"Je länger er sich die Menschheit vom Leib halten konnte, desto besser fühlte er sich."
- by Charles Bukowski

Februar 1998
"Gernot, ich will nicht lange um die Sache herumreden, es hat
sich bestätigt und Du hast Leberkrebs!"
Im ersten Moment drang das in mein Gehirn wie der Satz "Heute
Mittag gibt es Wiener Schnitzel." Nun gut, KREBS, wenn das
alles ist; und ich habe mir schon sonst 'was vorgestellt. Dass mein
Schatz fast vor Weinkrampf vom Stuhl gefallen ist, dass sie und
der Doc einen Disput hatten, bekam ich eigentlich nur am Rande mit.
Mein Gott, nun regt EUCH doch ALLE nicht so auf!
Erst als wir dann zu Hause waren, meine Helga etwas zum Trinken
aus dem Keller holte und ich allein im Wohnzimmer saß, kam
es mit Urgewalt:
ICH HABE KREBS.
Dieser Gedanke tyrannisierte mich derartig, dass nur noch ein tierischer
Schrei meinen Mund verließ. Der Schrei brach sich an den Wänden
und fesselte mich mit meiner eigenen Angst. Er schlug mich zu Boden,
trat mir so gewaltig in die Fresse, dass ich die Realität verlor.
Ich war gnadenlos und unbarmherzig gefangen in einem undurchdringlichen
Dschungel des Wahnsinns, der Hilflosigkeit und der Schizophrenie.
So, wie es Jim Morrison von den DOORS in seinem Lied The End besungen
hatte:
"Lost in a Roman wilderness of pain
And all the children are insane
All the children are insane
Waiting for the summer rain..."
Oder in meinem anderen Song (meinem Lebensmotto):
"Before I sink
Into the big sleep
I want to hear
I want to hear
The scream of the butterfly..."
Es ist nicht zu beschreiben, was da in einem los ist; welche unbekannten
Mächte der Angst, der Verlorenheit, der Einsamkeit an einem
zerren. Und immer und immer die beiden Worte vor Augen: T O D und
W A R U M .
Erst in den folgenden Tagen hatte ich so langsam mitbekommen, dass
es kaum Hilfemöglichkeiten für mich gab, nachdem mich
ein Frankfurter Tumorspezialist, ein gewisser Professor Dr. Fischer
untersucht hatte. Dieser Professor war es dann auch, der mich an
einen anderen Professor in der Uniklinik überwies, der eine
Kapazität auf dem Gebiet des Leberkarzinoms sein sollte. Prof.
Dr. med. M. Lorenz und sein sagenhaftes Team, Frau Dr. med. Staib-Sebler
und Frau Dr. med. C. Gog.
Am 16. März 1998 wurde ich dann morgens in der Uniklinik Frankfurt
am Main aufgenommen und sollte am nächsten Tag operiert werden.
Man hatte sich zu einer Teilentfernung meiner Leber entschieden,
da der Tumor ziemlich groß sein sollte. Ich bekam meine Abführmittel,
um den Darm für die bevorstehende Operation zu reinigen. Abends
bat mich dann Prof. Dr. Lorenz, der die OP auch selbst leiten sollte,
in sein Zimmer auf der Station im 11. Stock. Unter einigen Erklärungen
zur bevorstehenden OP, fragte er mich unter anderem auch, ob ich
eine Vorstellung davon hatte, wie groß der Herd des Karzinoms
eigentlich sei. Ich verneinte und teilte ihm mit, dass ich immer
noch von drei bis fünf Kirschkerngroßen Segmenten ausging,
Das war bis zu diesem Abend auch mein offizieller Wissenstand. Er
zeigte mir die letzten Aufnahmen des CT's, die man ein paar Tage
zuvor bei einer Untersuchung in der Uniklinik angefertigt hatte.
"Dies ist der rechte und der linke Leberlappen", höre
ich auch heute noch seine Worte in meinem Kopf. "Was erkennst
Du daran?", seine Frage, mir die Aufnahmen über den Schreibtisch
zuschiebend. Ich betrachtete die Bilder und konnte nach einiger
Zeit feststellen, dass fast der ganze Teil, den er zuvor als rechten
Leberlappen bezeichnete, etwas dunkler war als der linke Teil. Seine
Antwort auf meine Feststellung dröhnt mir noch heute im Schädel,
windet sich auch noch in diesen Tagen durch die grauschwabbelnde
Masse meines Hirns.
"DAS IST DEIN LEBERKARZINOM!"
In diesem Moment war ich geistig auf der anderen Seite des Seins!
Meine Chancen der Operation lagen bei 50: 50. Das bezog sich aber
mehr darauf, dass ich die OP und die nächste Zeit überleben
würde. So deutlich hatte es mir ein Stationsarzt mitgeteilt.
Helga war dabei. Und es war der Morgen des 17. März 1998, der
eigentliche Tag meiner OP. Diese hatte man aber kurzfristig um einen
Tag verschoben, weil ein riesiges Team von Chirurgen, Ärzten
und OP-Schwestern mit einer Lebertransplantation beschäftigt
waren. So war ich also mehr unfreiwillig als aus eigenem Wunsch
zu einem Tag des Wartens mehr gezwungen worden.
Den Rest des Tages verbrachte ich mit Helga, aber ohne Nahrung,
weil ich nicht nochmals diese vier 1-Literflaschen Abführmittel
zu mir nehmen wollte, die das Grauen in flüssiger Form darstellten.
Meine innere Unruhe stieg von Minute zu Minute. Mit der Zeit wurde
dieser Zustand fast unerträglich. Meine Krankenhausstation
befand sich in der 11. Etage des Hauptgebäudes der Uniklinik.
Ich stand an diesem Tag sehr oft auf dem kleinen Balkon, schaute
in die Tiefe und sagte mir:
"Wenn du jetzt den Sprung wagst, ist alles in fünf Sekunden
vorbei!"
Aber ich wagte den Sprung nicht. Nicht unbedingt aus Angst, sondern
mehr aus dem Gedanken heraus, dass mir das einfach zu billig war.
Ein zum Tode verurteilter Straftäter in irgendeiner Todeszelle
der USA oder auch sonst wo auf dieser teils fuckin' world, hatte
auch nicht die Möglichkeit sich mal kurzfristig zu verpissen.
NEIN, DIESE REISE WIRD BEWUSST GEGANGEN!
***** *** *****
Am nächste Morgen wurde ich dann so gegen 07.30 Uhr in Richtung
OP gerollt, nachdem ich die ganze Nacht mehr gedöst und über
den Abteilungsflur geschlichen war, als dass ich geschlafen hätte.
Mit den besten Wünschen meiner Zimmerkollegen und dem obligatorischem
"Toi! Toi! Toi!" ging es ab.
Hatte nur noch gefehlt, dass jemand das Lied anstimmte: "Ich
hatte einen Kameraden..." Dafür war noch Zeit hinterher.
Aber zum Scherzen war mir in diesem Moment bestimmt nicht.
In der alten Lanzer sprache ausgedrückt:
Mir ging der Arsch auf Grundeis!
Ich wurde dann mit meinem Bett in einen Raum geschoben wo man die
ersten Vorbereitungen mit mir anstellte. Man hob mich aus meinem
Bett auf eine schmale rollende Liege, die dann auch der OP-Tisch
sein sollte, Thrombose Strümpfe wurden mir übergestreift,
das - an Arsch und Rücken offene - "Totenhemd" wurde
mir angezogen und die Kanülen für weitere Veneneinläufe
(ob Narkose-, Stabilisation- oder sonst welche medikamentösen
Mittel) wurden mir gelegt.
Meine Angst stieg ins Unermessliche!
Nach einer "Ewigkeit" des Wartens rollte man mich dann
irgendwann zwischen Wahnsinn und Angstohnmacht in den eigentlichen
Vorbereitungsraum des OP. Hier war plötzlich alles anders.
Mit einem Schlag war die Angst und der unsagbare Druck wie weggeblasen.
Vielleicht lag es auch daran, dass mir keine andere Möglichkeit
mehr blieb, als innerlich und mit dem Frieden einer höheren,
undefinierbaren Macht mit mir ins Klare zu kommen.
Viele fragen mich wie das so ist, mit dem Krebs umzugehen. Nun,
das ist so eine Sache! An manchen Tagen kommt es mir wie ein unendlicher
Alp vor, ein anderes Mal wie eine Belustigung meines Lebens. Das
schlimmste an dieser Krankheit ist aber, dass dir jeder einen guten
Rat geben will, aber keiner weiß wie es in dir wirklich aussieht.
Niemand, der auch nur im Geringsten seine Erfahrung mit einer tödlichen
Krankheit gemacht hat, kann sich auch nur an nährend in die
Gedankenwelt hinein fühlen, der man täglich ausgesetzt
ist.
Ich bezeichne Krebs immer als eine Schubladenkrankheit.
???????...
...ja, diese Fragezeichen stehen jetzt in euren Köpfen. SCHUBLADENKRANKHEIT...
was soll das sein?
Nun, das ist ziemlich einfach zu erklären.
Wie oft hört man als Nichtbeteiligter über eine Krebserkrankung
von XY; oder man erfährt, dass XY an Krebs gestorben ist. Man
hört es sich an, ist eventuell auch betroffen, wenn einem klar
wird, dass man XY näher gekannt hat. Aber irgendwie will man
sich mit dem Thema Krebs nicht auseinandersetzen. Man meidet es.
Wendet sich davon ab wie von einem Aussätzigen. Man öffnet
eine SCHUBLADE in seiner Gedankenwelt, legt dieses Thema darin ab,
schließt die Lade und will nie mehr damit in Berührung
kommen. Warum? Einfach weil der Begriff Krebs eine Gänsehaut
erzeugt, weil man ihn nicht "fassen" kann. Er macht neugierig
und gleichzeitig Angst. Man schlittert ab in eine Welt voller Greul
und unerklärlicher Bosheit. Und weil man den Begriff irgendwie
nicht fassen kann, meidet man somit sämtliche Berührungen.
Als Betroffener wirst du in eine Achterbahn geschleudert; die Sicherheitsbügel
pressen dich in den Sitz, und es beginnt ein ganz sanfter Anstieg.
Je höher du kommst, umso bewusster wird dir dein Zustand. Am
Zenit angekommen, schlägt dir ein Blitz ins Hirn und du begreifst
das Absurde deines Zustandes.
Du willst weg... Du willst aussteigen... Du willst flüchten,
rennen, dich verstecken...
...doch du hast den Scheitelpunkt überschritten und stürzt
in rasender Fahrt in die Tiefe. Vorbei an vorbeihuschenden Gedanken,
an Lichtern der Erinnerung, an zuckenden Farbenspielen deiner Leidenschaft,
Lust und Liebe.
Tauchst ein in Lichtjahre der Hilflosigkeit, Angst und Schmerzen.
Kein Laut verlässt deinen aufgerissenen Mund, kein Bild wird
von deinen irrsinnig starrenden Augen aufgenommen.
Du schleuderst durch Loopings des Wahnsinns und das Quietschen der
Bremsen, der fürchterliche Ruck als der Wagen urplötzlich
stillsteht, reißt dich in die Realität zurück.
Und auf der roten Ampel direkt vor dir steht:
KREBS!
***** *** *****
Aus dem Tagebuch nach meinem Darmkrebs und der ersten Chemo:
Montag, 09.09.2002
Als ich heute meine Chemotherapie hatte, wurde ich von einem blöden
Gedanken heimgesucht. Und zwar in dem Moment, als der Arzt mir meine
Spritze mit der chemischen Substanz in die Vene jagte. Ich kam mir
vor wie ein Todeskandidat in einem amerikanischen Todestrakt, der
die Todesspritze injiziert bekommt. Nicht so, dass ich am Inhalt
der "Fixe" krepieren könnte, aber so, dass ich mir
vorstellen konnte wie sich ein Todeskandidat in dem Moment der Injektion
fühlen muss. Erstens spürt man sehr stark wie die Substanz
durch die Vene schießt. Kurz darauf hat man einen eklig-metallischen
Geschmack im Mund. Gerade so, als würde man mit der Zunge an
einer Gabel lecken, an deren Zinken schon die Legierung abgeplatzt
ist. Allein der Gedanke daran lässt mich auch noch in diesem
Moment erschauern. Nach ein paar Minuten ist dann jedoch alles wieder
ziemlich normal.
Erst Stunden später spürt man die chemische Substanz fast
in jeder Zelle seines Körpers. Wie eine giftige Natter windet
sie sich durch meine Adern und kriecht in jedes Gen meines Körpers.
Die Beine und Arme werden schwer. Sie beginnen zu schmerzen. Leichte
Übelkeit gaukelt durch meine Innereien. Irgendetwas Unsichtbares
und Bedrohliches hebt mich leicht an und im selben Moment drückt
mich eine gigantische, mit einer Tarnkappe versehene Faust wieder
auf den Boden der Realität zurück. SCHEISSE! SCHEISSE!
SCHEISSE!
Aber ich werde mein Bündel tragen, denn meine Liebe ist stärker
als die Angst vor dem Ende.
Donnerstag, 19.09.2002, 02:44 Uhr
"Jedem Schöpfungsakt gehen Qualen und ein Geheimnis voran.
Du bist heute dabei, dich selbst zu erschaffen. Versuch mal, zu
genießen. Finde dich mit dem Unabdingbaren ab. Was immer geschieht,
nimm es an. Je mehr du dich widersetzt, desto länger hält
es an. Du musst lernen, all dein Gefühl, all dein Leid bis
zur Neige auszukosten - du musst das durchstehen. Wenn dir das gelingt,
kommst du als freier Mensch auf der anderen Seite an.
Das ist die wahre Befreiung. Freiheit - das einzige, wofür
es sich zu sterben lohnt. Ich meine nicht die Art von Befreiung,
bei der es in Kriegen geht. Für eine Sache zu sterben - das
ist ein Begriff ohne Realität. Darum ging es der amerikanischen
Verfassung ursprünglich nicht. Persönliche Freiheit, Leben,
Grundrechte... Es ist ein viel persönlicherer Krieg, und in
mancher Hinsicht ist er schwieriger, aber nicht weniger real. Der
Tod, ob nun real oder imaginär, ist immer präsent. Und
was ist unannehmbarer als der Tod? Nenn mir nur eine Sache. Du kannst
es nicht. Wenn du den Tod annimmst, Mann, dann bist du am Ziel,
dann bist du frei. Nichts kommt mehr an dich ran.
Völlige Annahme, das ist der Schlüssel. Um das Gute oder
Böse zu überwinden, musst du sämtliche früher
erworbenen Werte zerstören. Die zehn Gebote kannst du vergessen.
Erfind deine eigenen Gebote. Werde dein eigener Gott, erschaffe
dich selbst, entwickle ein eigenes Wertsystem.
Nietzsche sagt: um einen neuen Tempel zu bauen, muss der alte Tempel
erst zerstört werden. Mit anderen Worten, Zerstörung ist
nicht unbedingt etwas Schlechtes. Wir sind darauf programmiert,
das zu glauben, man hat uns das eingeredet, und das ist auch nicht
weiter verwunderlich, vor allem nicht in einer Gesellschaft, die
dem Materialismus so großen Wert beimisst wie die unsere.
Aber diesen Quatsch musst du durchschauen, du solltest erkennen,
dass es ohne Zerstörung nicht geht. Alles Leben befindet sich
im Zustand ständigen Sterbens. Während wir altern, sterben
wir auch. Wenn wir den Todesvorgang jedoch künstlich stimulieren,
indem wir ein zerstörerisches Element einführen, können
wir da durch auch das Tempo unserer Entwicklung beschleunigen. Da
mit will ich sagen, dass es tatsächlich möglich ist, mit
selbstzerstörerischem Verhalten die Lebenskraft zu erhöhen.
Ohne Tod kann es kein neues Leben geben. Das steht sogar im Neuen
Testament: >Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren;
wer aber sein Leben verliert, der wird's finden.> Aber es gibt
keine Garantie, dass man es finden wird, wenn man es verloren hat.
Das ist das Risiko. Da haben wir’s. Es ist wirklich paradox
- um wirklich zu leben, muss man den Tod in Kauf nehmen. Der Einsatz
ist dein Leben. Du musst bereit sein, da für zu sterben. Wenn
du verlierst, ist alles aus. Aber wenn du gewinnst - wenn du gewinnst,
Mann, wirst du es merken. Dann eröffnet sich dir das Unbeschreibliche.
Das ist die andere Seite. Das sind die gereinigten Pforten der Wahrnehmung.
Dahin möchte ich kommen..."
(Zitat aus dem Buch WONDERLAND AVENUE von Danny Sugerman, als Jim
Morrison versuchte Danny während eines "bad Trips"
die Angst vor der Ungewissheit zu nehmen.)
Ja, irgendwie kann ich mich da richtig einfühlen; denn es ist
nur diese verdammte Angst vor dem Tod, vor dem Ende, vor dem Sterben,
das mich so durcheinander wühlt und teilweise auch zermürbt.
Aber ist der Tod andererseits wirklich nicht nur eine Veränderung?
Was ist der Verlust? Eigentlich nur die Existenz in einer bestimmten
Form des Seins. Kann es nicht auf der anderen Seite der Tür
viel schöner und friedlicher sein? Das Ungewisse schafft die
Angst. Niemand kam bisher wirklich aus dieser "Welt" zurück
und sagte einem etwas über das WIE und WO. Diese verdammte
Angst darf und sollte es nicht geben. Sie hindert mich daran mein
Leben positiv zu gestalten. Sie bringt mich da zu unfreundlich,
launisch und inhuman zu werden.
Ich kenne doch inzwischen den Gesellen an meiner Seite, der weder
ein Gerippe, noch eine mit dunklem Umhang gekleidete Gestalt mit
einer Sense ist. Ich kenne ihn seit 1998 als man mir eröffnete
dass ich Krebs habe. Diese Krankheit oder nennen wir es bösartige
Zellveränderung ist einfach so gestrickt, dass das eventuelle
plötzliche Ende in dieser Existenz verdammt greifbar ist und
wird. Es ist mit einem Mal ein Teil des Lebens geworden, das sich
auch nicht abschütteln lässt.
Einige werden sich jetzt vielleicht fragen >was iss'n mit dem
plötzlich los? Will oder muss er sterben? Ist die Krankheit
wieder ausgebrochen und existent?>
Nee, das ist nicht der Fall; ich versuche momentan nur, meinem Leben
eine andere Richtung zu geben. Weg von Ängsten und zermürbenden
Gedanken die mich ab und zu - zwar selten, aber doch immer wieder
mal kommend - terrorisieren.
Was mich zurzeit am meisten beschäftigt ist die Frage, ob ich
nicht die Chemo einfach abbrechen soll. Ich stelle mir des Öfteren
die Frage, warum soll ich meinem gemartertem Körper noch mehr
antun und zumuten, als er schon die ganze Zeit verkraften muss.
Da sind zum einen die vielen Computertomographien mit ihren Kontrastmitteln,
die Röntgenaufnahmen der Lunge, die Interferonbehandlung, die
Operationen, die täglichen Medikamente. Und alles immer wieder
mit der nicht zu beantwortenden Frage: HILFT DAS AUCH ALLES? Wenn
es vorgesehen ist, das ich nur XY Jahre alt werde, dann ist es doch
irgendwie egal, ob ich meinen Körper noch mehr mit Dolchen
und Kugeln vergewaltige. Was ich meine ist, dass man mit diesen
ganzem Scheiß-Drum-Herum einfach nicht mehr zum Leben kommt.
D.h. ich bin nur noch damit beschäftigt, auf einen Termin beim
Arzt zu warten, auf die nächste Chemo etc. Warum genieße
ich nicht einfach die mir noch zur Verfügung stehende Zeit
- wie lang sie auch immer sein mag! - und fülle sie mit Leben,
mit Liebe, mit Schönheit, mit Wahrnehmung. EINE EINFACHE FRAGE
MIT EINER SCHWERWIEGENDEN ENTSCHEIDUNG.

Gerry, 1975
Meine Moral ist fragwürdig, das
stimmt...
Aber was soll's?
Eigentlich bin ich ein ziemlich einfacher Typ!
...
mit schonungsloser Offenheit berichte ich über mein Leben,
meine Liebe, meine Musik
und habe eine Art Tagebuch gschrieben...
Hinweis in eigener Sache:
Egal warum ich das hier schreibe...
(In erster Linie um mich von der Krebsgeschichte abzulenken, die
mich ab und an zu ersticken droht)
Egal für wen ich das hier schreibe...
(In erster Linie für mich selbst, für meine wahren Freundinnen
und Freunde, sowie für die Menschen, die durch ähnlichen
Schicksalsschlag verstehen warum ich das tue.)
Niemand hat DICH eingeladen...
Niemand hat DICH gnötigt...
Niemand hat DICH bezahlt...
Und niemand hat DIR gedroht...
DU bist aus freiem Willen hier...
Und vor allem bist DU
aus Neugier hier...
Also:
KEINE Beschwerden!
KEINE Fragen nach warum!
Noch eins zum Schluß:
Ich möchte nochmals drauf hinweisen, dass alles MEINE Empfindung
und Meinung darstellt. Eine Übereinstimmung mit der Meinung
anderer Personen muß sich dadurch nicht unbedingt ergeben.
Je nach Sicht des Betroffenen.
***** *** *****
Die Worte und die Ausdrucksweise in meinem Niedergeschriebenen sind
so geschrieben, weil ich nie Germanistik studiert habe und einfach
so schreibe wie mir der Schnabel gewachsen ist. Das Leben ist nicht
nur Schönheit, Verständnis und Liebe, sondern es ist auch
verdammt hart, ungerecht und sehr brutal.
Zum Abschluß
meines kleinen "Vorgeplänkels" möchte ich DIR
nur eines mit auf den Weg geben:
1. Vergiß
niemals deine Herkunft und deine Heimat
2. Was uns nicht umbringt, macht uns nur noch härter
3. Wer mit Ehrlichkeit nicht leben kann, der soll sich einen anderen
Planeten suchen
Warum
diese Homepage???
Behindert?
Krank? Krebs?
Böser Bub? Rebell? Revolutionär?
Na und!
Bist DU eigentlich besser???
Mein Name ist
Gernot, geb. am 27. Juni 1950.
Im Februar 1998 wurde ich durch
meinen Internisten Dr. med. H. Gabriel, Maingau-Krankenhaus vom
Roten Kreuz in Frankfurt am Main, wegen einer Lungenentzündung
in das oben genannte Krankenhaus eingewiesen. Die Lungenentzündung
wurde geheilt, aber in meinem Körper wurde eine andere Krankheit
entdeckt: KREBS. Unter Leitung von Prof. Dr. med. M. Lorenz operierte
mich am 18. März 1998 ein Superteam in der Uniklinik Frankfurt
am Main, und befreite mich während einer sechseinhalbstündigen
Operation von meinem rechten Leberlappen, in welchem ein 17 x 12
x10 cm großer Tumor gewachsen war.
Warum erzähle ich euch das
eigentlich? Nun, um mich von meinem vom Streß meiner Krankheit
abzulenken, kaufte ich mir mit damals 48 Jahren meinen ersten Computer,
dann ein Modem und zum Schluß landete ich wie viele von euch
auch im Internet. Mit der Zeit versuchte ich immer mehr über
diesen geheimnisvollen Kasten zu erfahren und verbrachte an manchen
Tagen bis zu 19 Stunden vor dem Rechner. Mit der Zeit begann ich
dann mit der Gestaltung von Internetseiten und die ersten Versuche
waren halt nur Versuche. Doch mit der Zeit kam der eine oder andere
Kniff hinzu...
Heute
will ich beginnen so 'ne Art Tage-, Wochen- oder Monatsbericht zu
schreiben. Inzwischen nenne ich es einfach nur noch Notizen. Auch
werde ich in Worte eingerahmte Ejakulationen aus vergangen Zeiten
und 2000 Lichtjahre zurück hier niederschreiben. Ob es dann irgend
jemanden interessiert oder ob es etwas wird, will ich an dieser
Stelle 'mal offen lassen. Es wird aber bestimmt nicht so werden,
daß ich nun in der altbekannten Tagebuchform schreibe (d.h.
um 03.00 Uhr aufgestanden, um 03.15 Uhr geduscht, von 03.15 bis
03.30 Uhr gefrühstückt und... und... und...), sondern es wird mehr
oder weniger ein Spiegel meiner Gedanken, Empfindungen, Gefühle,
meiner Angst werden.
Angst?
Na klar! Angst vor was? Zum Beispiel davor, daß dieser Scheiß
Krebs wiederkommt.
Das
Tagebuch ist für mich eigentlich ein Ventil, um mit der Situation
meiner Erkrankung umzugehen. Meine damalige Leberkrebsgeschichte
in den Griff zu bekommen, mit meiner Leberentzündung fertig
zu werden und seit Freitag, 28.06.2002 auch noch mit meinem Darmtumor.
Dieser wurde inzwischen auch längst beseitigt und es stehen
seit 1998 alle drei Monate nur noch die Routineuntersuchungen an.
Einige
Stimmen ließen auch verlauten:
"Wie kannst du das alles so ins Internet setzen, wo es jeder
Mensch, den es interessiert lesen kann oder den die Neugier (die
größte Sucht des Menschen!) auf dise Internetpräsenz
treibt."
Dazu kann ich nur antworten, daß mir das alles selbst bewußt
ist, aber es ist für mich einfach - wie schon gesagt - ein
Ventil, um mit diesem enormen psychischen Druck fertig zu werden.
Es sind alles nur Momentgedanken. Ich hatte es nie vor und werde
es auch nie dazu verwenden, irgendwelche Personen oder Institutionen
zu beleidigen, in den Schmutz zu ziehen, zu diffamieren oder schlecht
zu reden. Außer sie beschmutzen das Ansehen meiner Frau Helga
oder das meinige.
Wenn ich es an manchen Stellen getan habe oder tue, dann ist es
aus dem Grund, weil es meine Meinung war und ich so darüber
gedacht habe.
Ich liebe meine Frau über alles auf der Welt, aber manchmal
ist man halt sauer, eingeschnappt oder was auch immer. Das gleiche
mit Freunden, Bekannten oder mit meinen früheren Arbeitsstellen
und so weiter. Eines habe ich auf jeden Fall aus meiner ganzen Situation
gelernt:
das ich mir von KEINEM Menschen dieses Planeten je wieder in den
Arsch treten oder mir das Wort verbieten lasse. Egal was andere
von mir denken oder halten, ich habe gelernt was Humanität,
Achtung und Verständnis bedeutet.
Ob Farbiger, Jude oder Türke:
WIR SIND ALLE NUR MENSCHEN!
Aber hier in unserem Land haben immer mehr Personen viele Probleme
damit, denn es geht ihnen um dumme Rassenrechte, um idiotisches
Chefgehabe, um Machtdemonstration, um diktaorische Strukturen oder
einfach nur darum, ihre Aggressionen oder Minderwertigkeitsprobleme
auf dem Rücken Schwächerer oder Minderheiten auszutragen.
Mein Hauptanliegen mit dieser Homepage
liegt jedoch darin, daß ich - eigentlich ungewollt - irgendwann
feststellte wie viele Menschen es eigentlich mit ähnlichen
Erlebnissen und Krankheiten in Deutschland gibt (inzwischen kam
noch Österreich, Frankreich, Spanien, Niederlande und England
da zu). Dies beweisen mir die vielen, vielen positiven Emails die
ich erhielt und erhalte.
Heute
nach Jahren als Seemann, Roadmanager bei den verschiedensten Bands,
als Rangierer bei der Bundesbahn, als Flugzeugabfertiger auf dem
Frankfurter Flughafen, als Mitarbeiter und Betreuer der Eishockeymannschaft
FRANKFURT LIONS, an Leberkrebs und Sigma-Karzinom operierter Mitarbeiter
und Schwerbehindertenvertreter eines großen Möbelhauses
zwischen Frankfurt am Main und Wiesbaden, rückwirkend zum 01.08.2003
Rentner und seit 1979 mit einer süßen Maus verheiratet, finde ich
das Leben noch immer so animalisch und tierisch geil wie damals,
als ich zum ersten Mal die Achterbahn meines Lebens bestiegen habe.
Leben ist mehr als NUR Existenz auf diesem Planeten. Leben ist pure
Geilheit...
Ob mich einige
Leute, nachdem sie die folgende Geschichte gelesen haben, noch mögen,
soll jeder mit sich selbst aushandeln. Es ist seine freie und individuelle
Entscheidung die ich nicht beeinflussen kann und will.
Worum mir es aber
bei der Niederschrift der folgenden Erlebnisse geht ist, daß
ich vielleicht einigen den Anreiz dafür geben kann, etwas mehr
nachzudenken, als schnell und allgemein Menschen pauschal zu verurteilen.
Vielleicht hilft es auch anderen, diesen Weg nicht zu gehen. Egal
aus welchen Basisgründen auch immer. Alkohol und harte Drogen
sind kein Ersatz zum Leben, zur Liebe, zum Sex.
Ich möchte
aber auch nicht unerwähnt lassen, daß ich rückblickend
eigentlich auch nichts bereue, denn es hat mich zu dem gemacht was
ich heute bin:
ein Mensch, der weiß was Schmerz ist, der weiß was Leid
ist, der weiß was Hunger ist; der aber auch weiß was
Liebe ist, was Freundschaft ist, was Achtung ist.
Und:
ICH BEREUE NICHT EINEN TAG MEINES LEBENS...
auch wenn vielleicht vieles einfacher gewesen wäre, wenn ich
anders gelebt hätte.
Gewidmet ist diese Seite ganz besonders:
Onkologische
Abt. der Uniklinik Frankfurt a.M. - Meine
Lebensretter
- Frau Dr. med. Christiane
G., meiner Onkologin aus dem
Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt
am Main.
- Helga F., - meiner Frau,
Freundin und Partnerin seit Februar 1977 (als ich sie im LOGO /
Frankfurt am Main kennenlernte)
- Annett "Wolfkristall"
L., - meiner "Schwester", Freundin
+ Erdenschwester, die zur rechten Zeit in mein Leben trat
Meinen Freunden:
- Roger O. - dem ich sehr viel zu verdanken habe... (I'll never forget you...)
- Jürgen D. - eh Alter, thx for everything...
- Rosi D.. - du bist die Weiblichkeit...
... und es ist schön, Dich zu kennen
- Holger K - für
viele Jahre Freundschaft mit und ohne "Bürschdeluder"
Sowie den Musikern + Bands:
- JIMI HENDRIX EXPERIENCE
JIMI HENDRIX, Gitarrist + Sänger
Gestorben 08. September 1970 in London.
Seine Tod wurde nie ganz aufgeklärt.
Du hast meinen musikalischen Horizont geöffnet
James Marshall „Jimi“ Hendrix (* 27. November
1942 in Seattle, Washington; † 18. September 1970 in London,
England) war ein US-Amerikanischer Gitarrist, Sänger und Komponist,
der Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre vom Blues kommend
erst die Rockmusik, dann verschiedenste zeitgenössische Musikrichtungen
stark beeinflusste und die Rolle der E-Gitarre neu definierte, bevor
er im Alter von 27 Jahren starb. Jimi Hendrix gilt als einer der
hervorragensten Gitarristen aller Zeiten.
- JIM MORRISON &
the DOORS
JIM MORRISON,
Sänger
Gestorben 03. Juli 1971 in Paris
Die offizielle Todesursache lautet auf „Herzversagen“,
die genauen Umstände seines Todes wurden nie hinreichend geklärt.
DU hast durch Deine Lyrik meinen Wegen eine andere Richtung
gegeben
James Douglas Morrison (* 8. Dezember
1943 in Melbourne, Florida, USA; † 3. Juli 1971 in Paris,
Frankreich) war ein US-amerikanischer Rock ’n’ Roll-Sänger
und Lyriker. Er war der Sänger der Gruppe The Doors
- JANIS JOPLIN
JANIS JOPLIN,
Sängerin
Gestorben 4. Oktober 1970 im Landmark Hotel in Los Angeles.
Die Todesursache soll ein Gemenge aus Alkohol und einer Überdosis
Heroin gewesen sein. Aber nie 100%ig geklärt.
The Voice... die Stimme... der Blues
Janis Lyn Joplin (* 19. Januar 1943
in Port Arthur, Texas; † 4. Oktober 1970 in Los Angeles) war
eine US-amerikanische Sängerin.
- LED ZEPPELIN
John Bonham, Drums
Gestorben: 25. September 1980
Erstickte im Schlaf an seinem Erbrochenen, was gemeinhin als Folge
übermäßigen Alkoholkonsums bewertet wurde.
Dazed and Confused (Mein Lieblingssong)
Die Band entwickelte aus Elementen des Rock 'n' Roll, Blues, Folk
sowie aus psychedelischen Einflüssen ihren eigenen Stil und
wurde so letztlich zu einer der bedeutendsten Hard-Rock-Bands der
Geschichte und einer der einflussreichsten und populärsten
Bands der 70er Jahre.
- FRANK ZAPPA
FRANK ZAPPA,
Bandleader
Gestorben 4. Dezember 1993 in Laurel Canyon, Los Angeles, Kalifornien
Prostatakrebs
Mehr als nur ein Genie
Frank Vincent Zappa (* 21. Dezember 1940 in Baltimore, Maryland;
† 4. Dezember 1993 in Laurel Canyon, Los Angeles, Kalifornien)
war ein US-amerikanischer Komponist und Musiker. Er veröffentlichte
zu Lebzeiten mehr als 60 Alben und betätigte sich auch als
Produzent und Filmregisseur. Neben Rockmusik schrieb Zappa auch
Stücke für klassische Orchester. Er galt als exzellenter
Gitarrenspieler und war dafür bekannt, bei seinen Auftritten
auf virtuose Live-Darbietung der Stücke großen Wert zu
legen. Für viele gilt Zappa, vor allem wegen seiner frühen
Werke, auch als Kultfigur der Underground-Musik.
- METALLIC
Metallica ist eine US-amerikanische Metal- und Hard-Rock-Band, die
1981 in San Francisco gegründet wurde. Metallica gehört
seit Beginn der 90er Jahre zu den international erfolgreichsten
Rockgruppen überhaupt.
- URIAH HEEP
(Originalbesetzung)
Gesang DAVID BYRON (bis 1976)
Leadgitarre, Gesang MICK BOX
Bass, Gesang PAUL NEWTON (bis 1971)
Schlagzeug LEE KERSLAKE
Keyboard, Gitarre KEN HENSLEY (bis 1980)
Nach dem Ende der Band "Spice"
suchten die Musiker David Byron, Paul Newton und Mick Box 1969 neue
Mitstreiter. Ihr Manager Gerry Bron brachte sie mit dem Multiinstrumentalisten
Ken Hensley von The Gods zusammen. Zuvor hatten Hensley und der
später auch zu Uriah Heep gehörende Schlagzeuger Lee Kerslake
mit The Gods schon zwei Alben und einige Singles veröffentlicht.
Schon das erste Uriah Heep - Album
Very 'eavy, very 'umble enthielt mit Gypsy einen Top-30-Hit in Deutschland.
1971 wurde das Album Salisbury veröffentlicht. Es enthält
mit Lady in Black, gesungen von Ken Hensley, das bekannteste Lied
der Band. Das Album Look At Yourself wurde im Titelstück durch
Musiker der Gruppe Osibisa ergänzt. Den Synthesizer im Lied
July Morning spielte Manfred Mann. Diese Alben erschienen auf dem
Vertigo-Label.
1972 bildete sich die klassische
Besetzung, bestehend aus: Mick Box (Gitarre), Lee Kerslake (Schlagzeug),
David Byron (Gesang), Gary Thain (Ex-Keef Hartley Band;Bass) und
Ken Hensley (Keyboard, Gitarre und Gesang). Die Alben Demons and
Wizards, The Magician's Birthday, Uriah Heep Live 1973, Sweet Freedom
und Wonderworld mit den dazugehörigen Singles The Wizard, Easy
Livin und Stealin' waren in Europa ein kommerzieller Erfolg.