTEN DER WAHRNEHMUNG.

Hier beschrieb und schilderte Leary die Empfindungen und Eindrücke nach der Einnahme dieser Droge. Er schrieb über stundenlange Orgasmen, über explodierende Körper in Liebe und Ekstase und über Empfindungen des Unterbewusstseins. Es war die Zeit von PINK FLOYD und "Ummagamma", die Zeit von IRON BUTTERFLY und "In-A-Gadda-Da-Vida" und die Zeit der BEATLES und "Lucy in the sky with diamonds" oder der ROLLING STONES und "2000 Lightyears From Home".

Alle in der Band und fast der ganze Club waren im LSD-Rausch. RS RINDFLEISCH lieferten eine Show und ein Konzert, das in die Annalen Heidelbergs einging. Sie bliesen den Leuten sprichwörtlich den Verstand aus dem Schädel. Für mich bleibt es auch heute noch als der geilste Gig der Band in Erinnerung. Jeder in der Band flog einfach durch Raum und Zeit und fand sich immer wieder musikalisch auf irgendeinem verdammten Planeten in diesem unergründlichen Weltall. Die wogende Menschenmenge pulsierte, stand kurz vor einer Explosion. Toni jagte Klänge aus seiner Gitarre, als sei es sein letzter Gig. Hermann lies die Sticks über seine Schlagzeugfelle wirbeln, das einem das Dach vom Schädel flog. Gerd spielte sich an seinem Bass die Fingerkuppen blutig und Pedro hat wahrscheinlich mehrmals abgespritzt.

In Merzig hatten RS RINDFLEISCH mal 'nen Gig, den ich auch mein ganzes Leben nicht mehr vergessen werde.
Es war eine ziemlich große Halle mit einer tierisch großen Theaterbühne. Der Saal war gut besucht; mindestens 400 Leute.
Ob da noch 'ne andere Band spielte, weiß ich heute auch nicht mehr.
In der Mitte der Bühne befand sich ein zweiter Vorhang der zugezogen war. Hinter diesem hatten wir das ganze Verpackungsmaterial der Verstärker, Drums etc. gelagert. Ich hatte eine Tussi aufgerissen, mit der ich 'nen Joint rauchte.
Als RS RINDFLEISCH dann mit ihrem Gig begann, machte ich es mir mit dem Girl auf diesen Verpackungsutensilien gemütlich. Wir zogen uns aus und schoben eine tierische Nummer.
Gerd, der Bassist, muss das aber irgendwie mitbekommen haben. Er zog den Vorhang auf und wir vögelten - ohne es zu bemerken - vor dem ganzen Saal. Erst als die Leute zu toben anfingen, spürte ich, dass etwas nicht in Ordnung sein konnte. Als ich bemerkte, dass wir für alle bei unserem Tun sichtbar waren, machte ich die Tussi darauf aufmerksam.

SO SCHNELL HAT NOCH NIEMAND SEINE KLAMOTTEN GESCHNAPPT UND WURDE NIE WIEDER GESEHEN...

In Schweinfurt hatten wir einen Gig in einem Laden, der sich "Maxim" nannte.
Mit Toni fuhr ich die lange Strecke von Saarbrücken nach Schweinfurt in einem alten VW-Bus.
Hinten hatten wir die Anlage verstaut. Zwei Marshalltürme, Hermanns Ludwig-Drum, ein kleines Mischpult und zwei Gesangsboxen.
Wie der Rest der Band nach Schweinfurt kam, ist mir heute leider entfallen. Aber ich glaube, dass sie mit Hermanns damaliger Tussi die Reise machten, die Führerschein und ein Fahrzeug ihr eigen nennen durfte.

Als ich die Band begleitete spielten sie 14 Tage Abend für Abend. Mein Verdienst: 20 Mark von Hermann, 20 Mark von Tony, 10 Mark von Pedro und nix von Gerd. Dafür aber jede Menge zu Rauchen, denn Zigaretten bekamen wir von den Amis aus der PX mitgebracht und Stoff gab es bei ihnen auch zur Genüge. Aber diesmal nicht aus der PX.
(Anmerkung: Ein PX-Store, Abkürzung für post exchange, ist die Bezeichnung für Verkaufseinrichtungen auf US-amerikanischen Militärstützpunkten, die nur für Militärangehörige und ihre Familien zugänglich sind. Betrieben werden sie vom Army & Air Force Exchange Service.)

Der Besitzer war ein alter Sack von mindestens 60 bis 70 Jahren oder noch älter - ähnlich dem alten Sack aus dem Comic "Das kleine Arschloch". Er war Jude (was aber hier keinen rassistischen Hintergrund hat!) und absolut geil auf Geld und Weib.

Der Laden wurde hauptsächlich von GIs besucht, die zu der damaligen Zeit zahlreich in Schweinfurt stationiert waren. Die Boys von der "amerikanischen Front" fuhren total auf die Band ab.
Auch der alte Sack fand RS RINDFLEISCH absolut in, und er trieb die Jungs gleich wieder auf die Bühne, wenn sie mal eine Pause für 'nen Joint, 'nen Drink oder 'nen Small Talk einlegten.
"Ich will euch spielen sehen", sabberte der alte Sack und rieb sich die faltigen Hände, wenn er sah, dass immer mehr Amis den Laden bevölkerten. Dope erzeugte nicht nur ein bestimmtes Feeling, es ließ auch das Hunger- und Durstgefühl in die Höhe schnellen. Und das war es, das dem Inhaber die Scheinchen in die Kasse spülte.

Mit der Zeit hatte es sich herumgesprochen, dass die Band 'ne geile Mugge rüberbrachte und auch ansonsten 'nen guten Draht zu den Amis hatten. Gerd und ich auf jeden Fall. Pedro war immer auf der Suche nach 'nem Groupie und Hermann war meistens mit seiner oder einer anderen Madame beschäftigt.
Mit der Gage hielt es der Alte auch nicht so genau und stellte den Jungs alles Mögliche in Rechnung. Dabei war es ihm oft egal, ob das auch alles so seine Richtigkeit hatte.

Eines Tages hatte Pedro und ich zwei Bräute aufgerissen, denen wir es herrlich in unserer Bude besorgten, als es plötzlich wie verrückt an der Tür polterte und der alte Sack nach Einlas begehrte. Wir hatten aber keinen Bock zu öffnen, denn wer lässt sich schon gerne beim Vögeln stören? Doch das Gezeter vor der Tür wurde immer schlimmer.
Wir stiegen in die Hosen und öffneten die Tür.
Wie von der Tarantel gestochen, sauste der alte Sack ins Zimmer, sah die Bräute und wollte doch allen Ernstes von uns 50.- DM haben, weil wir wie in einem Stundenhotel seine Zimmer zum "Puff zweckentfremdet hatten". Erst als er eine nackte Titte und die Möse meiner Braut betatschen durfte, war er wieder besserer Laune und gab sogar 'ne Runde Getränke aus. Trotz seiner fast 70 bis 80 Jahren war der alte Knochen ein dauergeiles, schmieriges Arschloch, der hinter den Weibern her war wie der Beelzebub hinter den Seelen der Menschheit.

In Schweinfurt kamen Gerd und ich auch das erste Mal mit einer Fixe in Berührung. Ein GI hatte Meskalin dabei. Es war tierisch, als der Stoff sofort seine Wirkung begann...
Vielleicht hätten wir den Kolben der "Gun" nicht durchdrücken sollen, denn von diesem Tag an begann ein langer Alptraum.
Die Band verkrachte sich teilweise; einer musste dann viel später wegen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz die Flucht vor Justitia ergreifen und lebte über zehn Jahre in London. Auch der Roadie ging in die Verbannung... Doch darüber später mehr..

In Bad Kreuznach hatten wir ein zweiwöchiges Arrangement in einem Ami Club. Das waren auch die Etablissements wo wir die meisten Gigs hatten, denn die GIs standen total auf die Band weil sie so geil, wild und crazy war. Zumindest hatten sie einen Bassisten und einen Roadie, der immer der Freund der Amerikaner war. Dementsprechend saßen auch immer welche von ihnen bei uns auf der Bude und wir rauchten den Dope, den die Amis mitbrachten. Vögelten irgendwelche Groupies, die ich bei RS RINDFLEISCH zum ersten Mal bemerkte und ließen den lieben Gott einen guten Mann sein.

Purple haze all in my brain
Lately things just don't seem the same
Actin' funny, but I don't know why
'Scuse me while I kiss the sky
Lyrik by Jimi Hendrix

Das war auch so eine Sache mit den Girls. Auch als Roadie hatte man da wenig Probleme, eine Tussi zum Ficken zu erhaschen, denn es hingen immer genug von ihnen am Rockzipfel der Band.

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Den besten Draht zu einem Mitglied der Band in jenen Tagen hatte ich zu Gerd dem Bassisten.
Er war ein Typ, der sich nicht in Worte fassen lässt. Er war in gewisser Weise mein geistiger Bruder, mein "Vater", mein Fleisch und Blut...
Auch heute noch bin ich der Überzeugung, dass RS RINDFLEISCH - wahrscheinlich unter anderem Namen oder gerade auch nicht??? - zu einer Supergruppe aufgestiegen wäre, wenn da nicht so viel Scheiße passiert wäre. Jedes Mitglied war damals schon ein Ass an seinem Instrument.

Ich lebte dann eine Zeit in Regensburg, wo ich als Roadie der Band MASS einige Gigs mit durchzog.
Gerd, der Bassist von RS RINDFLEISCH, hatte inzwischen den Bass mit der Gitarre vertauscht und war bei denen als Gitarrist eingestiegen. Ich glaube, dass ihn RS RINDFLEISCH rausgeschmissen hatte, weil er durch seinen übermäßigen Drogenkonsum immer unzuverlässiger wurde.

In besonderer Erinnerung bleibt mir dazu ein Gig in einem Club in der Nähe von Regensburg.
Gerd und ich hatten an diesem Tag erfahren, dass Brigitte, eine gute Bekannte aus Saarbrücken an einer Überdosis gestorben war. Ihr widmete Gerd an diesem Abend den Gig; und er spielte ein derartig geiles Brett, dass es mir eiskalte Schauer über den Rücken jagte.
Er bearbeitete die Gitarre mit so viel Emotion und Feeling, dass man seine Traurigkeit richtig greifen konnte...

RS RINDFLEISCH spielte dann eine Zeitlang zu dritt weiter. Pedro als Bassist und Sänger. Tony an der Gitarre und Hermann an den Drums. Aber das Kapitel RS RINDFLEISCH ging seinem Ende entgegen.

Die anderen spielten in verschiedenen Bands, aber nur Hermann der Drummer zog später das "finanzielle Superlos" und wurde durch eine Annonce im Melody Maker, einer englischen Rockzeitung, in London Drummer der SCORPIONS.

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Zu Roger hatte ich auch zu dieser Zeit immer Kontakt. Wir waren eben Freunde.
Erinnern kann ich mich an ein paar gravierende Begebenheiten, die bezeichnend waren für seine Wesensart.

Eine davon war ein Besuch eines Rock Konzerts in Köln. Nach Internetrecherchen war es um den 03. April 1970.
Es war ein zwei oder drei Tage dauerndes Festival, in der längst abgerissenen Kölner Sportarena. Roger und ich hatten davon Wind bekommen. Ich glaube mich noch daran zu erinnern, dass es Plakate waren, die dafür lockten. Es trug den vielsagenden Titel Progressive Pop Festival. Viele namhafte Bands der damaligen Zeit, die auch heute noch teilweise auftreten, wenn sie nicht gestorben sind, waren für den Event gebucht. Es traten unter anderem auf TRex, Yes, Deep Purple, Colloseum, Kinks, Procol Harum, Nice and many more.

Bei uns reifte die Überzeugung, da dürfen Roger und Gerry nicht fehlen.

Als der Termin für das Kölner Highlight dann näher gerückt war, stellten wir uns an eine Auffahrt der Saarbrücker Stadtautobahn und das Abenteuer Köln nahm seinen Lauf. Da zu kam auch noch, dass wir beide zu der Zeit ziemlich klamm waren. Wir hatten weder Kohle für die Bahn, geschweige denn welche für die Ticket. Aber das hielt uns auch nicht ab davon, den Weg an die Saarbrücker Stadtautobahn zu gehen und es mit Trampen zu versuchen. Versuchen? Was heißt versuchen? Wir waren überzeugt davon, ruck zuck sitzen wir in einem kuschligen PKW und ruck zuck sind wir auch in Köln.

Das war schon mal der erste Trugschluss. Scheiße war's! Erstens hielt fast niemand, und die anhielten, fuhren immer nur ein paar wenige Kilometer und winkten gleich ab, als sie uns langhaarige Typen aus der Nähe sahen. Aber irgendwie hatten wir es dann bis Darmstadt geschafft. Zwischenzeitlich war es schon Abend geworden und auch noch oder schon relativ spät. Wir suchten 'was zum Essen und zum Pennen. Aber so einfach war das nun wiederum auch nicht. Die Bahnhofsmission war zu und etwas anderes gab es auch nicht. Vielleicht noch die Bahnbullen, aber um deren Office wurde ein großer Bogen eingehalten. Zumindest glaubten wir das noch zu jener Zeit.

Mit meiner damaligen kriminellen Ader war dann auch ganz flott ein Fenster der Bahnhofsmission geknackt, wir stiegen ein und machten uns erst mal auf die Suche nach etwas Essbarem. Dieses fanden wir dann auch in Form eines Glases Marmelade, welches ich mir einverleibte. (Anm. am Montag, 28.06.2004: An dieser Stelle muss ich fairer halber gestehen, weil mich Roger in einem Email darauf hinwies, dass er nichts von der Marmelade gegessen hat. Nun, ich weiß es nicht mehr. Aber ich glaube dir, Roger und ich hoffe, die Sache ist so mit bereinigt.) Nicht mal 'ne Scheibe Brot, ein Stück Obst oder eine Süßigkeit. Kein Saft, keine Limo - nothing. Nur Wasser aus dem Hahn. Aber was soll's? Hauptsache ein Dach über dem Kopf und ein Raum zum Schlafen.

Das hatten wir dann auch so fest getan, dass wir am Morgen von den Leuten der Bahnhofsmission und den Bahnbullen geweckt wurden, die uns dann auch gleich mit zur Wache schleppten, um die wir einen vermeintlich großen Bogen gemacht hatten. Nach dem wir, nein ich, den Einbruch auf meine Schultern genommen hatte, den Mundraub eines Glases Marmelade gestanden und ihnen erklärt hatte, warum und wieso das alles, sah ich mich schon mit Roger in einem vergitterten Raum und einer abgeschlossenen Eisentür. Aber nichts dergleichen geschah und der Herr stieg vom Himmel herab, betrat geistig das Bahnbullenbüro und gab uns beiden seelischen Beistand. Der sah dann so aus, dass uns die Bullen mit einer freundlichen Ermahnung entließen. Gott sei Dank!

Nun, irgendwie hatten wir es auch bis Köln geschafft und da standen wir dann ohne Kohle und Ticket vor der riesigen Halle, in die tausende von Leuten strömte. Wie nun da hinein kommen? Ich erinnere mich noch, dass ich auf die Idee kam, uns als Roadies einer Band auszugeben, uns ein paar Instrumente oder Verstärkerteile griffen, und auf diesem Weg in die Halle gelangten.

Die Atmosphäre im gigantischen Rund war geil. Die Bands waren tierisch gut drauf oder es kam mir zumindest so vor, nachdem uns ein paar Leute an ihrer Tüte mitrauchen ließen. Angetan war ich unheimlich von der englischen Band COLLOSEUM, deren einzigartiger Drummer John Hiseman und der Saxophonist Dick Heckstall-Smith ein wahres Feuerwerk an Können mit ihren Instrumenten abzogen. Seit diesem Tag liebe ich die Band auch noch heute.

Irgendwann hatte ich mir auch einen Schlafsack ausgeliehen, ohne dem Besitzer Bescheid zu geben und eine süße Maus aufgerissen, von der ich heute nur noch weiß, das sie schmal und blond war. Es gab in der Halle einen Teil, der zum Schlafsaal umfunktioniert war, damit sich die ca. 8000 Menschen auch mal ablegen konnten. Ich verschwand also mit meiner Eroberung im Schlafsack, Roger lag neben dran auf einer Pappe, die er sich organisiert hatte und machte ein neidisches Gesicht, weil er nichts aufgerissen oder keinen Bock darauf gehabt hatte. Aber zu dieser Zeit waren wir dauergeil und der Schwanz stand wie der Leuchtturm von Rhodos. Es dauerte auch nicht sehr lange, bis ich meine Hände unter der Daunenhaut auf Wanderschaft schickte. Wir zogen uns gegenseitig die Hosen aus und beschäftigten uns beide intensiv mit unseren Geschlechtsteilen. Es wurde ein schöner, wenn auch sehr beengter Fick. Irgendwann wachten wir beide auf, weil wir pissen mussten. Als wir aus dem Schlafsack gekrochen waren, mussten wir beide tierisch lachen, weil der Schlafsack innerlich eingerissen war und wir von oben bis unten mit Daunenfedern übersät waren.

In Saarbrücken traten RS RINDFLEISCH als Opener am Sonntag, 25. Oktober 1970 zusammen mit der Edgar Brougthon Band, Uriah Heep und den Moody Blues vor 4-5000 Leuten in der Messehalle auf. Dope und Groupies en Mass. Von Uriah Heep hatte Gerd ein riesiges Pice Haschisch bekommen, weil der Bassist von denen mit seinem Bass spielen durfte. Seiner war defekt, geklaut... keine Ahnung mehr. Es war absolut geil! Nur Edgar Broughton flippte bei seinem Auftritt total aus, als er einem Zuschauer die Gitarre über den Schädel zog, weil der ihn während seiner Show laufend mit einem Blitzlicht blendete. Blutüberströmt legte der Typ seinen Photoapparat auf die Seite und begann einen wilden Tanz nach der harten und brutalen Musik der Edgar Broughton Band. Nun, sein Wille geschehe...

Von irgendjemand hatte ich ca. 10 Mescalinkapseln erhalten, die ich unter uns aufteilte. Es war eine absolut geile, aufgedrehte und verrückte Stimmung. Als dann Moody Blues die Stage betraten, begann auch das Meskalin seine volle Wirkung in uns auszubreiten. WUMMMMMMM!! Die Halle atmete ein, die Halle atmete aus. Breitete sich. Zog sich zusammen. Der Boden hob sich, und er senkte sich wieder. Und durch alles hinweg erklangen die gigantischen Akkorde von Nights in white satin und den anderen unvergesslichen Songs dieser genialen Band. Die Hammondorgel schraubte sich in unsere Eingeweide und flitzte darin herum wie ein Tausendfüßler. Die Gitarre entzündete Blitze in unserem Hirn. Der Bass und das Drums ließen unsere Eier platzen. Es war gigantisch und animalisch zugleich. Und in dieser genialen Stimmung sprang Roger plötzlich wie von der sprichwörtlichen Tarantel gestochen von seinem Platz auf und schlug einem Typen, der vor ihm nervös auf- und nieder sprang gewaltig eins auf die Fresse. Da Roger zu der Zeit Karate lernte und auch gewaltig etwas drauf hatte, muss man an dieser Stelle nun nicht lange überlegen, wie es den Typen auf die Bretter haute. Als ich Roger fragte, was denn los gewesen war, sagte er nur: "Der hat mich mit seiner Scheiß-Hektik nervös gemacht!" Sprach es und ging wieder zu seinem Mescalintrip zurück und genoss das Concert der Band bis zum letzten Akkord.

Roger war zu der Zeit mein allerbester Freund. Nein, er war mehr. Er war Bruder, Vertrauter und ein Teil meiner selbst. Aber das habe ich ja schon erwähnt. Es gab nichts was uns trennen konnte.

Wir wohnten dann auch irgendwann ein paar Nächte oder sogar Wochen in Saarbrücken, über einer Disko namens Shepards (???), in einer Wohngemeinschaft zusammen. Es war ein rot angestrichenes Haus und wir Freaks nannten es ab und zu "the red house over yonder", nach dem gleichnamigen Song von Jimi Hendrix. WG ist vielleicht an dieser Stelle zu viel gesagt, denn es war die Wohnung einer Prostituierten oder Bardame, bei der wir dann irgendwann und irgendwie eingezogen sind. Wie das dazu kam, keine Ahnung mehr. Ist ja auch egal. Sie war unheimlich lieb und nett. Aber sie ließ sich von niemanden ficken, wie ich mich noch wage erinnern kann. Zumindest nicht von Roger oder mir. Sie sah so geil aus und als sie ab und an nackt aus der Dusche kam, hätte ich sie am liebsten angefallen und ihr in die schwarz behaarte fleischige Möse gebissen und meine Zunge in sie gebohrt. Aber ficken durfte ich sie nur in meiner Phantasie. Doch das war auf Dauer zu eintönig und so hielt ich wieder Ausschau in der Szene, das mein Schwanz auch etwas zu tun bekam.

Dann lernten wir in der Saarbrücker Szene noch einen total verrückten Typ mit seiner Tussi kennen, den alle nur Hippie nannten. Wo er her kam, keine Ahnung. Er war plötzlich bei uns am Saar ufer aufgekreuzt und konnte sagenhaft Autos knacken, aus denen er aber immer nur die Sitzfelle - die besseren selbstverständlich! - heraus klaute, um aus ihnen geile Westen zu nähen, die er dann an den Mann oder an die Frau brachte. Für ein gutes Bakschisch selbstverständlich. Aber ich hatte ja auch schon viel erlebt und hatte auch einiges drauf, aber so habe ich noch keinen ein Auto knacken sehen, wie diesen Hippie. Es dauerte keine Minuten, sondern Sekunden und die Tür egal welchen Autos war geöffnet wie mit dem Schlüssel aufgeschlossen. Dieser "Hippie" zog dann auch mit in die WG und wollte dort dann auch gleich die Regie führen, was ihm aber nicht gelang. Aber dafür schaffte er etwas anderes. Er war groß, hager, hässlich. So nach dem Motto the good, the bad, the ucly. Aber er brachte die Wohnungsinhaberin da zu, sich regelmäßig von ihm pimpern zu lassen. Ab und zu vögelte er auch seine Alte und das süße Hürchen gemeinsam, die sich dann weiter mit sich selbst beschäftigten, wenn er abgespritzt und sich zum Pennen zusammengerollt hatte. Ich konnte es nie verstehen. Hippie konnte nicht Ficken; drei Minuten höchstens und wie ein Rammler. Er konnte nicht lecken, sondern schlapperte wie ein Straßenköter an einer Pfütze. Und er vögelte NUR in der Missionarsstellung. Jedenfalls habe ich nie etwas anderes wahrgenommen.
Eines Tages hatte ich Ingrid mitgebracht, die ich nach allen mir bis dahin bekannten Künsten der körperlichen Liebe mit meinem Schwanz, meinem Mund und meinen Händen bearbeitete. Hippie und Dark Lady schauten uns zu. Ich bin mir sogar sicherer, dass die süße Mieterin unseres Domizils glänzende Augen hatte. Aber vielleicht hatte sie auch nur einen Zug bekommen, denn der Ventilator brummte auf Hochtouren. Aber vögeln ließ sie sich trotzdem nicht. zumindest nicht von mir, obwohl wir uns sagenhaft verstanden. Aber vielleicht war es das Bruder / Schwester ähnliche Verhältnis zwischen uns.

Eines schönen Tages klingelte es Sturm an der Wohnungstür und meine und Rogers Mutter standen vor selbiger. Es gab einigen Stress mit Rogers Mutter, weil sie sich Gedanken, Sorgen oder was auch immer um den "Bub" gemacht hatte. Danach sind wir dann auch ausgezogen. Ob wir alle raus geschmissen wurden, von selbst gingen oder was auch immer - I don't know.

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Meinen Lebensunterhalt zu jener Zeit verdiente ich mir mit Gelegenheit Jobs, dubiosen Geschäften, Dealen und Einbrüchen. Letzteres meistens allein, da ich kaum jemanden traute. Ab und an war auch ein Typ mit von der Partie, dessen Name mir heute entfallen ist. Er war einer von der Art FRESSE HALTEN, EGAL WAS DU TUST. Genau meine Devise. Ich kannte viele "Mitternachtsschlosser" in Saarbrücken, aber viele von ihnen hatten vom "Geschäft" keine Ahnung oder prahlten mit ihrem Bruch in der nächst besten Kneipe des Milieus. Da es da auch immer ein paar "Zinker" gab, wie wir die Polizeispitzel nannten, die solche Prahlheinis bei den Bullen verpfiffen, waren viele noch in der "Arbeitsnacht" verhaftet und in den Knast gesteckt worden. Alle Dinge, die ich allein oder mit meinem "Arbeitskollegen" gerissen hatte, sind niemals 'raus gekommen. Andere ja, wo mehrere beteiligt waren. Aber das liegt ja auch auf der Hand. Traue noch nicht mal deinem eigenen Schwanz, denn du kannst nicht SEHEN, was er gerade in deiner Hose treibt.

Ich oder wir beide brachen eigentlich immer sehr gezielt ein und IMMER so, dass wir nie einen Hehler in Anspruch nehmen mussten. Warum? Nun, dadurch entging (en) ich / wir der Gefahr, dass jemand über mich / uns Bescheid wusste. Unsere ausbaldowerten Objekte waren Mode- und Elektrogeschäfte für den Eigenbedarf. Kneipen und Spielhallen für das nötig Kleingeld und allein stehende Häuser auf dem Land, von denen wir wussten, dass sie gut gehenden Gaststätten- und Diskothekenbesitzern gehörten, da es da IMMER Bargeld oder eine wertvolle Fotoausrüstung zu finden gab, die man dann anonym in Frankfurt gegen Haschisch oder LSD eintauschen konnte. Ob mal nur 300 oder manchmal mehrere tausend Mark. Kohle hatte(n) ich / wir eigentlich fast immer. Bis zu jenem Tag, als ich / wir auf das Heroin gekommen war(en).

Was soll ich euch jetzt sagen? Es tut mir leid? Das war Scheiße? Oder was auch immer. Nein!
Meine Entwicklung ist einfach in diese Richtung gelaufen. Es gab viele Gründe, Ereignisse, Rebellionen, die mich auf diesen Weg geschleudert hatten. Klar habe ich alles selbst zu verantworten. Und das ist es: ich habe es vor mir selbst zu verantworten

Harten Zeiten bis "Golgatha"...

Das nächste Kapitel zu schreiben habe ich mir sehr lange überlegt. Zumal ich mir viele Gedanken darüber gemacht habe, dass sie einigen Leuten die mich kennen oder meinen zu kennen sehr viel von ihrem Glauben an mich rauben wird. Ich habe mir auch darüber den Kopf zerbrochen, ob es für mich arbeitsrechtliche Konsequenzen haben kann. Doch habe ich fast 10 Jahre im Sicherheitsbereich von einem der größten Flughäfen Europas gearbeitet; mit Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses und ich glaube behaupten zu können, dass in diesem Unternehmen etwas genauer kontrolliert wird als in anderen Unternehmen. Auch meinem letzten Arbeitgeber habe ich ein polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt. Außerdem muss man über Vorstrafen nur dann etwas mitteilen, wenn sie noch eingetragen sind oder man in einem Beruf arbeitet, der die allgemeine Sicherheit gefährdet. Hinzufügen möchte ich an dieser Stelle noch, dass die Geschichte nun schon mehrere Jahrzehnte zurückliegt. Es ist mir aber inzwischen wirklich egal, wenn sich nun Menschen plötzlich von mir abwenden, mich in Zukunft meiden oder den Kontakt zu mir abzubrechen. Ich habe nichts zu verbergen, ich habe nichts zu beschönigen. Das Leben ist einfach eine Ansammlung von Geschehnissen und karmatischen Zuständen, die man zwar oft lenken, aber nicht immer beeinflussen kann. Außerdem habe ich in der Bibel das treffende Zitat gefunden was da lautet:
Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Keine Alibifunktion, sondern nur die Wahrheit.

Hier und an dieser Stelle meiner Lebensgeschichte kann sich ein jeder, der diese folgenden Zeilen liest, individuell entscheiden, ob er weiter meinen Weg verfolgen will oder nicht. Doch ein Teil der menschlichen Gesinnung ist die Neugier, ein Zustand wie die Geilheit. Man kann nicht stoppen sich zu befriedigen. Deswegen werden auch die meisten hier an dieser Stelle weiter ihre Augen auf die Fortsetzung meiner Geschichte lenken, zumal die Einleitung dazu geführt hat, dass die Sucht der Neugier befriedigt wird.

Diese folgenden Kapitel schreibe ich ganz bewusst, weil ich vielleicht dadurch beitragen kann, dass andere Leute - vor allem Jugendliche - etwas aus meiner Erfahrung lernen. Und wenn ich nur EINEN erreiche, hat sich die ganze Mühe schon gelohnt. Vielleicht können diese Zeilen auch einen Beitrag dazu leisten, dass andere aus ihrem Stillstand, aus ihrer Agonie des Lebens herausgerissen werden.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, lernte ich bei unserem Aufenthalt mit RS RINDFLEISCH in Schweinfurt durch einen amerikanischen Soldaten den Umgang mit der Spritze kennen.

Damals in den 70ern spielten wir mit R.S. RINDFLEISCH in der Disco "Maxim" in Schweinfurt.

Da war "Duck", einer der vielen GI'S (damaliger Slang für amerikanische Soldaten) die in Schweinfurt und Umgebung stationiert waren und zum großen Teil auch schon fast alle mehr oder weniger Bekanntschaft mit Vietnam, dem Krieg, dem Töten und Vernichten von Menschen gehabt hatten, nur weil es ihnen ein weltliches Arschloch so befahl. Sie hatten es erlebt, wie Menschen von Granaten und Bomben zerrissen wurden. Sie hatten den Geruch von herausgeplatzten Gedärmen und aufgerissenen Körpern, den Geruch von Blut und verbranntem Menschenfleisch eingeatmet. Und sie hatten fast alle schon fremde Menschen, darunter Kinder, Frauen, Greise und Männer mit ihrem Gewehr oder sogar mit den bloßen Händen getötet. Niemand hatte sie gefragt, ob sie das wollten und ob sie überhaupt an diesem Krieg teilnehmen wollten. Viel lieber wären viele von ihnen auf einem Surfbrett stehend, in einem Sattel sitzend, die Haare in einem offenen Cabriolet flattern lassen oder ihre Mädchen fickend in ihrer Heimat geblieben. Aber nein, Befehl in einer "Weltmacht", in einem Land, das gerade Anfang der '70er seine Stellung in der Welt ausbaute war nicht so einfach zu umgehen. Auch wenn jetzt vielleicht viele mit Ehre und Moral vor dem eigenen Charakter kommen, den eigenen Arsch zu retten hat doch schon immer erste Priorität in unserem Leben.

Aber zurück nach Schweinfurt und das MAXIM.
Der allergrößte Teil dieser amerikanischen Soldaten war kaputt von den Erlebnissen dieses erbärmlichen und menschenunwürdigen Krieges in der Dschungelhölle Vietnams. Jimi Hendrix lässt mit seinem Song "Machine Gun" auf das herzlichste grüßen!

"Duck" kam nach dem Gig (d.h. "Auftritt" in der Musikszene für Nicht-Eingeweihte) mit auf das Zimmer, wo Gerd im Maxim wohnte. Guestrooms für die Musiker und Roadies waren im selben Gebäude mit untergebracht wie der Club selbst und die Wohnung des Besitzers, einem dauer- und geldgeilem alten Sack, der dem Opa im Komik das KLEINEN ARSCHLOCH ziemlich ähnlich war.

Okay, dieser "Duck" zeigte mir und Gerd wie man sich einen Schuss mit einem Gemisch aus Meskalin und Kokain setzte. Es war das erste Mal, dass wir mit einer Spritze, auch Fixe im Fachjargon genannt, Bekanntschaft schlossen. Für mich und Gerd war es faszinierend mit anzusehen, mit welchem WUMMMMMMMMMMM die Droge durch die Vene gejagt im Kopf von "Duck" explodierte.
Gerd sagte nur einen Satz, der mir ewig in Erinnerung haften blieb:
"Geil! Bewusstseinserweiterung ohne Ende."

Schnell war etwa Mescalin und Koks mit Wasser vermischt und ich und Gerd erhielten unseren ersten Abflug in eine Gegend die ich nach einem Titel der Rolling Stones bezeichnen will: 2000 lightyears from home....

Ich möchte an dieser Stelle nicht über die Vor- oder Nachteile von Meskalin sprechen. Meskalin hatte ich ja schon gekannt, aber ich hatte mir diese Droge noch nie in die Blutbahn gespritzt. Normalerweise dauert es nach der oralen Einnahme von Meskalin ca. eine halbe Stunde bis die Wirkung einsetzt. Durch die Blutbahn dauerte das noch nicht einmal drei Sekunden. Ein warmes Gefühl durchflutete meinen Körper und danach explodierte das Weltall in meinem Gehirn. Die Wände wölbten sich und pulsierten im Takt der Musik, die aus Gerd' tragbarem Kassettenrecorder erklang. Der Boden verformte sich zu Wellen und rollte über mich hinweg. Die Personen im Zimmer verschmolzen ineinander. Galaktische Farberuptionen umschmeichelten mich. Es war, als befände ich mich im Inneren eines gigantischen Kaleidoskops.

Den Auftritt von RS RINDFLEISCH an diesem Abend werde ich auch nie mehr vergessen. Gerd spielte einen Bass, der meine Eier explodieren ließ. Ich suchte mir eines der zahlreichen Mädchen aus, ging mit ihr auf mein Zimmer und fickte mir die Seele aus dem Leib. Immer im Takt der Band, deren Musik von unten zu uns heraufdrang. Ein Orgasmus, als wäre in diesem Moment die Sonne zerplatzt. Eine Seele, ein Körper, eine Welt.

In Schweinfurt lernte ich auch Opium kennen.
Opium rauchten wir aus einer langen Pfeife, die ein Amerikaner aus mehreren Einzelteilen zusammenschraubte.
Das Opium war eine komische Sache. Erst die wildesten Geschichten träumen, danach kotzte ich mir die Seele aus dem Leib. Dieser Stoff war nicht meine Welt, obwohl ich immer mal wieder etwas davon mitgeraucht habe.

Nach Regensburg verschlug es mich für kurze Zeit nach Speyer, als ich einmal Dr. Friebel besucht hatte, den ich noch aus meiner Jugendzeit und aus dem Kinderheim in Oberotterbach kannte. In Speyer kam ich wegen Gelbsucht ins Krankenhaus und blieb für einige Zeit bei der Krankenschwester Brigitte hängen, die aus der Nähe von Landau / Rheinland-Pfalz stammte. Nach einem tierischen Fick im Schwesternwohnheim zog ich mit ihr nach Hause ins elterliche Haus. Aber mit ihrem Alten, einem derartig konservatives kernigem Mittfünfziger gab es nur Krieg. Er wollte und konnte mit meiner Lebenseinstellung einfach nichts anfangen, und ich wollte mich der seinigen nicht anpassen. So kam es bald darauf zur Trennung von Brigitte.

Als ich mich bei Brigitte aufhielt, bekam ich durch einen Bekannten einen Job als Bühnenhelfer bei dem oben abgebildeten Concert. Na ja, Bühnenhelfer ist vielleicht zu viel gesagt, denn er hatte mehr gelabert, um mir ein Stück Shit abzuluchsen. Um mir meine fehlende Eintrittskarte nicht anmerken zu lassen, fuhr ich mit dem Truck von Pink Floyd einfach auf dem Trittbrett stehend aufs Festivalgelände. Niemand fragte nach dem Ticket. Niemand hielt mich auf.

Nachdem ich den Roadies von Pink Floyd beim Ausladen geholfen hatte und die Kisten, Verstärker und andere Utensilien, die eine solche Gruppe eben auf der stage benötigte, an ihrem Platz standen, schenkte mir der Stage Manager der Band einen Backstage pass. Der verschaffte mir ganz gute Möglichkeiten, die unterschiedlichsten Bands und Musiker auch mal näher kennen zu lernen. Pink Floyd erlebte ich aus dem Seitenbereich der Bühne. Wahnsinn!
Die DOORS traten aber nicht auf. Erstens wegen ihrem im letzten Sommer verstorbenem Sänger Jim Morrison und zweitens wegen irgendwelchen Rechten, die man der Rest band nicht einräumen wollte oder konnte.

Es war eigentlich mein größtes Erlebnis in meiner Roadie zeit, denn die musikalische Besetzung dieses Open Airs war schon erste Sahne. Zumal Pink Floyd, die eine gigantische Show boten. Außerdem war ich angenehm darüber überrascht wie cool sie mit mir umgingen. Böse Zungen hatten nämlich behauptet, sie seien so arrogante Arschlöcher.

Ich lebte dann eine Zeit lang in Neunkirchen / Saarland. Die Stadt war bekannt für sein riesengroßes Eisenwerk, auch Hütte genannt, die den meisten Männern des kleinen Städtchens auch Arbeit gab. Es war staubig, dreckig und laut. Aber auch "Neinkirche" wie wir im Saarland zu sagen pflegten, hatte eine gute Szene. Dreh und Angelpunkt war die Diskothek Gaslight. Nicht zu verwechseln mit jener gleichen Namens in Saarbrücken. Hier lebte ich mit dem Bassisten der Gruppe JESUS HC zusammen. Bin mir da aber heute nicht mehr ganz sicher, ob es der Bass oder ein anderes Instrument war. Aber ich glaube mich zu erinnern, dass er Bassist war. Der Typ, dessen Namen mir entfallen ist, lebte in einer zur Wohnung umfunktionierten ehemaligen Werkstatt im Hinterhof eines Anwesens. In Neunkirchen lernte ich auch die Schwester von Ki kennen, mit der ich ein reines Vögelverhältnis hatte. Eine tierisch abgehende schwarzhaarige Schönheit.

In Neunkirchen verübte ich dann mit dem Bassisten ein paar Einbrüche, um unsere Haushaltskasse aufzubessern. So auch in ein Fotogeschäft, wo wir eine damals sehr teure 16mm Kameraausrüstung entwendeten, die ich dann in Frankfurt gegen Haschisch eintauschte. Der Bassist lernte dann die Tochter des Fotoladens kennen und war sehr lange mit ihr zusammen und heiratete sie meines Erachtens auch. So streicht einem das Schicksal ab und an einen Streich. Bin gerade am überlegen, ob ich die Band Jesus hc eigentlich auch einmal live gesehen habe, Aber ich kann mich daran erinnern, einmal mindestens.

Dann wurde ich in Neunkirchen wegen Verstoß gegen das BTM (Betäubungsmittelgesetz) und ein paar Einbrüchen auf offener Straße verhaftet und in die Jugendstrafanstalt Ottweiler / Saar in Untersuchungshaft gesteckt. WUMM! Eingesperrt. Weggeschlossen. Der erste Knast.
Es dauerte auch nicht lange und in einem Anfall aus Wut, Schmerz, Frust und Hilflosigkeit zerlegte ich meine Zelleinrichtung zu Kleinholz und zerschlug mit dem herausgerissenen Waschbecken die Glasscheibe des Fensters, durch die man nicht durchschauen konnte. Wegen dieser ganzen Aktion erhielt ich keine Bestrafung, keine Anschiss. Nichts! Das war aber bei vielen so eine Entladung wie sich aus manchen späteren Geräuschen aus dem Bau hören konnte. Die Jungs nannten es Schwedenkoller.

Es war keine kalte Jahreszeit und aus dem nun durblickbaren Fenster hatte ich einen Blick auf den Eingangsbereich der Strafanstalt. Ich konnte die Besucher sehen, die Bullen wenn sie zum Verhör kamen oder einen neuen Kameraden brachten. Zulieferer und auch Weiber. Hm, das waren geile Wichsvorlagen. Egal wie sie aussahen. In der Fantasie waren sie ALLE nackt und geil und nass und bliesen meinen Schwanz und ich durfte sie alle lecken und ficken und ficken und ficken. Und ich fickte viel zu jener Zeit in der Zelle. So langsam gewöhnte ich mich an den Zustand des Gefangenseins. Es war zwar hart, aber ich fand schnell heraus wie ich mich ablenken konnte. Nachts wichste ich mir die Seele aus dem Leib. Tagsüber ließ ich mir eine Arbeit in einer der knasteigenen Werkstätten geben und begann mit dem Schreiben und Malen. Ich schrieb Gedichte und Gedichte und Gedichte. Geschichten, Fabeln und Märchen. Und... ich schrieb Pornogeschichten. Von geilen nackten Frauen, die es in allen Lagen mit geilen nackten Männern trieben. Die Dinger waren der Hammer im Zellentrakt von Ottweiler und sicherten mir so einen großen Teil meiner Zigaretten, meines Tabaks und der Knastdroge Nummer eins, dem Kaffeepulver.
Fast zwei Monate wurde mein Fenster nicht mit einer neuen Scheibe ersetzt. Geil!
Dann wurde ich bei einem Haftprüfungstermin mit Auflagen entlassen. Mir eine Arbeit suchen, bei meinen Eltern wohnen und einiges mehr. Ich hielt aber wenig davon.

Ich ging wieder zurück nach Speyer und Dr. Friebel besorgte mir eine Stelle bei einem Fensterputzer. Aber ich lernte auch hier schell die Heroinszene kennen und das lockere durch den Drogenverkauf. Ich wurde das, was die Gruppe Steppenwolf in ihrem Titel The Pusher besang. Ich wurde vom Fensterputzer gefeuert. Besser gesagt, ich ging nach ein paar Wochen einfach nicht mehr hin, denn der Verdienst war hier ein Mehrfaches vom Wischen der Kaufhausscheiben.

Da man meinen Lieferanten festgenommen und in Untersuchungshaft gesteckt hatte und auf die Schnelle keinen Nachschub mehr erhielt, brach ich in eine Apotheke ein. Sie lag fast mitten in der Stadt, war an der Rückseite von einem hölzernen Bretterzaun, der als Bauschutz diente versehen und man hatte einen Anbau an das Hauptgebäude gemauert. In diesem neu errichteten Raum befand sich auch die rückwärtige Tür zur Apotheke. Sie war aus massivem Stahl und ich musste mir erst mal anderes Werkzeug besorgen. Mit einer Fettpresse gelang es mir dann endlich nach fast einer Stunde die Tür zu öffnen. Fettpresse? Ja, aber Einzelheiten werde ich hier nicht preisgeben.
Der Giftschrank war gut gefüllt und Bargelder von fast 1000 Mark befanden sich auch noch in der Kasse.

Im Bahnhof kaufte ich mir dann in schon um diese Zeit geöffnetem Souvenirladen einem eine kleine Sporttasche, holte die Opiate aus seinem Versteck wo ich sie gebunkert hatte, ging zurück zum Bahnhof, nahm ein Bad in der Mietwanne und fuhr mit einem Taxi zurück nach Saarbrücken.

Hier nahmen dann die Ereignisse einen derartig drastischen Verlauf, der mich in einen Strudel riss, der mein Leben noch mehr über den Haufen warf.

Wieder in Saarbrücken zurückgekehrt, hatten Gerd und ich uns immer mehr auf harte Drogen konzentriert, und wir lernten dadurch auch eine ganz andere Art von Menschen kennen. Wir trifteten ab in die so genannte Junky szene und lernten im Laufe der Zeit noch zwei andere Substanzen kennen. Die eine wurde aus dem Kokastrauch gewonnen, die andere aus dem Schlafmohn, trefflicher formuliert aus dem Opium. Es waren die Drogen Kokain und Heroin. Später kam dann noch das Morphium hinzu.

Das war der Anfang unseres Unterganges...

Eines Tages fragte mich mal jemand, ob ich schon einmal "Ätsch" (engl. für den Buchstaben H. Es ist im Slang die Bezeichnung für Heroin) probiert habe. Ich verneinte. Er bot an, mir den ersten "Schuss" zu setzen. Nach anfänglichem Zögern willigte ich ein, denn ich hatte schon so viel über diese bräunliche, nach Essig riechende Droge erfahren. Schnell wurden zwei Spritzen mit dem aufgekochten Sud aufgezogen. Dazu schüttete man eine geringe Menge des Pulvers, im Aussehen wie ganz, ganz feiner Sand, auf einen Löffel. Etwas Wasser dazu und mit dem Feuerzeug oder einer Kerze erhitzt. Ein Stückchen vom Inneren eines Zigarettenfilters dazu und über diesen den Stoff mit der "Gun" (Ausdruck für die Spritze) aufgesogen. Der Oberarm wurde abgebunden, um das Blut in der Vene stauen zu lassen, die Nadel hinein, abdrücken... und eine gigantische Wärmeflut durchzog mein Inneres. Ein unwahrscheinliches Gefühl des Wohlseins nahm von mir Besitz. Trägheit, eine innere Ausgeglichenheit und ein Gefühl von LECKT-MICH-DOCH-ALLE-AM-ARSCH nahmen mich in seine Arme. Rollte mich in einen riesigen Wattebausch und ließ mich allein. Aber dieses Alleinsein war anders als Einsamkeit. Mir war alles egal. Ich fühlte mich nur wohl. Ich saß irgendwo weit oben, schaute auf die Welt und schiss einen dicken Haufen auf alles. Doch die Wirkung ließ nach einiger Zeit wieder nach, und ich stand wieder mitten in meiner Realität. Jobben gehen. Einkaufen musste ich auch noch. Abends wollte ich auch noch zu einem Konzert... Scheiße Mann, was ein Stress, was für eine bescheuerte Hektik. Lasst mich doch alle in Ruhe! Verschwindet! Lasst mich allein! "He Alter, gib mir noch 'nen Schuss"...

So fing das an. Ich betrat eine Welt, die ich im Sein meiner Sinne, in meinem Verstande und in meiner Weltanschauung gar nicht WOLLTE. Aber dieses verdammte LECKT-MICH-DOCH-ALLE-AM-ARSCH-GEFÜHL war es letztendlich, das die Oberhand gewann. Heroin bewirkt oder schafft einen Zustand, da kann neben dir die Mutter, die Frau oder das Kind von einem Lastauto überfahren werden, da wird kurz hingeschaut und festgestellt "Oje, der oder die ist ja platt! aber es BERÜHRT dich nicht. Absolut scheißegal! Keine Verschwendung irgendeines Gefühls an die Sache selbst.

Vielen sieht man am Anfang auch nicht an das sie Heroin zu sich nehmen, denn es passiert nichts Außergewöhnliches. Keine gravierenden Auffälligkeiten. Arbeiten gehen? Am Anfang kein Problem! Sich unterhalten? Kein Problem, nur das die Stimme etwas schwer und schleppend ist; das wird jedoch oft mit dem Standardhinweis "Ich bin heute aber müde!" zur Seite gewischt. Eigentlich ergreift auch keine Aggressivität oder Melancholie von einem Besitz. Nee, alles ist normal, außer das alles überwiegend von der Droge gesteuert wird.

Nach kapp zwei Monaten war ich dann so richtig heroinabhängig, nachdem ich die Wochen davor zwar gelegentlich oft, aber nicht jeden Tag einen Schuss gesetzt hatte. Ich benötigte inzwischen schon zwei bis vier am Tag. Dazu kam dann noch, dass Heroin nicht gerade billig ist. Das Gramm kostete damals schon so um die 150.- - 200.- DM. Ein Haufen Geld, wenn man nur von gelegentlichen Jobs in der Großmarkthalle oder bei RS RINDFLEISCH lebte, bei denen es auch kaum Kohle gab.
Zu dieser Zeit lernte ich dann auch Christiane S. kennen. Sie war ein bildhübsches Mädchen mit langen dunklen Haaren. Wir verstanden uns auf Anhieb und so war es dann auch nur eine Frage von zwei drei Tagen, dass Christiane zu mir zog. Zumal sie auch bei ihren Eltern in einer Wohnsiedlung von Dudweiler lebte und sehr froh war, diesem Dasein zu entrinnen. Christiane war zwischen 18 und 19 Jahren alt und ebenfalls heroinabhängig. Durch die Freundin von Gerd, dem Bassisten, bekam Christiane einen Job in einer Bar. Hier verdiente sie nicht allzu schlecht, musste sich dafür aber von geilen Typen betatschen lassen und ihnen ab und zu einen abwichsen. Mehr war nicht drin.

Mit der Zeit lag unser gemeinsamer Tagesverbrauch bei zwei Gramm. Das Geld langte hinten und vorne nicht. Sexuellen Kontakt hatten wir auch kaum noch, da das Heroin nicht gerade dazu geeignet war den Sex trieb anzuregen. Das Gegenteil war der Fall. Bei Kokain war das wieder ganz anders. Man konnte die ganze Nacht durchficken und war in einer riesigen Dauer-Geilheits-Welle. Außerdem ist man unter Koks ständig auf Achse. Immer in Bewegung und Action. Das ist auch mit ein Grund, warum Kokain die Modedroge der Schicky Micky Szene ist. Auch heute noch.

Mit der Zeit jagte ich mir alles in die Venen was ich unter die Finger bekam. Wir lösten Captagon, ein Aufputschmittel auf, spritzten uns Kokain oder besorgten uns über Krankenhausärzte oder Schwestern geklautes Morphium, das dafür Patienten nicht erhielten, sondern man ihnen etwas anderes verabreichte. In dieser Zeit begann ich auch mit Drogen zu dealen (d.h. zu verkaufen, zu vermitteln), um unsere finanzielle Situation aufzubessern. Das lief sehr gut, zumal wahnsinnig viele Leute Haschisch rauchten, Trips (d.h. LSD oder Meskalin) zu sich nahmen oder Kokain durch ihre Nase sogen. Es war ein Geschäft, das eine Menge Kohle einbrachte. Uns ging es teilweise so gut, dass wir Tagesausflüge nach Metz, Paris oder Luxemburg unternahmen, einen Kaffee tranken, ein wenig shoppen gingen und wieder heim. Wir besuchten Rockkonzerte aller Acts, die in der Nähe auftraten. Es war schon ein "geiles Leben" aus der damaligen Sicht. Aber der Körper ging langsam immer mehr in den Arsch. Am meisten meine Leber.

Durch dieses illegale und gesetzwidrige Verhalten kam ich in eine Szene, die mit der lieblichen Hippiebewegung wenig zu tun hatte. Man war halt nur der Lieferant für ihre Träume. Ich lernte die unterschiedlichsten Leute der saarländischen Unterwelt kennen. Einbrecher, Tressorknacker, Betrüger, Heiratsschwindler um nur ein paar zu nennen. Es war eine Welt, die so gar nichts mehr mit der friedlichen Welt der Powerflower bewegung zu tun hatte. Hier herrschte ein gnadenloser Machtkampf, eine Rivalität, der oder die immer wieder aufs Neue verteidigt werden musste. So ging es mit der Zeit auch mir. Viele hatten gerochen, dass im Drogengeschäft eine Menge Kohle zu machen war und es kostete viele Mühe, die geschaffene Stellung zu behaupten. Es gab Kompromisse und Vereinbarungen auf allen Seiten. Und man war immer bedacht, diese "Gesetze" nicht zu brechen. Kein Staat kann von sich behaupten, dass er den besten Geheimdienst besitzt. KEINER! Den am Besten organisiertesten hat die Unterwelt.

Mit der Zeit hatte ich Hinweise erhalten, dass das Rauschgiftdezernat der Stadt Saarbrücken ein Auge auf mich geworfen hatte. Mit Christiane zusammen oder allein wurde ich auch mehrmals in der Stadt gefilzt (d.h. an Ort und Stelle untersucht). Das war immer eine lustige Situation. Die Bullen stellten einen, egal wo. Im Kaufhaus, im Café, auf der Straße. Hände an die Wand, einen Schritt zurücktreten, Beine spreizten, untersuchen lassen. Das gab jedes Mal einen Menschenauflauf, der einfach nur geil war. Brave Bürger, Rentner, Frauen und Kinder, Arbeiter bildeten spontan einen Kreis um das Geschehen und glotzten aus sensationsgeilen Augen auf das, das die meisten nur aus Stahlnetz oder dem Tatort aus dem Fernsehen kannten. Der Oberbulle des Rauschgiftdezernates zur damaligen Zeit war ein gewisser Hans, der mich bei jeder derartigen Situation darauf hinwies, dass er mich eines Tages festnageln würde. Ich lachte ihn immer wieder aus.

Anfang 1973 brach ich dann in Saarbrücken mit einem "Kumpel" in eine Apotheke ein, wo wir eine große Menge Morphiumsubstanzen aus dem aufgebrochenen Schrank für Opiate erbeuteten. Auch eine Unmenge an Aufputsch- und Beruhigungsmitteln, Spritzen und Kanülen ließen wir mitgehen. Ich fuhr zu jener Zeit total auf Morphium ab, dass jedoch nur sehr schwer und selten zu bekommen war. Morphium hatte für mich eine "angenehmere Wirkung" als Heroin. Der "Kumpel" bekam um die 2500.- DM, die wir in einer Kasse fanden, die mit im Schrank für Opiate eingeschlossen waren und ich den Rest. Noch in der Apotheke verpasste ich mir einen "Druck".

Ich holte Christiane in der Bar ab und fuhr mit ihr nach Hause, wo ich schon ein paar Vorbereitungen getroffen hatte. Das ganze Zimmer war mit unzähligen Teelichtern ausgestattet. Aus der Stereoanlage erklang Musik von Klaus Schulze, der mit seinen Synthesizern, Orgeln und Pianos eine meditative Musik erzeugte. Den ganzen erbeuteten Stoff hatte ich unter der Bettdecke ausgebreitet. Zu Christiane sagte ich, dass sie die Bettdecke aufschlagen sollte. Sie traf fast der Schlag als sie es tat.

Bei der Injektion einer dieser „Morphin Ampullen“ wäre mir eines Tages fast ein tödliches Missgeschick passiert. Ich zog den Inhalt einer Ampulle in die Spritze, jagte mir den Stoff in die Vene und bekam plötzlich keine Luft mehr. Ich ging in eine Welt, die ich bis dato noch nicht gekannt hatte. Gleißendes Licht um mich herum. Meine Umwelt verschwand vor meinen Augen und ich tauchte für eine kurze Zeit in die Besinnungslosigkeit. Aber ich kam von selbst wieder zu mir. Helfen konnte mir in diesem Moment auch niemand, weil ich allein in der Wohnung war als es passierte. Nachdem ich dann wieder einigermaßen klar denken konnte, las ich den Beipackzettel. Und der haute mich total aus den Schuhen. Ich hatte ein Mittel erwischt, dass noch nicht einmal das geringste mit Opiaten zu tun hatte, sondern bei der Geburt dazu verwendet wurde, die Scheide für das Herauspressen des Kindes geschmeidig und schmerzunempfindlich zu machen. Das Mittel durfte nur muskulär und auf keinen Umständen intravenös verabreicht werden. So bin ich gerade mal wieder dem Tod in letzter Sekunde von der Sense gesprungen; dank meines stillen unsichtbaren Begleiters, dem Schutzengel.

Gerd, der Bassist von RS RINDFLEISCH, der auch gewaltig zu jener Zeit an der Nadel hing hatte auch Scheiße gebaut und die Bullen am Hals. Er verschwand nach London und lebte dort mit seiner englischen Frau und ihrem gemeinsamen Sohn über 10 Jahre, weil dadurch seine Straftat verjährt war. Als Ehemann einer Engländerin und Vater eines in England geborenen Kindes wurde er nicht ausgewiesen.

Das Ende meiner Drogenzeit ist auch schnell erzählt. Der "Kumpel", mit dem ich in die Apotheke eingebrochen war, wurde von den Bullen verhaftet und sang bei der Vernehmung eine gewaltige Arie, die Enrico Caruso auf den Opernbühnen der Welt nicht besser zum Besten gegeben hätte. Eines Morgens klingelte es wie wild an der Wohnungstür zu unserer 140 qm großen Wohngemeinschaft, die wir uns mit zwei anderen Paaren teilten. Irgendjemand musste geöffnet haben, denn mit lautem Krachen flog unsere Zimmertür auf. Hans mit seiner Truppe vom Rauschgiftdezernat stürmte mit gezogenen Waffen unser Zimmer und nahm mich fest. Ich kann mich noch gut an die Worte des damaligen Chef vom Rauschgiftdezernat erinnern, die er mir in diesem Moment mitteilte: "Ich habe es Dir versprochen, dass ich Dich bekomme! Hier bin ich."

Bei der folgenden Gerichtsverhandlung vor dem Landgericht Saarbrücken wurde ich wegen fortgesetztem Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz in Tateinheit mit schwerem Einbruch, Verstoß gegen Bewährungsauflagen zu 24 Monaten Strafvollzug verurteilt. Der Schwere Einbruch wurde dann verworfen und zu einem Einbruch umformuliert, weil wir keine Personen verletzt hatten.

So saß ich dann achtzehn Monate in der JVA ein. Diese Geschichte zu erzählen spare ich mir aber an dieser Stelle, denn es würde ein ganzes Extrabuch füllen. Es war nur interessant, welch eine illustre Gesellschaft da versammelt war. Darunter auch zwei der "Lebach Mörder" (sie hatten in den Sechzigern mehrere Soldaten in einem Waffendepot der Bundeswehr in Lebach / Saarland erschossen und erstochen, um an automatische Waffen und Munition zu kommen) und viele meiner ehemaligen "Bekannten" aus der saarländischen Unterwelt, viele Steuer- und sonstige Betrüger, Einbrecher etc. Die ganze Palette der Unterwelt also. Auch ein schon älterer Mann, der sich zu jener Zeit wegen vierfachem Mord schon 23 Jahre in Haft befand.

Der Knast war keine Jugendstrafanstalt mehr, sondern Erwachsenen Vollzug. Das war schon ein ganz anderes Kaliber als Ottweiler. Der Knast befand sich in Saarbrücken auf einem Berg, kurz vor der französischen Grenze.

Hier schrieb ich wieder meine geilen Geschichten über das Ficken, Blasen und andere Anregungen der sexuellen Freiheit. Sogenannte Fickromane, die auch in dieser Anstalt gut ankamen. Alles was der Geilheit förderte, um sich einen runterzuholen war ein willkommene Abwechslung in der täglichen Knastroutine Eingetauscht wieder gegen Zigaretten, Tabak und Kaffe.
Ich jobbte eine Zeit in einer Werkstatt wo richtig harte Pornohefte sortiert und verpackt wurden. Richtige Bilderhefte mit glitschigen Mösen und spritzenden Schwänzen. Obwohl wir nach Schicht immer kontrolliert wurden, es gab immer Wege, eine Wichsvorlage mit auf die Zelle zu schmuggeln. Je mehr Leute dann diese Hefte in ihren Händen gehalten hatten, je mehr verklebten die Seiten mit der Zeit. Warum? Nun, wo bleibt deine geile Fantasie.

Später nach 12 Monaten wurde ich dann in den halboffenen Strafvollzug nach Merzig verlegt. Das war geil, wenn man schon von geil in diesem Zusammenhang sprechen konnte. Aber wir waren zwar in einem mit hoher Mauer umgebenen Gelände untergebracht, aber unsere Zellen standen immer offen und man konnte sich innerhalb des Knastes ziemlich frei bewegen. Alle Insassen von Merzig arbeiteten auf dem Saarbrücker Hauptfriedhof, wo wir mit einem normalen Bus hin- und abends wieder zurück gekarrt wurden.
Geil war auch, das man von guten Freunden immer etwas Dope gebracht bekam, auch mal ein paar Bierchen oder ein paar Mark. Dazu machte man bestimmte Verstecke aus, die dann nachts von den Kumpels gefüllt wurden. Auch hatte ich mich wie viele andere auch mit dem Gärtnermeister des Friedhofs angefreundet. Dieser nahm einen dann immer ab und an mal zu Sonderarbeiten mit, die aber eine rein super geile Angelegenheit war. Gegen ein Bakschisch in barer Münze, rief er unserer Freundinnen oder Ehefrauen an, verabredetet mit ihnen einen Zeitpunkt, zu welchem man immer zur Sonderarbeit angefordert wurde, wenn die jeweils richtige Frau des Häftlings im Geräteschuppen wartete. Was dann folgte und dort geschah, muss hier nicht extra erzählt werden. Aber ALLE verließen mit grinsendem Gesicht und leuchtenden Augen den Schuppen. Und... wichsen musste man in der Nacht auch nicht mehr. GRINS***

Ich habe in meinem Leben nie mehr so viel gelesen wie im Gefängnis. Ich verschlang alles was die Knastbibliothek so hergab.

Jack Kerouac
(* 12. März 1922 in Lowell im US-Bundesstaat Massachusetts, USA, † 21. Oktober 1969; eigentlich Jean Louis Lebris de Kerouac) war ein US-amerikanischer Schriftsteller mit franko-kanadischen Wurzeln und einer der wichtigsten Vertreter der Beat Generation. Kerouac wurde in eine franko-kanadische Familie geboren, wo er den französischen Dialekt Joual sprach und erst mit seiner Einschulung Englisch lernte. Der frühe Tod seines älteren Bruders Gerard war für den jungen Jack ein tragisches Ereignis, das er in Visions of Gerard zu verarbeiten versuchte.

Seine sportlichen Erfolge brachten ihm 1940 bis 1941 ein Stipendium an der Columbia University in New York ein, wo er zusammen mit Kommilitonen wie Allen Ginsberg oder William S. Burroughs den Ursprung der Beat Generation bildete. Die Beatniks gelten als erste Vertreter des Genre der Popliteratur.

Nach einem Beinbruch verließ Kerouac die Universität und trat der Handelsmarine bei, nachdem er bei der Kriegsmarine zurückgewiesen worden war. 1943 konnte er dann doch noch zur Kriegsmarine wechseln, wurde aber im Jahr darauf wegen psychischer Probleme entlassen. Seine Zeit auf See findet sich in The Sea is my Brother wieder.

Zwischen seinen Seereisen blieb Kerouac bei seinen Studienfreunden in New York. Er traf sich mit Allen Ginsberg, Neal Cassady, Lucien Carr und William S. Burroughs, die ihn beeinflussten und sein autobiografisch gefärbtes Werk prägten.

Es waren die wildesten Jahre von Jack Kerouac - mit Wein, Drogen, sexuellen Abenteuern, und Reisen durch die USA, Mexiko, Nordafrika und Europa. Diese Reisen waren die Basis für seine Romane, die in einem von Drogen und rhythmischer Umgangssprache geprägten Stil geschrieben sind. Auch die „grandiose“ Musik des Bebop und der Zen-Buddhismus begeistern ihn und prägten sein Denken; Kerouac bezeichnete in einem Nachruf den großen Charlie Parker als „Buddha“.

Seine Werke:
* On The Road (dt. Unterwegs) (1957)
* The Subterraneans (Bebop, Bars und weißes Pulver) (1958)
* Visions of Gerard (1963)
* The Town and the City (1960)
* Doctor Sax (1959)
* Maggie Cassidy (1959)
* Visions of Cody (1959)
* Mexico City Blues (1959)
* The Dharma Bums (Gammler, Zen und hohe Berge) (1958)
* Tristessa (1960)
* Desolation Angels (1965)
* Big Sur (1962)
* Satori in Paris (1966)
* Vanity of Duluoz (1968)
* Book of Dreams (Traumtagebuch) (1961)
* Lonesome Traveller (1960)
* Pic (1971)
* Scattered Poems (1971)
* Selected Letters (1993)
* Some of the Dharma (1994)
* Book of Blues (1995)
( by www.wikipedia.de)

Ich las Gedichtbände von Francois Villon (bekannt durch Klaus Kinski und seinem Vortrag des Villon Gedichtes "Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund"), entdeckte die wunderbare Lektüre von Hermann Hesse. Lernte die Schriften von Friedrich Nietzsche und Ernest Hemingway kennen und schätzen. Was da geschrieben stand war eine Beschreibung meiner tiefsten Seele. Es war ein Spiegelbild meiner Gedanken und Wünsche.

Außerdem jede Menge Geschichtsbücher und Biografien.

Mein Lieblingsbuch war aber Der Fänger im Roggen von Jerome D. Salinger
(1951) (Originaltitel „The Catcher in the Rye“) ist der einzige weltweit erfolgreiche Roman des US-amerikanischen Schriftstellers Jerome D. Salinger (*1919).

Dem Autor gelingt es, in den Handlungen und Gedanken der gleichsam als Antiheld agierenden Hauptperson Holden Caulfield die inneren Kämpfe der heranwachsenden Generation auf überzeugende Weise zu gestalten.

Der Titel des Buches leitet sich aus einem Wunschbild des Protagonisten ab: In Anlehnung an ein Kinderlied von Robert Burns möchte er Kinder, die auf einem Roggenfeld spielen, davor bewahren, dass sie über eine Klippe in einen Abgrund am Rande des Feldes stürzen.

Außerdem schrieb ich wieder Gedichte und Kurzgeschichten. Später habe ich dann die ganzen gesammelten literarischen Ergüsse einem Liedermacher aus dem hessischen Mörfelden-Walldorf gezeigt, einem gewissen Siggi L., der aber meinte, das sei alles Scheiße. Da habe ich die ganzen Werke in die Mülltonne geschmissen. Heute bereue ich das sehr, denn im Nachhinein fand ich die Erklärung meiner späteren Frau Helga sehr passend:
"Vielleicht war der nur sauer, weil er nicht so schön schreiben konnte. Schau dir doch mal DEM SEINE Texte an, da erkennst du schnell wer Scheiße schreibt, wenn wir seine Bezeichnung über deine Sachen verwenden wollen."
Nun ja, so könnte es auch gewesen sein. Aber Siggi hatte Beziehungen zu einem Verlag, die ich mir zu Nutze machen wollte.

In diesem Zusammenhang habe ich noch so einen Mist gebaut, indem ich alle alten Fotos, die ich in den vergangenen Jahren geschossen hatte, ebenfalls in der Mülltonne verschwinden ließ, weil ich mit der alten Zeit abschließen wollte. Auch so ein Trugschluss wie sich herausstellte. Man kann nicht abschließen, weil die Erinnerung an die Dinge und Situationen immer wieder mal ins Bewusstsein vorrückt.

1974 erfuhr ich dann im Knast, dass meine Freundin Christiane an einer Überdosis Heroin ums Leben gekommen sei. Die Umstände ihres jungen Todes wurden nie ganz geklärt. Ich habe im Knast nur herausbekommen, dass man ihr eine Spritze mit einer großen Menge reinem Heroin gegeben haben sollte, weil sie zu viel wusste und einigen Leuten zu gefährlich wurde. Das wurde jedoch nie offiziell bestätigt, und die Info hatte ich wie schon gesagt im Knast bekommen.

Ich durfte an der Beerdigung in Bekleidung von zwei Knastbullen teilnehmen. Als der Sarg in die Tiefe gelassen wurde, brach ich weinend und mit einem Nervenzusammenbruch zusammen, denn mir wurde in diesem Moment meine beschissene Situation, mein beschissenes Leben und alles mit dieser verdammten Fixerzeit so bewusst und klar. Noch an ihrem Grab schwor ich mir, nie wieder eine Spritze in die Hand zu nehmen. Daran habe ich mich auch bis heute gehalten.

Wegen guter Führung wurde ich dann im Dezember 1974 entlassen. Mein erster Weg in Freiheit ging zu einer Bekannten, bei der ich mir den Frust, den Schmerz, die Brutalität des Knastes aus dem Leib fickte.

Als ich in den Knast kam, war Roger meine absolute Bezugsperson. Und er war auch dann maßgeblich daran beteiligt, dass ich zur Bewährung im Dezember 1974 vorzeitig entlassen wurde, weil er mich bei sich aufnahm. Roger wohnte zwischenzeitlich in Frankfurt am Main und hatte in Sachsenhausen - direkt im Leben - eine geile Wohnung. Nach ein paar Joints kamen wir dann auch mal auf die Idee, eine der weiß gestrichenen Wände des Living Rooms zu bemalen. Das wurde dann auch kurz darauf in die Tat umgesetzt. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich als Vorlage ein Platten Cover heranzog. Bin mir heute aber nicht mehr ganz sicher, ob wir das mit einem Projektor auf die Wand geworfen hatten und ich die Details nachzeichnete, oder ob ich das Bild des Covers frei per Hand auf die Wand malte. Auf jeden Fall sah das ganze ziemlich cool und groovy aus. So mit Joints, Bäumen und lustigen Freaks.

www.gerrys-photos.de