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Mein Leben II.
Before I sink into the big sleep
I want to hear
I want to hear
The scream of the butterfly
- by Jim Morrison / The DOORS
oder
Lost in a Roman
wilderness of pain
and all the children are insane
- by Jim Morrison / DOORS

Groupies, Hippies und Musik...
RS RINDFLEISCH und die Saarbrücker Hippies
Eigentlich war mein Leben immer von Musik begleitet. Durch sie
erhielt ich immer den seelischen Ausgleich. Früher war ich
eigentlich immer ein Fan der deutschen Hausmannskost; und da war
mein geliebter Freddy Quinn der absolute Star. Das dauerte aber
nur bis zu meinem ersten Besuch im Hamburger STAR CLUB, wo sich
die geilsten Bands um einen Gig in diesem legendären Schuppen
rissen. Und mit einem Mal war mir klar, dass Freddy nicht das Ende
des musikalischen Horizonts war, sondern dass es da erst richtig
tierisch begann. Heute kann ich sagen, dass ich außer den
Beatles und Elvis fast alles live erlebt habe, was in den Musikszenen
einen Namen hat.
Heute ist mein musikalischer Horizont gewaltig gewachsen, denn
ich höre inzwischen auch Klassik( Beethoven, Tschaikowsky )
und liebe noch jemanden über alles: Maria Callas...
Musikalisch inzwischen geimpft von Jimi Hendrix, Doors, Rolling
Stones und WHO trieb mich die Liebe zur Musik nach meiner Seemannszeit
in die Szene der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken,
wo zu der damaligen Zeit - Anfang der 70er - eine Band alles abräumte
was es abzuräumen gab. Wenn auch der Name nicht gerade auf
musikalische Höchstleistungen schließen ließ, war
die Band das Nonplusultra der damaligen Zeit.
RS RINDFLEISCH bestand aus vier langhaarigen und ungepflegt wirkenden
jungen Typen. Der Inbegriff des Bösen.
des Revolutionären und Abartigen in das vermiefte Saarland
brachten.
Zumal der Bassist, ein spindeldürrer, immer in zu groß
wirkenden Stiefeln steckend und ewig mürrisch und finster dreinblickender
Kerl namens GERD SCHNEIDER - hatte es mir sofort angetan. Er hatte
damals schon einen "tierischen Durchblick" und konnte
einem sehr viel über das Leben erzählen...
Er lungerte vor seiner Anlage herum, zupfte gelangweilt seinen Fender
Bass, um plötzlich wie ein Derwisch zu explodieren und ein
paar derartig animalische Bassläufe aus seinem Instrument in
das Lokal zu jagen, als hätte der Leibhaftige in diesem Moment
von seiner Seele Besitz ergriffen. Ewig hing ihm eine brennende
Kippe zwischen den Lippen oder er hatte sie am Halsende des Basses
zwischen die oberste Saite geklemmt. Das hagere und eingefallene
Gesicht konnte man selten erkennen, denn die lange Lockenpracht
hing ihm an allen Seiten wirr herunter. Nur ab und zu, wenn es hinter
dieser Matte rötlich aufleuchtete und danach eine Qualm wölke
unter der dichten Lockenpracht hervorquoll, konnte man erkennen,
dass da Augen, Nase und Mund sein musste.
Dann gab es noch einen langen, schnauzbärtigen Gitarristen,
dem die blonde Mähne weit in den Rücken fiel, und der
einen derartig bescheuerten Dialekt sprach, dass ihn kaum eine "Sau"
verstehen konnte. Heute ist dieser Dialekt ein Teil meiner dritten
Heimatsprache geworden: hessisch. Dieser Virtuose an der schwarzen
Gibson Les Paul gehörte schon damals zu der Riege deutscher
Gitarristen, die ich schon zahlreich im STARCLUB oder im GRÜNSPAHN
auf der Großen Freiheit, einer Nebenstraße der Reeperbahn
in Hamburgs Vergnügungsviertel St. Pauli gesehen hatte. Er
spielte ein derartig animalisches Brett, dass einem die Akkorde
nur so um die Ohren flogen. Neben Jimmy Page von LED ZEPPELIN war
Toni einer der wenigen deutschen Gitarristen, der den Einsatz eines
Violinenbogens an der Gitarre beherrschte wie kaum ein anderer.
Er liebkoste, küsste, fickte, schlug und bis schon zu jener
Zeit das Brett mit einer Selbstsicherheit und Schnelligkeit, dass
die Akkorde manchmal nicht fassbar waren. Er stammte aus Offenbach/Hessen
und hörte auf den Namen ANTON SCHÄFER, kurz TONY genannt.
An den Drums saß ein schwarzhaariges Powerpaket, der seine
ganze Aggression in die Felle des Schlagzeuges zu prügeln schien.
Mit einer derartigen Kraft, das man jedes Mal meinte, gleich zerspringt
die Drum in Millionen von pulverisierten Teilchen. Neben dem ehrgeizigen
Bearbeiten der Trommelfelle hatte Hermann noch ein zweites Hobby:
ficken zu jeder Tages- und Nachtzeit.
Sein Name war Hermann Erbel. Später bekannt unter seinem Künstlernamen
HERMAN RAREBELL, als Drummer der SCORPIONS aus Hannover. Er hatte
es als einziger zum Weltstar und Millionär geschafft.
Der Vierte im Bunde war ein dunkelhaariger und kräftiger -
aber nicht dicker - Typ, der sich am Mikro mit der Geschmeidigkeit
einer Wildkatze bewegte und eine Stimme hatte, dass die vielen Girls
im Saal feuchte Höschen bekamen, so sie solche zur damaligen
Zeit überhaupt am Leib trugen. Auch spielte er eine animalische
Bluesharp (für die Laien: Mundharmonika). Sein Markenzeichen
in den ersten Monaten war eine weinrote Fransenjacke wie sie auch
artgleich Roger Daltrey von den WHO bei seinen Auftritten trug;
nur Roger meistens weiß. Er hörte auf den südländisch
klingenden Namen PEDRO SCHEMM. Mit ihm habe ich auch heute noch
ein sehr enges und freundschaftliches Verhältnis.
Nun gut, nach einem tierischen Concert in Saarbrückens "Nobeldisco"
GASLIGHT und einem guten Joint stieg ich als der erste feste Roadie
im damaligen Saarland bei RS RINDFLEISCH ein. Es war eine geile
Zeit und wir hatten eine Menge Gigs. Als Vorgruppe von MOODY BLUES,
URIAH HEEP, EDGAR BROUGHTEN BAND, Johnny Winter, um nur einige zu
nennen. Die meisten Gigs spielten wir aber in Ami-Clubs und es ging
da immer tierisch ab. In guter Erinnerung ist mir da noch speziell
der Gig in Bad Kreuznach, Ottweiler, Merzig und der Gig in Schweinfurt.
RS RINDFLEISCH spielten neben eigenen Songs sehr viele Sachen von
LED ZEPPELIN, JIMI HENDRIX, TASTE und... und... und...
Diese einmalige und tierisch geile Kultband aus dem kleinen Saarland
- lernte ich wie schon erwähnt Anfang der 70er in Saarbrücken
bei einem Konzert in der damaligen Diskothek "GASLIGHT"
kennen. Und was die Jungs rüberbrachten ging einfach tierisch
ab. Das war auch MEIN Leben!
Nach diesem Konzert in der genannten Disko schleppte ich wie in
Trance und selbstverständlich die Verstärker, Boxen, Gitarren,
Schlagzeug teile und so weiter mit in den bereitstehenden Bus.
Ab diesem Moment war ich einer der ersten Roadies im damaligen Saarland.
Auch heute noch bin ich nicht der Einzige der behauptet, wäre
die Band damals zusammengeblieben und wäre sie konstant den
begonnen Weg weitergegangen, dann würde sie heute zu den Topacts
in der Welt gehören. Oder anders formuliert, sie wäre
mit den SCORPIONS aus Hannover zumindest gleichgezogen. Sie waren
einfach BESSER als alles was es so in Deutschland zu der Zeit gegeben
hatte. Sie waren nicht nur Virtuosen an ihrem jeweiligen Instrument,
sondern sie hatten dazu noch eine gewaltige Power und ein sagenhaftes
Feeling.
Das besondere an der Band war ihre absolute Power, die sie bei
ihren zahlreichen Gigs an den Tag legten. Etwas Vergleichbares hatte
es zuvor in diesem "verschlafenen" Ländchen an der
deutsch-französischen Grenze noch nicht gegeben. Und der Powergetriebene
und tierische und fette Sound den die Band fabrizierte, hatte nur
eine Gemeinsamkeit mit dem damaligen Saarland: den Power den sie
in den verdreckten und verräucherten Himmel des Kohlen- und
Eisenlandes jagten.
R.S. RINDFLEISCH war anders als all die anderen zahlreichen Bands,
die zu jener Zeit wie Unkraut aus dem Boden schossen. Sie waren
das, was die ROLLING STONES in England und danach in der ganzen
Welt so berühmt gemacht hatte.
Die Band war böse! R.S. RINDFLEISCH waren nach außen
das Grauen der zivilisierten Welt! Sie waren Angst und Schrecken
der Mütter und Väter, die ab diesem Moment noch ein wachsameres
Auge auf ihre Töchter warfen, weil sie erkannten - aber nicht
deuten und es sich erklären konnten - welch eine potentielle
Gefahr von der Musik dieser "Wilden mit den Zottelmähnen"
ausging. Aber sie erkannten tief in ihrem gewohnten Trott zwischen
Taubenzucht-Maloche-und-Bierzeltwelt, dass diese jungen revolutionären
Elemente etwas mit sich brachten, dass wie eine Urgewalt irgendwo
losgelöst wurde und alles heile ihrer aufgebauten kleinbürgerlichen
Welt mit sich fortriss in einem Strom, der nicht mehr aufzuhalten
war. Sie spielten Lieder von Led Zeppelin, Hendrix, Gallagher und
Cream, als hätten sie diese Songs selbst geschrieben.
Das Feeling, das sie ihrer immer größer werdenden Fangemeinde
zu Füßen legten, war dem der großen Gruppen gleich.
Absolute Hingabe an ihren musikalischen Glauben und an die, die
sie anhimmelten wie Stars aus einer fremden Galaxie.
Die Jungs hatten auch nie das Gefühl unter diesen Bands zu
stehen. Bei Gigs als Opener für einige Festivals konnte man
nicht selten sehr gut beobachten, dass auch Musiker vom damaligen
Bekanntheitsgrad eines Mick Box und Ken Hansley von URIAH HEEP oder
einem Edgar Broughton von der gleichnamigen EDGAR BROUGHTON BAND
Maul und Ohren offen standen, als sie dem Soundgewitter eines unbekannten
Gitarristen namens Anton "Tony" Schäfer aus dem hessischen
Offenbach, andächtig und voller Achtung beim Spielen zusahen.
Hier hatten sich vier Musiker gefunden, die jeder für sich,
ihrer Zeit an Engagement und Musikalität weit voraus waren
und einen eigenen Sound geschaffen hatten.
Die Band war eine Sensation für das Saarland. Nur haben keinem
Moderator, Manager oder Produzenten vertraut, denn es gab auch Leute,
die sich um sie "kümmern" wollten. Zum Beispiel Frank
Farian, der damals noch in Spiesen-Elversberg, einem Ort im Saarland,
wohnte oder Manfred Sexauer vom Saarl. Rundfunk, der zu jener Zeit
auch im TV die Sendung BEAT CLUB mit Uschi Nerke moderierte.
Der Name R.S. RINDFLEISCH kam von ihrem Drummer Hermann Rarebell,
der schon immer für außergewöhnliche Sachen zu haben
war. Zuerst stand das für “Rauschgiftsüchtiges Rindfleisch”,
obwohl die Band "zu dieser Zeit noch gar nicht wussten",
was ein Joint war. (???) Unwahrscheinlich!
Das kam erst später mit den Ami-Clubs. Ja, aber im Extrem!
"Smoke on the water" (in diesem Falle die Saar) war halt
revolutionär, und das wollten sie damals als Rockmusiker auch
sein.
Manchmal sagten sie einfach auch nur, es hieße “Ruhe
sanft, Rindfleisch” und hatten ein Rind aus dem Schlachthof
auf ihren Plakaten. Was auch immer korrekt war, geraucht haben wir
viel, denn Dope gab es zu jener Zeit in jeder Kneipe. Und fast jeder
konsumierte es auch.
Mit der Zeit entwickelte sich zu Gerd immer mehr eine Beziehung,
die mit einfachen Worten nicht zu beschreiben ist. Denn es war mehr
als nur Freundschaft und Aufblicken zu ihm als geilsten Bassisten
der damalig saarländischen Musikszene.
Es war auch Hass, Entsetzen und Unverständnis darüber,
wie er teilweise - in einer nie wieder so extrem erlebten Art und
Weise - auf alles einen dicken Haufen Scheiße setzte, was
Bestandteil einer damals heilen und bürgerlichen Welt der Nachkriegsgeneration
war.
Aber ich denke, dass gerade dieser Punkt mich so zu ihm hinzog.
Ich habe wahnsinnig viel von ihm gelernt! Zumindest hatte ich damals
das Gefühl in diese Richtung und war auch felsenfest davon
überzeugt.
Nicht nur die "Erweiterung meines Bewusstseins" durch
gemeinsame Drogenexzesse, sondern es war mehr die Tatsache, dass
er mir eigentlich den Verstand dafür öffnete, was eigentlich
Leben in seiner ursprünglichen Materie darstellt: einfach leben!
Ohne beschissene und diskriminierende Etiketten und Zwänge.
Ein paar kurze Episoden von unterwegs:
In Saarbrücken-Burbach hatte die Band mal einen Gig, bei welchem
auch der damals bekannte BEAT CLUB Moderator Manfred Sexsauer mit
von der Partie war. Er stand mit offenem Mund vor der Band und lauschte
der tierisch geilen und vor allem dröhnenden Mucke. Der Laden
war brechend voll.
In einer Pause stand dann Sexsauer bei Hermann und meinte:
"Aus euch kann mal etwas ganz Großes werden. Ihr habt
einfach das Zeug da zu."
Darauf Hermann ganz cool und trocken:
"Ja ja, eines Tages fressen sie mir alle aus der Hand und putzen
meine Schuhe."
So Unrecht sollte er nicht ganz haben.
In einer Diskothek in Elversberg trafen wir uns mit Frank Farian.
Ihm gehörte der Laden, der im eigenen, seinen Eltern oder Großeltern
gehörendem Haus untergebracht war. Mit oder über Farian
nahmen RS RINDFLEISCH zwei Platten auf. Eine Single mit zwei eigenen
Stücken und nach meiner Erinnerung eine LP mit gemischten Sachen.
Eigenen und Coversongs. Frank Farian hatte seinerzeit schon sehr
gute Beziehungen in der Unterhaltungsindustrie und war damals so
langsam dabei, sein Imperium aufzubauen.
Frank Farian (* 18. Juli 1941 als Franz Reuther in Kirn, Rheinland-Pfalz)
ist Musikproduzent, Komponist und Sänger.
Frank Farian ist seit Mitte der 1970er Jahren ein bedeutender und
kommerziell sehr erfolgreicher Produzent von Popmusik. Er "erfand"
weltweit erfolgreiche Gruppen wie Boney M. und Milli Vanilli, deren
erste Platten schon fertig eingespielt waren, bevor die Interpreten
zusammengestellt wurden. Als das in den 80ern über Milli Vanilli
bekannt wurde, führte dies zu einem Skandal. Dass auch bei
Boney M. mit Liz Mitchell und Marcia Barrett nur zwei der vier Gruppenmitglieder
an den Aufnahmen beteiligt waren und die männliche Stimme von
Farian selbst kam, interessierte dagegen kaum.
Farian, der als Kind durch die Wirrungen des Zweiten Weltkriegs
ins saarländische Altenkessel verschlagen wurde, war zunächst
Koch und verbrachte seine musikalischen Anfangsjahre in Elversberg,
in der Blumenstraße und in der Straße „Am Ring
8“. Dort im Dachgeschoss begann seine produktive Zeit als
Komponist und Musikproduzent. Im saarländischen St. Ingbert
eröffnete er die Diskothek „Rendezvous“. Hier wurden
seine Bands und Titel der Öffentlichkeit präsentiert.
Heute hat er ein Studio in Rosbach v.d.H.
Er trat zunächst als Rocksänger „Frankie Farian
und die Schatten“ auf. Als Schlagersänger sang er Titel
wie „Dana my Love“ (1969) und „Rocky“ (1976),
seinen einzigen Nummer-1-Hit als Sänger.
Seine größten Erfolge als Produzent waren die Single
„Rivers of Babylon“ (eine Bearbeitung zu einem Kirchenlied
über Psalm 19 und 137) und das Album „Nightflight to
Venus“ von Boney M. (1978).
Mit dem Projekt Far Corporation, an dem unter anderem Bobby Kimball,
David Paich und Steve Lukather von der US-Band Toto sowie der Schlagzeuger
Curt Cress beteiligt waren, spielte er überwiegend Rockklassiker
wie „Stairway to Heaven“ von Led Zeppelin, „Sebastian“
von Cockney Rebel und „Mother and Child Reunion“ von
Paul Simon ein. „Stairway to Heaven“ war dabei mit dem
achten Platz in der britischen Hitparade (1985) der größte
Erfolg.
1983 wurde Farian mit der Goldenen Stimmgabel, 1997 für sein
Lebenswerk mit dem ECHO ausgezeichnet.
In Ottweiler spielten wir in einem Bierzelt.
Meiner Erinnerung nach, war das auf einer Kirmes oder so ein Scheiß.
Es gab schon im Vorfeld 'nen Haufen Stress mit Besoffenen, die uns
laufend anmachten und 'was von langhaarigen Verbrechern, vergasen,
Drittes Reich und so ein Scheiß laberten. Auch kam die Musik
nicht so gut an.
Als wir dann den Gig beendet, den Bus beladen und losfahren wollten,
tauchte plötzlich ein Typ mit 'nem Schrotgewehr im Scheinwerferlicht
des Busses auf. Er richtete die Waffe auf die Windschutzscheibe
und schrie 'was von abknallen, wenn wir es wagen sollten, davonzufahren.
Hinter ihm hatte sich die Walzercombo postiert: zum sofortigen Sturm
auf unser Fahrzeug gerüstet.
Wir stiegen aus und wurden fast lebensbedrohlich eingekreist.
Wie sich herausstellte, hatte die Humba-Combo ihr Mischpult vermisst.
Mir ahnte fürchterliches, denn ich hatte mit allem gerechnet,
nur nicht damit, dass die Combo das Mischpult so schnell vermissen
würde. Bei deren alkoholisiertem Zustand hatte ich so schnell
nicht damit gerechnet.
Ich hatte den Boys nämlich 'ne Freude machen wollen und mir
das Mischpult der Combo kurzfristig "ausgeliehen". Leider
hatte ich vergessen, dass der Walzer-Combo auch mitzuteilen.
Ich erzählte dann etwas von versehen und das ich neu in der
Band sei.
Oh, Bullshit, Hermann hatte mich dann ganz schön rund gemacht
auf der Heimfahrt, und der Rest der Band grinste mich breit an.
Gerd meinte trocken "Na Alter, das Klauen üben wir auch
noch mal bei Gelegenheit". Sogar Hermann stimmte in das schallende
Gelächter mit ein, als sie mein Gesicht sahen, denn ich begriff
erst in diesem Moment, dass auch Hermann eigentlich nur seinen Anschiss
gespielt hatte. Saubande!
In Heidelberg hatten wir einen Gig in einem typischen Untergrundlokal
der damaligen Zeit.
Der Club war ein langes, nicht all zu breites Kellergewölbe
mit runden Wänden und Decken aus Ziegelsteinen gemauert. Psychedelische
Scheinwerfer und flimmernde Farbnuancen auf einer Leinwand gaben
dem ganzen ein geheimnisvolles Ambiente. Es war die Zeit von Timothy
Leary und seiner sagenumwobenen Droge LSD oder unter uns auch Trip
und Acid genannt. Leary war zwar nicht der Erfinder dieser Droge,
das war ein Schweizer Pharmabetrieb, aber er hatte ein Buch über
LSD veröffentlicht, das zur damaligen Zeit die Bibel einer
Generation wurde: DIE PFORTEN DER WAHRNEHMUNG.
Hier beschrieb und schilderte Leary die Empfindungen und Eindrücke
nach der Einnahme dieser Droge. Er schrieb über stundenlange
Orgasmen, über explodierende Körper in Liebe und Ekstase
und über Empfindungen des Unterbewusstseins. Es war die Zeit
von PINK FLOYD und "Ummagamma", die Zeit von IRON BUTTERFLY
und "In-A-Gadda-Da-Vida" und die Zeit der BEATLES und
"Lucy in the sky with diamonds" oder der ROLLING STONES
und "2000 Lightyears From Home".
Alle in der Band und fast der ganze Club waren im LSD-Rausch. RS
RINDFLEISCH lieferten eine Show und ein Konzert, das in die Annalen
Heidelbergs einging. Sie bliesen den Leuten sprichwörtlich
den Verstand aus dem Schädel. Für mich bleibt es auch
heute noch als der geilste Gig der Band in Erinnerung. Jeder in
der Band flog einfach durch Raum und Zeit und fand sich immer wieder
musikalisch auf irgendeinem verdammten Planeten in diesem unergründlichen
Weltall. Die wogende Menschenmenge pulsierte, stand kurz vor einer
Explosion. Toni jagte Klänge aus seiner Gitarre, als sei es
sein letzter Gig. Hermann lies die Sticks über seine Schlagzeugfelle
wirbeln, das einem das Dach vom Schädel flog. Gerd spielte
sich an seinem Bass die Fingerkuppen blutig und Pedro hat wahrscheinlich
mehrmals abgespritzt.
In Merzig hatten RS RINDFLEISCH mal 'nen Gig, den ich auch mein
ganzes Leben nicht mehr vergessen werde.
Es war eine ziemlich große Halle mit einer tierisch großen
Theaterbühne. Der Saal war gut besucht; mindestens 400 Leute.
Ob da noch 'ne andere Band spielte, weiß ich heute auch nicht
mehr.
In der Mitte der Bühne befand sich ein zweiter Vorhang der
zugezogen war. Hinter diesem hatten wir das ganze Verpackungsmaterial
der Verstärker, Drums etc. gelagert. Ich hatte eine Tussi aufgerissen,
mit der ich 'nen Joint rauchte.
Als RS RINDFLEISCH dann mit ihrem Gig begann, machte ich es mir
mit dem Girl auf diesen Verpackungsutensilien gemütlich. Wir
zogen uns aus und schoben eine tierische Nummer.
Gerd, der Bassist, muss das aber irgendwie mitbekommen haben. Er
zog den Vorhang auf und wir vögelten - ohne es zu bemerken
- vor dem ganzen Saal. Erst als die Leute zu toben anfingen, spürte
ich, dass etwas nicht in Ordnung sein konnte. Als ich bemerkte,
dass wir für alle bei unserem Tun sichtbar waren, machte ich
die Tussi darauf aufmerksam.
SO SCHNELL HAT NOCH NIEMAND SEINE KLAMOTTEN GESCHNAPPT UND WURDE
NIE WIEDER GESEHEN...
In Schweinfurt hatten wir einen Gig in einem Laden, der sich "Maxim"
nannte.
Mit Toni fuhr ich die lange Strecke von Saarbrücken nach Schweinfurt
in einem alten VW-Bus.
Hinten hatten wir die Anlage verstaut. Zwei Marshalltürme,
Hermanns Ludwig-Drum, ein kleines Mischpult und zwei Gesangsboxen.
Wie der Rest der Band nach Schweinfurt kam, ist mir heute leider
entfallen. Aber ich glaube, dass sie mit Hermanns damaliger Tussi
die Reise machten, die Führerschein und ein Fahrzeug ihr eigen
nennen durfte.
Als ich die Band begleitete spielten sie 14 Tage Abend für
Abend. Mein Verdienst: 20 Mark von Hermann, 20 Mark von Tony, 10
Mark von Pedro und nix von Gerd. Dafür aber jede Menge zu Rauchen,
denn Zigaretten bekamen wir von den Amis aus der PX mitgebracht
und Stoff gab es bei ihnen auch zur Genüge. Aber diesmal nicht
aus der PX.
(Anmerkung: Ein PX-Store, Abkürzung für post exchange,
ist die Bezeichnung für Verkaufseinrichtungen auf US-amerikanischen
Militärstützpunkten, die nur für Militärangehörige
und ihre Familien zugänglich sind. Betrieben werden sie vom
Army & Air Force Exchange Service.)
Der Besitzer war ein alter Sack von mindestens 60 bis 70 Jahren
oder noch älter - ähnlich dem alten Sack aus dem Comic
"Das kleine Arschloch". Er war Jude (was aber hier keinen
rassistischen Hintergrund hat!) und absolut geil auf Geld und Weib.
Der Laden wurde hauptsächlich von GIs besucht, die zu der
damaligen Zeit zahlreich in Schweinfurt stationiert waren. Die Boys
von der "amerikanischen Front" fuhren total auf die Band
ab.
Auch der alte Sack fand RS RINDFLEISCH absolut in, und er trieb
die Jungs gleich wieder auf die Bühne, wenn sie mal eine Pause
für 'nen Joint, 'nen Drink oder 'nen Small Talk einlegten.
"Ich will euch spielen sehen", sabberte der alte Sack
und rieb sich die faltigen Hände, wenn er sah, dass immer mehr
Amis den Laden bevölkerten. Dope erzeugte nicht nur ein bestimmtes
Feeling, es ließ auch das Hunger- und Durstgefühl in
die Höhe schnellen. Und das war es, das dem Inhaber die Scheinchen
in die Kasse spülte.
Mit der Zeit hatte es sich herumgesprochen, dass die Band 'ne geile
Mugge rüberbrachte und auch ansonsten 'nen guten Draht zu den
Amis hatten. Gerd und ich auf jeden Fall. Pedro war immer auf der
Suche nach 'nem Groupie und Hermann war meistens mit seiner oder
einer anderen Madame beschäftigt.
Mit der Gage hielt es der Alte auch nicht so genau und stellte den
Jungs alles Mögliche in Rechnung. Dabei war es ihm oft egal,
ob das auch alles so seine Richtigkeit hatte.
Eines Tages hatte Pedro und ich zwei Bräute aufgerissen, denen
wir es herrlich in unserer Bude besorgten, als es plötzlich
wie verrückt an der Tür polterte und der alte Sack nach
Einlas begehrte. Wir hatten aber keinen Bock zu öffnen, denn
wer lässt sich schon gerne beim Vögeln stören? Doch
das Gezeter vor der Tür wurde immer schlimmer.
Wir stiegen in die Hosen und öffneten die Tür.
Wie von der Tarantel gestochen, sauste der alte Sack ins Zimmer,
sah die Bräute und wollte doch allen Ernstes von uns 50.- DM
haben, weil wir wie in einem Stundenhotel seine Zimmer zum "Puff
zweckentfremdet hatten". Erst als er eine nackte Titte und
die Möse meiner Braut betatschen durfte, war er wieder besserer
Laune und gab sogar 'ne Runde Getränke aus. Trotz seiner fast
70 bis 80 Jahren war der alte Knochen ein dauergeiles, schmieriges
Arschloch, der hinter den Weibern her war wie der Beelzebub hinter
den Seelen der Menschheit.
In Schweinfurt kamen Gerd und ich auch das erste Mal mit einer
Fixe in Berührung. Ein GI hatte Meskalin dabei. Es war tierisch,
als der Stoff sofort seine Wirkung begann...
Vielleicht hätten wir den Kolben der "Gun" nicht
durchdrücken sollen, denn von diesem Tag an begann ein langer
Alptraum.
Die Band verkrachte sich teilweise; einer musste dann viel später
wegen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz die Flucht
vor Justitia ergreifen und lebte über zehn Jahre in London.
Auch der Roadie ging in die Verbannung... Doch darüber später
mehr..
In Bad Kreuznach hatten wir ein zweiwöchiges Arrangement in
einem Ami Club. Das waren auch die Etablissements wo wir die meisten
Gigs hatten, denn die GIs standen total auf die Band weil sie so
geil, wild und crazy war. Zumindest hatten sie einen Bassisten und
einen Roadie, der immer der Freund der Amerikaner war. Dementsprechend
saßen auch immer welche von ihnen bei uns auf der Bude und
wir rauchten den Dope, den die Amis mitbrachten. Vögelten irgendwelche
Groupies, die ich bei RS RINDFLEISCH zum ersten Mal bemerkte und
ließen den lieben Gott einen guten Mann sein.
Purple haze all in my brain
Lately things just don't seem the same
Actin' funny, but I don't know why
'Scuse me while I kiss the sky
Lyrik by Jimi Hendrix
Das war auch so eine Sache mit den Girls. Auch als Roadie hatte
man da wenig Probleme, eine Tussi zum Ficken zu erhaschen, denn
es hingen immer genug von ihnen am Rockzipfel der Band.
+++++ +++ +++++
Den besten Draht zu einem Mitglied der Band in jenen Tagen hatte
ich zu Gerd dem Bassisten.
Er war ein Typ, der sich nicht in Worte fassen lässt. Er war
in gewisser Weise mein geistiger Bruder, mein "Vater",
mein Fleisch und Blut...
Auch heute noch bin ich der Überzeugung, dass RS RINDFLEISCH
- wahrscheinlich unter anderem Namen oder gerade auch nicht??? -
zu einer Supergruppe aufgestiegen wäre, wenn da nicht so viel
Scheiße passiert wäre. Jedes Mitglied war damals schon
ein Ass an seinem Instrument.
Ich lebte dann eine Zeit in Regensburg, wo ich als Roadie der Band
MASS einige Gigs mit durchzog.
Gerd, der Bassist von RS RINDFLEISCH, hatte inzwischen den Bass
mit der Gitarre vertauscht und war bei denen als Gitarrist eingestiegen.
Ich glaube, dass ihn RS RINDFLEISCH rausgeschmissen hatte, weil
er durch seinen übermäßigen Drogenkonsum immer unzuverlässiger
wurde.
In besonderer Erinnerung bleibt mir dazu ein Gig in einem Club
in der Nähe von Regensburg.
Gerd und ich hatten an diesem Tag erfahren, dass Brigitte, eine
gute Bekannte aus Saarbrücken an einer Überdosis gestorben
war. Ihr widmete Gerd an diesem Abend den Gig; und er spielte ein
derartig geiles Brett, dass es mir eiskalte Schauer über den
Rücken jagte.
Er bearbeitete die Gitarre mit so viel Emotion und Feeling, dass
man seine Traurigkeit richtig greifen konnte...
RS RINDFLEISCH spielte dann eine Zeitlang zu dritt weiter. Pedro
als Bassist und Sänger. Tony an der Gitarre und Hermann an
den Drums. Aber das Kapitel RS RINDFLEISCH ging seinem Ende entgegen.
Die anderen spielten in verschiedenen Bands, aber nur Hermann der
Drummer zog später das "finanzielle Superlos" und
wurde durch eine Annonce im Melody Maker, einer englischen Rockzeitung,
in London Drummer der SCORPIONS.
+++++ +++ +++++
Zu Roger hatte ich auch zu dieser Zeit immer Kontakt. Wir waren
eben Freunde.
Erinnern kann ich mich an ein paar gravierende Begebenheiten, die
bezeichnend waren für seine Wesensart.
Eine davon war ein Besuch eines Rock Konzerts in Köln. Nach
Internetrecherchen war es um den 03. April 1970.
Es war ein zwei oder drei Tage dauerndes Festival, in der längst
abgerissenen Kölner Sportarena. Roger und ich hatten davon
Wind bekommen. Ich glaube mich noch daran zu erinnern, dass es Plakate
waren, die dafür lockten. Es trug den vielsagenden Titel Progressive
Pop Festival. Viele namhafte Bands der damaligen Zeit, die auch
heute noch teilweise auftreten, wenn sie nicht gestorben sind, waren
für den Event gebucht. Es traten unter anderem auf TRex, Yes,
Deep Purple, Colloseum, Kinks, Procol Harum, Nice and many more.
Bei uns reifte die Überzeugung, da dürfen Roger und Gerry
nicht fehlen.
Als der Termin für das Kölner Highlight dann näher
gerückt war, stellten wir uns an eine Auffahrt der Saarbrücker
Stadtautobahn und das Abenteuer Köln nahm seinen Lauf. Da zu
kam auch noch, dass wir beide zu der Zeit ziemlich klamm waren.
Wir hatten weder Kohle für die Bahn, geschweige denn welche
für die Ticket. Aber das hielt uns auch nicht ab davon, den
Weg an die Saarbrücker Stadtautobahn zu gehen und es mit Trampen
zu versuchen. Versuchen? Was heißt versuchen? Wir waren überzeugt
davon, ruck zuck sitzen wir in einem kuschligen PKW und ruck zuck
sind wir auch in Köln.
Das war schon mal der erste Trugschluss. Scheiße war's! Erstens
hielt fast niemand, und die anhielten, fuhren immer nur ein paar
wenige Kilometer und winkten gleich ab, als sie uns langhaarige
Typen aus der Nähe sahen. Aber irgendwie hatten wir es dann
bis Darmstadt geschafft. Zwischenzeitlich war es schon Abend geworden
und auch noch oder schon relativ spät. Wir suchten 'was zum
Essen und zum Pennen. Aber so einfach war das nun wiederum auch
nicht. Die Bahnhofsmission war zu und etwas anderes gab es auch
nicht. Vielleicht noch die Bahnbullen, aber um deren Office wurde
ein großer Bogen eingehalten. Zumindest glaubten wir das noch
zu jener Zeit.
Mit meiner damaligen kriminellen Ader war dann auch ganz flott
ein Fenster der Bahnhofsmission geknackt, wir stiegen ein und machten
uns erst mal auf die Suche nach etwas Essbarem. Dieses fanden wir
dann auch in Form eines Glases Marmelade, welches ich mir einverleibte.
(Anm. am Montag, 28.06.2004: An dieser Stelle muss ich fairer halber
gestehen, weil mich Roger in einem Email darauf hinwies, dass er
nichts von der Marmelade gegessen hat. Nun, ich weiß es nicht
mehr. Aber ich glaube dir, Roger und ich hoffe, die Sache ist so
mit bereinigt.) Nicht mal 'ne Scheibe Brot, ein Stück Obst
oder eine Süßigkeit. Kein Saft, keine Limo - nothing.
Nur Wasser aus dem Hahn. Aber was soll's? Hauptsache ein Dach über
dem Kopf und ein Raum zum Schlafen.
Das hatten wir dann auch so fest getan, dass wir am Morgen von
den Leuten der Bahnhofsmission und den Bahnbullen geweckt wurden,
die uns dann auch gleich mit zur Wache schleppten, um die wir einen
vermeintlich großen Bogen gemacht hatten. Nach dem wir, nein
ich, den Einbruch auf meine Schultern genommen hatte, den Mundraub
eines Glases Marmelade gestanden und ihnen erklärt hatte, warum
und wieso das alles, sah ich mich schon mit Roger in einem vergitterten
Raum und einer abgeschlossenen Eisentür. Aber nichts dergleichen
geschah und der Herr stieg vom Himmel herab, betrat geistig das
Bahnbullenbüro und gab uns beiden seelischen Beistand. Der
sah dann so aus, dass uns die Bullen mit einer freundlichen Ermahnung
entließen. Gott sei Dank!
Nun, irgendwie hatten wir es auch bis Köln geschafft und da
standen wir dann ohne Kohle und Ticket vor der riesigen Halle, in
die tausende von Leuten strömte. Wie nun da hinein kommen?
Ich erinnere mich noch, dass ich auf die Idee kam, uns als Roadies
einer Band auszugeben, uns ein paar Instrumente oder Verstärkerteile
griffen, und auf diesem Weg in die Halle gelangten.
Die Atmosphäre im gigantischen Rund war geil. Die Bands waren
tierisch gut drauf oder es kam mir zumindest so vor, nachdem uns
ein paar Leute an ihrer Tüte mitrauchen ließen. Angetan
war ich unheimlich von der englischen Band COLLOSEUM, deren einzigartiger
Drummer John Hiseman und der Saxophonist Dick Heckstall-Smith ein
wahres Feuerwerk an Können mit ihren Instrumenten abzogen.
Seit diesem Tag liebe ich die Band auch noch heute.
Irgendwann hatte ich mir auch einen Schlafsack ausgeliehen, ohne
dem Besitzer Bescheid zu geben und eine süße Maus aufgerissen,
von der ich heute nur noch weiß, das sie schmal und blond
war. Es gab in der Halle einen Teil, der zum Schlafsaal umfunktioniert
war, damit sich die ca. 8000 Menschen auch mal ablegen konnten.
Ich verschwand also mit meiner Eroberung im Schlafsack, Roger lag
neben dran auf einer Pappe, die er sich organisiert hatte und machte
ein neidisches Gesicht, weil er nichts aufgerissen oder keinen Bock
darauf gehabt hatte. Aber zu dieser Zeit waren wir dauergeil und
der Schwanz stand wie der Leuchtturm von Rhodos. Es dauerte auch
nicht sehr lange, bis ich meine Hände unter der Daunenhaut
auf Wanderschaft schickte. Wir zogen uns gegenseitig die Hosen aus
und beschäftigten uns beide intensiv mit unseren Geschlechtsteilen.
Es wurde ein schöner, wenn auch sehr beengter Fick. Irgendwann
wachten wir beide auf, weil wir pissen mussten. Als wir aus dem
Schlafsack gekrochen waren, mussten wir beide tierisch lachen, weil
der Schlafsack innerlich eingerissen war und wir von oben bis unten
mit Daunenfedern übersät waren.
In Saarbrücken traten RS RINDFLEISCH als Opener am Sonntag,
25. Oktober 1970 zusammen mit der Edgar Brougthon Band, Uriah Heep
und den Moody Blues vor 4-5000 Leuten in der Messehalle auf. Dope
und Groupies en Mass. Von Uriah Heep hatte Gerd ein riesiges Pice
Haschisch bekommen, weil der Bassist von denen mit seinem Bass spielen
durfte. Seiner war defekt, geklaut... keine Ahnung mehr. Es war
absolut geil! Nur Edgar Broughton flippte bei seinem Auftritt total
aus, als er einem Zuschauer die Gitarre über den Schädel
zog, weil der ihn während seiner Show laufend mit einem Blitzlicht
blendete. Blutüberströmt legte der Typ seinen Photoapparat
auf die Seite und begann einen wilden Tanz nach der harten und brutalen
Musik der Edgar Broughton Band. Nun, sein Wille geschehe...
Von irgendjemand hatte ich ca. 10 Mescalinkapseln erhalten, die
ich unter uns aufteilte. Es war eine absolut geile, aufgedrehte
und verrückte Stimmung. Als dann Moody Blues die Stage betraten,
begann auch das Meskalin seine volle Wirkung in uns auszubreiten.
WUMMMMMMM!! Die Halle atmete ein, die Halle atmete aus. Breitete
sich. Zog sich zusammen. Der Boden hob sich, und er senkte sich
wieder. Und durch alles hinweg erklangen die gigantischen Akkorde
von Nights in white satin und den anderen unvergesslichen Songs
dieser genialen Band. Die Hammondorgel schraubte sich in unsere
Eingeweide und flitzte darin herum wie ein Tausendfüßler.
Die Gitarre entzündete Blitze in unserem Hirn. Der Bass und
das Drums ließen unsere Eier platzen. Es war gigantisch und
animalisch zugleich. Und in dieser genialen Stimmung sprang Roger
plötzlich wie von der sprichwörtlichen Tarantel gestochen
von seinem Platz auf und schlug einem Typen, der vor ihm nervös
auf- und nieder sprang gewaltig eins auf die Fresse. Da Roger zu
der Zeit Karate lernte und auch gewaltig etwas drauf hatte, muss
man an dieser Stelle nun nicht lange überlegen, wie es den
Typen auf die Bretter haute. Als ich Roger fragte, was denn los
gewesen war, sagte er nur: "Der hat mich mit seiner Scheiß-Hektik
nervös gemacht!" Sprach es und ging wieder zu seinem Mescalintrip
zurück und genoss das Concert der Band bis zum letzten Akkord.
Roger war zu der Zeit mein allerbester Freund. Nein, er war mehr.
Er war Bruder, Vertrauter und ein Teil meiner selbst. Aber das habe
ich ja schon erwähnt. Es gab nichts was uns trennen konnte.
Wir wohnten dann auch irgendwann ein paar Nächte oder sogar
Wochen in Saarbrücken, über einer Disko namens Shepards
(???), in einer Wohngemeinschaft zusammen. Es war ein rot angestrichenes
Haus und wir Freaks nannten es ab und zu "the red house over
yonder", nach dem gleichnamigen Song von Jimi Hendrix. WG ist
vielleicht an dieser Stelle zu viel gesagt, denn es war die Wohnung
einer Prostituierten oder Bardame, bei der wir dann irgendwann und
irgendwie eingezogen sind. Wie das dazu kam, keine Ahnung mehr.
Ist ja auch egal. Sie war unheimlich lieb und nett. Aber sie ließ
sich von niemanden ficken, wie ich mich noch wage erinnern kann.
Zumindest nicht von Roger oder mir. Sie sah so geil aus und als
sie ab und an nackt aus der Dusche kam, hätte ich sie am liebsten
angefallen und ihr in die schwarz behaarte fleischige Möse
gebissen und meine Zunge in sie gebohrt. Aber ficken durfte ich
sie nur in meiner Phantasie. Doch das war auf Dauer zu eintönig
und so hielt ich wieder Ausschau in der Szene, das mein Schwanz
auch etwas zu tun bekam.
Dann lernten wir in der Saarbrücker Szene noch einen total
verrückten Typ mit seiner Tussi kennen, den alle nur Hippie
nannten. Wo er her kam, keine Ahnung. Er war plötzlich bei
uns am Saar ufer aufgekreuzt und konnte sagenhaft Autos knacken,
aus denen er aber immer nur die Sitzfelle - die besseren selbstverständlich!
- heraus klaute, um aus ihnen geile Westen zu nähen, die er
dann an den Mann oder an die Frau brachte. Für ein gutes Bakschisch
selbstverständlich. Aber ich hatte ja auch schon viel erlebt
und hatte auch einiges drauf, aber so habe ich noch keinen ein Auto
knacken sehen, wie diesen Hippie. Es dauerte keine Minuten, sondern
Sekunden und die Tür egal welchen Autos war geöffnet wie
mit dem Schlüssel aufgeschlossen. Dieser "Hippie"
zog dann auch mit in die WG und wollte dort dann auch gleich die
Regie führen, was ihm aber nicht gelang. Aber dafür schaffte
er etwas anderes. Er war groß, hager, hässlich. So nach
dem Motto the good, the bad, the ucly. Aber er brachte die Wohnungsinhaberin
da zu, sich regelmäßig von ihm pimpern zu lassen. Ab
und zu vögelte er auch seine Alte und das süße Hürchen
gemeinsam, die sich dann weiter mit sich selbst beschäftigten,
wenn er abgespritzt und sich zum Pennen zusammengerollt hatte. Ich
konnte es nie verstehen. Hippie konnte nicht Ficken; drei Minuten
höchstens und wie ein Rammler. Er konnte nicht lecken, sondern
schlapperte wie ein Straßenköter an einer Pfütze.
Und er vögelte NUR in der Missionarsstellung. Jedenfalls habe
ich nie etwas anderes wahrgenommen.
Eines Tages hatte ich Ingrid mitgebracht, die ich nach allen mir
bis dahin bekannten Künsten der körperlichen Liebe mit
meinem Schwanz, meinem Mund und meinen Händen bearbeitete.
Hippie und Dark Lady schauten uns zu. Ich bin mir sogar sicherer,
dass die süße Mieterin unseres Domizils glänzende
Augen hatte. Aber vielleicht hatte sie auch nur einen Zug bekommen,
denn der Ventilator brummte auf Hochtouren. Aber vögeln ließ
sie sich trotzdem nicht. zumindest nicht von mir, obwohl wir uns
sagenhaft verstanden. Aber vielleicht war es das Bruder / Schwester
ähnliche Verhältnis zwischen uns.
Eines schönen Tages klingelte es Sturm an der Wohnungstür
und meine und Rogers Mutter standen vor selbiger. Es gab einigen
Stress mit Rogers Mutter, weil sie sich Gedanken, Sorgen oder was
auch immer um den "Bub" gemacht hatte. Danach sind wir
dann auch ausgezogen. Ob wir alle raus geschmissen wurden, von selbst
gingen oder was auch immer - I don't know.
+++++ +++ +++++
Meinen Lebensunterhalt zu jener Zeit verdiente ich mir mit Gelegenheit
Jobs, dubiosen Geschäften, Dealen und Einbrüchen. Letzteres
meistens allein, da ich kaum jemanden traute. Ab und an war auch
ein Typ mit von der Partie, dessen Name mir heute entfallen ist.
Er war einer von der Art FRESSE HALTEN, EGAL WAS DU TUST. Genau
meine Devise. Ich kannte viele "Mitternachtsschlosser"
in Saarbrücken, aber viele von ihnen hatten vom "Geschäft"
keine Ahnung oder prahlten mit ihrem Bruch in der nächst besten
Kneipe des Milieus. Da es da auch immer ein paar "Zinker"
gab, wie wir die Polizeispitzel nannten, die solche Prahlheinis
bei den Bullen verpfiffen, waren viele noch in der "Arbeitsnacht"
verhaftet und in den Knast gesteckt worden. Alle Dinge, die ich
allein oder mit meinem "Arbeitskollegen" gerissen hatte,
sind niemals 'raus gekommen. Andere ja, wo mehrere beteiligt waren.
Aber das liegt ja auch auf der Hand. Traue noch nicht mal deinem
eigenen Schwanz, denn du kannst nicht SEHEN, was er gerade in deiner
Hose treibt.
Ich oder wir beide brachen eigentlich immer sehr gezielt ein und
IMMER so, dass wir nie einen Hehler in Anspruch nehmen mussten.
Warum? Nun, dadurch entging (en) ich / wir der Gefahr, dass jemand
über mich / uns Bescheid wusste. Unsere ausbaldowerten Objekte
waren Mode- und Elektrogeschäfte für den Eigenbedarf.
Kneipen und Spielhallen für das nötig Kleingeld und allein
stehende Häuser auf dem Land, von denen wir wussten, dass sie
gut gehenden Gaststätten- und Diskothekenbesitzern gehörten,
da es da IMMER Bargeld oder eine wertvolle Fotoausrüstung zu
finden gab, die man dann anonym in Frankfurt gegen Haschisch oder
LSD eintauschen konnte. Ob mal nur 300 oder manchmal mehrere tausend
Mark. Kohle hatte(n) ich / wir eigentlich fast immer. Bis zu jenem
Tag, als ich / wir auf das Heroin gekommen war(en).
Was soll ich euch jetzt sagen? Es tut mir leid? Das war Scheiße?
Oder was auch immer. Nein!
Meine Entwicklung ist einfach in diese Richtung gelaufen. Es gab
viele Gründe, Ereignisse, Rebellionen, die mich auf diesen
Weg geschleudert hatten. Klar habe ich alles selbst zu verantworten.
Und das ist es: ich habe es vor mir selbst zu verantworten
Harten Zeiten bis "Golgatha"...
Das nächste Kapitel zu schreiben habe ich mir sehr lange überlegt.
Zumal ich mir viele Gedanken darüber gemacht habe, dass sie
einigen Leuten die mich kennen oder meinen zu kennen sehr viel von
ihrem Glauben an mich rauben wird. Ich habe mir auch darüber
den Kopf zerbrochen, ob es für mich arbeitsrechtliche Konsequenzen
haben kann. Doch habe ich fast 10 Jahre im Sicherheitsbereich von
einem der größten Flughäfen Europas gearbeitet;
mit Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses und ich
glaube behaupten zu können, dass in diesem Unternehmen etwas
genauer kontrolliert wird als in anderen Unternehmen. Auch meinem
letzten Arbeitgeber habe ich ein polizeiliches Führungszeugnis
vorgelegt. Außerdem muss man über Vorstrafen nur dann
etwas mitteilen, wenn sie noch eingetragen sind oder man in einem
Beruf arbeitet, der die allgemeine Sicherheit gefährdet. Hinzufügen
möchte ich an dieser Stelle noch, dass die Geschichte nun schon
mehrere Jahrzehnte zurückliegt. Es ist mir aber inzwischen
wirklich egal, wenn sich nun Menschen plötzlich von mir abwenden,
mich in Zukunft meiden oder den Kontakt zu mir abzubrechen. Ich
habe nichts zu verbergen, ich habe nichts zu beschönigen. Das
Leben ist einfach eine Ansammlung von Geschehnissen und karmatischen
Zuständen, die man zwar oft lenken, aber nicht immer beeinflussen
kann. Außerdem habe ich in der Bibel das treffende Zitat gefunden
was da lautet:
Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Keine Alibifunktion,
sondern nur die Wahrheit.
Hier und an dieser Stelle meiner Lebensgeschichte kann sich ein
jeder, der diese folgenden Zeilen liest, individuell entscheiden,
ob er weiter meinen Weg verfolgen will oder nicht. Doch ein Teil
der menschlichen Gesinnung ist die Neugier, ein Zustand wie die
Geilheit. Man kann nicht stoppen sich zu befriedigen. Deswegen werden
auch die meisten hier an dieser Stelle weiter ihre Augen auf die
Fortsetzung meiner Geschichte lenken, zumal die Einleitung dazu
geführt hat, dass die Sucht der Neugier befriedigt wird.
Diese folgenden Kapitel schreibe ich ganz bewusst, weil ich vielleicht
dadurch beitragen kann, dass andere Leute - vor allem Jugendliche
- etwas aus meiner Erfahrung lernen. Und wenn ich nur EINEN erreiche,
hat sich die ganze Mühe schon gelohnt. Vielleicht können
diese Zeilen auch einen Beitrag dazu leisten, dass andere aus ihrem
Stillstand, aus ihrer Agonie des Lebens herausgerissen werden.
Wie schon an anderer Stelle erwähnt, lernte ich bei unserem
Aufenthalt mit RS RINDFLEISCH in Schweinfurt durch einen amerikanischen
Soldaten den Umgang mit der Spritze kennen.
Damals in den 70ern spielten wir mit R.S. RINDFLEISCH in der Disco
"Maxim" in Schweinfurt.
Da war "Duck", einer der vielen GI'S (damaliger Slang
für amerikanische Soldaten) die in Schweinfurt und Umgebung
stationiert waren und zum großen Teil auch schon fast alle
mehr oder weniger Bekanntschaft mit Vietnam, dem Krieg, dem Töten
und Vernichten von Menschen gehabt hatten, nur weil es ihnen ein
weltliches Arschloch so befahl. Sie hatten es erlebt, wie Menschen
von Granaten und Bomben zerrissen wurden. Sie hatten den Geruch
von herausgeplatzten Gedärmen und aufgerissenen Körpern,
den Geruch von Blut und verbranntem Menschenfleisch eingeatmet.
Und sie hatten fast alle schon fremde Menschen, darunter Kinder,
Frauen, Greise und Männer mit ihrem Gewehr oder sogar mit den
bloßen Händen getötet. Niemand hatte sie gefragt,
ob sie das wollten und ob sie überhaupt an diesem Krieg teilnehmen
wollten. Viel lieber wären viele von ihnen auf einem Surfbrett
stehend, in einem Sattel sitzend, die Haare in einem offenen Cabriolet
flattern lassen oder ihre Mädchen fickend in ihrer Heimat geblieben.
Aber nein, Befehl in einer "Weltmacht", in einem Land,
das gerade Anfang der '70er seine Stellung in der Welt ausbaute
war nicht so einfach zu umgehen. Auch wenn jetzt vielleicht viele
mit Ehre und Moral vor dem eigenen Charakter kommen, den eigenen
Arsch zu retten hat doch schon immer erste Priorität in unserem
Leben.
Aber zurück nach Schweinfurt und das MAXIM.
Der allergrößte Teil dieser amerikanischen Soldaten war
kaputt von den Erlebnissen dieses erbärmlichen und menschenunwürdigen
Krieges in der Dschungelhölle Vietnams. Jimi Hendrix lässt
mit seinem Song "Machine Gun" auf das herzlichste grüßen!
"Duck" kam nach dem Gig (d.h. "Auftritt" in
der Musikszene für Nicht-Eingeweihte) mit auf das Zimmer, wo
Gerd im Maxim wohnte. Guestrooms für die Musiker und Roadies
waren im selben Gebäude mit untergebracht wie der Club selbst
und die Wohnung des Besitzers, einem dauer- und geldgeilem alten
Sack, der dem Opa im Komik das KLEINEN ARSCHLOCH ziemlich ähnlich
war.
Okay, dieser "Duck" zeigte mir und Gerd wie man sich
einen Schuss mit einem Gemisch aus Meskalin und Kokain setzte. Es
war das erste Mal, dass wir mit einer Spritze, auch Fixe im Fachjargon
genannt, Bekanntschaft schlossen. Für mich und Gerd war es
faszinierend mit anzusehen, mit welchem WUMMMMMMMMMMM die Droge
durch die Vene gejagt im Kopf von "Duck" explodierte.
Gerd sagte nur einen Satz, der mir ewig in Erinnerung haften blieb:
"Geil! Bewusstseinserweiterung ohne Ende."
Schnell war etwa Mescalin und Koks mit Wasser vermischt und ich
und Gerd erhielten unseren ersten Abflug in eine Gegend die ich
nach einem Titel der Rolling Stones bezeichnen will: 2000 lightyears
from home....
Ich möchte an dieser Stelle nicht über die Vor- oder
Nachteile von Meskalin sprechen. Meskalin hatte ich ja schon gekannt,
aber ich hatte mir diese Droge noch nie in die Blutbahn gespritzt.
Normalerweise dauert es nach der oralen Einnahme von Meskalin ca.
eine halbe Stunde bis die Wirkung einsetzt. Durch die Blutbahn dauerte
das noch nicht einmal drei Sekunden. Ein warmes Gefühl durchflutete
meinen Körper und danach explodierte das Weltall in meinem
Gehirn. Die Wände wölbten sich und pulsierten im Takt
der Musik, die aus Gerd' tragbarem Kassettenrecorder erklang. Der
Boden verformte sich zu Wellen und rollte über mich hinweg.
Die Personen im Zimmer verschmolzen ineinander. Galaktische Farberuptionen
umschmeichelten mich. Es war, als befände ich mich im Inneren
eines gigantischen Kaleidoskops.
Den Auftritt von RS RINDFLEISCH an diesem Abend werde ich auch
nie mehr vergessen. Gerd spielte einen Bass, der meine Eier explodieren
ließ. Ich suchte mir eines der zahlreichen Mädchen aus,
ging mit ihr auf mein Zimmer und fickte mir die Seele aus dem Leib.
Immer im Takt der Band, deren Musik von unten zu uns heraufdrang.
Ein Orgasmus, als wäre in diesem Moment die Sonne zerplatzt.
Eine Seele, ein Körper, eine Welt.
In Schweinfurt lernte ich auch Opium kennen.
Opium rauchten wir aus einer langen Pfeife, die ein Amerikaner aus
mehreren Einzelteilen zusammenschraubte.
Das Opium war eine komische Sache. Erst die wildesten Geschichten
träumen, danach kotzte ich mir die Seele aus dem Leib. Dieser
Stoff war nicht meine Welt, obwohl ich immer mal wieder etwas davon
mitgeraucht habe.
Nach Regensburg verschlug es mich für kurze Zeit nach Speyer,
als ich einmal Dr. Friebel besucht hatte, den ich noch aus meiner
Jugendzeit und aus dem Kinderheim in Oberotterbach kannte. In Speyer
kam ich wegen Gelbsucht ins Krankenhaus und blieb für einige
Zeit bei der Krankenschwester Brigitte hängen, die aus der
Nähe von Landau / Rheinland-Pfalz stammte. Nach einem tierischen
Fick im Schwesternwohnheim zog ich mit ihr nach Hause ins elterliche
Haus. Aber mit ihrem Alten, einem derartig konservatives kernigem
Mittfünfziger gab es nur Krieg. Er wollte und konnte mit meiner
Lebenseinstellung einfach nichts anfangen, und ich wollte mich der
seinigen nicht anpassen. So kam es bald darauf zur Trennung von
Brigitte.
Als ich mich bei Brigitte aufhielt, bekam ich durch einen Bekannten
einen Job als Bühnenhelfer bei dem oben abgebildeten Concert.
Na ja, Bühnenhelfer ist vielleicht zu viel gesagt, denn er
hatte mehr gelabert, um mir ein Stück Shit abzuluchsen. Um
mir meine fehlende Eintrittskarte nicht anmerken zu lassen, fuhr
ich mit dem Truck von Pink Floyd einfach auf dem Trittbrett stehend
aufs Festivalgelände. Niemand fragte nach dem Ticket. Niemand
hielt mich auf.
Nachdem ich den Roadies von Pink Floyd beim Ausladen geholfen hatte
und die Kisten, Verstärker und andere Utensilien, die eine
solche Gruppe eben auf der stage benötigte, an ihrem Platz
standen, schenkte mir der Stage Manager der Band einen Backstage
pass. Der verschaffte mir ganz gute Möglichkeiten, die unterschiedlichsten
Bands und Musiker auch mal näher kennen zu lernen. Pink Floyd
erlebte ich aus dem Seitenbereich der Bühne. Wahnsinn!
Die DOORS traten aber nicht auf. Erstens wegen ihrem im letzten
Sommer verstorbenem Sänger Jim Morrison und zweitens wegen
irgendwelchen Rechten, die man der Rest band nicht einräumen
wollte oder konnte.
Es war eigentlich mein größtes Erlebnis in meiner Roadie
zeit, denn die musikalische Besetzung dieses Open Airs war schon
erste Sahne. Zumal Pink Floyd, die eine gigantische Show boten.
Außerdem war ich angenehm darüber überrascht wie
cool sie mit mir umgingen. Böse Zungen hatten nämlich
behauptet, sie seien so arrogante Arschlöcher.
Ich lebte dann eine Zeit lang in Neunkirchen / Saarland. Die Stadt
war bekannt für sein riesengroßes Eisenwerk, auch Hütte
genannt, die den meisten Männern des kleinen Städtchens
auch Arbeit gab. Es war staubig, dreckig und laut. Aber auch "Neinkirche"
wie wir im Saarland zu sagen pflegten, hatte eine gute Szene. Dreh
und Angelpunkt war die Diskothek Gaslight. Nicht zu verwechseln
mit jener gleichen Namens in Saarbrücken. Hier lebte ich mit
dem Bassisten der Gruppe JESUS HC zusammen. Bin mir da aber heute
nicht mehr ganz sicher, ob es der Bass oder ein anderes Instrument
war. Aber ich glaube mich zu erinnern, dass er Bassist war. Der
Typ, dessen Namen mir entfallen ist, lebte in einer zur Wohnung
umfunktionierten ehemaligen Werkstatt im Hinterhof eines Anwesens.
In Neunkirchen lernte ich auch die Schwester von Ki kennen, mit
der ich ein reines Vögelverhältnis hatte. Eine tierisch
abgehende schwarzhaarige Schönheit.
In Neunkirchen verübte ich dann mit dem Bassisten ein paar
Einbrüche, um unsere Haushaltskasse aufzubessern. So auch in
ein Fotogeschäft, wo wir eine damals sehr teure 16mm Kameraausrüstung
entwendeten, die ich dann in Frankfurt gegen Haschisch eintauschte.
Der Bassist lernte dann die Tochter des Fotoladens kennen und war
sehr lange mit ihr zusammen und heiratete sie meines Erachtens auch.
So streicht einem das Schicksal ab und an einen Streich. Bin gerade
am überlegen, ob ich die Band Jesus hc eigentlich auch einmal
live gesehen habe, Aber ich kann mich daran erinnern, einmal mindestens.
Dann wurde ich in Neunkirchen wegen Verstoß gegen das BTM
(Betäubungsmittelgesetz) und ein paar Einbrüchen auf offener
Straße verhaftet und in die Jugendstrafanstalt Ottweiler /
Saar in Untersuchungshaft gesteckt. WUMM! Eingesperrt. Weggeschlossen.
Der erste Knast.
Es dauerte auch nicht lange und in einem Anfall aus Wut, Schmerz,
Frust und Hilflosigkeit zerlegte ich meine Zelleinrichtung zu Kleinholz
und zerschlug mit dem herausgerissenen Waschbecken die Glasscheibe
des Fensters, durch die man nicht durchschauen konnte. Wegen dieser
ganzen Aktion erhielt ich keine Bestrafung, keine Anschiss. Nichts!
Das war aber bei vielen so eine Entladung wie sich aus manchen späteren
Geräuschen aus dem Bau hören konnte. Die Jungs nannten
es Schwedenkoller.
Es war keine kalte Jahreszeit und aus dem nun durblickbaren Fenster
hatte ich einen Blick auf den Eingangsbereich der Strafanstalt.
Ich konnte die Besucher sehen, die Bullen wenn sie zum Verhör
kamen oder einen neuen Kameraden brachten. Zulieferer und auch Weiber.
Hm, das waren geile Wichsvorlagen. Egal wie sie aussahen. In der
Fantasie waren sie ALLE nackt und geil und nass und bliesen meinen
Schwanz und ich durfte sie alle lecken und ficken und ficken und
ficken. Und ich fickte viel zu jener Zeit in der Zelle. So langsam
gewöhnte ich mich an den Zustand des Gefangenseins. Es war
zwar hart, aber ich fand schnell heraus wie ich mich ablenken konnte.
Nachts wichste ich mir die Seele aus dem Leib. Tagsüber ließ
ich mir eine Arbeit in einer der knasteigenen Werkstätten geben
und begann mit dem Schreiben und Malen. Ich schrieb Gedichte und
Gedichte und Gedichte. Geschichten, Fabeln und Märchen. Und...
ich schrieb Pornogeschichten. Von geilen nackten Frauen, die es
in allen Lagen mit geilen nackten Männern trieben. Die Dinger
waren der Hammer im Zellentrakt von Ottweiler und sicherten mir
so einen großen Teil meiner Zigaretten, meines Tabaks und
der Knastdroge Nummer eins, dem Kaffeepulver.
Fast zwei Monate wurde mein Fenster nicht mit einer neuen Scheibe
ersetzt. Geil!
Dann wurde ich bei einem Haftprüfungstermin mit Auflagen entlassen.
Mir eine Arbeit suchen, bei meinen Eltern wohnen und einiges mehr.
Ich hielt aber wenig davon.
Ich ging wieder zurück nach Speyer und Dr. Friebel besorgte
mir eine Stelle bei einem Fensterputzer. Aber ich lernte auch hier
schell die Heroinszene kennen und das lockere durch den Drogenverkauf.
Ich wurde das, was die Gruppe Steppenwolf in ihrem Titel The Pusher
besang. Ich wurde vom Fensterputzer gefeuert. Besser gesagt, ich
ging nach ein paar Wochen einfach nicht mehr hin, denn der Verdienst
war hier ein Mehrfaches vom Wischen der Kaufhausscheiben.
Da man meinen Lieferanten festgenommen und in Untersuchungshaft
gesteckt hatte und auf die Schnelle keinen Nachschub mehr erhielt,
brach ich in eine Apotheke ein. Sie lag fast mitten in der Stadt,
war an der Rückseite von einem hölzernen Bretterzaun,
der als Bauschutz diente versehen und man hatte einen Anbau an das
Hauptgebäude gemauert. In diesem neu errichteten Raum befand
sich auch die rückwärtige Tür zur Apotheke. Sie war
aus massivem Stahl und ich musste mir erst mal anderes Werkzeug
besorgen. Mit einer Fettpresse gelang es mir dann endlich nach fast
einer Stunde die Tür zu öffnen. Fettpresse? Ja, aber Einzelheiten
werde ich hier nicht preisgeben.
Der Giftschrank war gut gefüllt und Bargelder von fast 1000
Mark befanden sich auch noch in der Kasse.
Im Bahnhof kaufte ich mir dann in schon um diese Zeit geöffnetem
Souvenirladen einem eine kleine Sporttasche, holte die Opiate aus
seinem Versteck wo ich sie gebunkert hatte, ging zurück zum
Bahnhof, nahm ein Bad in der Mietwanne und fuhr mit einem Taxi zurück
nach Saarbrücken.
Hier nahmen dann die Ereignisse einen derartig drastischen Verlauf,
der mich in einen Strudel riss, der mein Leben noch mehr über
den Haufen warf.
Wieder in Saarbrücken zurückgekehrt, hatten Gerd und
ich uns immer mehr auf harte Drogen konzentriert, und wir lernten
dadurch auch eine ganz andere Art von Menschen kennen. Wir trifteten
ab in die so genannte Junky szene und lernten im Laufe der Zeit
noch zwei andere Substanzen kennen. Die eine wurde aus dem Kokastrauch
gewonnen, die andere aus dem Schlafmohn, trefflicher formuliert
aus dem Opium. Es waren die Drogen Kokain und Heroin. Später
kam dann noch das Morphium hinzu.
Das war der Anfang unseres Unterganges...
Eines Tages fragte mich mal jemand, ob ich schon einmal "Ätsch"
(engl. für den Buchstaben H. Es ist im Slang die Bezeichnung
für Heroin) probiert habe. Ich verneinte. Er bot an, mir den
ersten "Schuss" zu setzen. Nach anfänglichem Zögern
willigte ich ein, denn ich hatte schon so viel über diese bräunliche,
nach Essig riechende Droge erfahren. Schnell wurden zwei Spritzen
mit dem aufgekochten Sud aufgezogen. Dazu schüttete man eine
geringe Menge des Pulvers, im Aussehen wie ganz, ganz feiner Sand,
auf einen Löffel. Etwas Wasser dazu und mit dem Feuerzeug oder
einer Kerze erhitzt. Ein Stückchen vom Inneren eines Zigarettenfilters
dazu und über diesen den Stoff mit der "Gun" (Ausdruck
für die Spritze) aufgesogen. Der Oberarm wurde abgebunden,
um das Blut in der Vene stauen zu lassen, die Nadel hinein, abdrücken...
und eine gigantische Wärmeflut durchzog mein Inneres. Ein unwahrscheinliches
Gefühl des Wohlseins nahm von mir Besitz. Trägheit, eine
innere Ausgeglichenheit und ein Gefühl von LECKT-MICH-DOCH-ALLE-AM-ARSCH
nahmen mich in seine Arme. Rollte mich in einen riesigen Wattebausch
und ließ mich allein. Aber dieses Alleinsein war anders als
Einsamkeit. Mir war alles egal. Ich fühlte mich nur wohl. Ich
saß irgendwo weit oben, schaute auf die Welt und schiss einen
dicken Haufen auf alles. Doch die Wirkung ließ nach einiger
Zeit wieder nach, und ich stand wieder mitten in meiner Realität.
Jobben gehen. Einkaufen musste ich auch noch. Abends wollte ich
auch noch zu einem Konzert... Scheiße Mann, was ein Stress,
was für eine bescheuerte Hektik. Lasst mich doch alle in Ruhe!
Verschwindet! Lasst mich allein! "He Alter, gib mir noch 'nen
Schuss"...
So fing das an. Ich betrat eine Welt, die ich im Sein meiner Sinne,
in meinem Verstande und in meiner Weltanschauung gar nicht WOLLTE.
Aber dieses verdammte LECKT-MICH-DOCH-ALLE-AM-ARSCH-GEFÜHL
war es letztendlich, das die Oberhand gewann. Heroin bewirkt oder
schafft einen Zustand, da kann neben dir die Mutter, die Frau oder
das Kind von einem Lastauto überfahren werden, da wird kurz
hingeschaut und festgestellt "Oje, der oder die ist ja platt!
aber es BERÜHRT dich nicht. Absolut scheißegal! Keine
Verschwendung irgendeines Gefühls an die Sache selbst.
Vielen sieht man am Anfang auch nicht an das sie Heroin zu sich
nehmen, denn es passiert nichts Außergewöhnliches. Keine
gravierenden Auffälligkeiten. Arbeiten gehen? Am Anfang kein
Problem! Sich unterhalten? Kein Problem, nur das die Stimme etwas
schwer und schleppend ist; das wird jedoch oft mit dem Standardhinweis
"Ich bin heute aber müde!" zur Seite gewischt. Eigentlich
ergreift auch keine Aggressivität oder Melancholie von einem
Besitz. Nee, alles ist normal, außer das alles überwiegend
von der Droge gesteuert wird.
Nach kapp zwei Monaten war ich dann so richtig heroinabhängig,
nachdem ich die Wochen davor zwar gelegentlich oft, aber nicht jeden
Tag einen Schuss gesetzt hatte. Ich benötigte inzwischen schon
zwei bis vier am Tag. Dazu kam dann noch, dass Heroin nicht gerade
billig ist. Das Gramm kostete damals schon so um die 150.- - 200.-
DM. Ein Haufen Geld, wenn man nur von gelegentlichen Jobs in der
Großmarkthalle oder bei RS RINDFLEISCH lebte, bei denen es
auch kaum Kohle gab.
Zu dieser Zeit lernte ich dann auch Christiane S. kennen. Sie war
ein bildhübsches Mädchen mit langen dunklen Haaren. Wir
verstanden uns auf Anhieb und so war es dann auch nur eine Frage
von zwei drei Tagen, dass Christiane zu mir zog. Zumal sie auch
bei ihren Eltern in einer Wohnsiedlung von Dudweiler lebte und sehr
froh war, diesem Dasein zu entrinnen. Christiane war zwischen 18
und 19 Jahren alt und ebenfalls heroinabhängig. Durch die Freundin
von Gerd, dem Bassisten, bekam Christiane einen Job in einer Bar.
Hier verdiente sie nicht allzu schlecht, musste sich dafür
aber von geilen Typen betatschen lassen und ihnen ab und zu einen
abwichsen. Mehr war nicht drin.
Mit der Zeit lag unser gemeinsamer Tagesverbrauch bei zwei Gramm.
Das Geld langte hinten und vorne nicht. Sexuellen Kontakt hatten
wir auch kaum noch, da das Heroin nicht gerade dazu geeignet war
den Sex trieb anzuregen. Das Gegenteil war der Fall. Bei Kokain
war das wieder ganz anders. Man konnte die ganze Nacht durchficken
und war in einer riesigen Dauer-Geilheits-Welle. Außerdem
ist man unter Koks ständig auf Achse. Immer in Bewegung und
Action. Das ist auch mit ein Grund, warum Kokain die Modedroge der
Schicky Micky Szene ist. Auch heute noch.
Mit der Zeit jagte ich mir alles in die Venen was ich unter die
Finger bekam. Wir lösten Captagon, ein Aufputschmittel auf,
spritzten uns Kokain oder besorgten uns über Krankenhausärzte
oder Schwestern geklautes Morphium, das dafür Patienten nicht
erhielten, sondern man ihnen etwas anderes verabreichte. In dieser
Zeit begann ich auch mit Drogen zu dealen (d.h. zu verkaufen, zu
vermitteln), um unsere finanzielle Situation aufzubessern. Das lief
sehr gut, zumal wahnsinnig viele Leute Haschisch rauchten, Trips
(d.h. LSD oder Meskalin) zu sich nahmen oder Kokain durch ihre Nase
sogen. Es war ein Geschäft, das eine Menge Kohle einbrachte.
Uns ging es teilweise so gut, dass wir Tagesausflüge nach Metz,
Paris oder Luxemburg unternahmen, einen Kaffee tranken, ein wenig
shoppen gingen und wieder heim. Wir besuchten Rockkonzerte aller
Acts, die in der Nähe auftraten. Es war schon ein "geiles
Leben" aus der damaligen Sicht. Aber der Körper ging langsam
immer mehr in den Arsch. Am meisten meine Leber.
Durch dieses illegale und gesetzwidrige Verhalten kam ich in eine
Szene, die mit der lieblichen Hippiebewegung wenig zu tun hatte.
Man war halt nur der Lieferant für ihre Träume. Ich lernte
die unterschiedlichsten Leute der saarländischen Unterwelt
kennen. Einbrecher, Tressorknacker, Betrüger, Heiratsschwindler
um nur ein paar zu nennen. Es war eine Welt, die so gar nichts mehr
mit der friedlichen Welt der Powerflower bewegung zu tun hatte.
Hier herrschte ein gnadenloser Machtkampf, eine Rivalität,
der oder die immer wieder aufs Neue verteidigt werden musste. So
ging es mit der Zeit auch mir. Viele hatten gerochen, dass im Drogengeschäft
eine Menge Kohle zu machen war und es kostete viele Mühe, die
geschaffene Stellung zu behaupten. Es gab Kompromisse und Vereinbarungen
auf allen Seiten. Und man war immer bedacht, diese "Gesetze"
nicht zu brechen. Kein Staat kann von sich behaupten, dass er den
besten Geheimdienst besitzt. KEINER! Den am Besten organisiertesten
hat die Unterwelt.
Mit der Zeit hatte ich Hinweise erhalten, dass das Rauschgiftdezernat
der Stadt Saarbrücken ein Auge auf mich geworfen hatte. Mit
Christiane zusammen oder allein wurde ich auch mehrmals in der Stadt
gefilzt (d.h. an Ort und Stelle untersucht). Das war immer eine
lustige Situation. Die Bullen stellten einen, egal wo. Im Kaufhaus,
im Café, auf der Straße. Hände an die Wand, einen
Schritt zurücktreten, Beine spreizten, untersuchen lassen.
Das gab jedes Mal einen Menschenauflauf, der einfach nur geil war.
Brave Bürger, Rentner, Frauen und Kinder, Arbeiter bildeten
spontan einen Kreis um das Geschehen und glotzten aus sensationsgeilen
Augen auf das, das die meisten nur aus Stahlnetz oder dem Tatort
aus dem Fernsehen kannten. Der Oberbulle des Rauschgiftdezernates
zur damaligen Zeit war ein gewisser Hans, der mich bei jeder derartigen
Situation darauf hinwies, dass er mich eines Tages festnageln würde.
Ich lachte ihn immer wieder aus.
Anfang 1973 brach ich dann in Saarbrücken mit einem "Kumpel"
in eine Apotheke ein, wo wir eine große Menge Morphiumsubstanzen
aus dem aufgebrochenen Schrank für Opiate erbeuteten. Auch
eine Unmenge an Aufputsch- und Beruhigungsmitteln, Spritzen und
Kanülen ließen wir mitgehen. Ich fuhr zu jener Zeit total
auf Morphium ab, dass jedoch nur sehr schwer und selten zu bekommen
war. Morphium hatte für mich eine "angenehmere Wirkung"
als Heroin. Der "Kumpel" bekam um die 2500.- DM, die wir
in einer Kasse fanden, die mit im Schrank für Opiate eingeschlossen
waren und ich den Rest. Noch in der Apotheke verpasste ich mir einen
"Druck".
Ich holte Christiane in der Bar ab und fuhr mit ihr nach Hause,
wo ich schon ein paar Vorbereitungen getroffen hatte. Das ganze
Zimmer war mit unzähligen Teelichtern ausgestattet. Aus der
Stereoanlage erklang Musik von Klaus Schulze, der mit seinen Synthesizern,
Orgeln und Pianos eine meditative Musik erzeugte. Den ganzen erbeuteten
Stoff hatte ich unter der Bettdecke ausgebreitet. Zu Christiane
sagte ich, dass sie die Bettdecke aufschlagen sollte. Sie traf fast
der Schlag als sie es tat.
Bei der Injektion einer dieser „Morphin Ampullen“ wäre
mir eines Tages fast ein tödliches Missgeschick passiert. Ich
zog den Inhalt einer Ampulle in die Spritze, jagte mir den Stoff
in die Vene und bekam plötzlich keine Luft mehr. Ich ging in
eine Welt, die ich bis dato noch nicht gekannt hatte. Gleißendes
Licht um mich herum. Meine Umwelt verschwand vor meinen Augen und
ich tauchte für eine kurze Zeit in die Besinnungslosigkeit.
Aber ich kam von selbst wieder zu mir. Helfen konnte mir in diesem
Moment auch niemand, weil ich allein in der Wohnung war als es passierte.
Nachdem ich dann wieder einigermaßen klar denken konnte, las
ich den Beipackzettel. Und der haute mich total aus den Schuhen.
Ich hatte ein Mittel erwischt, dass noch nicht einmal das geringste
mit Opiaten zu tun hatte, sondern bei der Geburt dazu verwendet
wurde, die Scheide für das Herauspressen des Kindes geschmeidig
und schmerzunempfindlich zu machen. Das Mittel durfte nur muskulär
und auf keinen Umständen intravenös verabreicht werden.
So bin ich gerade mal wieder dem Tod in letzter Sekunde von der
Sense gesprungen; dank meines stillen unsichtbaren Begleiters, dem
Schutzengel.
Gerd, der Bassist von RS RINDFLEISCH, der auch gewaltig zu jener
Zeit an der Nadel hing hatte auch Scheiße gebaut und die Bullen
am Hals. Er verschwand nach London und lebte dort mit seiner englischen
Frau und ihrem gemeinsamen Sohn über 10 Jahre, weil dadurch
seine Straftat verjährt war. Als Ehemann einer Engländerin
und Vater eines in England geborenen Kindes wurde er nicht ausgewiesen.
Das Ende meiner Drogenzeit ist auch schnell erzählt. Der "Kumpel",
mit dem ich in die Apotheke eingebrochen war, wurde von den Bullen
verhaftet und sang bei der Vernehmung eine gewaltige Arie, die Enrico
Caruso auf den Opernbühnen der Welt nicht besser zum Besten
gegeben hätte. Eines Morgens klingelte es wie wild an der Wohnungstür
zu unserer 140 qm großen Wohngemeinschaft, die wir uns mit
zwei anderen Paaren teilten. Irgendjemand musste geöffnet haben,
denn mit lautem Krachen flog unsere Zimmertür auf. Hans mit
seiner Truppe vom Rauschgiftdezernat stürmte mit gezogenen
Waffen unser Zimmer und nahm mich fest. Ich kann mich noch gut an
die Worte des damaligen Chef vom Rauschgiftdezernat erinnern, die
er mir in diesem Moment mitteilte: "Ich habe es Dir versprochen,
dass ich Dich bekomme! Hier bin ich."
Bei der folgenden Gerichtsverhandlung vor dem Landgericht Saarbrücken
wurde ich wegen fortgesetztem Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz
in Tateinheit mit schwerem Einbruch, Verstoß gegen Bewährungsauflagen
zu 24 Monaten Strafvollzug verurteilt. Der Schwere Einbruch wurde
dann verworfen und zu einem Einbruch umformuliert, weil wir keine
Personen verletzt hatten.
So saß ich dann achtzehn Monate in der JVA ein. Diese Geschichte
zu erzählen spare ich mir aber an dieser Stelle, denn es würde
ein ganzes Extrabuch füllen. Es war nur interessant, welch
eine illustre Gesellschaft da versammelt war. Darunter auch zwei
der "Lebach Mörder" (sie hatten in den Sechzigern
mehrere Soldaten in einem Waffendepot der Bundeswehr in Lebach /
Saarland erschossen und erstochen, um an automatische Waffen und
Munition zu kommen) und viele meiner ehemaligen "Bekannten"
aus der saarländischen Unterwelt, viele Steuer- und sonstige
Betrüger, Einbrecher etc. Die ganze Palette der Unterwelt also.
Auch ein schon älterer Mann, der sich zu jener Zeit wegen vierfachem
Mord schon 23 Jahre in Haft befand.
Der Knast war keine Jugendstrafanstalt mehr, sondern Erwachsenen
Vollzug. Das war schon ein ganz anderes Kaliber als Ottweiler. Der
Knast befand sich in Saarbrücken auf einem Berg, kurz vor der
französischen Grenze.
Hier schrieb ich wieder meine geilen Geschichten über das
Ficken, Blasen und andere Anregungen der sexuellen Freiheit. Sogenannte
Fickromane, die auch in dieser Anstalt gut ankamen. Alles was der
Geilheit förderte, um sich einen runterzuholen war ein willkommene
Abwechslung in der täglichen Knastroutine Eingetauscht wieder
gegen Zigaretten, Tabak und Kaffe.
Ich jobbte eine Zeit in einer Werkstatt wo richtig harte Pornohefte
sortiert und verpackt wurden. Richtige Bilderhefte mit glitschigen
Mösen und spritzenden Schwänzen. Obwohl wir nach Schicht
immer kontrolliert wurden, es gab immer Wege, eine Wichsvorlage
mit auf die Zelle zu schmuggeln. Je mehr Leute dann diese Hefte
in ihren Händen gehalten hatten, je mehr verklebten die Seiten
mit der Zeit. Warum? Nun, wo bleibt deine geile Fantasie.
Später nach 12 Monaten wurde ich dann in den halboffenen Strafvollzug
nach Merzig verlegt. Das war geil, wenn man schon von geil in diesem
Zusammenhang sprechen konnte. Aber wir waren zwar in einem mit hoher
Mauer umgebenen Gelände untergebracht, aber unsere Zellen standen
immer offen und man konnte sich innerhalb des Knastes ziemlich frei
bewegen. Alle Insassen von Merzig arbeiteten auf dem Saarbrücker
Hauptfriedhof, wo wir mit einem normalen Bus hin- und abends wieder
zurück gekarrt wurden.
Geil war auch, das man von guten Freunden immer etwas Dope gebracht
bekam, auch mal ein paar Bierchen oder ein paar Mark. Dazu machte
man bestimmte Verstecke aus, die dann nachts von den Kumpels gefüllt
wurden. Auch hatte ich mich wie viele andere auch mit dem Gärtnermeister
des Friedhofs angefreundet. Dieser nahm einen dann immer ab und
an mal zu Sonderarbeiten mit, die aber eine rein super geile Angelegenheit
war. Gegen ein Bakschisch in barer Münze, rief er unserer Freundinnen
oder Ehefrauen an, verabredetet mit ihnen einen Zeitpunkt, zu welchem
man immer zur Sonderarbeit angefordert wurde, wenn die jeweils richtige
Frau des Häftlings im Geräteschuppen wartete. Was dann
folgte und dort geschah, muss hier nicht extra erzählt werden.
Aber ALLE verließen mit grinsendem Gesicht und leuchtenden
Augen den Schuppen. Und... wichsen musste man in der Nacht auch
nicht mehr. GRINS***
Ich habe in meinem Leben nie mehr so viel gelesen wie im Gefängnis.
Ich verschlang alles was die Knastbibliothek so hergab.
Jack Kerouac
(* 12. März 1922 in Lowell im US-Bundesstaat Massachusetts,
USA, † 21. Oktober 1969; eigentlich Jean Louis Lebris de Kerouac)
war ein US-amerikanischer Schriftsteller mit franko-kanadischen
Wurzeln und einer der wichtigsten Vertreter der Beat Generation.
Kerouac wurde in eine franko-kanadische Familie geboren, wo er den
französischen Dialekt Joual sprach und erst mit seiner Einschulung
Englisch lernte. Der frühe Tod seines älteren Bruders
Gerard war für den jungen Jack ein tragisches Ereignis, das
er in Visions of Gerard zu verarbeiten versuchte.
Seine sportlichen Erfolge brachten ihm 1940 bis 1941 ein Stipendium
an der Columbia University in New York ein, wo er zusammen mit Kommilitonen
wie Allen Ginsberg oder William S. Burroughs den Ursprung der Beat
Generation bildete. Die Beatniks gelten als erste Vertreter des
Genre der Popliteratur.
Nach einem Beinbruch verließ Kerouac die Universität
und trat der Handelsmarine bei, nachdem er bei der Kriegsmarine
zurückgewiesen worden war. 1943 konnte er dann doch noch zur
Kriegsmarine wechseln, wurde aber im Jahr darauf wegen psychischer
Probleme entlassen. Seine Zeit auf See findet sich in The Sea is
my Brother wieder.
Zwischen seinen Seereisen blieb Kerouac bei seinen Studienfreunden
in New York. Er traf sich mit Allen Ginsberg, Neal Cassady, Lucien
Carr und William S. Burroughs, die ihn beeinflussten und sein autobiografisch
gefärbtes Werk prägten.
Es waren die wildesten Jahre von Jack Kerouac - mit Wein, Drogen,
sexuellen Abenteuern, und Reisen durch die USA, Mexiko, Nordafrika
und Europa. Diese Reisen waren die Basis für seine Romane,
die in einem von Drogen und rhythmischer Umgangssprache geprägten
Stil geschrieben sind. Auch die „grandiose“ Musik des
Bebop und der Zen-Buddhismus begeistern ihn und prägten sein
Denken; Kerouac bezeichnete in einem Nachruf den großen Charlie
Parker als „Buddha“.
Seine Werke:
* On The Road (dt. Unterwegs) (1957)
* The Subterraneans (Bebop, Bars und weißes Pulver) (1958)
* Visions of Gerard (1963)
* The Town and the City (1960)
* Doctor Sax (1959)
* Maggie Cassidy (1959)
* Visions of Cody (1959)
* Mexico City Blues (1959)
* The Dharma Bums (Gammler, Zen und hohe Berge) (1958)
* Tristessa (1960)
* Desolation Angels (1965)
* Big Sur (1962)
* Satori in Paris (1966)
* Vanity of Duluoz (1968)
* Book of Dreams (Traumtagebuch) (1961)
* Lonesome Traveller (1960)
* Pic (1971)
* Scattered Poems (1971)
* Selected Letters (1993)
* Some of the Dharma (1994)
* Book of Blues (1995)
( by www.wikipedia.de)
Ich las Gedichtbände von Francois Villon (bekannt durch Klaus
Kinski und seinem Vortrag des Villon Gedichtes "Ich bin so
wild nach deinem Erdbeermund"), entdeckte die wunderbare Lektüre
von Hermann Hesse. Lernte die Schriften von Friedrich Nietzsche
und Ernest Hemingway kennen und schätzen. Was da geschrieben
stand war eine Beschreibung meiner tiefsten Seele. Es war ein Spiegelbild
meiner Gedanken und Wünsche.
Außerdem jede Menge Geschichtsbücher und Biografien.
Mein Lieblingsbuch war aber Der Fänger im Roggen von Jerome
D. Salinger
(1951) (Originaltitel „The Catcher in the Rye“) ist
der einzige weltweit erfolgreiche Roman des US-amerikanischen Schriftstellers
Jerome D. Salinger (*1919).
Dem Autor gelingt es, in den Handlungen und Gedanken der gleichsam
als Antiheld agierenden Hauptperson Holden Caulfield die inneren
Kämpfe der heranwachsenden Generation auf überzeugende
Weise zu gestalten.
Der Titel des Buches leitet sich aus einem Wunschbild des Protagonisten
ab: In Anlehnung an ein Kinderlied von Robert Burns möchte
er Kinder, die auf einem Roggenfeld spielen, davor bewahren, dass
sie über eine Klippe in einen Abgrund am Rande des Feldes stürzen.
Außerdem schrieb ich wieder Gedichte und Kurzgeschichten.
Später habe ich dann die ganzen gesammelten literarischen Ergüsse
einem Liedermacher aus dem hessischen Mörfelden-Walldorf gezeigt,
einem gewissen Siggi L., der aber meinte, das sei alles Scheiße.
Da habe ich die ganzen Werke in die Mülltonne geschmissen.
Heute bereue ich das sehr, denn im Nachhinein fand ich die Erklärung
meiner späteren Frau Helga sehr passend:
"Vielleicht war der nur sauer, weil er nicht so schön
schreiben konnte. Schau dir doch mal DEM SEINE Texte an, da erkennst
du schnell wer Scheiße schreibt, wenn wir seine Bezeichnung
über deine Sachen verwenden wollen."
Nun ja, so könnte es auch gewesen sein. Aber Siggi hatte Beziehungen
zu einem Verlag, die ich mir zu Nutze machen wollte.
In diesem Zusammenhang habe ich noch so einen Mist gebaut, indem
ich alle alten Fotos, die ich in den vergangenen Jahren geschossen
hatte, ebenfalls in der Mülltonne verschwinden ließ,
weil ich mit der alten Zeit abschließen wollte. Auch so ein
Trugschluss wie sich herausstellte. Man kann nicht abschließen,
weil die Erinnerung an die Dinge und Situationen immer wieder mal
ins Bewusstsein vorrückt.
1974 erfuhr ich dann im Knast, dass meine Freundin Christiane an
einer Überdosis Heroin ums Leben gekommen sei. Die Umstände
ihres jungen Todes wurden nie ganz geklärt. Ich habe im Knast
nur herausbekommen, dass man ihr eine Spritze mit einer großen
Menge reinem Heroin gegeben haben sollte, weil sie zu viel wusste
und einigen Leuten zu gefährlich wurde. Das wurde jedoch nie
offiziell bestätigt, und die Info hatte ich wie schon gesagt
im Knast bekommen.
Ich durfte an der Beerdigung in Bekleidung von zwei Knastbullen
teilnehmen. Als der Sarg in die Tiefe gelassen wurde, brach ich
weinend und mit einem Nervenzusammenbruch zusammen, denn mir wurde
in diesem Moment meine beschissene Situation, mein beschissenes
Leben und alles mit dieser verdammten Fixerzeit so bewusst und klar.
Noch an ihrem Grab schwor ich mir, nie wieder eine Spritze in die
Hand zu nehmen. Daran habe ich mich auch bis heute gehalten.
Wegen guter Führung wurde ich dann im Dezember 1974 entlassen.
Mein erster Weg in Freiheit ging zu einer Bekannten, bei der ich
mir den Frust, den Schmerz, die Brutalität des Knastes aus
dem Leib fickte.
Als ich in den Knast kam, war Roger meine absolute Bezugsperson.
Und er war auch dann maßgeblich daran beteiligt, dass ich
zur Bewährung im Dezember 1974 vorzeitig entlassen wurde, weil
er mich bei sich aufnahm. Roger wohnte zwischenzeitlich in Frankfurt
am Main und hatte in Sachsenhausen - direkt im Leben - eine geile
Wohnung. Nach ein paar Joints kamen wir dann auch mal auf die Idee,
eine der weiß gestrichenen Wände des Living Rooms zu
bemalen. Das wurde dann auch kurz darauf in die Tat umgesetzt. Ich
kann mich noch daran erinnern, dass ich als Vorlage ein Platten
Cover heranzog. Bin mir heute aber nicht mehr ganz sicher, ob wir
das mit einem Projektor auf die Wand geworfen hatten und ich die
Details nachzeichnete, oder ob ich das Bild des Covers frei per
Hand auf die Wand malte. Auf jeden Fall sah das ganze ziemlich cool
und groovy aus. So mit Joints, Bäumen und lustigen Freaks.
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